Mehdorns Märchen

Die jüngsten Einlassungen von Ex-Bahnchef Mehdorn sind ein einziger Skandal: Der Mann tut so, als hätte er mit den zahlreichen Problemen, mit welchen die Bahn inzwischen zu kämpfen hat, kaum etwas zu tun. Als wäre er nicht der Haupt-, nein: Alleinverantwortliche. Dabei haben es uns die meisten Medien wie viele Politiker in den letzten Jahren immer und immer wieder vermittelt: Hartmut Mehdorn ist nicht etwa nur ein hoher ? und hochbezahlter ? Angestellter der Deutschen Bahn AG gewesen, sondern deren Besitzer. Sämtliche Aktien befanden sich in seiner Hand.

Unumschränkt konnte er deshalb schalten und walten ? ob Orientierung auf den ICE-Verkehr zwischen Metropolen und Vernachlässigung des Verkehrs in der breiten Fläche, ob Personalabbau, ?Rückbau? des Schienennetzes, Schließung von Werkstätten, Verschrottung noch brauchbarer Loks und Waggons, umfassender Verkauf von Flächen und Gebäuden, Vereitelung von Konkurrenz, Vernachlässigung der Infrastruktur bei gleichzeitiger Förderung weniger Großprojekte, weitere fragwürdige Investitionen (nicht zuletzt im Ausland), ignoranter und arroganter Umgang mit Fahrgästen, permanente Preissteigerungen bei zunehmend lausigem Angebot, Schaffung ineffizienter Unternehmensstrukturen mit immer mehr Töchtern, welche Geld hin und her bewegen und vor allem immer mehr Häuptlinge beschäftigen, der Austausch von vielen, vielen Fachleuten durch inkompetente, sach- und fachfremde Manager, die Zustände bei der Berliner S-Bahn oder die Anschaffung ungenügenden Wagenmaterials und allem voran eine gnadenlose Orientierung auf Profitmaximierung, auch genannt ?Kaputtsparen?, um das Unternehmen lukrativ an der Börse verscherbeln zu können.

So es all dies (und noch manches mehr) überhaupt gegeben haben sollte ? alles hat Hartmut Mehdorn erdacht und entschieden. Die Politik, einschließlich des Unglücklichen, der unter Mehdorn gerade Bundesverkehrsminister spielen mußte, konnte diesem Treiben nur tatenlos zusehen, verzweifelt die Hände ringen und die Haare raufen und immer und immer wieder Vernunft, Einsicht, Umkehr fordern. Höhnisch lächelte Mehdorn den machtlosen Volksvertretern und Bundesregierenden ins Gesicht und ignorierte die flehentlichen Bitten. Bis er eines Tages beschloß, sich selbst zu entlassen. Und die Bahn AG an Rüdiger Grube zu verkaufen.

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