Archiv für Mai 2014

Clever, BVG!

Sonntag, 25. Mai 2014

Größtenteils gelb, aber oben weiß und unten dunkelgrau ? so präsentieren sich die Linienbusse im Berliner ÖPNV seit rund zwei Jahrzehnten. Jetzt hat die BVG beschlossen, aus Kostengründen fortan auf das meiste Weiß im oberen Bereich und auf den dunkelgrauen Streifen in Bodennähe zu verzichten ? wie das dann ausschaut, zeigen die hier oder hier zu sehenden Fahrzeuge.

Ja, unsere BVG ist eben auf zack und immer sehr clever. Denn natürlich weiß man beim Verkehrsbetrieb: Der dunkelgraue Streifen kommt ganz von selbst, und insbesondere im Winter, wenn Schnee liegt oder auch nur die Streumittel noch nicht von den Straßen geräumt worden sind, ist er sogar fast schwarz.

So spart man Geld und bewahrt den Bussen dennoch ein ansprechendes Äußeres.

Schließ einfach die Augen und stell Dir vor, Du wärst in Biesdorf-Süd

Montag, 19. Mai 2014

Mit der Berliner S-Bahn geht es aufwärts. Der Wagenpark ist zwar immer noch nicht voll einsatzfähig, das Fahrzeugkonzept für die letzten Jahre der laufenden Dekade beruht auf der Hoffnung, das Eisenbahnbundesamt möge die Betriebserlaubnis für die meisten Wagen zähneknirschend noch einmal verlängern, Streckenverlängerungen im Umland werden von einer konsequent desinteressierten brandenburgischen Landesregierung blockiert, und als besonders gute Idee zieht man gerade von den allermeisten Stationen das letzte Personal ab.

Dafür hat die S-Bahn GmbH, eine Tochter der DB AG, im neunzigsten Jahr des Bestehens dieses Verkehrsmittels endlich entdeckt, was die Berliner und ihre S-Bahn ganz dringend brauchen: Namen für die Züge!

Zwar heißt von Klein-Pieselwitz oder Oberunterpfaffendimpflfing lernen siegen lernen. Dennoch konnte man sich bei der Berliner S-Bahn leider nicht durchringen zu so denkwürdigen Bezeichnungen wie Fritzchen, Loisl, Wasti, Uschi oder Klaus-Kevin.

Stattdessen dürfen die Namen von Orten in Berlin und seiner Umgebung die Wagen schmücken. Was natürlich auch wundervolle Perspektiven eröffnet. Freuen wir uns auf Schlagzeilen wie: ?Zug Gesundbrunnen besonders verschmutzt?, ?Prügelattacken in den Wagen Schlachtensee und Boxhagen?, ?Betrunkene aufgegriffen in Zug Pichelsdorf?, ?Raubüberfall in Garnitur Waidmannslust?, ?Brand in Zug Rauchfangswerder? und natürlich ?Stößensee rammte Karolinenhof?.

Bitte laßt die Motoren leben

Sonntag, 18. Mai 2014

Vor fünfundzwanzig Jahren waren viele Berliner mit ihrer Geduld am Ende. Die Obrigkeit hatte es einfach zu dreist getrieben, Volkes mutmaßlichen Willen von der Ignoranz der Macht geblendet verachtet und hochherrschaftlicher Willkür freien Lauf gelassen. Die Menschen gingen auf die Straßen und machten ihrem Unmut Luft, laut und fast täglich.

Natürlich ist nicht von den Ost-Berlinern die Rede, die sich wegen der Fälschung von Ergebnissen einer Kommunal-?Wahl?, bei der es gar nichts zu wählen gab, empörten. Mit solchen Nebensächlichkeiten konnten sich viele West-Berliner Mitte Mai 1989 nicht aufhalten.

Sie waren in Rage, weil der seit wenigen Wochen regierende rot-grüne Senat heute vor fünfundzwanzig Jahren Tempo 100 auf der AVUS einführte. Die ziemlich kurzfristig verhängte Maßnahme wurde mit ihrem Nutzen für den Umweltschutz, vor allem für die Verkehrssicherheit begründet.

Für wackere Frontstädter brach eine Welt zusammen: Auf nicht weniger als 6,5 Kilometern nach Belieben durch den Grunewald zu rasen, verkörperte für sie den Inbegriff von Freiheit. Daß der Senat dies nun nicht mehr erlauben, sondern dazu zwingen wollte, wie über die möglicherweise zuvor absolvierte Transitstrecke durch die DDR mit maximal 100 km/h zu fahren, bestätigte in ihren Augen die schlimmsten Befürchtungen bezüglich der neuen Landesregierung.

Mehr noch: Manch PS-Fetischist und ADAC-Jünger sah sein Liebstes mit dem Tod bedroht. Nicht irgendwelche Ehepartner, Kinder oder ähnliches Gedöns, sondern: Der fahrbare Untersatz, so wurde nicht nur von Vokuhilaträgern verzweifelt erklärt, müsse sterben, wenn er nicht hin und wieder ordentlich durchgepustet werden könne ? also mit 130, 150 oder noch ein bißchen mehr Kilometern in der Stunde gefahren.

Vermutlich fürchteten nicht wenige gar, wegen der unbeschreiblichen Freiheitsberaubung durch den linken Senat könne eines unschönen Morgens, wenn sie vor die Tür treten, der Manta zum Trabbi mutiert sein.

Glücklicherweise beschäftigten sich die Trabbi-Fahrer damals gerade mit irgendwelchem unwichtigen Firlefanz wie Aus-der-DDR-flüchten, SED-Diktatur-stürzen und Maueröffnen. So daß bald das ganze Umland offenstand und es viel mehr Freiheit gab ? für die West-Berliner Bleifüße.

Blüten am Wegesrand (17)

Samstag, 17. Mai 2014

?Symmetrie ist die Ästhetik der Primitiven?, sagt der gebildete Volksmund oder auch ?… ist die Kunst der Einfältigen?, wenn nicht gar ?… ist eine Krücke für Idioten!?

Die um ein gepflegtes Erscheinungsbild stets besorgte BVG weiß diese Weisheit natürlich zu beherzigen. Zwar widerfuhr ihr, mutmaßlich in einem Moment der Unachtsamkeit, auf dem Breitscheidplatz ein symmetrisches Empfangsgebäude für den dortigen U-Bahnhof. Doch geschickt wußten die Fachkräfte des Verkehrsbetriebs dies zu konterkarieren, indem sie die nebeneinanderliegenden Türen mit Transparenten krönten, deren Schrift nicht ganz identisch ist.

Bravo, BVG! So trägt man sogar noch zur ästhetischen Erziehung des gemeinen Volkes bei, während es doch eigentlich nur darum ging, auch hier das von den Berliner Bussen und Bahnen bekannte ansprechende Ambiente zu schaffen, in dem nichts schmuddelig, verwahrlost oder gedankenlos und dilettantisch zusammengekloppt wirkt.

Hier wird auf das Unterbewußtsein eingewirkt
Besonders lobenswert: Der Unterschied in der Beschriftung ist nicht grobschlächtig und plump, sondern besteht aus feinen, nichtsdestoweniger wirkungsvollen Nuancen.

Zum Tag der Arbeit

Donnerstag, 1. Mai 2014

Auch ein Fall von Flexibilisierung