Ja, ein Monat genügt! Und neue Züge kriegt Ihr auch nicht!

Rüdiger Grube hat ? wie bereits am 1. Februar bemerkt ? ganz recht: Ein Monat Vergünstigungen als Ausgleich für die jüngsten Ausfälle und anderen Zumutungen bei der Berliner S-Bahn reicht völlig aus!

Schließlich hat es in den letzten (Zwei? Oder drei?) Wochen kein größeres Chaos gegeben. Schließlich fahren die Züge jetzt wieder nach Plan. Also: Nach dem Notfahrplan aus der Zeit vor dem Noch-größere-Not-Fahrplan. Und sie fahren schnell: Mit bis zu achtzig km/h statt sechzig. Wen schert es, daß dies ebenfalls dem Zustand vor der Zeit entspricht, als völlig unerwartet im Dezember und Januar der Winter über die S-Bahn kam?

Deutsche-Bahn-Chef Grube verkündete heute ferner, er stecke Geld doch lieber in die Beseitigung der Probleme bei der Berliner S-Bahn als es an deren (womöglich einstige) Kunden zu verschenken. Davon hätten die Fahrgäste doch viel mehr.

Das ist nachvollziehbar: Statt kostenlose Leistungen zu erhalten, weil man gegen Zahlung des vollen Fahrpreises tage-, wochen- oder monatelang nur eingeschränkte erhalten hat, bekommen die Opfer, äh, Kunden der S-Bahn irgendwann einmal das, was sie eigentlich von vornherein erwarten könnten, wofür sie auch immer brav bezahlt haben und bezahlen, was ihnen allerdings schon seit längerer Zeit nicht geboten wird, weil gewisse Herrschaften mal zeigen wollten, wie man ein Unternehmen so richtig börsenreif macht. Und zukunftsfähig.

Da in den letzten (Zwei? Oder drei?) Wochen mal keine Hiobsbotschaften verkündet werden mußten, scheint es für Herrn Grube auch keinen Grund mehr zu geben, sich in unangemessener Demut und Leisetreterei zu üben: Neue S-Bahn-Züge, so erklärte er heute auch gleich noch, würden jedenfalls erst angeschafft, wenn der Berliner Senat garantiere, daß der laufende Knebelvertrag ? äh, die Übereinkunft über Leistungen, die mal erbracht werden, mal nicht, worauf der Auftraggeber nur in der Form reagieren kann, daß er ein bißchen weniger in die Portokasse der DB AG zahlt, über das Jahr 2017 hinaus verlängert wird. Ohne eine entsprechende Garantie sei eine Beschaffung neuer S-Bahn-Wagen (Für die kaum zehn Jahre alten, aber kaum noch ? zumindest ökonomisch sinnvoll ? reparaturfähigen?) nicht möglich.

Selbstverständlich: Solche Wagen würde schließlich auch kein Unternehmen, welches an Stelle der Berliner S-Bahn GmbH ab 2017 Teile des Berliner S-Bahn-Netzes oder sogar das gesamte Berliner S-Bahn-Netz betreiben könnte, der Berliner S-Bahn GmbH bzw. deren Mutter DB AG abkaufen. Selbstverständlich würde solch ein Unternehmen seine eigenen Züge mitbringen (für das Berliner S-Bahn-Netz sind ja auch nicht aus verschiedenen Gründen Sonderanfertigungen nötig) ? und die DB AG bliebe dann auf ihren schönen neuen Wagen sitzen. Wo doch die alten noch recht neu sind und tadellos in Ordnung ? wie die letzten anderthalb Jahre gezeigt haben.

Der Senat soll sich also mal nicht so haben. Spätestens nach den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus im September dürfte man sich doch wohl in gewohnter Weise einigen. Für ungefähr jene Zeit, nämlich Ende 2011, hat Rüdiger Grube heute übrigens die Rückkehr zu normalen, also Vor-Krisen-Verhältnissen bei der Berliner S-Bahn versprochen. Was zeigt, daß der Mann etwas bereits hat: Humor.

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