Archiv für August 2016

Sind wir denn schon wieder soweit?

Montag, 22. August 2016

Seit einigen Tagen wird im Eulengebirge gegraben und auf andere Weise geforscht, ob dort seit über siebzig Jahren ein Zug mit wertvoller Fracht vor sich hin gammelt. Wie immer wieder berichtet wird, soll der ?Nazi-Goldzug?, so es ihn denn gibt, ?in einem unterirdischen Tunnel? stehen. Was die Sache natürlich verkompliziert: Wieviel einfacher wäre es doch, stünde er in einem oberirdischen Tunnel!

Schauplatz ist, wie ebenfalls immer wieder gesagt wird, Wa?brzych. Deutsche Journalisten verwenden einige (womöglich vergebliche) Mühe darauf, diesen polnischen Ortsnamen korrekt auszusprechen.

Die Stadt einfach bei ihrem deutschen Namen Waldenburg zu nennen, wäre jedoch politisch inkorrekt. (Bekanntlich gibt es ja in Deutschland sehr, sehr, SEHR starke Bestrebungen in der Politik, der Gesellschaft, dem gesamten Volk, einstmals von Deutschen besiedelte Gebiete zurückzuerobern, und zwar so schnell wie möglich, auch gern gewaltsam.)

Dennoch macht mich die Berichterstattung wütend und traurig. Ich kann nicht länger schweigen, werde laut und klage an und werde in Kürze womöglich gar ein Zeichen setzen, denn sie ist revanchistisch (irgendwie faschistisch sowieso). Wird doch auch immer wieder erklärt, die Zugsuche spiele sich in Niederschlesien und in Polen ab. Dabei sollte jeder anständige Mensch wissen, daß das Dolny ?l?sk und Polska heißt. Und zwar nur so.

Lesen Sie bitte auch: Zum Glück keine Warszawaer Straße.

Wunder des Alltags (33)

Dienstag, 16. August 2016

Zu den vielen wundersamen und staunenswerten Dingen, welche es früher bei der Berliner S-Bahn zu entdecken gab, gehörte bis in die 1980er Jahre hinein der leere Gleistrog in der S-Bahn-Station Anhalter Bahnhof. Er war einer Änderung der Baupläne geschuldet, die recht kurzfristig erfolgte, während der S-Bahn-Tunnel bereits im Entstehen begriffen war: Zu den Plänen für den Umbau Berlins zur nationalsozialistischen ?Welthauptstadt Germania? zählte nun auch ein S-Bahn-Tunnel entlang der Koch-, Oranien- und Wiener Straße zum Görlitzer Bahnhof. Diese Strecke sollte gleich nördlich der Station Anhalter Bahnhof abzweigen. Von Norden her konnten daher nur noch Züge von Görlitzer Bahnhof in Gleis 1 einfahren. Und da diese Strecke nie gebaut wurde, blieb der Gleistrog leer.

In den Achtzigern fand man dann, irgendwie könnte er sich ja womöglich doch mal gebrauchen lassen, etwa für einsetzende Züge, die aus der südlich der Station gelegenen Kehranlage in die Bahnsteighalle fahren und diese dann Richtung Süden wieder verlassen. Also verlegte man ein Gleis. Genutzt wird dieses nur ganz, ganz selten. Nutzlos ist der Gleistrog dennoch nicht. Denn die Fahrgäste haben, wie man an vielen Stellen sehen kann, eine andere Verwendung für ihn gefunden: als gigantischen Müllbehälter.

Kein Zug wird kommen (bis auf seltene Ausnahmen).

Gleis 1 ist im S-Bf Anhalter Bahnhof das unwichtigste.

Die Berliner haben dennoch eine Verwendung für das Gleis gefunden.