Sollen sie doch ihre Brücke bekommen

Jetzt hat der Eiertanz um das Dresdner Brückenmonstrum ein Ende. Ach ja? Der sächsische Ministerpräsident, einer der Anführer der Bleifußfraktion, scheint mittlerweile Angst vor dem eigenen Bulldozerverhalten zu bekommen. Stehen doch in Dresden bald Oberbürgermeisterwahlen an, und da wäre es natürlich unschön, wenn die lieben Bürgerinnen und Bürger noch mal daran erinnert würden, daß dieses Ding im Elbtal ihre Stadt den Welterbetitel gekostet hat. Zwecks Schadensbegrenzung soll die ?Waldschlößchenbrücke? nun ästhetisch noch etwas entschärft werden ? während man mit dem Bau bereits in vierzehn Tagen beginnen möchte. Dabei ist zuviel Entschärfung allerdings gar nicht drin, denn diese könnte mit dem Baurecht kollidieren. Andererseits droht der Bundesbauminister damit, die Bundesgelder zu kürzen oder zu streichen, wenn die Brücke mit den Welterberegeln kollidiert ? was aber zweifellos der Fall ist.

Doch Wolfgang Tiefensee hat bekanntlich noch ganz andere Sorgen. Und ob die UNESCO sich wirklich traut, Deutschland und vor allem Dresden die verdiente Ohrfeige zu verpassen?

Sollen sie doch ihre Brücke bekommen. Die Dresdner, die so gern so kulturvoll tun und über die Verwüstung ihrer Stadt 1945ff. lamentieren, haben gezeigt, wie sie mehrheitlich wirklich ticken: Was interessiert der einzigartige Schatz eines ausgedehnten Naherholungsgebietes mitten in der Stadt, wo jetzt noch eine unglaubliche Ruhe herrscht ? unweit des Zentrums? Wozu sich um Alternativlösungen kümmern wie einen Tunnel oder eine Brücke wenigstens nicht gerade an der breitesten Stelle der Elbwiesen? Wozu Kompromisse suchen, statt endlich so schnell wie möglich seiner Bleifußmentalität Befriedigung zu verschaffen, koste es, was es wolle? Was interessiert die Ehre eines Welterbetitels? Was ist Ästhetik gegen Bequemlichkeit, was Kultur gegen Verkehr?

Dresden hat Deutschland international blamiert. Und das Verhalten in diesem Skandal wird man sich merken müssen ? wenn das nächste Mal geworben und gejammert und mit dem Klingelbeutel herumgegangen wird. Daß die Dresdner besonders kultursinnig wären, kauft ihnen niemand mehr ab.

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