Blüten am Wegesrand (11)

Sehr mittelalterlich

Ob Backsteinmäuerchen, ob irgendein historischer Anschein – Drahtsitze müssen sein!

Jedenfalls bei der BVG.

Und so hat die pflegeleichte, vandalismusresistente Einheitsbestuhlung, die jedem Kindergarten oder Jugendfreizeitheim angemessen wäre, mittlerweile auch auf dem jüngsten Abschnitt der U 7 Einzug gehalten. Heute mag es vermutlich kaum jemand mehr glauben, aber: Diese 1984 eröffneten Stationen von Paulsternstraße bis Rathaus Spandau galten tatsächlich einmal als besondere Perlen der U-Bahn-Architektur – zumindest in West-Berlin und der dortigen Boulevardpresse.

Um zu unterstreichen, wie nobel und generell geschmacklich anspruchsvoll es in diesen Hallen zuging, erhielten sie nicht nur güldene Abfalleimer. Die Plastikschalensitze waren hier auch nicht, wie auf den in den Vorjahren eröffneten U-Bahnhöfen, rot, sondern schwarz.

Auf der Station Zitadelle faßte man sie zu ungewöhnlich kleinen Gruppen zusammen und umgab diese mit einem Backsteinmäuerchen. Schließlich nahm die Innenarchitektur Bezug auf die Namensgeberin des U-Bahnhofs, weshalb es in selbigem irgendwie mittelalterlich aussehen sollte. Eine naheliegende Gestaltungsidee für einen U-Bahnhof, und besonders gut fügten sich in das davon ausgehend geschaffene Bild natürlich Kunststoffsitze.

Mit der gleichen Konsequenz, mit der diese Einheitsmöblierung einst vorgenommen worden war, tauschte die BVG sie vor einiger Zeit gegen das neue Nonplusultra der Bahnsteigsitzgelegenheiten aus. Dabei blieben auf der Station Zitadelle die Mäuerchen gleichwohl erhalten. Und ganz sicher wird sich in den nun offen liegenden Flächen unter und hinter den neuen Drahtsitzen nicht der Schmutz ansammeln, denn ganz bestimmt werden die generös entlohnten Reinigungskräfte an diesen nur ein ganz klein wenig schwierig zu erreichenden Stellen besonders oft, sorgfältig und ausgiebig putzen.

Sehr pflegeleicht

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