Archiv für März 2014

Hoffentlich hat die BVG den Garantieschein nicht verbummelt

Mittwoch, 26. März 2014

Den Ausgang des U-Bahnhofs Rathaus Steglitz, der für den Umsteigeverkehr zu den Bussen Richtung Zehlendorf und Lichterfelde sehr wichtig ist, sanierte die BVG seit Mitte 2012. Zunächst sollte er am 21. Dezember 2012 wiedereröffnet werden. Dann am 31. Mai 2013. Schließlich wurde der 1. Juli 2013 als Fertigstellungstermin genannt. Bereits Tage zuvor war der rundum erneuerte Ausgang, mit neuer Treppe und neuer Rolltreppe, wieder freigegeben. Seit einigen Wochen bietet sich den Fahrgästen jedoch dieses Bild:

Das bekämpft die Thrombosegefahr!

Da kann man nur hoffen, daß die BVG den Garantieschein für die Rolltreppe nicht verbummelt hat.

Anarchie und Alltag

Donnerstag, 20. März 2014

Die Grünen haben einen Vorschlag, und selbstverständlich geht es dabei nicht um ein Verbot oder sonstige neue Regeln und (Verhaltens-) Vorschriften. Vielmehr soll ein Verbot aufgehoben werden: Das seit 2004 wieder bestehende, bei den Berliner Omnibussen zum Einstieg eine andere Tür zu nutzen als die vordere.

Die BVG hat schon einmal abgewinkt: Da gingen ihr ja Millionen verloren (Euro natürlich, nicht Fahrgäste), ist doch mit dem Zwang zum Vordereinstieg jener verbunden, dem Buslenker seinen Fahrausweis zu präsentieren ? so man denn nicht einen bei ihm erwirbt.

Für die Qualitätsmedien ist das Thema damit erledigt: Pressemitteilung wiedergegeben, Stellungnahme erfragt ? wieviel soll man denn noch recherchieren?

Schließlich ist es ja nicht so, daß man tagtäglich an jeder stark frequentierten Berliner Bushaltestelle sehen kann, wie ein erklecklicher Teil der Fahrgäste den Bus durch die mittlere und ? so vorhanden ? hintere Tür besteigt. Was der Lenker duldet, weil er seinen Fahrplan einhalten soll, womöglich sowieso schon verspätet ist und sich der Haltestellenaufenthalt locker verdoppeln würde, ließe er vorschriftsgemäß alle Beförderungsfälle an sich im Gänsemarsch vorbeitrotten.

Schließlich ist es nicht so, daß nicht nur in solchen Situationen eine Kontrolle der vorgezeigten Fahrausweise bestenfalls nachlässig erfolgt, eigentlich gar nicht ? weshalb es schändliche Zeitgenossen gibt, die glaubhaft versichern, daß sie schon unbeanstandet in einen Bus gekommen wären, nachdem sie einen abgelaufenen oder auch überhaupt nicht entwerteten Fahrschein vorgezeigt hätten.

Und schon gar nicht ist es so, daß die Bezahlung vieler Berliner Busfahrer mittlerweile ? auch der als Niedriglohnfirma gegründeten BVG-Tochter ?Berlin Transport? sei dank ? so lausig ist, daß diese Bediensteten nur wenig Neigung verspüren, sich mit den notorisch auf Krawall gebürsteten Hauptstädtern anzulegen, gar abends oder nachts, und womöglich ihre Gesundheit zu riskieren, indem sie nicht-vorschriftsgemäßen Einstieg beanstanden oder eine ernsthafte Kontrolle von Fahrkarten vornehmen.

… du mußt nach Berlin!

Dienstag, 18. März 2014

?Achtzig turnfreudige Berliner?, so ist den Berliner Duftemedien zu entnehmen, hätten sich für den vergangenen Sonntagnachmittag etwas ultra-hyper-über-duftes ausgedacht: Zirkeltraining in der Ringbahn. Einmal von Gesundbrunnen bis Gesundbrunnen, mithin rund eine Stunde lang ?tobten sie sich mit Liegestütze und Sit-Ups aus?. Dann hatte der von einem Berliner Startup organisierte Flashmob ausgeflasht.

Das Interessanteste an den Berichten sind die Bilder, auf denen man normale Fahrgäste sehen kann, die das tun, was geübte Berliner tun: Die Bekloppten einfach ignorieren. Auch sonst erkennt man in der Hauptstadt Touristen und Frischzugezogene stets untrüglich daran, daß sie Gestalten, die sich eigenartig benehmen und/oder hergerichtet haben, jene Aufmerksamkeit, am Ende womöglich gar Empörung schenken, nach welcher diese dürsten.

Deshalb: Wenn demnächst wieder mal ein Hansel oder gar mehrere neben Dir in der Bahn herumturnen, be Berlin ? guck einfach nicht hin.

Verstörend vernünftig

Sonntag, 16. März 2014

Warum das nicht zum Dorfbahnhof machen?
Hier soll(te) bald weniger los sein: Bahnsteigtunnel der Station ?Berlin Schönefeld Flughafen?.

Die Stadt besitzt ein voll funktionsfähiges, in jüngerer Zeit aus- und umgebautes Flughafenterminal. Dieses Terminal besitzt einen Anschluß an S- und Regionalbahn, wenn man es wollte, könnten auch Fernzüge wieder hier halten. Denn der Bahnhof ist, eingedenk des einstigen oder einstmals erwarteten Verkehrsaufkommens, sehr großzügig ausgelegt worden. Heute selbst mitten in der Stadt undenkbar: Seine vier Bahnsteige wurden praktisch vollständig überdacht.

Schließt man das Terminal, um sich der Fiktion hinzugeben, daß nebenan nicht nur ein neues Abfertigungsgebäude entstanden ist, sondern gleich ein ganzer neuer Flughafen, der nur rein zufällig auch die bisherige Start- und Landebahn benutzt, so ist der Bahnhof weitgehend funktionslos. Der nicht-flughafenbezogene Ziel-, Quell- und Umsteigeverkehr hält sich in engen Grenzen. Neben dem bereits stillgelegten Bahnsteig könnte man noch auf mindestens einen weiteren verzichten.

Wann das teure neue Flughafenterminal einmal fertig sein wird, wagt niemand mehr zu prophezeien. Doch bereits vorhergesagt wird, daß es bei seiner Eröffnung schon seine Kapazitätsgrenze erreichen dürfte. Wäre es angesichts dessen nicht eine ebenso gute wie naheliegende Idee, das alte, am gleichen Flugfeld liegende Terminal weiterzubenutzen? Zum Beispiel für Billigflieger, deren Kunden man auch ohne weiteres zumuten könnte, den einige hundert Meter langen, aber immerhin überdachten Weg zwischen Bahnhof und Flughafengebäude zu überwinden?

Nein, das kann nicht sein. Schon gar nicht, daß ernsthaft in Erwägung gezogen wird, dieser Idee endlich zu folgen. Denn bedenkt man, wie es in den letzten Jahren rund um den neuen Berliner Flughafen ? bei dem so getan werden muß, als handele es sich nicht nur um eine Erweiterung des bestehenden Airports Schönefeld ? zuging, klingt das viel zu vernünftig.

Blüten am Wegesrand (16)

Samstag, 15. März 2014

IM ist schon da!
Im April 2013 ist bereits ein neuer Bahnsteigbelag verlegt, die Deckenverkleidung entfernt und sind die einst dunkelgrün gefliesten Hintergleisflächen dunkelgrün getüncht worden. Der Beginn umfassender Sanierungsarbeiten steht noch bevor. Doch die Phototapete ist schon da.

Seit Jahrzehnten gilt die Phototapete gemeinhin als ein Gipfel schlechten Geschmacks. Doch die BVG bietet solchen Stildiktaten kühn die Stirn und arbeitet emsig an der Rehabilitation des aufgeklebten Großlichtbildes. Wenn auch ? zumindest soweit wir es überblicken ? noch nicht mit güldenen Sonnenuntergängen an palmenbestandenen Sandstränden, so wurden in den letzten Jahren doch schon zahlreiche Berliner U-Bahnhöfe mit derlei Wandschmuck verhübscht.

Darunter die Station Kaiserin-Augusta-Straße, welche sich seit längerem in einem Prozeß der Umgestaltung befindet. Arg war, was man hier 1966 eröffnet hatte: Einen U-Bahnhof voll gerader Linien und rechter Winkel, ganz schlicht und sachlich ausgekleidet, ohne alle dekorative Muster, Schnörkel oder Bildchen.

Wenngleich man momentan noch viel nackten Beton in der Bahnsteighalle sieht ? eine Phototapete prangt dort schon seit weit mehr als einem Jahr, und dafür wich die BVG sogar einmal von dem sonst hochgehaltenen Grundsatz ab, demzufolge ein Fahrstuhl möglichst allseitig einsehbar sein sollte.

Nein, Majestät hatte Vorrang, und so lächelt IM Kaiserin Augusta Marie Luise Katharina, Deutsche Kaiserin, Königin von Preußen, Gemahlin SM Kaiser Wilhelms I. etc. pp., bereits huldvoll in Überlebensgröße.

Womit endlich, nach mehr als vier Jahrzehnten, auf dieser Station auch irgendein gestalterischer Bezug zu deren Namen hergestellt worden wäre. Daß dieser und/oder die Lage eines U-Bahnhofs sich auf solche Weise stets widerspiegeln sollte, auch damit zeigt die BVG ja, wie wenig sie sich um die Meinung Außenstehender schert: In vielen anderen Städten hat man sich von diesem Gestaltungsgrundsatz nämlich schon längst wieder verabschiedet.

Ist Dietmar Woidke eine Königin mit Rädern untendran?

Mittwoch, 12. März 2014

Gestern geisterte durch die Medien die Meldung, die nächste Preiserhöhung ? pardon: Tarifanpassung im öffentlichen Personennahverkehr Berlins und Brandenburgs werde nicht im kommenden Sommer erfolgen, wenn bereits nicht weniger als ein ganzes Jahr seit der letzten Anpassung vergangen sein wird, sondern erst Anfang 2015.

Grund dafür sei die Politik ? völlig überraschenderweise aber kein kluges verkehrspolitisches Konzept, sondern einfach der Umstand, daß am 14. September in Brandenburg Landtagswahlen stattfinden.

Diese Meldung kann nicht stimmen. Denn würde sie es tun, so würde dies zum einen bedeuten, daß Dietmar Woidke ? der bisherige und höchstwahrscheinlich auch künftige Ministerpräsident Brandenburgs ? sich verhält wie die dereinst von Foyer des Arts besungene Königin mit Rädern untendran:

In der Stadt ist ihr das Volk lieb und teuer,
im Wald erhöht sie dann die Steuer.

Und zum anderen hieße es, die SPD, deren Landesvorsitzender Woidke auch ist, hielte die Brandenburger für außergewöhnlich dumm.

Vorwärts zur Sabine-Leutheusser-Schnarrenberger-Promenade!

Samstag, 1. März 2014

Jede(n) anständige(n) Mensch(in) macht dieser Name wütend und traurig. Irgendwie.
Politisch korrekter wäre Maximal-pigmentierte-Mitbürgerin-und-maximal-pigmentierter-Mitbürger-(frei-wählbaren-Geschlechts)-Straße. Zumindest nach Stand von heute nachmittag.

Das vergangene Wochenende nutzte eine Gruppe von Aktivisten, um für eine Umbenennung der Berliner Mohrenstraße ? samt des seit 1991 nach ihr benannten U-Bahnhofs ? zu demonstrieren.

Nun ist es sicher nicht so, daß man derartige Aktionen nur deshalb am Wochenende veranstaltet, weil man weiß, daß die Medien dann in der Regel wenig zu berichten haben und für alles dankbar sind, woraus sich ein paar Zeilen oder Sendeminuten gewinnen lassen. Und schon gar nicht sieht das breite Bündnis welches hier, den Aktionistenangaben zufolge, wie üblich hinter der Forderung steht, so aus, daß sich zwei Dutzend Demonstranten versammeln und jeder von ihnen eine Unterstützergruppe repräsentiert. Mindestens eine.

Das kann schon deshalb nicht so sein, weil die Aktion in der Mohrenstraße wohl wenigstens drei Dutzend Teilnehmer zählte.

Sie forderten eine Umbenennung der Mohrenstraße ? die ihren Namen seit über dreihundert Jahren trägt ? in ?Nelson-Mandela-Straße?.

Bekanntlich werden so bewegte, mutmaßlich oft wütend und traurige, Menschen nicht vornehmlich von ihrem beschränkten Weltbild geleitet sowie von der inbrünstigen Überzeugung, daß die momentanen Vorschriften der political correctness gestern, heute und bis ans Ende aller Tage gelten sollten und sogar würden. Weshalb sie sich auch nicht für historische Zusammenhänge einen feuchten Kehricht interessieren, ebensowenig wie für Etymologie.

Fraglos wissen die MenschInnEn, daß die Berliner Mohrenstraße benannt ist nach jenen Nordafrikanern, die der Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. aus den Niederlanden ?als Geschenk? erhalten hatte und dann zu Militärmusikern machen ließ, und den Gedanken, ihrer zu gedenken als ein Beispiel für den nicht nur politisch alles andere als korrekten Umgang mit Menschen haben die AktivistInnEn sicher erörtert und dann nicht guten Gewissens, sondern auch mit guten Gründen verworfen ? jedenfalls mit besseren Gründen als einem reflexartigen Gegacker, wenn eine Vokabel fällt, die im Moment als irgendwie nicht konform betrachtet wird. (Sicher wissen die Aktivisten auch, daß ?Mohren? sich von ?Mauren? ableitet, und vermutlich wird auch dieser Begriff in Kürze auf die Schwarze Liste der Gedankenpolizei gesetzt.)

Den KämpferInneN für eine bessere WeltIn muß aber doch vorgeworfen werden, daß sie sich nicht ausreichend informiert haben über den aktuellen Stand politisch korrekter Bestrebungen im Berliner Bezirk Mitte. Steht doch einer Umbenennung der Mohren- in Nelson-Mandela-Straße die Tatsache entgegen, daß Herr Mandela einen ? nun, nach seinem Dahinscheiden ? leider nicht mehr zu korrigierenden Makel aufweist: Er war keine Frau.

Und die guten Menschen, welche die Mehrheit in der Bezirksverordnetenversammlung von Berlin-Mitte stellen, haben schon vor längerem beschlossen, Straßen solange nur noch nach Frauen zu benennen, bis diese in angemessener Quote auf den Straßenschildern des Bezirks Berlin-Mitte vertreten sind.

In diesem ehrenwerten, die Welt signifikant verbessernden Streben ist man sich einig mit den guten Menschen, welche die Mehrheit in der Bezirksverordnetenversammlung von Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg stellen, weshalb es dort vergangenes Jahr bereits erheblichen Verdruß mit dem Philosophen Moses Mendelssohn gab, der sich die gleiche Verfehlung wie Nelson Mandela hatte zuschulden kommen lassen.

Dem falschen Geschlecht angehört zu haben, ist auch das Problem mit Karl Heinrich Ulrichs: Nach diesem frühen Vorkämpfer für Homosexuellenrechte wurde unlängst ? völlig überraschenderweise unter dem Jubel der Vertreter eines breiten Bündnisses ? die Einemstraße umbenannt. Allerdings nur die im Bezirk Tempelhof-Schöneberg liegende Hälfte dieser einige hundert Meter langen Straße. Denn die andere Hälfte liegt im Bezirk Mitte.

Nur MenschInnEn, die noch nicht das richtige Bewußtsein besitzen, werden einwenden, man könnte doch einfach verfügen, daß die Einemstraße künftig nicht nach jenem Militär heißen soll, nach dem sie 1939 benannt wurde (ja, vollkommen unerwartet wurde in diesem Zusammenhang die Faschismuskeule geschwungen), sondern nach dem Komponisten Gottfried von Einem, der nicht nur politisch nach links neigte, sondern auch als Gerechter unter den Völkern ausgezeichnet wurde und beispielsweise wesentlich daran beteiligt war, daß Bertolt Brecht nach seiner (eher unfreiwilligen) Rückkehr aus dem US-Exil und seiner (völlig unfreiwilligen) Ausreise aus der Schweiz die österreichische Staatsbürgerschaft erhielt, was ihn für den Rest seines Lebens davor bewahrte, Bürger der von ihm so geschätzten DDR zu werden.

Nur ignorante ZeitgenossInnEn könnten bemerken, Herr Ulrichs hätte sich womöglich gar nicht für Homosexuellenrechte eingesetzt, wenn er eine Frau gewesen wäre ? was zumindest der Bezirksverordnetenversammlung Berlin-Mitte den Umgang mit ihm erheblich erleichtert hätte.

Nur ganz böse GeisterInnen schließlich werden sich freuen, wie sich bei all diesen Bemühungen um Säuberung des Stadtplans (und Nachweis gewisser AktivistInnEn, wichtig zu sein und etwas zu bewirken) Gutmenschen in ihrem Bemühen um political correctness verheddern.

Zumal die Lösung ganz einfach ist: Wie im Falle von Moses Mendelssohn muß auch Nelson Mandela der Weg auf die Zentralberliner Straßenschilder gebahnt werden durch seine mindestens ebenso verdienstvolle Gattin, also die sehr sympathische und verehrenswürdige Winnie Mandela. Zum Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz wird sich dann die Winnie-und-Nelson-Mandela-Straße gesellen, wobei man nur bedauern kann, daß beide nicht aufeinandertreffen ? wie es etwa die Karl-Heinrich-Ulrichs-Straße und die erst vor wenigen Jahren so benannte Else-Lasker-Schüler-Straße tun.

Denn im Kampf um eine bessere Welt muß natürlich stets absolut deutlich gemacht werden, nach wem genau eine Straße oder ein Platz benannt ist.

Freuen wir uns also auf die Sabine-Leutheusser-Schnarrenberger-Promenade, die beispielsweise einen Namen wie ?Schwartzkopffstraße? ersetzen könnte, der fraglos auch irgendwie nicht politisch korrekt klingt.

Unbestreitbarer Vorteil dieser Strategie: Ein einziges Straßen- oder U-Bahn-Stationsschild reicht fast über die gesamte auszuschildernde Strecke.

Und sicher werden nicht bald die nächsten AktivistInnEn eines breiten Bündnisses kommen und darauf hinweisen, wie unbeschreiblich faschistisch die Beschlüsse braver Berliner Bezirksverordnetenversammlungen sind, da sie so tun, als gäbe es nur zwei Geschlechter. Oder überhaupt irgendwelche.