Archiv für August 2014

Herzlichen Glückwunsch Klaus Wowereit!

Dienstag, 26. August 2014

Wenn am unschönsten ist, sollte man aufhören
Nicht nur für Berlins kritische Journalisten: Ausschneiden, ans Revers heften! (Bzw. in Berlin natürlich: ans schlabbrige Schört.)

Lieber Klaus Wowereit!

Zu Ihrer heute verkündeten Absicht, am 11. Dezember vom Amt des Regierenden Bürgermeisters zurückzutreten, kann man Ihnen nur gratulieren!

Nicht weil Ihr Abschied zu einem Zeitpunkt käme, an dem die meisten längst sagen: ?Wurde auch Zeit!? Oder weil die Berliner SPD, wären Sie noch einmal angetreten, bei der nächsten Abgeordnetenhauswahl gute Chancen gehabt hätte, unter zwanzig Prozent zu landen. Natürlich nicht. Sie haben eine Superpolitik gemacht, für Berlin viel geleistet, die meisten Probleme gelöst, die Stadt für die Zukunft gerüstet, sind immer noch unglaublich beliebt, wenn sich in den letzten zehn, zwölf Jahren in Berlin etwas positiv entwickelt hat, dann ist das nur wegen und nicht trotz ihrer Politik passiert, und überhaupt: Ohne Sie läuft der Laden doch nicht! Lauter Miesepeter und Deppen um Sie herum! Das hätten Sie doch eigentlich alles weiter aussitzen können! (Nur mißgünstige Gesellen fühlten sich bei Ihrem Benehmen in den letzten Jahren stark an die von Bräsigkeit und Realitätsverlust geprägte Spätzeit der Kanzlerschaft Helmut Kohls erinnert.)

Nein, es ist Ihnen zu gratulieren, weil die bekannt kritischen Berliner Medien sich auch in den politischen Nachrufen auf Sie so benehmen werden, wie sich die bekannt kritischen Berliner Medien eben benehmen: Einerseits, andererseits, doch Obacht!, Lirum-Larum-Löffenstiel. Und auf alle Fälle auch ganz viel Positives. Mensch, dufte, unsa Balin, uns kann keena!

Blicken wir nur mal auf den Bereich der Verkehrspolitik:

Es ist ja nicht so, daß unter Ihnen in Berlin weniger neue Straßenbahnstrecken gebaut worden wären als unter Ihrem ? nicht eben als fanatischer Freund der Tram oder des ÖPNV generell ? bekannten Vorgänger Diepgen. Es ist ja nicht so, daß ein Neubauprojekt (jenes in die ?Wissenschaftsstadt? Adlershof) so lange verschleppt worden wäre, bis man es dann doch zu realisieren begann, weil andernfalls das Baurecht verfallen wäre. Es ist ja nicht so, daß an der Strecke zum famosen Hauptbahnhof inzwischen fast schon so lange herumgebastelt wird wie an jenem grandiosen Großflughafen, den man nun wirklich nach Ihnen benennen sollte. Und es ist ja nicht so, daß der Bau weiterer Straßenbahnstrecken zwar irgendwie geplant ist (wie seit über zwanzig Jahren), aber nirgends deren Realisierung bereits in Angriff genommen worden wäre (nicht mal planungsrechtlich).

Es ist ja nicht so, daß unter Ihnen gleichzeitig auch der Ausbau des U-Bahn-Netzes nahezu zum Stillstand gekommen wäre und die einzige Strecke, welche in Ihrer Amtszeit ? not- oder vielmehr vom Bund gedrungen ? entstand, in einem Schneckentempo gebaut würde, das selbst noch die Dauer der Errichtung von Strecken übertrifft, bei deren Realisierung ein kleiner Weltkrieg dazwischen kam.

Es ist ja nicht so, daß unter Ihnen Themen wie Bus- oder gar Straßenbahnbeschleunigung kaum eine nennenswerte Rolle gespielt hätten, weil die (inzwischen im Ressort Stadtentwicklung gelandete) Senatsverkehrsverwaltung traditionell alles tut, um den Autoverkehr zu bevorzugen und es ihr auch völlig gleichgültig ist, wer unter ihr gerade Senator spielen darf.

Es ist ja nicht so, daß es unter Ihnen zu dem mit weitem Abstand längsten BVG-Streik der Geschichte gekommen wäre, unter dem die Berliner, ihre Besucher, die Wirtschaft wochenlang litten.

Es ist ja nicht so, daß unter Ihnen die Berliner S-Bahn in ihre größte Krise in Friedenszeiten ? nein, eigentlich: in ihre größte Krise überhaupt gefahren wäre. Und daß Sie dabei in gewohnter Weise auf Tauchstation gegangen wären und es einer überforderten, inzwischen ? keine drei Jahre nach ihrer Entlassung ? längst vergessenen Senatorin überlassen hätten, sich in der Öffentlichkeit mit dem Problem herumzuschlagen. Wobei sich die Dame stets besonders mutig gefühlt hätte, wenn sie eine drakonische Strafe für die S-Bahn GmbH verkündete: Daß der Senat nicht erbrachte Leistungen nicht bezahlen werde.

Es ist ja auch nicht so, lieber Klaus Wowereit, daß Sie der erste Regierende Bürgermeister Berlins gewesen wären, der dank einer ? von ihm mit betriebenen ? Verfassungsänderung Richtlinienkompetenz besessen hätte, folglich letztendlich für die gesamte Senatspolitik verantwortlich gewesen wäre, da er als erster Regierender Bürgermeister überhaupt die Senatoren ernennen und entlassen konnte.

Und schon gar nicht ist es so, daß das einzige Verkehrsprojekt, welches Sie in über dreizehn Jahren Regierungszeit mit Nachdruck vorangetrieben hätten, neben dem berühmten Großflughafen die Verlängerung der Stadtautobahn A 100 gewesen wäre.

Nein, so war das alles zum Glück nicht. Andernfalls könnte man ja kaum sagen, daß es neben einigen kleinen Schatten auch ganz viel Licht in ihrer Amtszeit gegeben habe und Sie Berlin richtig gut getan und es vorangebracht hätten ? auch und gerade auf dem Gebiet der Verkehrspolitik.

Wer verbietet mehr?

Donnerstag, 21. August 2014

Der Berliner Senat, so war am Wochenende der Website des Rundfunks Berlin-Brandenburg zu entnehmen, halte ein Rauchverbot an Bus- und Straßenbahnhaltestellen für unrealistisch. Angesichts der Zahl von rund 7300 Haltestellen sei eine flächendeckende Kontrolle nämlich nicht durchzusetzen.

Sicher wird diese Äußerung nicht in spätestens fünf Jahren als ein schockierender Beleg dafür dienen, wie unverantwortlich man im Berlin des Jahres 2014 den Nichtraucher-, Umwelt-, Jugend-, Menschheitsschutz vernachlässigt hat. Wohinter sich natürlich nur eine weitere Verschwörung der Tabakindustrie verbergen kann, welche beabsichtigt, nicht nur ihre Kunden, sondern die gesamte Menschheit zu ermorden. (Der Beweis: Im Jahre 1900 schätzte man die Weltbevölkerung auf anderthalb Milliarden Menschen. Am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts, in dem mehr geraucht wurde als jemals zuvor, waren es über sechs Milliarden.)

Sicher wird das Rauchen auch nicht in spätestens fünf Jahren an Berlins Bus- und Straßenbahnhaltestellen nicht nur verboten, sondern streng verboten sein ? im Interesse eines umfassenden Nichtraucherschutzes, der strikt, absolut und total ist. (Freiwillige Regelungen haben nichts gebracht.)

Denn sicher wird dann nicht jene Koalition regieren, die der CDU-Verkehrsexperte Oliver Friederici mit seiner parlamentarischen Anfrage, welche der Senat in der eingangs genannten Weise beantwortete, vorzubereiten scheint: Ein Bündnis aus Christdemokraten und Grünen.

Womit sich auch nicht die Frage stellt, was wohl die einstige Alternativpartei ihren neuen Freunden im Gegenzug für schöne Verbote anbieten wird.

Eine weitere Aufgabe für Schwarz-Grün: Rauchverbot an Ampeln

Wunder des Alltags (24)

Montag, 18. August 2014

Was braucht ein Biomarkt, der seine Kunden zufriedenstellen und somit binden will? Natürlich Tofu von glücklichen Sojabohnen, Toilettenpapier für fünfzig Cent die Rolle und vielleicht auch Wurst aus zu Tode gestreichelten Tieren. Unzweifelhaft ein gutes Argument stellt ferner ein Autobahnanschluß dar. In jedem Falle aber sollte das Einkaufsparadies für bessere (oder zumindest besser verdienende) Menschen über einen Parkplatz verfügen.

Der hier zu sehende befindet sich ? wie das Marktgebäude ? auf einer Fläche, die seit langem nicht nur dem Verkehr im allgemeinen, sondern dem Warentransport im besonderen dient: Früher gehörte sie zum Güterbahnhof Berlin-Lichterfelde West.

So hat halt jede Zeit ihre Kennzeichen.

Schnell! Julian-Paul Maximilian und Sarah Lara Lisa warten auf Dinkelkekse und Selleriesaft!

Liebe Frau Nikutta!

Mittwoch, 13. August 2014

?Frau Nikutta hört zu? lautet der Titel einer prominent placierten neuen Rubrik in der Kundenzeitschrift ?BVG plus?. ?An dieser Stelle?, heißt es, ?antwortet Ihnen die BVG-Vorstandsvorsitzende Dr. Sigrid Evelyn Nikutta?. In der August-Ausgabe erklärt Frau Doktor auf die Frage, ob man die Haltestellen für Nachtbusse zwecks besserer Orientierung nicht anders gestalten könnte als jene für die Tageslinien ? nämlich mit weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund: Dabei müsse man ?auch die Wünsche unserer behinderten Fahrgäste? berücksichtigen. ?Eine vorteilhafte Farbkombination ist Schwarz auf Weiß. Helle Buchstaben auf dunklem Grund sind schlechter lesbar als umgekehrt.?

Das, liebe Frau Nikutta, leuchtet ein. Und zwar ganz buchstäblich. Denn Schwarz leuchtet bekanntlich stärker als Weiß. Deshalb fallen helle Buchstaben auf dunklem Hintergrund natürlich viel weniger ins Auge als dunkle Buchstaben auf hellem Hintergrund. Und der helle Hintergrund kann auch niemals, unter gar keinen Umständen, die dunklen Buchstaben überstrahlen und dadurch schlechter erkennbar machen.

Zudem: ?Teilweise wird unser Erscheinungsbild in der Fahrgastinformation von anderen Verkehrsunternehmen übernommen, auch international.?

Deshalb halte man am Bewährten fest. Und deshalb gibt es nicht nur keinerlei Grund etwas zu ändern, sondern auch keinen Grund für Sie, liebe Frau Nikutta, mal zu überprüfen, was Ihnen Ihre Mitarbeiter so alles nicht nur in aller Öffentlichkeit, sondern sogar in der Kundenzeitschrift Ihres Hauses in den Mund legen.

Um die Angaben auf den Anzeigetafeln des stets zuverlässig und fehlerfrei funktionierenden Systems DAISY besser lesbar zu machen ? auch und gerade für die behinderten Fahrgäste ? hat die BVG darauf geachtet, daß kein zu starker Kontrast zwischen Schrift und Hintergrund entsteht:
Da freut sich der Beförderungsfall

Unter der früher auch bei ihr praktizierten unsachgemäßen Gestaltung von Schildern und Transparenten leidet die BVG noch heute:
Schlecht lesbares Schild aus der Zeit um 1930

Mancherorts schleicht sie sich noch immer ein, wie bei dieser kürzlich umfassend sanierten Station:
Schlecht lesbares Transparent

Die Deutsche Bahn AG hat sich erst unlängst eine neue Schildergestaltung andrehen lassen, bei der helle Schrift auf dunklem Grund erscheint. Wie man sieht, mit verheerenden Folgen: Ganz schlecht lesbar:
Kaum entzifferbar

Nicht den internationalen Standards entspricht auch die Gestaltung dieses Schilds. Sie fand deshalb weltweit kaum Beachtung:
Diese Gestaltung fand kaum Beachtung (oder gar Nachahmer)

Gute Nachrichten, Freunde!

Freitag, 1. August 2014

Wenn der August zu Ende geht, naht nicht nur der Herbst, sondern gibt es zumindest für des Nutzer ÖPNV noch eine weitere gute Nachricht: ?Ab 24. August gibt es auf vielen U-Bahnlinien mehr Fahrten während der Stoßzeiten?, ist der aktuellen Ausgabe der Kundenzeitschrift ?BVG plus? zu entnehmen. ?Außerdem fahren die Züge am Abend länger im 5-Minuten-Takt. Auf 39 Linien werden in diesem Jahr mehr Fahrzeuge eingesetzt werden.?

Letzteres erstaunt besonders, zählt doch das Berliner U-Bahn-Netz momentan nur zehn Linien. Statt zu verraten, welche 29 weiteren in Kürze eröffnet werden, gibt ?BVG plus? aber leider nur eine Übersicht, wo und wann mit einem Ausbau des Angebots zu rechnen ist. So auch auf der U 9, wo es sonntags einen Fünf-Minuten-Takt statt ?von ca. 12.30 bis 19.00 Uhr? künftig ?von ca. 11.30 bis 17.45 Uhr? geben soll. Bemerkenswert auch die Entwicklung montags bis freitags ?von ca. 6.30 bis 7.00 Uhr?: Fünf-Minuten-Takt statt Vier-Minuten-Takt.

Wenn das keine Verbesserungen sind!