Viel Spaß in den Aufsichtsräten und mit den Beraterverträgen, lieber Klaus Wowereit!

Jetzt geht die Party richtig los!

Heute verläßt Klaus Wowereit das Amt des Regierenden Bürgermeisters von Berlin. In den ziemlich genau dreizehneinhalb Jahren seiner Herrschaft hat er viel erreicht. So hört man es zumindest allerorten. Sicher nur deshalb, weil es so unüberschaubar viel ist, wird nur relativ selten gesagt, was Wowi denn erreicht hat.

Aber zumindest ist die Stadt unter ihm enorm vorangekommen. Hat sich beachtlich entwickelt. Liegt heute an der Spitze ? zum Beispiel beim Anteil der Menschen, die von Transferleistungen leben (also von der Stütze). Oder bei den Steigerungen der Immobilienpreise. Und der Mieten.

Na ja, aber daß Berlin heute so eine angesagte Stadt ist, daß es kulturell dermaßen leuchtet (und dies seit 2006 ohne richtigen Kultursenator und obwohl Künstler und Lebenskünstler kontinuierlich und konsequent aus der Innenstadt vertrieben werden), das ist ja in allererster Linie dem Wirken Wowereits zu verdanken. Und gegen die negativen Folgen dieses Trends hat der von Klaus Wowereit, dem ersten Regierenden Bürgermeister Berlins mit Richtlinienkompetenz, geführte Senat ja jede Menge getan. Seit mehreren Monaten bereits kümmert er sich sogar wieder um den Wohnungsbau.

Und dann das Feld des Verkehrs ? nein, keine Rede vom Flughafen, lieber vom Nahverkehr: Die Berliner S-Bahn hat in den vergangenen Jahren ? einiges erlebt. In Richtung Teltow ist das Netz sogar um über einen Kilometer gewachsen. Von denen einige hundert Meter auch auf Berliner Gebiet liegen. Sicher kommen irgendwann vielleicht die Verlängerung nach Falkensee oder wenigstens innerhalb Spandaus und der zweigleisige Ausbau der Kremmener Bahn. Und bei der U-Bahn ? also die U 5-Verlängerung (nicht weniger als 2,2 Kilometer lang und erst seit 2009 in Bau) soll 2020 fertig werden. Hoffentlich. Und die Straßenbahn ? da kann der neue ?Regierende? Müller am Wochenende, nach nicht einmal vier Jahren Bauzeit und nur achteinhalb Jahre nach der Inbetriebnahme des zum Zielpunkt genommenen Hauptbahnhofs, eine Strecke eröffnen. Für die eine andere stillgelegt wurde. Aber immerhin! Man kann sich schließlich nicht um alles kümmern ? Wowereit und der bisher als Stadtentwicklungs- und damit auch Verkehrssenator fungierende Müller waren schließlich intensiv beschäftigt mit der Verlängerung der Stadtautobahn A 100, für die gerade dieser Tage nach vielen Kleingärten auch zahlreiche Wohnungen vernichtet werden.

Man muß doch Prioritäten setzen.

Nein, wirklich nur ganz böse Zungen werden behaupten, daß Klaus Wowereit in dreizehneinhalb Jahren vor allem eines erreicht hat, das wirklich überaus bemerkenswert ist: Im Lichte seines Regierens erscheint das Wirken des 1991-2001 von seinem Vorgänger Eberhard Diepgen geführten Senats inzwischen als beachtlich und sehr erfolgreich, und zwar auf vielen Feldern der Politik. Ja, man könnte sich sogar veranlaßt fühlen, über Diepgen ? der dröge und bieder gewesen sein mag, aber bestimmt kein Blender war ? zu sagen: Der war echt gut so!

Alles Gute, lieber Wowi, und viel Spaß in den Aufsichtsräten und mit den Beraterverträgen, dank derer wir spätestens im Frühjahr von Ihnen hören werden.

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