Wunderbare weiße Salbe

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Perfekten Schutz bietet diese Überwachungskamera im U-Bahnhof Sophie-Charlotte-Platz ? Fahrgästen allerdings nur, wenn sie sich in der unmittelbaren Umgebung des Fahrkartenautomaten aufhalten, auf den dies elektronische Auge gerichtet ist, derweil es vom Bahnsteig so gut wie nichts erfaßt (gesehen von Matthias Herrndorff am 30.5.2011).

Nicht nur Weihnachten ist Geschenkezeit, auch der (Vor-) Wahlkampf ist es.

Daher hat der Berliner Senat nun, da sich im Bereich der hauptstädtischen U-Bahn in letzter Zeit der eine oder andere unerfreuliche Zwischenfall zugetragen hat, Maßnahmen beschlossen.

So werden die Aufzeichnungen von all dem, was die tausend Augen der BVG sehen, fortan nicht mehr nach jeweils vierundzwanzig Stunden gelöscht, sondern erst nach achtundvierzig. Man hat also einen ganzen Tag mehr Zeit, um zu melden, daß man überfallen worden ist. Sehr viel mehr Nutzen bringt diese Maßnahme leider nicht, denn nach wie vor wird ? im Gegensatz zu dem, was wohl der durchschnittliche CDU-Wähler, BZ-Leser oder Polizeigewerkschaftsfunktionär glaubt ? niemand ständig auf die Bildschirme starren, auf denen erscheint, was die Überwachungskameras aufnehmen. So dies denn überhaupt auf Bildschirmen erscheint und nicht einfach nur aufgezeichnet wird.

Schließlich wird das Personal, zweite Maßnahme, lieber dafür eingesetzt, um durch das fast 150 Kilometer lange, 173 Stationen umfassende Berliner U-Bahn-Netz Streife zu laufen. Sogar die Polizei hat dafür mehrere Dutzend Beamte bereitgestellt ? die allerdings nur solange zur Verfügung stehen, wie man sie nirgends sonst in der Stadt benötigt. Wenn dort etwas Unvorhergesehenes passiert, werden die Polizisten rasch aus der U-Bahn fortgebracht ? natürlich mit eigenen Fahrzeugen, nicht mit der U-Bahn, denn es soll ja schnell gehen.

Man könnte auch ganz einfach wieder auf jedem U-Bahnhof ständig einen BVG-Mitarbeiter postieren, grad so, wie es bis vor wenigen Jahren war, weshalb fast überall noch dereinst mit einigem Aufwand errichtete Aufenthaltsräume vorhanden sind. Aber das wäre natürlich nicht im Sinne des Senats. Denn dann könnte man das Personal im Oktober, wenn die Wahlen vorbei sind, womöglich nicht so einfach wieder abziehen.

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