Archiv für April 2015

Dit is … Hamburg?

Donnerstag, 30. April 2015

Ein S-Bahn-Zug fährt am Nachmittag mit einer vermauerten Tür durch die Stadt, aber es dauert ? dem Vernehmen nach ? anderthalb Stunden, bis jemand davon Kenntnis nimmt, da die Fahrgäste ja allgemein daran gewöhnt sind, daß in dieser Stadt jeder seiner Macke freien Lauf lassen kann und man ihn dabei um Himmels willen keine Beachtung schenken sollte, und sich im besonderen über keinerlei Zumutung der S-Bahn mehr wundern. Tja, dit is Berlin!

Nee ? Hamburg!

Chapeau, liebe Hanseaten, die Ihr immer so gebannt auf die Hauptstadt starrt, voller Angst, diese könnte Euch noch weiter den Rang ablaufen: Da habt Ihr es uns aber mal gegeben!

Allerdings beruhigend, daß die Verhältnisse bei der Hamburger S-Bahn sich nicht allzu sehr von denen bei der Berliner zu unterscheiden scheinen, wenn es möglich ist, unbemerkt die Tür eines S-Bahn-Wagens mit siebzehn Ytong-Steinen zuzumauern, die ? wie der NDR die Bundespolizei zitiert ? ?exakt auf den Eingangsbereich zugeschnitten und professionell aufeinandergestapelt? waren. Zusammengehalten worden sein sollen sie durch einen Kleber, und ?auch der Eingangsbereich wurde zugeleimt?. Ein Sprecher der Bundespolizei habe anerkennend bemerkt: ?Da ist durchaus handwerkliches Geschick dahinter.?

Erhellend auch, daß so ein in der Nebenverkehrszeit abgestellter Zug wieder in den Fahrgasteinsatz geht, ohne daß er vollständig in Augenschein genommen wurde.

Und sehr unterhaltsam, daß die Bahn nun verkündet, der Schaden belaufe sich auf ?mehrere 10.000 Euro?. Sicher doch. Wenn man nicht gleich der ganze Zug verschrottet werden muß.

Aber wenigstens die Sorge vor möglichen Nachahmern braucht die Berliner Vertreter des modernen Dienstleistungsunternehmens Deutsche Bahn AG nicht umzutreiben: In der Hauptstadt würde eine solche Aktion noch weniger auffallen. Denn an nicht funktionierende und deshalb dauerhaft verschlossene S-Bahn-Türen sind die Berliner seit vielen Jahren gewöhnt. (In Hamburg jammern dagegen manche, mit der Mauer wäre ja ein Fluchtweg verbaut worden. Weicheier!)

Die Sanierung höret nimmer auf

Samstag, 18. April 2015

Ein kleiner Wink

Willkommen zu unserem beliebten Quiz ?Welche wichtige Schnellbahnstrecke in der Berliner Innenstadt ist in diesem Frühjahr, Sommer und Herbst über Monate hinweg unterbrochen und/oder außer Betrieb??

Die Nord-Süd-Bahn?
Die Stadtbahn?
Die U 2?
Die U 6?
Die U 1?
Die U 7?

Kleiner Tip: Im Moment sind gleich zwei Antworten richtig. Klingt unglaublich, ist aber so.

Und falls Sie falsch liegen sollten, trösten Sie sich: Die falsche Antwort von heute kann nächstes Jahr schon (wieder mal) richtig sein. Nein, pardon, nicht kann, sondern wird.

Start in die Klappfensterzuschlagsaison

Freitag, 17. April 2015

Sie möchte nicht jung sterben.

Endlich ist es wieder soweit: Die Temperaturen erreichen gelegentlich Werte um 15 Grad Celsius.

Für den Berliner, vor allem den männlichen unter 35, bedeutet dies, daß er sich wieder ständig in höchster Gefahr befindet: Ein Hitzestau an seinen Unterschenkeln könnte ihn das Leben kosten. So zeigt er sich schick und stadtfein mit Mütze, Halstuch oder Schal und langärmeligem Shört oder ebensolchem Jäckchen, unbedingt aber mit einer Hose, die allerhöchstens bis knapp unter die Knie reicht.

Die Berlinerin hingegen, vor allem jene über 35 (was erfahrungsgemäß auf das geistige Alter bezogen werden sollte), sieht sich aus einem anderen Grund permanenter Lebensgefahr ausgesetzt: ZUGLUFT. Wobei der Tod in dieser Gestalt vorrangig in Bussen und Bahnen zu lauern scheint. Weshalb die überhaupt nicht hysterische Hauptstädterin von dem Zwang getrieben wird, in diesen Fahrzeugen sämtliche Klappfenster zu schließen, einerlei, ob in den Wagen nun gerade 25, 35 oder 45 Grad herrschen.

Erste Exemplare der beschriebenen Spezies haben dieser Tage bereits unseren Weg gekreuzt. Wir freuen uns auf unzählige in den kommenden Monaten. Ja, Frühling und Sommer sind doch die schönsten Jahreszeiten.

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Donnerstag, 16. April 2015

Ui, ist das spannend!

Auf eine ästhetisch ansprechende Gestaltung der Berliner U-Bahnhöfe legt die BVG bekanntlich großen Wert. Bei Renovierungen oder Umbauten macht es sich der Verkehrsbetrieb daher nicht leicht, wie man seit geraumer Zeit auch auf der Station Schloßstraße sehen kann: Welcher Anstrich des Sichtbetons wird wohl heller und freundlicher wirken ? der hellere oder der dunklere? Welche Schrift ist besser lesbar ? die ursprüngliche, mit dicken, reliefartig hervortretenden Buchstaben oder die neue mit dünnen, flachen Lettern?

Auf die Ergebnisse der aufwendigen Untersuchungen sind wir unbändig gespannt.

Grün wirkt: Hamburg ganz vorn!

Mittwoch, 8. April 2015

In Hamburg haben sich SPD und Grüne auf ein gemeinsames Regierungsprogramm geeinigt. Völlig überraschend bleiben die von den Grünen verfochtenen Pläne zum Wiederaufbau der Straßenbahn beerdigt. Die wachsende Hansestadt wird ihre ebenso wachsenden Verkehrsprobleme mit einem modernen Konzept lösen:

1. Mehr Busse fahren zu lassen (und dies auch schneller), denn es gibt bekanntlich keine attraktivere Form des ÖPNV als den Bus.

2. Eine (in Worten: EINE) U-Bahn-Linie zu bauen. Im Laufe der nächsten zwanzig Jahre (oder so). Mit einem überzeugenden Finanzierungskonzept: Irgendwie wird den größten Teil dieser Milliardeninvestition schon der Bund zahlen. (Zum Glück kennt man in Hamburg keine Großprojekte, die zeitlich wie finanziell völlig aus dem Ruder laufen.)

3. Irgendwie die Benutzung des Fahrrades zu fördern (vorbehaltlich einer weiteren Überprüfung dieses Ansinnens durch die SPD).

Tja, da können sich jetzt München, Köln, Frankfurt am Main oder erst recht das blöde Berlin aber mal umschauen: Wie moderne Großstadt-Verkehrspolitik ausschaut, das demonstriert man an der Alster! Schließlich wird die Olympiabewerberstadt damit auch weiterhin unter den zwanzig größten deutschen Kommunen zu den ganz wenigen gehören, in denen keine Straßenbahn verkehrt ? die beiden anderen, ebenso modernen, metropolitanen und weltstädtischen sind Wuppertal und Münster.

Und ein schönes Beispiel ist dies auch dafür, daß die Grünen wirklich wichtige Dinge durchsetzen können ? weshalb sie durchweg bedeutende Senatsressorts besetzen durften: Wissenschaft und Forschung! Umwelt und Energie! Justiz und Gleichstellung!

Vielleicht gelingt es der einstigen Alternativpartei im Laufe der Legislaturperiode gar, der SPD auch noch eine Behörde für Jodeln, Häkeln und Meditation abzuringen? Freuen wir uns auf die Dinge, welche in Kürze zu erwarten sein könnten: Etwa ein Aktionsprogramm für die vegane Ernährung von Hunden, eine Initiative zur Inklusion von Blumen mit Behinderung, ein Förderprogramm für das Verständnis der Bedürfnisse traumatisierter transsexueller Katzen und natürlich, für die Grünen erfahrungsgemäß besonders wichtig, ein Rauchverbot in Hauptverkehrsstraßen (zumindest bei Neumond).

Eine moderne Großstadtpartei

Freitag, 3. April 2015

Seit dieser Woche gilt nicht nur im Görlitzer Park, sondern auch rund um Bildungseinrichtungen und Bahnhöfe sowie bei Bedarf in jeder Berliner Grünanlage NULL TOLERANZ: Hier soll künftig wieder auch der Besitz des kleinsten Krümels Cannabis verfolgt werden. So wird jetzt dem Drogenhandel der Garaus gemacht.

Verwirrte Schreiberlinge und ewige Miesmacher bringen gegen diese zielführende Politik des Senats lauter kleinliche ?Argumente? vor: Die Polizei könne den Verfolgungsdruck in Gestalt vieler Razzien und anderer Überwachung aus Personalnot gar nicht dauerhaft aufrechterhalten. Im Görlitzer Park eingesetzte Kräfte fehlten an anderen Orten, auch an anderen Schwerpunkten des Drogenhandels. Die Justiz sei ohnehin überlastet, durch die ausgiebige Beschäftigung mit Menschen, die ein paar Gramm Cannabis bei sich führen, bliebe keine Zeit mehr, sich mit den ?großen Fischen? zu befassen. Und wenn kleinen Konsumenten jetzt wieder Strafen angedroht würden, dürften viele sich wenig aussage- und kooperationsbereit zeigen. Bereits überlastet sei auch die Kriminaltechnische Untersuchungsstelle, die jetzt wieder bei jedem beschlagnahmten Cannabiskrümel den THC-Gehalt feststellen müsse, da von dessen Höhe das Strafmaß abhänge. Viele Verfahren blieben solange liegen, daß sie zu verjähren drohten. Last but not least werde sich der Drogenhandel aller Voraussicht nach lediglich vom Görlitzer Park in die Umgebung verlagern ? denn schon, wer einen Meter neben dem Park mit Haschisch erwischt wird, darf wieder auf die bewährte Berliner Toleranz rechnen.

Auch der Landesvorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter hält von der Neuregelung sehr wenig. Aber der BDK ist ja als ein Haufen liberaler Weicheier und linker Wirrköpfe bekannt, die gegen Law-and-Order-Politik ständig opponieren, gell?

In Wahrheit ist es sehr hilfreich und sinnvoll, was der Innensenator (CDU), der Justizsenator (CDU) und der Gesundheitssenator (CDU) da beschlossen haben: In Kreuzberg, wo der Görlitzer Park liegt, hat ihre Partei sowieso nur noch wenige Wähler und kommt kaum mehr auf zweistellige Ergebnisse. Aber weit weg wird man von diesem entschiedenen Durchgreifen beeindruckt sein: In Tempelhof, Spandau oder Reinickendorf, wo viele der verbliebenen CDU-Anhänger sitzen sowie andere Menschen, die nie in den Görlitzer Park oder seine Umgebung kommen werden und nach 17 Uhr vermutlich eh nicht mehr auf die Straße gehen, weil man sich das heutzutage ja nicht mehr trauen kann.