Noch mehr wunderbare weiße Salbe

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Opfer müssen gebracht werden ? zum Beispiel schmuddelige Stellen dort, wo die bisherigen, kleineren Hinweisschilder auf die Videoüberwachung hingen. (Alle Aufnahmen vom U-Bahnhof Rathaus Steglitz.)

Nach einigen unerfreulichen Vorfällen im Bereich des Berliner öffentlichen Personennahverkehrs hat Klaus Wowereit die dortige Sicherheit zur Chefsache erklärt.

Wer Wowereit kennt, weiß was das heißt: Es ist eine ausgesprochen gute Nachricht. Für all jene, die weiter unerfreuliche Vorfälle im Bereich des Berliner öffentlichen Personennahverkehrs herbeiführen wollen.

Dabei tut Wowi was (was natürlich rein gar nichts damit zu tun hat, daß Wahlen nahen): Es wurde ein Bündel von Maßnahmen beschlossen. Nein, sogar ein ganzes Maßnahmenpaket. Und es wurden Plakate gedruckt. Als nächstes kommen sicher noch Aufkleber. Und, wenn gar nichts hilft, absolut freiwillige Selbstverpflichtungen aller öffentlich Bediensteter Gewalt irgendwie total doof zu finden ? oder so. Damit dürften Gewalttäter keine Chance mehr haben! (Man denke nur an die Stempel auf Briefsendungen des Landes und der Bezirke, mit denen seit Jahren erklärt wird: ?Berlin gegen Fremdenfeindlichkeit und Gewalt? ? eine sehr wertvolle Botschaft, hatte man sich doch oft gefragt, ob Berlin oder zumindest sein Senat und seine Bezirksämter nicht möglicherweise für Fremdenfeindlichkeit und Gewalt sind; gut, daß das geklärt ist.)

Zu den bedeutenden Maßnahmen gehört auch die Stärkung des Sicherheitsempfindens. Zu diesem Zwecke hat die BVG an den Eingängen wichtiger U-Bahnhöfe größere Hinweise auf die Videoüberwachung der Stationen angebracht. Sicherer vor Gewaltattacken sind die Fahrgäste dadurch zwar nicht, zumal all die schönen, von den Kameras übertragenen und aufgezeichneten Bilder auch weiterhin niemand ständig anschauen wird, denn dies käme leider, leider viel zu teuer ? wie auch, wieder auf jeder Station Personal zu postieren.

Aber es ist doch sehr beruhigend, deutlicher daran erinnert zu werden, daß, sollte man attackiert, verletzt, gar getötet werden, man hinterher immer und immer wieder im Fernsehen erscheint. Um dieses beruhigende Gefühl herzustellen, scheut die BVG scheut weder Kosten noch Mühen noch gestalterische Verluste. Im nördlichen Bereich des U-Bahnhofs Rathaus Steglitz applizierte sie die großen neuen Hinweise ohne pingelige Rücksichtnahme auf die vor fünf Jahren erfolgte Neugestaltung durch die Betreiber des benachbarten Einkaufszentrums ? wie diese das Zwischengeschoß teilweise umdekorierten, um es als Vorhof ihres Konsumtempels erscheinen zu lassen, darauf war auch die BVG seinerzeit sehr stolz gewesen.

Doch nun gelten eben andere Prioritäten. Ein Glück, daß nicht auch ein gepflegtes Ambiente ein gesitteteres Benehmen befördert. Und daß die Aufkleber nicht schon bald sehr schmuddelig aussehen werden.

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