Irgendwie faschistisch

Von Herrn Spielleiter Thomas Ostermeier vernehmen wir in der ?Siegessäule? (Ausgabe 2/07):
?Wertediskussion, Comeback der Familie, Diskussion um einen starken Staat oder eine liberalisierte Wirtschaft (…) Im Zuge des Roll-back ? schwuler Bürgermeister hin oder her ? kommt auch wieder eine gewisse Neigung, homosexuelles Leben zurückzudrängen.?
Oh ja, wenn man 2007 mit 1997 vergleicht. Oder mit 1987. Gar mit 1977: Permanent ist homosexuelles Leben aus der deutschen Öffentlichkeit zurückgedrängt worden. Besonders eklatant in den letzten Jahren. Offene Diskriminierung allerorten. Hunderttausende zum Versteckspiel gezwungen. Prominente, von denen ES bekannt wird, läßt man nicht mal mehr einen Supermarkt eröffnen.
Und dann das arge Roll-back ? fast könnte man schon von einer geistig-moralischen Erneuerung sprechen. Der Wende! Bedenkt man bloß, wie es in den Siebzigern oder Achtzigern zuging. Und nun ? das Comeback der Familie. Weshalb die Bundesfamilienministerin (natürlich von der militant konservativen CDU) mal eben zwei, drei Milliarden zur Einrichtung von Kinderkrippen haben will. Kinderkrippen! Nichts ist typischer für konservative Familienpolitik. Und dazu noch Ganztagsschulen. Damit Mutti ihren schweren Alltag überhaupt noch bewältigen kann: Fünf, sechs Kinder bereits vor dem dreißigsten Geburtstag, das nächste immer schon im Bauch, keine elektrischen Geräte, keine Fertigprodukte, keine Unterstützung vom Staat, und dann muß sie auch noch täglich das Heim neu dekorieren, Kerzen aufstellen und Apfelkuchen backen, damit der Gatte (staatlich garantierter fester Arbeitsplatz für fünfzig Jahre, Ortswechsel absolut ausgeschlossen) sich wohlfühlt. Obwohl Scheidung so gut wie unmöglich ist. Und ledige Mütter des Landes verwiesen werden. Es sei denn, sie lassen sich vom starken Staat (üblicherweise gepaart mit einer liberalisierten Wirtschaft) zwangsverheiraten. Die Kleinfamilie, das klassische Lebensmodell, von immer mehr Menschen in Deutschland gewählt. Wenn auch nur widerwillig, da aufgezwungen.
Ist schon hart, in was für einer konservativ dominierten Welt wir leben. Weshalb auch Theatermacher, die das ansprechen und gar kritisieren, nicht mit Abermillionen Steuergeldern versorgt werden.

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