Nisch ma ignoriern, dit Janze

Schönes soll man wiederholen, erst recht wenn jahresendzeitliche Saure-Gurken-Zeit herrscht und man sonst nichts berichten mag. So präsentiert uns der RBB denn auf seiner Website noch einmal ?die schönsten Bildstrecken des Jahres?, womit ganz bestimmt nicht der Gedanke verbunden ist, auf diese Weise kurz vor Ultimo schnell noch die Klickzahl für 2014 ordentlich zu erhöhen.

Auf diese Weise werden wir auch noch einmal erinnert an etwas, das die meisten längst vergessen haben dürften: Die einige Monate zurückliegende Reklameaktion irgendeines Unternehmens, das einige junge Leute dazu verpflichtete, in einem Zug der Ringbahn Turnübungen zu vollführen.

Natürlich geschah dies am Sonntag, aber nicht etwa weil die Journalisten dann meist froh sind, wenn sie irgend etwas zu berichten haben und man folglich auch noch mit dem banalsten Zeug und dem größten Blödsinn in die Medien kommt. Und hey, wenn dann noch etwas so cool und dufte, so hip und swag ist wie Turnen in der S-Bahn ? Wenn das mal nicht zum neuen Trend wird in trendy Börlinn!

So war es denn auch nicht so, daß diese Reklameaktion vor allem eindrucksvoll demonstrierte, wie groß der Gegensatz zwischen dem medialen Bild der Stadt einerseits und der Realität und dem Verhalten der meisten ihrer Einwohner andererseits ist; daß echte Berliner wissen, wie sehr der alte Rat ?Du bist verrückt, mein Kind, du mußt nach Berlin, wo die Verrückten sind, da gehörst du hin!? noch immer gilt, weshalb in der Stadt jede Menge Bekloppte frei herumlaufen, sich ausleben können und daher die allererste Regel für das Leben (und Überleben) in Berlin ist: Nicht nur niemals ansprechen ? am besten völlig ignorieren!

Und ganz und gar nicht wird dieses Verhalten durch die vom RBB noch einmal aus der Mottenkiste gekramten Photos eindrucksvoll dokumentiert: Oder sehen Sie da etwa, wie selbst junge Leute desinteressiert aus dem Fenster schauen, derweil neben ihnen irgendwelche Irren sich austoben?

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