Archiv für November 2013

Zukunftsweisende Reformen

Montag, 25. November 2013

Vorbildlicher Urheberrechtsschutz
Alternativ könnte man dem Mann aber auch sechs Wochen lang seinen Tretroller wegnehmen.

Aus der Schmiede unserer kommenden Bundesregierung wurde die Absicht verkündet, künftig alle möglichen Delikte auch durch Führerscheinentzug zu bestrafen. Treffen solle dies insbesondere solche Delinquenten, die eine Geldstrafe nicht oder nicht ausreichend träfe.

Böse Zungen behaupten, das klinge in seiner Gouvernantenhaftigkeit, als wären an der nächsten Bundesregierung doch die Grünen beteiligt. Überhaupt rieche die ganze Idee sehr nach Rot-Grün, wie wir es seit der Agenda 2010 kennen, denn die Sorge um eine ausreichende Bestrafung gelte natürlich nicht Zeitgenossen, die so reich sind, daß ihnen eine noch so hohe Geldbuße sonstwo vorbeigeht, sondern Menschen, die so arm sind, daß man sie gar nicht weiter auspressen kann (also: nicht noch weiter als es das ?Jobcenter? bereits erledigt hat). Und abgesehen von deren Disziplinierung diene die Maßnahme auch dazu, Autofahren endlich wieder zu einer Sache zu machen, die Begüterten vorbehalten ist.

Solch böse Zungen verkennen, daß die Idee ?Führerscheinentzug als Universalstrafe? von ihrem intellektuellen Niveau her (von dem rechtstechnischen gar nicht zu reden) ein echtes Projekt der drohenden, pardon: dräuenden Großen Koalition ist. Und unbedingt ausgebaut werden sollte: Rauchen auf dem Balkon? Fünf Wochen Fahrverbot! Verwenden schmutziger Wörter? Acht Wochen! Ungetrennt gemüllt? Noch einmal die StVO auswendig lernen! Nicht das Gemüse aufgegessen (womöglich noch am Eintopfdonnerstag)? Vier autolose Wochenenden! Beim Schwarzfahren erwischt worden? Hundertmal schreiben: ?Das ist ganz schlimmer Betrug.? Bei der Auswahl des abendlichen Fernsehprogramms die Frauenquote mißachtet? Der Drahtesel wird weggeschlossen! Und es geht ohne Nachtisch ins Bett!

Blüten am Wegesrand (14)

Mittwoch, 13. November 2013

… es begab sich aber eines Tages, da ließ sich der Verkehrsbetrieb von findigen Designfuzzis einreden, seine Informationstafeln auf den Bahnhöfen wären so, wie sie jetzt seien, und so, wie seit langem waren, nicht länger brauch- und hinnehmbar.

Woher zum Beispiel sollten all die Menschen, die auf solch einer Informationstafel Informationen suchen, erfahren, wie die Station, auf der sie gerade stehen, heißt, wenn es nicht ganz oben auf der Informationstafel stünde?

Und wieviele weitere nützliche Hinweise, Karten, Übersichten und manch anderes müßten ganz dringend auf diesen Informationstafeln untergebracht werden!

Wie hieß nochmal der Bahnhof?

Das sah der Verkehrsbetrieb wohl ein, schämte sich gar sehr und gab viele güldene Taler aus. Nicht nur für die Designfuzzis, welche ihm dies alles eingeredet hatten, sondern auch für die neuen Informationstafeln, welche die Designfuzzis gestalten wollten.

Mancherorts ragten die neuen Tafeln, auf denen so viele neue Informationen unterzubringen waren, über die Flächen hinaus, die für solche Tafeln vorgesehen waren, was recht dumm ausschaute. Doch den Verkehrsbetrieb bekümmerte dies nicht, denn er dachte immer nur daran, was ihm die Designfuzzis erzählt hatten. Für viele güldene Taler.

Think big!

Und bigger!

Was soviel kostet, sagte sich der Verkehrsbetrieb, kann nur Glück bringen ? auch mir und meinen Kunden. Und so wurden alle froh und nirgends stellte der Verkehrsbetrieb bald fest, daß der große breite Balken, auf dem ganz oben auf den Informationstafeln der Name der Station steht, schnell schmuddelig wird oder beschmiert, man ihn jedenfalls dauernd erneuern muß, was dauernd weitere güldene Taler kostet. Nirgends ließ der Verkehrsbetrieb deshalb zunächst nur die Flächen neu tünchen, die sowieso weiß waren, wodurch der Bereich mit dem Stationsnamen noch schmuddeliger erschienen wäre.

Auf das Wesentlichste konzentriert

Nirgends ließ der Verkehrsbetrieb dann einfach den Stationsnamen überpinseln, weil auf so einem Bahnhof ja schon häufig genug zu lesen ist, wie er heißt. Nirgends wußte der Verkehrsbetrieb schon bald die schönen großen neuen Informationstafeln gar nicht mehr vollständig mit Informationen zu bestücken.

Eine rein weiße Gestaltung def Kopffläche veredelt das Ambiente

Und erst recht brachte der Verkehrsbetrieb nirgends statt Informationen auf den schönen großen neuen Tafeln irgendwelche albernen Bildchen an, damit nicht auffällt, daß es auf den Tafeln fast gar keine Informationen mehr gibt.

Voller wertvoller Informationen

So reiben sich denn auch nicht die Designfuzzis die Hände, wieviele güldene Taler sie dem Verkehrsbetrieb, den arge Schulden drücken, aus der Tasche gezogen haben für völlig unnütze Neuanschaffungen, die bald wieder durch neue ersetzt wurden, beispielsweise Informationsvitrinen.

Öfter mal was Neues

Und natürlich freuen sich die Designfuzzis nicht schon darauf, daß sie dem Verkehrsbetrieb mal wieder irgendwelchen Klimbim andrehen können. Oder irgendeinem anderen Dummen.

Denn andernfalls wäre dies ja wirklich ein besonders dämliches Märchen.

Schockierende Zahlen, dringende Maßnahmen

Freitag, 8. November 2013

Jugendschutz aktuell

Gestern kamen die Verkehrsminister der Länder zu einer ihrer regelmäßigen Konferenzen zusammen. Dem Vernehmen nach wurde dabei auch eines der drängendsten Probleme beraten, welches die deutschen Verkehrsteilnehmer geißelt und umtreibt: Die verheerende Wirkung alkoholisierter Radfahrer (auch und gerade auf andere Menschen) und die daher unausweichliche Senkung der Promillegrenze für nichtmotorisierte Zweiradbenutzer.

Sicher klagen Tausende Tote an. Besser noch Millionen.

Zumindest ließ Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Caffier Zahlen verlauten, die alarmierend sind und dringenden Handlungsbedarf belegen: Die Zahl der Verkehrsunfälle mit alkoholisierten Radfahrern habe sich allein im vergangenen Jahr von besorgniserregenden 98 auf schockierende 103 Stück erhöht. Nicht weniger als 575 Strafanzeigen seien erstattet worden gegen zum Teil stark alkoholisierte Radfahrer, die nicht an einem Unfall beteiligt waren. Aber, so wäre wohl hinzuzufügen, irgendwie den Unmut der Denunzi-, pardon: wachsamen MitBürgerInnen erregt hatten.

Sicher geht es hier nicht darum, daß es irgendwie blöd käme, wenn man einfach sagen würde: Wir möchten den Alkoholkonsum unter Strafe stellen (nachdem wir mit den Rauchern ja fast fertig sind). Sicher verbietet man nicht deshalb zunächst einmal, beschwipst Rad zu fahren. Sicher folgt anschließend nicht ein Verbot, betrunken Taxen und (andere) öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Und zwei-, dreihundert Berichte über die erschröcklichen Folgen übermäßigen, regelmäßigen, nein: jeglichen Alkoholkonsums und einige der üblichen Studien und Erkenntnisse amerikanischer Wissenschaftler später wird dann ganz bestimmt nicht verboten, in angetrunkenem Zustand die Straße zu betreten.

Zweifellos geschieht dies alles nur zum Schutz. Und für die Sicherheit. Und den Sicherheitsschutz.

Niemand hat die Absicht, ein Alkoholverbot zu errichten!

(Zudem gibt es absolut gar kein anderes Problem mit Radfahrern, welches man beraten könnte.)