Freie Fahrt für freie Radfahrer!

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Es ist schon zum Gemeinplatz geworden: Die Grünen wandeln auf den Spuren der FDP. Natürlich wissen wir noch nicht, ob auch ihr Höhenflug mit einer Bruchlandung enden wird. Doch ebenso wie die Zahnärzte-, Hoteliers- und Rechtsanwaltspartei sorgen sich auch die einstmals Alternativen darum, an ihre Klientel zu denken und diese zu bedenken ? insbesondere wenn Wahlen nahen.

Gestern erklärten die Berliner Grünen der staunenden Öffentlichkeit einiges über das schwere Los der Radfahrer in der Bundeshauptstadt und was die Partei dagegen zu unternehmen gedenkt, wenn sie im Herbst vermutlich in die Landesregierung einziehen wird. In der ?Abendschau? des RBB durfte ein Radfahrer gleich mal beklagen, daß sich häufig Fußgänger auf dem Radweg befänden. Dies kann ich nur bestätigen, und zwar voller Schuldgefühl, denn wenn ich die Straße entlanglaufe, in der ich wohne, belästige ich ein ums andere Mal Radfahrer. Die Straße besteht nämlich nur aus einem Fahrdamm und zwei Radwegen, welche ich (da sich an diese Radwege unmittelbar Hauswände anschließen) immer wieder für Bürgersteige halte ? ein arger Irrtum, wie mir die Radfahrer verdeutlichen, die regelmäßig um mich herumrasen und mir deutlich das Gefühl vermitteln, daß ich dankbar sein darf, von ihnen großzügigerweise nicht umgefahren zu werden.

Ebenso kann man an Ampeln häufig beobachten, daß rücksichtslose Fußgänger stark die geplagten Radfahrer behindern, indem sie meinen, ?Grün? für Fußgänger würde sie ? abgesehen von Abbiegern ? vor Fahrzeugen aller Art beschützen, denn ?Rot? für den Fahrzeugverkehr würde auch für Radfahrer gelten und diese müßten sich ebenso wie die bösen Autofahrer an der Haltelinie aufreihen.

Regeln, deren Einhaltung Radfahrern natürlich nicht zuzumuten ist, machen diese Zeitgenossen doch immer wieder deutlich, daß sie nicht radfahren, um von A nach B zu gelangen, und schon gar nicht zu ihrem Vergnügen, sondern einzig und allein, um die Welt zu retten. Und wer solche Opfer auf sich nimmt und dabei ? von einer verständnislosen, mißgünstigen Gesellschaft ? so oft zum Opfer gemacht wird, der darf alles.

P.S.: Inzwischen hat die Berliner SPD ? eher ungefragt ? erklärt, ein schärferes Vorgehen gegen ruppige Radfahrer werde es mit ihr nicht geben. Was natürlich überhaupt nichts damit zu tun hat, daß so langsam der Wahlkampf zum Abgeordnetenhaus in Fahrt kommt und die SPD fürchtet, von den Grünen überholt zu werden.

Die Abbildung entstammt dem selbstredend ganz vorzüglichen, ebenso unterhaltsamen wie lehrreichen Werk Das Sommerhasserbuch von Jan Gympel mit zwanzig Zeichnungen von Marcel, Verlag Matthias Herrndorff, Berlin 2007, 104 Seiten, 8,90 Euro, ISBN 978-3-940386-20-5. Beziehbar über den Buchhandel oder direkt über www.herrndorff-verlag.de

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