Archiv für Februar 2014

Bitte zahlen Sie mehr für meine Sicherheit

Samstag, 22. Februar 2014

Es ist nicht so, daß Taxifahrer ? wie sonst noch vielleicht nur einsame Frauen in einsamen Grünanlagen ? zu jenen Personen gehören, die am stärksten Gefahr laufen, des Nachts überfallen zu werden. Es ist ferner nicht so, daß diese Gefährdung in allererster Linie herrürhrt von dem Geld, welches sie mit sich führen. Folglich würde die Wahrscheinlichkeit, daß ein Taxifahrer überfallen wird, nicht etwa dadurch stark sinken, daß er möglichst wenig Geld mit sich führt und statt dessen möglichst viele Belege von Zahlungen mit Kreditkarte, mit denen ein Räuber wenig anfangen kann. Dementsprechend liegt es nicht im ureigensten, womöglich gar existentiellen Interesse der Taxifahrer, daß ihre Leistungen möglichst oft bargeldlos beglichen werden. Und so ist es nur konsequent, wenn bei der diese Woche vollzogenen Tariferhöhung für Berlins Taxifahrer nicht etwa die Regel abgeschafft wurde, für Kreditkartenzahlungen vom Fahrgast einen Zuschlag von 1,50 Euro zu verlangen.

Wunder des Alltags (21)

Sonntag, 16. Februar 2014

Dem ADAC geht es bekanntlich nicht mehr ganz so gut. Vielleicht mag es zumindest ein klitzekleiner Trost sein, daß man auf Berlins U-Bahnhöfen diesem Verband, als er noch stark, mächtig und hoch angesehen war, die Möglichkeit einräumte, für sich zu werben, wie diese Aufnahme aus dem September vergangenen Jahres zeigt.

Es ist ja nicht so, daß es sich bei diesem Verein um die wichtigste Organisation der Autofahrerlobby handelt, die den öffentlichen Personenverkehr in Deutschland seit Jahrzehnten bekämpft und behindert.

Vertrauenswürdige Beratung

Keine Alternative

Montag, 3. Februar 2014

Am 29. Januar vor fünfundzwanzig Jahren erschütterte eine Abgeordnetenhauswahl nicht nur West-Berlin. Die völlig überraschende rot-grüne Mehrheit wurde zur Bildung eines linken Senats genutzt, der sich allerlei Reformvorhaben auf die Fahne geschrieben hatte. Heute politisch Interessierte wird es überraschen, daß dazu nicht die Verhängung von Rauchverboten gehörte, sondern beispielsweise die Einführung einer sehr preiswerten ?Umweltkarte? für den öffentlichen Personennahverkehr: Für 65 Mark (33,23 Euro) im Monat Busse und Bahnen nutzen zu können, und dies mit einer auch noch übertragbaren Karte ? das war damals für West-Berliner Verhältnisse revolutionär.

Genau fünfundzwanzig Jahre später sorgt die vom Berliner Landesverband der Naturfreunde initiierte Kampagne ?Ticketteilen? für Aufsehen: Besitzer einer ? längst nicht mehr sehr preiswerten ? Umweltkarte sollen durch das Tragen eines Buttons auf ihre Bereitschaft hinweisen, Fremde von der Möglichkeit profitieren zu lassen, mit der Umweltkarte abends und am Wochenende weitere Fahrgäste kostenlos mitzunehmen.

Dieses Projekt gelebter Solidarität in einer Stadt, in der fast ein Fünftel der Einwohner Hartz IV beziehen, solle aber nur der Anfang sein, erklärte vorgestern eine der Verantwortlichen in der RBB-Abendschau. Als nächstes wolle man auch mal wieder darüber diskutieren, wie viele Vorteile es hätte, im öffentlichen Personennahverkehr gar kein Fahrgeld mehr zu erheben. Ja, es fiel sogar das schlimme Wort NULLTARIF.

Diesbezüglich winkten die Verkehrsbetriebe aber aus Kostengründen ab, erklärte die Reporterin. Und erinnerte damit eindrucksvoll an dreierlei: Verkehrspolitik wird heutzutage offenkundig von den leitenden Angestellten der Verkehrsbetriebe gemacht, nicht von den Politikern, die unter anderem qua ihres Amtes die Leistungen der Verkehrsbetriebe bestellen und mit Steuergeldern bezahlen. Das Bildungsniveau der Journalisten steigt stetig und ermöglicht ihnen beispielsweise, im Handumdrehen den politischen Hintergrund eines Projekts abzubügeln und dieses zu einer weiteren drolligen Idee in unserer duften Stadt herunterzuplappern. Und grundsätzliche Diskussionen, wirkliche Reformen, womöglich gar Visionen werden ebenso gern gefordert wie sie in Wahrheit unerwünscht sind. Denn merke (und glaube): ?Zu dieser Politik gibt es keine Alternative?. Bilde sich niemand ein, es könnte anders sein, als es ist. Oder fange gar an, mal durchzurechnen, welch volkswirtschaftlichen Nutzen, welch Vorteile für Umwelt und Gesellschaft ein Nulltarif mit all seinen Folgen brächte. Welche Summen Verkehrsbetriebe einsparen könnten durch den Verzicht auf den Verkauf von Fahrkarten, deren Herstellung, Vertrieb und Abrechnung, die Anschaffung und Wartung der Automaten und Entwerter, die Beschäftigung von Kontrolleuren, die Verwaltung der Verfahren gegen ?Schwarzfahrer? usw. usf.

Zudem: Wir haben ja kein Geld. Womit natürlich absolut nichts der Umstand zu tun hat, daß der neue Berliner Flughafen wohl schon wieder 440 Millionen Euro teurer geworden ist. Vielleicht auch fünfhundert Millionen.

Man muß eben Prioritäten setzen. Und zur Not kann man ja immer noch aus einem strengen Rauchverbot ein noch strengeres machen.

P.S.: Übrigens lautete das Hauptargument, welches jahrelang gegen eine Umweltkarte ins Feld geführt wurde, diese wäre nicht finanzierbar.