Selbstverschuldete Unmündigkeit (1)

Zu Recht bezieht Gabriele Pauli Prügel für ihren Vorschlag, Ehen künftig mit einer Art Verfalldatum zu versehen. Ist er doch bei weitem nicht konsequent genug. Schaut man sich die Vorstellungen an, die hinsichtlich trauter Zweisamkeit noch immer durch die Gegend und die Gesellschaft wabern, war klar, daß eine solche Idee einen entsetzten ? empörten ? entschieden ablehnenden Aufschrei hervorrufen würde. All jenen, die sich mit ihren romantischen Phantasien die Gehirnwindungen verkleistert haben, sollte deshalb als einzig konsequente Alternative angeboten werden: Ehe auf Lebenszeit. Ohne jegliche Rücktrittsmöglichkeit. Keine Scheidung. Auch nicht bei Ehebruch, Wahnsinn, Fußpilz, was weiß ich. Staatlich garantierte Verbundenheit samt möglichem dekadenlangen Dahindämmern Seite an Seite. Und im Falle einer ?Scheidung auf italienisch?, wie sie einstmals berüchtigt war, lebenslanges Verbot der Wiederverheiratung. Klarer denkende Menschen hingegen können die Vorteile der Ehe auf Zeit genießen: Bei der man sich nach einigen Jahren immer wieder aufs Neue für die Partnerschaft entscheiden muß. Was man ja auch in der einen oder anderen Weise feiern kann. Und wenn man nicht mehr mag, wenn man den anderen womöglich gar schon länger nicht mehr gesehen hat ? vielleicht weil man ihn einfach nicht mehr sehen kann ?, dann läuft die Sache eben aus, hoffentlich sang- und klanglos, ohne die bislang üblichen Dramen.

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