Archiv für September 2015

Der Bus von morgen

Dienstag, 29. September 2015

Seit vier Wochen ist Berlin, laut einer BVG-Pressemitteilung, ?die erste Hauptstadt in Europa? oder, der BVG-Kundenzeitschrift zufolge, sogar ?die erste Hauptstadt? ? offenbar der Welt. Nämlich ?mit einer komplett elektrisch betriebenen Linie?.

Denn seither wird die, ja: hauptstädtische Buslinie 204 ausschließlich mit Elektrobussen betrieben.

Menschen, die keine Ahnung haben ? also nicht bei der BVG arbeiten oder irgendwas mit Medien machen (z.B. vornehmlich Pressemitteilungen unreflektiert wiedergeben) ?, wundern sich: Fahren nicht seit langem in Moskau, Minsk, Kiew, Riga, Budapest, Bukarest, Bratislava, Rom oder Athen ganz viele Elektrobusse herum, mit denen ganz viele Linien betrieben werden? Und hatte nicht auch die BVG schon solche ?komplett elektrisch betriebenen Linien?: Zum Beispiel die 31 in Spandau, die 33 in Steglitz und Mariendorf, die 32 in Steglitz und Lankwitz oder im Stadtzentrum die 30 und die 40 sowie in Lichtenberg und Marzahn die 37?

Ja, aber diese ?Elektromobilität? wurde und wird durch eine Oberleitung hergestellt, weshalb man solche Fahrzeuge ?Oberleitungsbusse? nennt. Ein System, das übrigens in Berlin erfunden und erstmals erprobt wurde. Die nun auf der Linie 204 eingesetzten vier (!) Fahrzeuge, die dort ? Zitat BVG-Kundenzeitschrift ? ?unter Alltagsbedingungen für anderthalb Jahre getestet? werden sollen, fahren hingegen mit Batterien, welche ohne Kabel in nur wenigen Minuten aufgeladen werden können sollen.

Genaugenommen sollen sie fahren, denn wie jetzt bekannt wurde, sind zwei der vier Busse bereits seit über einer Woche ? also nach immerhin drei Wochen Einsatzzeit ? in der Werkstatt. Man wisse leider noch nicht genau, wo das Problem liege, vermute es aber bei den Batterien, heißt es seitens der BVG. Ein Sprecher des Herstellers machte klar, daß die Schwierigkeiten gar nicht so umfangreich sind: Die Akkus hätten wohl lediglich Probleme damit, Energie aufzunehmen und abzugeben.

Was natürlich niemand hätte ahnen, geschweige denn wissen können. So wenig, wie daß schon vor über hundert Jahren durch Berlin die ersten oberleitungslosen Elektrobusse fuhren. Nach diversen Tests entschied man sich aber doch dazu, lieber Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren anzuschaffen. Es gab nämlich dauernd Probleme mit den Batterien.

Abt. Fast richtige Schlagzeilen

Mittwoch, 23. September 2015

Umweltorganisationen fordern Fahrverbot für Kraftfahrzeuge.

Stolpert hier jemand?

Dienstag, 22. September 2015

Auch ein Verkehrsthema: Was an einem Dienstag, dem 22. September vor 34 Jahren geschah.

Erinnerung an einen Tod in der Potsdamer Straße ...

... vor einem Bankgebäude

Kevin-Konstantin kennt sich aus

Montag, 21. September 2015

Kevin-Konstantin ist begeistert: Aus der Trasse, insbesondere dem Damm der Siemensbahn ? jener seit 1980 stillgelegten S-Bahn-Strecke durch die Berliner Siemensstadt ? könnte man doch einen duften Grünzug machen. Und hey, die Schönhauser Allee, die würde doch sicher noch schöner, würde man sie zur Fußgängerzone umgestalten!

Wie? Es gibt einen Vertrag, nach dem das Gelände, welches der Siemens-Konzern einst der Bahn überlassen hat, an diesen zurückfällt, wenn es nicht mehr von letzterer genutzt wird ? was den wesentlichen Grund dafür darstellt, daß die Bahntrasse bis heute nicht entwidmet worden ist? Wie? Die Schönhauser Allee ist eine Bundesstraße, die der Bezirk Pankow nicht mal so eben zur Fußgängerzone machen kann? Und dies, obwohl es doch nichts Lebendigeres und Anheimelnderes gibt als eine Fußgängerzone, vor allem abends oder am Wochenende, wenn die meisten Geschäfte geschlossen sind?

Kann nicht sein. Kevin-Konstantin kennt sich aus. Schließlich ist er Journalist.

Wunder des Alltags (29)

Montag, 14. September 2015

In Berlin besaßen einst einige, in den sechziger und siebziger Jahren entworfene U-Bahnhöfe Fahrsteige oder, wie der Volksmund sagt, Laufbänder. Dann entdeckte die BVG, nach mehreren Jahrzehnten der Benutzung, die immense Unfallgefahr dieser Anlagen, auf denen ? zumal bei Nässe ? problemlos Dutzende, Hunderte, womöglich Tausende von Menschen zu Tode stürzen könnten. Was zwar noch nie auch nur ansatzweise passiert war, aber doch rein theoretisch passieren könnte. Die BVG baute daher diese Anlagen aus und ersetzte sie oft durch schöne, sichere Steintreppen.

In Bonn fand man eine andere Lösung:

Todesfalle (nach BVG-Meinung) im U-Bahnhof Bonn Hauptbahnhof

So geht's in der Hauptstadt nicht!

In eigener Sache: Zugverkehr unregelmäßig

Dienstag, 8. September 2015

Als Berlin-Film-Rarität des Monats präsentiert das Projekt Berlin-Film-Katalog vom 10.-16. September 2015 im Berliner Brotfabrikkino, immer um 18 Uhr, den 1951 von Erich Freund inszenierten DEFA-Propagandakrimi ?Zugverkehr unregelmäßig?. Er schildert das Treiben von Schiebern und Saboteuren, die von West-Berlin aus den sozialistischen Aufbau im Ostteil der Stadt zu untergraben versuchen. Dazu werden immer wieder Anschläge auf den S-Bahn-Verkehr verübt ? wozu sich die Bösewichte bemerkenswerterweise stets eigens in den Ostsektor und damit in besondere Gefahr begeben, statt der DDR-Reichsbahn einfach im Westteil der Stadt ? wo diese ebenfalls die S-Bahn betreibt ? Kummer zu bereiten.

Am 14. September mit einer kurzen Einführung.

Den Handzettel zu der Aufführung finden Sie hier.

Bilder: DEFA-Stiftung.

Zum Glück keine Warszawaer Straße

Dienstag, 8. September 2015

Eine Gruppe von Aktivisten, pardon: Künstlern machte dieser Tage auf einen erschreckenden Umstand aufmerksam: In Berlin-Friedrichshain, mitten in einer der angesagtesten Gegenden der angesagten Mitte Berlins, sind einige Straßen nach Orten benannt, die seit 1945 zu Polen gehören. Was als solches noch kein Umstand wäre, der erschreckend und alarmierend ist, daher wütend und traurig macht und dringenden Handlungsbedarf erfordert. Ganz im Gegensatz zu der Tatsache, daß diese Straßen noch immer ? wie seit 1880 oder so ? die deutschen Namen dieser doch nun nicht mehr deutschen Orte tragen.

Die Social Justice Warriors, pardon: Künstler versahen, als erste Maßnahme zur Not- und Soforthilfe, die (seit 1880 oder so!) irgendwie faschistischen Straßenschilder mit Hinweisen auf die polnischen Namen dieser Orte. Die schlimmen Schilder damit zu überkleben, hatte ihnen die zuständige Behörde untersagt. Und dies IN DER HEUTIGEN ZEIT!

Glücklicherweise nicht notwendig war eine solche Aktion bei einer der beiden größten und wichtigsten Straßen, die durch das Viertel führt, der Warschauer Straße. Denn es ist ja wohl so, daß Warschau (wie bereits seit langer Zeit) noch immer zu Deutschland gehört. Und daß Deutsche in dieser Stadt auch nichts besonders Schlimmes angestellt haben.

P.S.: Fraglich bleibt jedoch, ob die Pressure Group, pardon: Künstlergruppe nicht als faschistische Agentenbande vor ein Volksgericht gestellt werden muß, das diese Volksfeinde dann ihrer bereits vor dem Prozeß festgelegten gerechten Strafe zuführen kann. Unterschlugen sie doch den Skandal, daß auch bei der Petersburger Straße ein deutscher Ortsname benutzt wird!