Archiv für Januar 2015

Erfolgreiches Wirken

Donnerstag, 22. Januar 2015

Wie konnte das passieren?

Straßenbahn mitten in West-Berlin!

Da kannste lange warten!

In Betrieb genommen im Mai 2000: Vorläufige (LOL) Endhaltestelle am U-Bahnhof Warschauer Straße

Der 14. Oktober 1995 war ganz sicher nicht ein rabenschwarzer Tag für die Berliner Senatsverkehrsverwaltung. Bestimmt haben es viele der dort Tätigen nicht als arge Niederlage empfunden, daß sie nicht verhindern konnten, was manchem Freund des öffentlichen Personennahverkehrs als schlimmer Albtraum für jeden Betonkopf- und Bleifußbesitzer erschienen sein mochte: Die Rückkehr der Straßenbahn in den einstigen Westteil der Stadt.

Viele Kilometer weit führte die 1997 bis zu ihrem heutigen Endpunkt verlängerte Strecke über die Bornholmer, die Osloer und die Seestraße durch den schönen Wedding und hatte hier ein paar Parkplätze gekostet, dort eine Linksabbiegerspur gefährdet.

Und der zuständige Senator ? von der CDU! ? drohte den Bau weiterer neuer Tramtrassen an: durch Moabit, durch den Osten Kreuzbergs zum Hermannplatz, gar die Gertrauden-, Leipziger, Potsdamer und Hauptstraße hinunter bis zum Innsbrucker Platz oder womöglich noch darüber hinaus bis zum Rathaus Steglitz!

Nun ist es nicht so, daß der Senatsverkehrsverwaltung seit Jahrzehnten völlig gleichgültig ist, wer unter ihr Senator spielen darf und es den zuständigen Beamten durch erfahrene, hundertfach bewährte Obstruktion fast immer gelingt, den ÖPNV in Berlin auszubremsen und eine Politik mit klarer Rangfolge durchzusetzen: 1. Autoverkehr, 2. Autoverkehr, 3. Autoverkehr, 4. U-Bahn- und sonstiger Tunnelbau, dann lange Zeit nichts und irgendwann der Rest.

Daher kann auch keine Rede davon sein, daß sich die Verwaltung intensiv darum bemüht hätte, den Bau neuer Straßenbahnstrecken zu verzögern oder zu verhindern. Erst recht nicht im einstigen Westteil Berlins. Der Beweis: Nach der Stichstrecke im Wedding wurde die Verbindung über die Bernauer Straße wiederaufgebaut und 2006 in Betrieb genommen, welche zwar unmittelbar neben der früheren Sektorengrenze verläuft, aber eindeutig auf West-Berliner Gebiet! Und im Dezember 2014 ging die mehrere hundert Meter lange Strecke zum Hauptbahnhof in Betrieb.

Eine eindrucksvolle Bilanz auch des Wirkens und der Fähigkeit der zuständigen Senatoren Strieder (SPD), Junge-Reyer (SPD) und Müller (SPD).

Der aktuelle Amtsinhaber hat nun, kaum vier Wochen im Amt, den forcierten Ausbau der Straßenbahn angekündigt ? auch und gerade im früheren West-Berlin. Herr Geisel (SPD) ist aber zugleich ein großer Freund der Verlängerung der Stadtautobahn, da er meint, mit dem Neubau von Straßen eine Verminderung des Individualverkehrs bewirken zu können.

Das wird jetzt sehr, sehr spannend, was in den kommenden Jahren tatsächlich gebaut wird.

Ankunft im Alltag

Mittwoch, 21. Januar 2015

Nun liegt es schon über einen Monat zurück, daß die Straßenbahnstrecke zum Berliner Hauptbahnhof mit nicht einmal zehn Jahren Verspätung eröffnet wurde.

Klar, daß es nun höchste Zeit ist für den ersten Schienenersatzverkehr: Seit Montag wird der Verkehr auf den neuen Gleisen für fast zwei Wochen gegen 21.30 Uhr bis zum nächsten Morgen eingestellt, damit das Gerüst am schicken neuen Wartehäuschen am Hauptbahnhof abgebaut werden kann.

Ein Glück bloß, daß dann ganz sicher alles endlich fertig ist und bestimmt nicht im Sommer oder Herbst der nächste SEV ansteht, weil Baumängel zu beseitigen, Schrauben nachzuziehen oder Haltestellen zu putzen sind.

# isezei

Montag, 19. Januar 2015

Bürgerin, Bürger und geschlechtlich unentschiedene WesInnEn!

Die internationale Lage nimmt ständig zu! Der Ismus steht nicht mehr nur vor der Tür, sondern bereits mitten im Zimmer! Nie war es daher so wertvoll wie heute zu tun, was jedeRS anständigeR MenschIn tun muß, gerade in der heutigen Zeit:

EIN ZEICHEN SETZEN!

Ich setze ein Zeichen. Nein, sogar zwei!

Wie Du siehst, habe ich mich jedoch nicht mit einem zufriedengegeben, sondern gleich zwei Zeichen gesetzt. Nun hat das Böse keine Chance mehr!

Sollte jemand etwas anderes behaupten (zum Beispiel nicht seine Meinung sagen zu dürfen), ist er ein schlechter Mensch. Weshalb man ihm nicht gestatten darf, seine Meinung zu sagen.

Ihr müßt alle freiwillig mitmachen bei ICH SETZE EIN ZEICHEN (# isezei)! Wer es nicht tut, ist schlimmer als Hitler!

NIEDER MIT!

The World According to CDU

Samstag, 17. Januar 2015

Zeichnung von 2009

Eine gute Woche für alle anständigen, gesund empfindenden Menschen: Nicht nur auf den Balkonen unseres schönen Landes wird jetzt aufgeräumt, sondern auch in seiner Hauptstadt. An ausgewählten Orten in Berlin ? wozu auch Bahnhöfe zählen ? soll es künftig ?null Toleranz? für Drogenbesitz heißen.

Nicht etwa nur für Heroin, Kokain, Crystal Meth oder ähnliche Substanzen, für die dies bislang schon galt. Nein: Nun wird die Polizei auch wieder durchgreifen bei kleinen Krümeln Cannabis.

So haben es Innensenator Henkel (CDU) und Justizsenator Heilmann (CDU) verkündet. Und damit völlig recht: Enthemmte junge Leute, die im Haschischrausch aus dem Fenster hopsen, Massenschlägereien anfangen oder die Oma ermorden, dürften genau der Vorstellungswelt der verbliebenen CDU-Wähler und der verbliebenen ?BZ?-Leser entsprechen.

Die eigene Klientel wird also befriedigt, der Drogenhandel auf diese Weise bestimmt nicht lediglich in andere, bislang von ihm verschont gebliebene Ecken verdrängt, und sicher freuen sich die Polizei und die ebenfalls völlig unterbeschäftigte Justiz sehr, wenn sie sich jetzt wieder mit der Verfolgung des Besitzes von zwei Gramm Cannabis befassen dürfen.

Blüten am Wegesrand (20)

Freitag, 16. Januar 2015

Portale kann man nie genug haben
Das gab’s noch nie: Drei der vier Portale am Rosenthaler Platz

Schon die Eingänge zu den allerersten, 1902 eröffneten Berliner Untergrundbahnhöfen wurden mit Portalen ausgestattet: Beiderseits der Treppen in die Tiefe errichtete man Stützen, die ein Transparent hielten und zuweilen auch Laternen.

Bald traten Leuchtkästen an die Stelle simpler Schilder, die Stützen gingen auf in Bögen, und dem Zeitgeist entsprechend wurde die Gestaltung immer sachlicher.

Nach dem Zweiten Weltkrieg schließlich war zwar auch die BVG geteilt, sich aber beide Verkehrbetriebe in einem Punkte einig: Portale paßten nicht mehr in die Zeit. Bei Neubauten stellte man neben die Treppenansätze simple Masten, auf denen ein kleiner Leuchtkasten mit einem ?U? thronte ? oder sogar nur ein einzelner Leuchtbuchstabe. Vielerorts, wo Portale den Zweiten Weltkrieg überstanden hatten, sägte man sie im Laufe der folgenden Dekaden ab ? bis in die achtziger Jahre hinein.

Dann flammte die Liebe zu dieser traditionellen Gestaltung wieder auf, und zwar wiederum in Ost wie West. Seither werden nicht nur verschwundene Portale ? mehr oder auch weniger dem historischen Vorbild entsprechend ? nachgebastelt. Die BVG geht in ihrer Begeisterung fürs Geschichtliche sogar so weit, daß sie (natürlich irgendwie historisch aussehende) Portale aufstellt, wo nie welche standen. Etwa am Rosenthaler Platz, wo man Ende der zwanziger Jahre auf eine solche Gestaltung verzichtet hatte, weil man diese Kreuzung (und mehr ist dieser Platz ja eigentlich nicht) nicht mit solchen besseren Straßenmöbeln vollbauen wollte.

Doch wen scheren derlei Tatsachen, wenn er von der Portalitis befallen ist?

Selbstverständlich steht dieser U-Bahnhof unter Denkmalschutz.

Sie müssen sich darauf einstellen

Donnerstag, 1. Januar 2015

Im neuen Jahr wird, gleich zu Beginn, eine wichtige S-Bahn-Strecke durch die Berliner Innenstadt vorübergehend stillgelegt werden. Nicht nur für ein paar Wochen, wie es im vergangenen Sommer mit der Stadtbahn geschah, sondern gleich für ein paar Monate möchte man den Nord-Süd-Tunnel sperren: Von Mitte Januar bis Anfang Mai.

Schließlich müssen dort nicht nur die Gleise und ihr Bett erneuert werden, wie es auf der Stadtbahn geschah. Im Falle der Nord-Süd-Bahn ist auch eine Sanierung des Tunnels notwendig.

Das ist absolut verständlich. Immerhin war die Strecke, in zwei Abschnitten 1936 bzw. 1939 eröffnet, zunächst mehr als fünfzig Jahre lang fast kontinuierlich in Betrieb. Unterbrechungen brachten nur die Flutung gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, die Streiks 1949 und 1980 sowie eine kurzzeitige Stillegung nach der Übernahme des West-Berliner S-Bahn-Verkehrs durch die BVG Anfang 1984.

Dann erfolgte 1991 eine Sanierung, die im Januar begann, für die ab 2. April 1991 der Verkehr auf dem nördlichen Abschnitt zwischen Friedrichstraße und Gesundbrunnen eingestellt wurde und ab 18. August 1991 auch auf dem südlichen Abschnitt zwischen Friedrichstraße und Anhalter Bahnhof, beides bis zum 1. März 1992.

Da die unterirdische Bahnsteighalle an der Friedrichstraße erst in den siebziger Jahren renoviert worden war, erneuerte man sie bei dieser Gelegenheit nicht. Um es dann doch zu tun ? und auch noch manch anderes ?, wurde der Tunnel vom 16. Juni bis 13. Oktober 2002 erneut gesperrt, bis 18. August sogar nicht nur von Nord- bis Anhalter Bahnhof, sondern gleich bis Yorckstraße, also nahezu vollständig. Ab 19. August 2002 erreichten die Züge von und nach Süden dann immerhin wieder den Potsdamer Platz.

Leider hatte man zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen können, dass es notwendig werden könnte, auch im Nord-Süd-Tunnel die Signalanlagen auszutauschen ? wie es im restlichen S-Bahn-Netz bereits geschah. So durften denn die ?Berliner Verkehrsblätter? in ihrer April-Ausgabe 2005 melden: ?Seit dem 28. Februar 2005 ist der Nord-Süd-S-Bahn-Tunnel wieder eine Großbaustelle.? Aber: ?Während die Sanierungen der Jahre 1991/92 und 2002 mehrmonatige Totalsperrungen mit sich brachten, kommt der Baubetrieb jetzt im Wesentlichen mit längeren Betriebspausen und einem auf fünf Minuten erweiterten Zugabstand aus (?).? Wofür die Linie S 25 zwischen Potsdamer Platz und Nordbahnhof unterbrochen wurde. ?Lediglich zwischen den Stationen Anhalter Bahnhof und Yorckstraße wird der Zugverkehr von Juli bis November 2005 eingestellt.? Also gerade einmal für fünfeinhalb Monate, denn auf Grund des bekannten Berliner Bautempos wurde aus ?November? schließlich der 10. Dezember.

Im November 2011 lag der Fahrgastverkehr im Tunnel dann noch einmal für ein Wochenende still: Da wollte die Bahn dort nicht nur schrauben, sondern auch mal ordentlich putzen. Nein, natürlich nicht, es ging um ?Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten? ? die sich eben dummerweise nur während einer mehrtägigen Vollsperrung ausführen ließen.

Man sieht also: Im Laufe des vergangenen Vierteljahrhunderts fuhren die Züge nahezu ununterbrochen durch den Berliner S-Bahn-Tunnel. Da war es kein Wunder, wenn nach so wenigen mehrmonatigen Vollsperrungen, Sanierungen, Modernisierungen im Herbst 2013 mal die Gleise auszutauschen waren. Wofür sich die Fahrgäste auf eine lediglich rund zweiwöchige Vollsperrung ?einstellen mussten?, wie derlei in heutigem Pressesprecherdeutsch heißt, weil es so schön nach unabänderlichem Schicksal und höherer Gewalt klingt.

Seitens der DB AG vermag man auch zu erklären, warum nun, 2015, eine neuerliche Sanierung des Tunnels unausweichlich ist: Bei ihm handele es sich eben um ein ?anspruchsvolles Bauwerk?. Weshalb man ja nur von Glück sagen kann, dass es bei der Berliner U-Bahn kaum enge Kurven oder steile Steigungen gibt (oder gar Verkehr im Fünf-Minuten-Takt) ? weder bei der U 2 in Mitte oder am Breitscheidplatz, noch auf der U 3 zwischen Wittenberg- und Hohenzollernplatz, noch bei der U 6 und der U 7 rund um die Station Mehringdamm. Denn andernfalls lägen ja auch diese Teile des Berliner Schnellbahnnetzes öfter mal zwecks dringend notwendiger Sanierung für ein paar Wochen oder Monate still.

Glücklicherweise war auch nicht der Stadtbahnabschnitt zwischen Ostbahnhof und Friedrichstraße zur Zeit der Mauer eine der am stärksten befahrenen Strecken im Ost-Berliner S-Bahn-Netz. Sonst hätten die Gleise dort womöglich noch viel öfter ausgetauscht werden müssen als heute, wo sie gerade einmal zwanzig Jahre halten.

Es kann nicht anders sein, denn wäre es das, müsste man fragen, ob heute das Material weniger taugt als früher, ob jetzt weniger ?nachhaltig? gearbeitet wird oder ob die Verkehrsbetriebe inzwischen einfach mitbekommen haben, dass man nicht nur den Medien so ziemlich alles erzählen, sondern auch den Berliner Fahrgästen so ziemlich alles zumuten kann. Sogar alle paar Jahre die wochen- oder gar monatelange Sperrung der gleichen zentralen Schnellbahnstrecken.