Archiv für Februar 2015

Zum Glück finden die Olympischen Sommerspiele nicht im Winter statt

Freitag, 20. Februar 2015

Abbildung ohne jeden Bezug zum Thema

Hier und da wird man dieser Tage in Berlin mit der Mitteilung behelligt, irgendwelche Leute wollten irgendwelche Spiele.

Der geübte Hauptstädter schenkt dem nicht viel Beachtung, ist er doch daran gewöhnt, daß in Berlin auch noch die sonderbarsten Gestalten ihren Zwangsvorstellungen freien Lauf lassen und nach ihrer Façon selig werden dürfen.

Etwas ganz anderes ist es, wenn die aktuelle Ausgabe der Kundenzeitschrift der Berliner S-Bahn mit der Schlagzeile ?S-Bahn Berlin ist bereit für Olympia? überrascht. Denn natürlich wird niemand bezweifeln ? schon gar nicht nach den Erfahrungen der letzten zehn Jahre ?, daß die Berliner S-Bahn ein jederzeit voll einsetzbares, absolut verläßliches, zu Höchstleistungen fähiges Verkehrsmittel ist, daß ihr jetziger Wagenpark zum größten Teil aus Meisterwerken des Fahrzeugbaus besteht, deren Betriebs(ausnahme)genehmigungen sicher verlängert werden, daß die Bestellung neuer Fahrzeuge irgendwann in den nächsten Jahren endlich erfolgen wird und daß das eine oder andere dieser Fahrzeuge sogar schon in Betrieb sein könnte, wenn denn 2024 oder 2028 in Berlin Olympische (und Paralympische!) Spiele stattfinden würden. Zu einem Zeitpunkt, wenn womöglich auch bereits die derzeit in Bau befindliche, ?S 21? genannte, mehr als einen ganzen Kilometer lange Strecke vom Nordring zum Hauptbahnhof fertig sein dürfte ? zumindest mit jener provisorischer Endstation einige hundert Meter vom Hauptbahnhof entfernt, über deren Bau seit geraumer Zeit gesprochen wird.

(Dabei helfen werden jene Milliarden von Euro, die dank ?der Spiele? nach Berlin fließen werden. Zumindest wenn man den Olympia-in-Berlin-Befürwortern glaubt. Und weshalb sollte man das nicht tun?)

Blüten am Wegesrand (21)

Dienstag, 17. Februar 2015

Der heutige Zeitgeist hält es für unerläßlich, jede unterirdische Bahnsteighalle individuell zu gestalten.

Vor hundert Jahren war man genau entgegengesetzter Ansicht: Etwas dermaßen Modernes wie eine U-Bahn-Station, so die damals vorherrschende Meinung, sollte auch seriell, quasi wie am Fließband gestaltet werden. Für individuelle Schnörkel habe man in einer auf Fortschritt und Geschwindigkeit ausgerichteten Epoche keine Zeit mehr.

Berlins bedeutendster U-Bahn-Architekt Alfred Grenander griff dies auf, als er die Bahnsteighallen der 1907 und 1908 eröffneten Stationen des Abschnitts Potsdamer Platz-Spittelmarkt einheitlich gestaltete, voneinander unterschieden nur durch eine Kennfarbe. In dieser waren nicht nur die stählernen Stützen in der Mittelachse der Halle gestrichen, sie zeigte auch ein Streifen, der in Höhe der Stationsschilder auf voller Länge über die Hintergleisflächen lief, sich um die Schilder herum aber rautenförmig erweiterte. Nicht zuletzt wurden außerdem die Reklameflächen an den Wänden von Fliesen in der jeweiligen Kennfarbe umrahmt.

Überhaupt die Fliesen: helle kleine Keramikplatten, die auf allen Stationen den größten Teil der Wandflächen bedeckten, kostengünstig und sachlich, abwaschbar und damit pflegeleicht. Grenander hatte damit schon die allerersten Tunnelstationen des Berliner U-Bahn-Netzes ausgekleidet. Für Farbe, so ein Gedanke, würden zur Genüge die Reklameplakate sorgen, welche im schnellen Rhythmus der Großstadt wechseln und so quasi auch bewirken würden, daß die Bahnsteighalle immer wieder umdekoriert wird.

Für den noch recht schnörkelseligen, zugleich einer ?gediegenen? Gestaltung auch des öffentlichen Raums großen Wert beimessenden Zeitgeist des frühen zwanzigsten Jahrhunderts waren diese Stationen fast schon eine Zumutung. Allen voran die serienmäßig gestalteten U-Bahnhöfe zählten zu dem modernsten, was Berlin damals architektonisch zu bieten hatte.

Bei dem anschließenden, 1913 eröffneten Abschnitt zur Schönhauser Allee ließ Grenander dann sogar noch den Streifen auf den Längswänden weg und ersetzte die rautenförmige Umrahmung der Stationsschilder durch eine rechteckige.

Von den ersten ?Serienbahnhöfen? besitzt nur der heutige U-Bahnhof Potsdamer Platz noch seine originale Wandverkleidung. Mit viel Aufwand und Mühe wurde (nicht nur) diese Gestaltung vor einigen Jahren auf der Station Spittelmarkt rekonstruiert. Man beschaffte den Originalen recht ähnliche Fliesen, ließ die längst verschwundenen Stationsschilder nachbasteln ? und den auf voller Bahnsteiglänge über die Hintergleisflächen laufenden Farbstreifen einfach weg, reduzierte die Zahl der Stationsschilder und Reklameflächen und installierte dort, wo bunte Plakate prangen sollten, alte Schwarzweißphotos.

Also eine Gestaltung ?getreu dem historischen Vorbild?, wie so etwas dann in der Regel heißt.

Original ...

... und Imitation

Soll der Pöbel doch zu Hause trauern

Mittwoch, 11. Februar 2015

Heute findet ein Staatsakt zu Ehren des kürzlich verstorbenen Bundespräsidenten a.D. Richard von Weizsäcker statt.

In Berlin sind dafür die Straßen rund um das Rote Rathaus einerseits, um dem Lustgarten mit Dom, Altem Museum und Zeughaus andererseits von 7 bis 15 Uhr komplett gesperrt ? für Autofahrer, Radfahrer, Fußgänger. Und mutmaßlich auch für Rollerfahrer, Schweinekarrenlenker oder Sackhüpfer.

Die hohen Herrschaften gedenken aber nicht, völlig unter Ausschluß der Öffentlichkeit zu trauerfeiern: ?Der Staatsakt ist nicht öffentlich, wie das Bundesinnenministerium bekannt gab?, heißt es auf der Website des RBB, ?doch es sei Bürgern unbenommen, in die Nähe des Domes zu kommen und das Geschehen zu verfolgen. Dabei müsse jedoch ein Sicherheitsabstand gewahrt werden.?

Das ist sehr schön, daß der Pöbel ? pardon: die lieben Mitbürgerinnen und Mitbürger nicht völlig fern, sondern nur auf sichere Distanz gehalten werden. Und es zeigt, welch enormer Fortschritt in unserem freiheitlich verfaßten Volksstaat mittlerweile erreicht wurde: So etwas gab es weder im deutschen Kaiserreich noch unter den Nazis noch unter den Kommunisten.

Ghost Bikers on the Road

Dienstag, 10. Februar 2015

Eine völlig absurde, da komplett unrealistische Darstellung.
Unbedingt zu beachten: Dem Radfahrer, der etwas auf sich hält, dient der Scheinwerfer nur als Dekoration.

Keine andere Gruppe von Verkehrsteilnehmern ist so geplagt und daher auch gefährdet wie Radfahrer. Nicht nur Kraftfahrzeuge ergehen sich in einer permanenten gnadenlosen Hetzjagd auf sie. Auch durch Fußgänger werden Radfahrer unablässig bedrängt. Und zwar insbesondere dadurch, daß sie sich unverantwortlicher Weise dort aufhalten, wo der durchschnittliche Radfahrer nun einmal bevorzugt fährt (und zwar auch auf breiten Straßen mit Fahrradspur oder mit breiten, gut unterhaltenen Radwegen): auf dem Bürgersteig. Gerade in der noch immer andauernden dunklen Jahreszeit versteigt sich sogar manch Fußgänger zu der Forderung, Radfahrer sollten ein Rücklicht, mindestens aber einen Scheinwerfer betreiben. ?Begründet? wird dieses dreiste Verlangen mit dem scheinheiligen Hinweis, eine ausreichende (oder zumindest irgendeine) Beleuchtung des Radfahrers würde auch zu dessen Sicherheit beitragen. Unfaßbar, wozu Menschen fähig sind, die nur aus lauter Faulheit nicht richtig aufpassen oder flink genug zur Seite springen wollen!

Angesichts dieser unhaltbaren Zustände kann man nur von Glück sagen, daß es weder einen Allgemeinen Deutschen Fußgänger-Club noch eine andere lautstarke Lobbyorganisation der Fahrzeuglosen gibt. Wer weiß, an vielen Stellen die Stadt andernfalls verunziert würde durch weiße Fußgängerpuppen.

Die anmutige Abbildung wurde dem werthaltigen Werk ?Das Sommerhasserbuch? entnommen, erschienen im Berliner Verlag Matthias Herrndorff und dort wie im bundesdeutschen Buchhandel erhältlich für 8,90 Euro (104 Seiten, ISBN 978-3-940386-20-5).

Optimal angepaßt

Sonntag, 1. Februar 2015

Heute liegt die letzte Erhöhung, pardon: Anpassung der Fahrpreise im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg bereits einen Monat zurück.

Erfahrungsgemäß sind es daher noch zirka fünf Monate, bis die nächste moderate Tarifangleichung ins Gespräch gebracht, noch zirka sieben Monate, bis sie beschlossen und genau elf Monate, bis sie wirksam wird.

Wie wir unseren Medien entnehmen durften, bewegt sich die Teuerungsrate momentan ungefähr bei null, die Treibstoffpreise sind sogar deutlich gesunken.

Das sind gute Nachrichten auch für die Beförderungsfälle des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg. Sollen sich dort die künftigen wunderschönen Fahrpreisoptimierungen doch an der Inflationsrate orientieren.

Das heißt: Erfahrungsgemäß dürften die Fahrpreise zum 1. Januar 2016 lediglich um zwei bis drei Prozent steigen.