Archiv für Februar 2016

Immer mehr Unsicherheit auf den Straßen, Gewalt gegen Polizisten!

Sonntag, 28. Februar 2016

Man traut sich kaum mehr auf die Straße:

Grober Straßenexzeß. In der Nacht zum Sonntag verübten drei junge Leute in angetrunkenem Zustande an der Schöneberg-Wilmersdorfer Grenze dadurch groben Unfug, daß sie laut johlten und die vorübergehenden Passanten durch Zurufe belästigten. Als ein Schutzmann erschien, der den Hauptkrakeeler sistieren wollte, kam es zu einem Handgemenge, da die 3 Rowdies den Beamten tätlich angriffen. Ihm wurde der Helm vom Kopf geschlagen und die Uniform zerrissen. Erst als der Polizist von seinem Säbel Gebrauch machte, gelang es ihm, zwei der Attentäter zur Wache zu bringen, der dritte entkam. Die Unsicherheit auf der Straße nimmt nachgerade beängstigende Formen an.

Berlin-Wilmersdorfer Zeitung vom 13. Oktober 1913

Nicht ?wie früher im Osten?

Sonntag, 14. Februar 2016

Böse Menschen behaupten, die BRD werde immer mehr wie die DDR. Seit dem jüngsten Fahrplanwechsel fühlen sie sich ein weiteres Mal bestätigt, denn seither verkehren die ersten doppelstöckigen Intercity-Züge der Deutschen Bahn.

Intercitys waren einst, in den siebziger und achtziger Jahren, das modernste, schnellste, edelste Beförderungsangebot, welches die damalige Bundesbahn zu bieten hatte. So hochwertig, dass sie anfangs sogar nur die 1. Klasse führten. Die DDR-Reichsbahn konnte kaum Vergleichbares aufweisen, auch der (relativ bescheidene) Städtexpressverkehr zwischen Ost-Berlin und der Provinz reichte da nicht heran. Ein echter Intercity-Verkehr zwischen dem Westteil der Stadt und dem Bundesgebiet war ein Traum, der sich erst nach 1990 erfüllte.

Doppelstockwagen hingegen sind zwar keine Erfindung der DDR. Dort haderte die Bahn aber lange mit der grandiosen Idee der sowjetischen Besatzungsmacht, als Reparationsleistung nicht etwa neue Schienen zu fordern, sondern alte abzubauen (egal, in welchem Zustand sie waren), möglichst alle Strecken eingleisig zu machen und so die Leistungsfähigkeit des bei weitem wichtigsten Fernverkehrsmittels stark zu reduzieren. Bei der so geschwächten Infrastruktur ließ sich mit Doppelstockwagen am einfachsten die Beförderungskapazität der Züge steigern. Auf diese Weise erhielten derartige Fahrzeuge in der DDR einen in Deutschland bis dahin nicht gekannten Anteil am Wagenpark und eine weite Verbreitung, derweil sie bei der Bundesbahn eine Ausnahme blieben. Dem West-Besucher im SED-Staat erschienen sie als Attraktion ebenso wie als ?typisch Osten?, nämlich als Merkmal des steten Mangels im Sozialismus.

Nach der Wiedervereinigung eroberten Doppelstockwagen auch das alte Bundesgebiet. Und nun sogar den Intercity-Verkehr, wo sie noch in einer Hinsicht eine Notlösung sind: Die bestellten neuen Intercity-Züge sind nämlich noch immer nicht einsatzbereit.

?Wie früher im Osten ??, mögen angesichts solcher Probleme manche grummeln. Und sich weiter bestätigt fühlen, wenn die DB AG den Notbehelf als Verbesserung verkauft. Weshalb der Fahrpreis natürlich nicht niedriger ausfällt, wenn man durch halb oder auch ganz Deutschland mit Wagen befördert wird, bei denen die Decke recht niedrig ist und sich die Fensterplätze im Oberdeck dicht unter der Dachschräge befinden. (Zum Glück werden die Menschen ja nicht immer größer.)

Dabei ist manches wirklich nicht wie in der DDR: Dort hatte die Reichsbahn keine große Konkurrenz und konnte ihre Beförderungsfälle deshalb behandeln, wie sie wollte. Die DB AG hingegen steht in einem harten Wettbewerb, neuerdings auch noch mit den Fernbussen. Und hält es offenbar für eine vielversprechende Strategie, die Fahrgäste statt in enge Busse in enge Doppelstockwagen zu quetschen. Und das auch noch zu höheren Preisen.

Blüten am Wegesrand (30)

Sonntag, 14. Februar 2016

Daß der U-Bahnhof Mendelssohn-Bartholdy-Park im Hinblick auf einen starken Fahrgastandrang errichtet wurde, erkennt man auch an einem Detail: Am unteren Ende der Treppenhäuser am Reichpietschufer ? also quasi im Haupteingang ? richteten die Architekten neben der üblichen noch jeweils eine zweite Pinkelecke ein:

Links auch rechts, ...

... rechts auch links: Das ist aufmerksame Architektur!

Bald: Ausgerutscht bei der Berliner S-Bahn

Montag, 8. Februar 2016

Nach viel Verdruß hat der Berliner Senat der S-Bahn Berlin GmbH bekanntlich Bescheid gestoßen: Die Tochter der Deutschen Bahn AG wird auch weiter das gesamte Berliner S-Bahn-Netz betreiben (andere Bewerber gab es nicht mehr), aber sie muß pünktlich und verläßlich sein und so Zeugs ? gewagte, kühne Forderungen, wie der Berliner weiß.

Außerdem müssen neue Züge angeschafft werden ? wie schon seit Jahren bekannt. Und damit die DB AG auch gleich mal sieht, daß der Senat es ernst meint, zahlt er für den Betrieb bis 2035 erheblich mehr als bisher.

Kaum war die Tinte unter dem neuen Vertrag getrocknet, wurde in der Kundenzeitschrift ?punkt 3? den staunenden Beförderungsfällen (und solchen, die es werden wollen) vorgestellt, auf was für Wunderwagen sich die Berliner voraussichtlich ab Ende 2020 gefaßt machen dürfen: ?In den neuen S-Bahn-Zügen werden robuste und bewährte Komponenten zum Einsatz kommen, um die Zuverlässigkeit der Flotte zu garantieren.? ? Das ist schön, daß keine empfindlichen, störanfälligen Komponenten verwendet werden; vermutlich hat man da aus gewissen Erfahrungen gelernt, denn die Zuverlässigkeit der Flotte war in den letzten Jahren ja suboptimal.

?Mehr Komfort und erhöhte Sicherheit prägen den lichtdurchfluteten Innenbereich der neuen Fahrzeuggeneration.? ? Da fällt einem erstmal auf, wie unbequem und düster es in den derzeit eingesetzten S-Bahnen ist! ?Große Fensterflächen und gläserne Trennwände sorgen für Transparenz.? ? Nun ja, die Fenster sehen auf den Entwurfsbildern zwar nicht größer aus als bei den in Betrieb befindlichen Zügen, aber es ist natürlich ein enormer Transparenzgewinn, wenn die gläsernen Trennwände nicht mehr auf Höhe der Rückenlehnen enden: Endlich kann man auch sehen, was sich hinter den Quersitzen verbirgt! Und mehr Arbeitsplätze werden so ja wohl auch geschaffen, denn die Scheiben dürften im Bodenbereich besonders leicht verschmutzen, und dann erst die anspruchsvolle Aufgabe, ihre den Rückenlehnen zugewandte Seite zu putzen und den schmalen Bereich zwischen Scheibe und Sitzen sauberzuhalten!

?Alle Wagen sind mit einem Videoüberwachungssystem ausgestattet.? ? Das ist natürlich überfällig. So wird erfahrungsgemäß zwar keine Straftat verhindert ? überraschenderweise passiert in den Berliner S-Bahn-Zügen, auf denen bisher nicht das gütige, wachsame Auge des Großen Bruders ruht, nicht mehr Arges als in den bereits totalüberwachten Berliner U-Bahn-Zügen; eher im Gegenteil ?, aber es ist doch immer unterhaltsam, die Aufnahmen von Verbrechen und Ordnungswidrigkeiten im Fernsehen anzuschauen.

?Die Innenraumaufteilung folgt bewährten Konzepten.? ? Es gibt hier also nichts Neues.

?Für erhöhtes Wohlbefinden sorgt eine Klimatisierung der Fahrgasträume? ? das ist neu bei der Berliner S-Bahn, und sicher wird die Klimaanlage dort besser funktionieren (oder häufiger überhaupt erst einmal eingeschaltet) als bei den Bussen der BVG. Immerhin: Die Türen schließen jetzt endlich auch bei der S-Bahn automatisch, wenn kein Fahrgastwechsel mehr erfolgt.

?Ein dynamisches Fahrgastinformationssystem erleichtert den S-Bahn-Kunden die Orientierung. Ergänzend zur Linien- und Zielanzeige bieten im Fahrgastraum seitliche LED-Monitore auf Basis von Echtzeitdaten künftig Informationen zum Fahrverlauf und zu Anschlussmöglichkeiten.? ? Ob damit auch gemeint ist, daß man noch während der Fahrt erfährt, wo die S-Bahn mal wieder nicht fährt? Und zwar kurzfristig, ?wegen einer Weichenstörung? oder ?wegen eines Polizeieinsatzes?? (Die beliebten Zugausfälle wird es ja fürderhin wohl nicht mehr geben.)

?Die ergonomisch geformten Einzelsitze sind mit einem weichen, aber robusten Stoff bezogen.? ? Immerhin: kein Plastik wie es jetzt bei der U-Bahn den Berlinern verordnet wird. Womit über eine Polsterung aber noch nichts gesagt ist.

Und schließlich: ?Der Fußboden besteht aus einem strapazierfähigen und rutschfesten Material.? ? Donnerwetter! Wir hatten schon das genaue Gegenteil befürchtet. Aber bei den neuen Berliner S-Bahn-Zügen ist eben wirklich an alles gedacht, nicht zuletzt daran, daß sie auch noch einsatzbereit sein können, wenn mal das eine oder andere an ihnen ausfällt.

Voll im Trend

Sonntag, 7. Februar 2016

Die Fluggastzahlen in Deutschland, so war dieser Tage zu erfahren, haben im vergangenen Jahr eine neue Rekordhöhe erreicht ? trotz diverser Streiks. Und ein Ende dieser Entwicklung wäre gar nicht abzusehen.

Da sitzt man in seiner styroporgedämmten, glühbirnen- und tabakfreien Behausung bei winterlichen 17 Grad Raumtemperatur, trennt nach dem (nach Auskunft der stets objektiven Medien voll im Trend liegenden) veganen Mahl den Müll, fragt sich, wann endlich Plastikabfalltüten verboten werden, und freut sich über das enorme und dabei noch stetig weiter wachsende Umweltbewußtsein der MenschInnEn* in Deutschland.

* (jederzeit frei wählbaren Geschlechts, so es denn überhaupt so etwas wie Geschlechter geben sollte)