Der Transrapid kommt!

Und klar wird der veranschlagte Kostenrahmen eingehalten: Öffentliche Projekte, die am Ende mal eben fünfzig Prozent oder sogar doppelt soviel kosten wie zu Beginn kalkuliert, sind ja nun wirklich die absolute Ausnahme! Und dann hat die Industrie auch noch einen Festpreis garantiert. Da kann nichts mehr schiefgehen: Unternehmen, die nach Baubeginn mit Nachforderungen ankommen und versuchen, für ihren privaten Profit die öffentlichen Kassen (noch weiter) zu schröpfen ? sowas hat man doch noch nie erlebt!

Nein, diese Art Turbo-S-Bahn vom Münchner Hauptbahnhof zum Münchner Flughafen (auf dem man dann, wenn man mit dem Hauptbahnhof losfährt, schneller ist, als wenn man da bleibt ? oder wie das in jener wahrlich historischen Stoiber-Rede war) wird mit Sicherheit lediglich lächerliche 1,85 Milliarden Euro kosten und keinen Cent mehr. Und die EU beteiligt sich daran mit soundsoviel Millionen. Auch wenn sie, nach eigener Auskunft, noch gar nichts von ihrem Glück weiß. Zudem beginnt nächstes Jahr der Bau, 2012 fährt das Ding dann. So ist das ja immer mit großen öffentlichen Projekten in Deutschland. Niemand käme auf die Idee, dagegen zu klagen. Und wenn es doch jemand tut, dann ist der Rechtsstreit innerhalb weniger Wochen erledigt.

Diese Drôlerie ist nicht zuletzt deshalb putzig, weil auch in unseren Premium-Qualitätsmedien sogleich verkündet wurde: ?Transrapid beschlossene Sache? ? was eben so dabei herauskommt, wenn man bloß Pressemitteilungen nachplappert.

Und wo sich Edmund Stoiber zum Abschied vom Amt des bayerischen Ministerpräsidenten in den Geschichtsbüchern verewigen wollte mit Realitätsverlust von wahrhaft bemerkenswerten Ausmaßen, da mochte auch die Deutsche Bahn AG nicht zurückstehen: Deren Sprecher erklärte heute, durch die neuesten Fahrpreiserhöhungen werde die Bahn wettbewerbsfähiger. Klar: Nichts kurbelt die Nachfrage bekanntlich so sehr an wie eine deftige Preiserhöhung.

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