Niemand hat die Absicht, ein totales Alkoholverbot zu errichten

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Bundesweit war den Medien am vergangenen Wochenende zu entnehmen, daß nun alles gut wird ? zumindest im Nürnberger Hauptbahnhof. Denn dort herrscht jetzt Alkoholverbot.

?Im Nürnberger Hauptbahnhof dürfen kein Bier und kein Schnaps mehr getrunken werden. Das nächtliche Alkoholverbot gilt freitags, samstags sowie vor Feiertagen, teilte die Deutsche Bahn mit. Damit will das Unternehmen das Sicherheitsgefühl der Reisenden und der Bahnhofsbesucher erhöhen.? So war beispielsweise im Videotext des Bayerischen Rundfunks zu lesen.

Zwar könnte man fragen, wo der Nutzen für das Gefühl liegen soll, wenn ? dieser Meldung zufolge ? weiterhin Wein oder Sekt freitags, samstags sowie vor Feiertagen auch im Nürnberger Hauptbahnhof (und sogar außerhalb der dort befindlichen Lokale, wo man ja auch dafür ordnungsgemäß bezahlt, daß man sitzen darf) konsumiert werden dürfen.

Doch erfahrene Insassen der Biedermeierrepublik wissen natürlich: Dies kann nur der erste Schritt sein. Hin zu einem Alkoholverbot, das absolut, strikt und total sein muß. Zumal die Nürnberger Bahnhofsmanagerin Claudia Gremer zitiert wird: ?Wir reagieren auf den vielfach geäußerten Wunsch nach einem Alkoholkonsumverbot.?

Jugendliche, so erfährt man weiter, hätten es in letzter Zeit allzu arg getrieben, sich vor oder nach dem Diskothekenbesuch im Bahnhof getroffen und dort mitgebrachten Alkohol zu sich genommen.

Wobei es die Bahn natürlich nicht besonders schmerzt, daß der Fusel nicht in dem zum Einkaufszentrum mit Gleisanschluß umgebauten Bahnhof erworben wurde.

Und natürlich geht es auch nicht darum, daß man zu jedem Verbotswunsch einen eigenen Vorwand kreieren muß – Motto: Was beim Tabak das ?Passivrauchen? war, sind beim Alkohol die ebenso gefährdeten wie gefährlichen Jugendlichen. Weshalb sich auch nicht die Frage stellt, was wohl der Grund für die nächsten dringend notwendigen Verbote sein wird.

Brauchen wir doch auch ein Kaffeeverbot. Colaverbot. Zuckerverbot. Transfetteverbot. Fast-Food-Verbot. Schlimme-Worte-Verbot. Irgendwie-unanständig-benehmen-Verbot. Schiefgucken-Verbot. Und noch viel, viel mehr!

Je mehr verboten wird, desto besser, sicherer, schöner wird unser Leben! Und alles durch den segenbringenden Staat (kamera-) überwacht!

Welcher jeweils nur reagiert auf zahlreiche einmütige Bekundungen von Brigaden und Kollektiven aus der gesamten Republik. Pardon: ?Auf vielfache Kundenwünsche? natürlich.

Und damit, daß man etwas verboten oder Konsumunwillige vertrieben hat, ist das Problem dann gelöst. Man hat richtig etwas getan. Der Untertan ist zufrieden und dankbar.

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