Hirnsausen (aber rauchfrei!)

Nu isses auch vom Bundesrat beschlossen, das Reklameverbot für Tabak. “Ein wesentlicher Baustein hin zu einem besseren Nichtraucherschutz”, wird Minister Seehofer zitiert. Nun will ich mir natürlich keine Klage wegen Beleidigung oder Beschimpfung eines Verfassungsorgans oder was es da noch Nettes gibt einhandeln. Deshalb sage ich nicht, was ich wirklich denke. Sondern behaupte lediglich, daß dies ein vollendeter Beweis für die alte These ist, daß Politik heutzutage hauptsächlich aus deren Simulation besteht: So tun, als würde man etwas tun. Heiße Luft als Großtat ausgeben. Oder völligen Unsinn als Gewinn für das doofe Stimmvieh.

Und ich wundere mich nur. Wie und weshalb Nichtraucher bislang geschädigt wurden, lebensgefährlich in ihrer Gesundheit bedroht, durch Zigarettenreklame in der Zeitung. Genügt also doch schon der Anblick eines Glimmstengels, um Lungenkrebs oder Gefäßverengung auszulösen? Haben eine gewisse Beauftragte und die anderen einschlägigen Hysteriker, pardon: Kreuzzügler, pardon: Nichtraucherschützer, schon die entsprechenden Gutachten bestellt? Und warum ist die Gefahr geringer, wenn ich nun zwar keine Tabakwaren bzw. Werbung für sie mehr in Zeitungen, Zeitschriften, dem Internet sehen kann, dafür aber weiterhin auf der Straße? Vermutlich sogar verstärkt. Denn die Werbeetats der Tabakindustrie werden kaum schrumpfen. Sie werden wahrscheinlich nur anders verteilt. Bei den Vermietern öffentlicher Reklameflächen dürften die Korken knallen. Plakatwerbung bleibt ja weiterhin erlaubt. Wie intelligent sind folglich nicht nur Minister, sondern auch Journalisten, die über diesen “wesentlichen Baustein hin zu einem besseren Nichtraucherschutz” doch sicher jubeln werden bzw. seit längerem jubeln? Erwarten sie allen Ernstes, daß die Anzeigen für Tabakwaren, welche nun auf staatliche Weisung hin wegfallen, ersetzt werden durch solche für Müsli, Möhren, Zimtlatschen? Oder für griesgrämige, gern übergewichtige Lungenretter(innen)? Wissen die Journalistenimitatoren nicht, wodurch ihre Gehälter und Honorare ganz wesentlich finanziert werden?

Denken Menschen, die im Paralleluniversum der Politiker und der Medien leben, auch mal nach? Im Rahmen ihrer (mutmaßlich bescheidenen) Möglichkeiten? Wenigstens gelegentlich?

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