The Return of the Paech-Brot-Stulle (irgendwie)

… und der Orje fragt den Kulle: Haste nich ‘ne Paech-Brot-Stulle?

Man muß im West-Berlin der siebziger Jahre gelebt haben, um sich an diesen und ähnliche Reklamesprüche erinnern zu können. Hat man dort gelebt, dann haben sie sich einem allerdings ins Gedächtnis eingebrannt, denn gefühlsmäßig klebten sie jahrelang in fast allen U-Bahn-Wagen, und las man nicht ein Buch oder eine Zeitung oder hatte sonst etwas Besseres zu tun, fiel unwillkürlich der Blick auf diese Werbung.

Bei einer anderen Bäckerei erinnerte man sich vor kurzem offenkundig an den längst verschwundenen Konkurrenten ? und vermutlich an die immense Wirksamkeit von dessen Reklame. Jedenfalls prangen jetzt seit kurzem in Berliner U-Bahn-Wagen Aufkleber mit Knittelversen, welche bei Eingeweihten Nostalgie wecken dürften, derweil die Nachgeborenen sie womöglich für höchst zeitgemäß halten. Denn Knittelverse (insbesondere wenn sie um Banalitäten kreisen) gelten ja inzwischen als sehr wichtige und wertvolle künstlerische Hervorbringung, wenn sie denn bloß im Kontext der Hip-Hop-Szene heruntergehaspelt werden.

So kann man jetzt lesen:

Im Picknick-Korb
kein Falkenbrot?
Da siehst selbst
Tante Betti rot.

Oder:

Wenn Preußen sich
am Falken laben,
dann wollen’s auch
die Schwaben haben.

Dem branchenspezifischen Klassiker ?Konsumbrot macht Wangen rot? erweist man offenkundig seine Reverenz mit:

Macht Äuglein klar
und Wangen rot:
das gute
Falkenbutterbrot.

Und auf BVG-Aufkleber mit Benimmregeln bezieht man sich mit:

Falkenbrot
in Bahn und Bus
bereitet niemals
nicht Verdruss.

Ja, man darf eben nicht nur mögen wollen, man muß sich auch dürfen trauen.

Eine Sammlung der Paech-Brot-Reklamesprüche findet sich übrigens in diesem generell empfehlenswerten, ebenso lehrreichen wie unterhaltsamen und darüber hinaus auch noch hübsch aufgemachten Buch, welches unlängst erschienen ist und das Sie bitte umgehend käuflich erwerben wollen:

absolut-berlin

Axel Schock
Absolut Berlin ? Das Berlin-Sammelsurium
Hirschkäfer Verlag, München 2011
Leineneinband mit Silberprägung und Lesebändchen, 224 Seiten, 16,90 ?
ISBN 978-3-940839-16-9

3 Kommentare zu „The Return of the Paech-Brot-Stulle (irgendwie)“

  1. Paul says:

    Der schönste Spruch ist für mich:

    “Der Mann sprach zu der Liebsten: Bleib!
    Ich habe einen Falkenleib.”

  2. charlynbg says:

    Danke, das Bild habe ich jetzt vor Augen …

  3. Paul says:

    “Frühstück, Mittag, Abendrot,
    niemals ohne Falkenbrot.”

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