Wunder des Alltags (2)

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Was will uns dieses orangefarbene Schild ? gesehen am 27. Juli 2007 von Matthias Herrndorff auf dem Berliner S-Bahnhof Jannowitzbrücke ? sagen? Offenkundig weist es mit Hilfe des Schildes im Schild auf ein Verbot hin, wie dies nicht nur im Geltungsbereich der Straßenverkehrsordnung ? vornehmlich runde ? Schilder tun, wenn sie einen breiten roten Rand haben. Da das dick rot und rund umrandete Schild im Schild eine brennende Zigarette zeigt, besagt es also den Erfahrungen nach, daß an jener Stelle, an welcher es prangt, das Rauchen verboten ist.

Der unter dem Schild im Schild zu findende Text weist freilich darauf hin, daß überall im Bahnhofsbereich das Rauchen verboten wäre ? außer an jener Stelle, an der das Schild mit dem Rauchverbotschild hängt. Hätte dann nicht eher, der nicht nur vom Geltungsbereich der Straßenverkehrsordnung bekannten Logik zufolge, ein blaues Schild mit einer brennenden Zigarette im großen Schild abgebildet werden müssen? Ein Gebots- anstelle eines Verbotsschildes?

Nein.

Denn in einer freiheitlich verfaßten Gesellschaft hat bereits jeder Ansatz einer Andeutung zu unterbleiben, an irgendeinem Ort, zu irgendeiner Zeit könnte möglicherweise, unter grotesken, selbst einer üppig wuchernden Phantasie kaum vorstellbaren Umständen das Rauchen erlaubt sein ? mithin die gemeingefährlichste, die Menschheit am meisten bedrohende Tätigkeit, welche denkbar ist, ungleich schlimmer als das Quälen süßer kleiner Tiere, die Vorbereitung eines Angriffskrieges, die Durchführung eines Völkermordes oder die Gründung einer Bank.

Und zum anderen gilt in der modernen westlichen Gesellschaft, wie sie im beginnenden 21. Jahrhundert dem Höhepunkt ihrer Entwicklung, Macht- und Prachtentfaltung entgegenstrebt: Verbote kann man nicht genug haben. Und Verbotsschilder.

P.S.: Kenner bemerken den nostalgischen Reiz des Bildes: Vollzüge bei der Berliner S-Bahn! Auf der S 75 nach Spandau! Lang, lang ist?s her?

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