Archiv für Juni 2014

Augen auf am Wasserklo-Ufer!

Dienstag, 24. Juni 2014

Einer lokalen Nachrichtensendung des Qualitätsfernsehens konnte man heute entnehmen, daß es in Berlin-Kreuzberg einen argen Verkehrsstau gab, verursacht durch einen Unfall und die nachfolgende Sperrung des Tempelhofer Ufers sowie des sich anschließenden Waterlooufers.

Natürlich wußte die geschulte Sprecherin ? ganz im Einklang mit unzähligen von unserem exzellenten Bildungssystem gesegneten Menschen ?, wie die letztgenannte Straße korrekt ausgesprochen wird: ?Woaterluh-Ufer?.

Denn fraglos handelt es sich hier, in der Gegend zwischen dem Halleschen Tor und dem vom Nationaldenkmal für die Befreiungskriege gekrönten Kreuzberg, wo es Blücherplatz und Blücherstraße, Yorck-, Wartenburg-, Gneisenaustraße, Großbeeren-, Katzbach-, Hagelberger, Obentrautstraße gibt, Möckernstraße und die wenig bedeutende, wegen des nach ihr benannten U-Bahnhofs aber stadtbekannte Möckernbrücke, um eine Straße, die mit ihrem Namen entweder an einen großen Londoner Bahnhof oder aber an ein lustiges Liedchen einer skandinavischen Popgruppe erinnern soll.

Womöglich auch an eine für die Hygiene sehr wichtige Einrichtung.

Für diese Zuordnung müßte man allerdings Englisch können (bekanntlich eine der belgischen Landessprachen).

Blüten am Wegesrand (18)

Sonntag, 15. Juni 2014

Wenn ein Gang ein ziemlich enger Schlauch ist ? wie der tagsüber recht belebte Verbindungstunnel zwischen den beiden Bahnsteighallen am Halleschen Tor ?, wird er natürlich noch schöner und wirkt geräumiger, wenn man ein paar raumhohe Reklamekästen vor die Wand stellt.

So wirkt der Tunnel doch gleich geräumiger!

Schilda in Berlin? Oder cherchez la femme?

Mittwoch, 11. Juni 2014

Das Berliner U-Bahn-Netz besteht aus zwei unterschiedlichen, kaum miteinander kompatiblen Fahrzeugsystemen: dem Groß- und dem etwas älteren Kleinprofil.

Wie die Bezeichnungen schon vermuten lassen, sind die Wagen des letztgenannten vor allem schmaler als die des anderen: 2,30 Meter gegenüber rund 2,65 Metern.

Bei der BVG, die seit geraumer Zeit von Frau Dr. Sigrid Evelyn Nikutta geleitet wird, möchte man eine so immense Breitenbeschränkung nicht länger hinnehmen. Für die wieder einmal anstehende Beschaffung neuer Kleinprofilwagen ließ man ? erstmals nach fast 120 Jahren ? Fahrzeuge entwickeln, die dank eines ?bombierten? (meint: etwas bauchigen) Wagenquerschnitts bis zu 2,40 Meter breit sind.

Für diesen immensen Gewinn von zehn Zentimetern, durch die man genau null zusätzliche Sitzplätze gewinnt (schon, da man bei der Berliner U-Bahn nach Jahrzehnten des Experimentierens mit Quer- stillschweigend wieder zu Längssitzen zurückgekehrt ist) und womöglich wenige Stehplätze (deren Berechnung stets theoretisch ist, weil sie davon abhängt, wie viele Menschen man auf einen Quadratmeter zusammenquetschen will), ist man bei der BVG bereit, einige kleine Opfer zu bringen.

Denn als man sich ? nachdem man den Auftrag für die Entwicklung breiterer Fahrzeuge vergeben hatte ? mal die Tunnel genauer anschaute, stellte man fest: In die Tunnel passen die neuen, als Typ ?IK? bezeichneten Wagen ? die gestern den kritischen Qualitätsmedien vorgestellt wurden, welche völlig überraschenderweise umgehend in begeisterten Jubel ausbrachen ? schon. Sie passen auch durch die teils engen Kurven, aber an einigen Stellen reicht der Sicherheitsabstand zwischen den neuen Zügen und sich im Tunnel aufhaltenden Arbeitern nicht mehr aus.

Was aber wirklich kein Problem ist: Demnächst schreitet die BVG zum Umbau der Tunnel an den problematischen Stellen.

Es gibt Zeitgenossen, die rufen ?Cherchez la femme!? ? obwohl so eine Frau gar nichts dafür könne. Sie denke eben, so meinen diese üblen Gesellen, zehn Zentimeter machten einen enormen Unterschied aus, weil Männer ihr wiederholt etwas ziemlich Kurzes gezeigt und dann behauptet hätten, das wären dreißig Zentimeter.

Pfui.

(Lesen Sie in diesem Zusammenhang bitte auch: Neues von drüben.)

Sind das nicht dreißig Zentimeter?

Leute gibt?s

Dienstag, 3. Juni 2014

Seit Jahren verwendet die BVG viel Geld und Mühe darauf, die Helligkeit in den Berliner U-Bahnhöfen stark zu erhöhen. Zahllose neue Lampen und Leuchten wurden installiert, dafür Decken aufgestemmt und ? wo man vorhandene Einbauleuchten für nicht mehr ausreichend hielt ? geschlossen. Und so wenig man dabei oft auf die Intentionen der Architekten der jeweiligen Station Rücksicht nehmen konnte, so tauschte man vielerorts den pflegeleichten und neutralen Asphalt gegen helle Bodenbeläge aus Stein aus, wohlwissend, daß diese schnell verschmutzen, ebenso rasch und deutlich Spuren der Abnutzung zeigen und durch all dies das Ambiente noch weiter leiden wird. Egal ? Hauptsache, es werde Licht(er)!

Am südöstlichen Ende der von der U 2 genutzten Bahnsteighalle der Station Bismarckstraße finden sich seit geraumer Zeit diese Wandfliesen in zwei verschiedenen Dunkelgrüntönen:

Steigerung der Helligkeit durch Austausch von Silber gegen Dunkelgrün?

Dies, so behaupten Zeitgenossen, wäre ein Test für die geplante Neuverkleidung der 1978 eröffneten Bahnsteighalle. Man unterstellt der BVG also, sie wolle eine hauptsächlich aus hellen silbernen Aluminiumplatten bestehende Verblendung ? wie sie nebenher gerade heutzutage von Nachgeborenen als ?schicker Retrolook? und ?spacig? geschätzt wird ? ersetzen durch eine mit Fliesen in einem dunklen ?Flaschengrün?, wie sie eher in eine Station des frühen zwanzigsten Jahrhunderts passen würde, auch noch versehen mit gesimsgekrönten Lisenen. Und dies nach all den umfangreichen Bemühungen, die Helligkeit in den Berliner U-Bahnhöfen zu erhöhen. Kurzum: Man unterstellt der BVG, bescheuert zu sein.

Leute gibt?s.

Für Nachgeborene ist das "Retrolook"