Archiv für April 2013

Vorwärts zur Carlota-und-Rut-und-Willy-Brandt-und-Brigitte-Seebacher-Brandt-Gasse!

Freitag, 26. April 2013

Inakzeptabler Straßenname

Inakzeptabel ist für alle korrekt denkenden MenschInnEn auch dieser Straßenname. Richtig muß es natürlich heißen: Rauchfreistubenstraße. Im Sinne eines konsequenten Nichtraucherschutzes.

Unter den Mitgliedern der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg muß es dieser Tage zu argen Qualen gekommen sein. Sahen sich die Mitglieder des Quasi-Bezirksparlaments doch mit dem Wunsch des Stiftungsrats des Jüdischen Museums konfrontiert, den Platz vor dessen neuem Akademiegebäude nach dem Philosophen Modes Mendelssohn zu benennen. Ein Wunsch, den abzuschlagen man sicher nie in Erwägung gezogen hätte. Wenn da nur nicht der Beschluß der BVV ? in der Grüne, SPD und Linke seit längerem eine satte Mehrheit haben ? gewesen wäre, fortan Straßen und Plätze so lange ausschließlich nach Frauen zu benennen, bis diese fünfzig Prozent aller Straßenschilder zieren.

Übel meinende Zeitgenossen sahen hier schon einen besonders schönen Fall, wie sich Gutmenschen in ihrem Gutmenschensein verheddern.

Doch wer reinen Herzens und politisch korrekten Denkens ist, der findet einen anständigen Ausweg: Daß sich der Herr Moses Mendelssohn im 18. Jahrhundert dummerweise nicht einer geschlechtsangleichenden Operation unterzog, um den der Weltverbesserung dienenden Richtlinien der Bezirksverordnetenversammlung von Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg zu entsprechen, soll ihm gnädig nachgesehen werden. Auch vor der ? vermutlich schon in wenigen Jahrzehnten zu erwartenden ? Erfüllung der Frauenquote auf den örtlichen Straßenschildern wurde ihm ein Platz auf einem solchen eingeräumt: Drei Buchstaben und zwei Bindestriche hinter seiner Gattin Fromet, welche ihrem Moses mehr als zweihundert Jahre nach beider Tod das Recht verschaffte, Mitnamenspate eines Platzes zu sein.

Eine vorbildliche Regelung, deren segensreiche Wirkung auch auf bereits bestehende Benennungen ausgedehnt werden sollte, zumal hinter jedem erfolgreichen Mann bekanntlich eine ihn eigentlich in allem übertreffende Frau steht (die auch nicht immer seine Ehefrau sein muß). Man denke nur an den Fall zweier Enkel Moses Mendelssohns: Aus dem Mendelssohn-Bartholdy-Park sollte ? samt U-Bahnhof ? der Fanny-und-Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Park werden. Aus dem Chamissoplatz der Antonie-und-Adelbert-von-Chamisso-Platz. Aus der im Bezirk Mitte ? dessen BVV ebenso fortschrittliche Beschlüsse faßt wie jene von Friedrichshain-Kreuzberg ? liegenden John-Foster-Dulles-Allee die Eleanor-Lansing-Dulles-und-John-Foster-Dulles-Allee. Und aus der Willy-Brandt-Straße die Carlota-und-Rut-und-Willy-Brandt-und-Brigitte-Seebacher-Brandt-Straße.

Und als nächsten Schritt lassen die von SPD, Grünen und Linken beherrschten Bezirksverordnetenversammlungen dann ermitteln, wie lang alle nach Männern benannte Straßen sind und wie lang alle nach Frauen benannte. Um auch hier für eine ordentliche Quotierung zu sorgen.

P.S.: Heute wurde in Friedrichshain-Kreuzberg die Umbenennung der Gabelsbergerstraße in Silvio-Meier-Straße gefeiert. Was sicher nur möglich war, weil das strikte Streben nach Erfüllung der Frauenquote konsequenterweise lediglich bei Neu-, nicht aber bei Umbenennungen gilt. Oder war Silvio Meier in Wahrheit eine Frau? Oder einfach viel einflußreicher, vorbildlicher, der Ehren werter als Moses Mendelssohn?

Totale Videoüberwachung gegen Steuerhinterzieher!

Mittwoch, 24. April 2013

Zu Ihrer Sicherheit

Nach den Anschlägen von Boston rufen jene, die stets danach rufen, nach einem Ausbau der Videoüberwachung von Verkehrsanlagen wie von Straßen allgemein. Unter anderem ließen sich damit Anschläge verhindern, mögliche Attentäter würden abgeschreckt.

Das leuchtet ein. Wurde in Boston doch gerade eindrucksvoll vorgeführt, wie abschreckend eine umfassende Überwachung durch die Augen des Einzigartigen Staates ist. Unvergeßlich auch, wie bedacht die mutmaßlichen Attentäter von Boston darauf waren, sich angesichts der vielen Kameras möglichst unauffällig zu benehmen.

Dennoch bleiben Fragen. Zum Beispiel: Warum verbindet man nicht die beiden momentanen Lieblingsthemen für ebenso hysterisches wie populistisches Geschrei miteinander? Also: Mehr Kameraüberwachung im Kampf gegen Steuerhinterziehung und zur Abschreckung all jener, die sich nicht selbst anzeigen wollen, obwohl letzteres künftig nicht mehr strafmildernd wirken können sollte? Und: Einrichtung einer ämterübergreifenden Steuersünderkartei, in der jede Behörde nach eigenem Gutdünken jeden und alles eintragen kann? (Ob die geforderten Maßnahmen zielführend sind oder überhaupt irgendeinen Sinn ergeben, spielt ja erfahrungsgemäß keinerlei Rolle, wenn man sich mal wieder in die Medien poltern möchte.)

Freche Verfassungsrichter, die sich erdreisten, das Handeln der Regierung auf seine Übereinstimmung mit der Verfassung zu überprüfen, werden die Konsequenzen ihres Tuns zu tragen haben. Zum rechten Umgang mit solchen Leuten sollte Bundesinnenminister Friedrich sich Rat holen bei seinen europäischen Parteifreunden in Ungarn.

Die schärfsten Kritiker der Elche werden später selber welche

Donnerstag, 18. April 2013

Bürgerschreck bleibt Bürgerschreck
Bürgerschreck bleibt Bürgerschreck

Der ?Hamburger Morgenpost? ist zu entnehmen, daß Wotan Wilke Möhring ? einer jener zwei Dutzend bekannten, bewährten und beliebten Schauspieler, die in mutmaßlich zwei Drittel aller deutschen Kino- und Fernsehfilme auftreten ? neben gefühlt vierhundert Drehtagen jährlich auch noch Zeit findet, um der Presse Interviews zu geben.

In jungen Jahren sei er Punk gewesen, erfährt man aus dem hanseatischen Blatt, und die rebellische Haltung jener Zeit habe er nicht vergessen. Manchmal greife er sogar tatkräftig ein, wenn ihm etwas gegen den Strich gehe: ?Wenn jemand seinen Müll aus dem Autofenster wirft, dann weise ich den zurecht.?

Ja, so sind sie, die Punks und anderen Rebellen anno 2013: Wehe, sie erwischen jemanden dabei, wie er in der Fußgängerzone raucht! Haben sie den Verdacht, daß einer schwarzfährt, zögern sie keinen Moment, ihn zu melden. Wenn jemand seine Schuhe auf die guten Polster-, na, seien wir realistisch: Plastiksitze in der U-Bahn legt, werden sie laut. Und Falschparker haben bei ihnen nichts zu lachen.

Einstürzende Neubauten

Donnerstag, 18. April 2013

?… und denn ihr neuer Hauptbahnhof: Keene zehn Jahre nach der Eröffnung muß da schon saniert werden, weil die große Brücke schadhaft is. Bedeutet monatelange Sperrungen. Und kostet fuffzisch Millionen.?
?Nee, fünnunzwanzisch.?
?Ick hab davon jesprochen, wattet kostet, nich watt se jetze sajen, dasset kosten tut.?

Mehr dazu hier.

Wunder des Alltags (15)

Montag, 15. April 2013

Hier sehen Sie Bauarbeiten

Auf obigem Bild vom unteren Perron des Berliner U-Bahnhofs Schloßstraße sehen Sie Bauarbeiten. Das glauben Sie nicht? Doch, doch. Oder meinen Sie etwa, daß die BVG lügt?

Schilder lügen nicht

Na gut, auf einem anderen Schild macht sie andere Angaben.

Schilder lügen nicht (2)

Schilder lügen nicht (3)

Aber der Verkehrsbetrieb möchte uns eben mit der Aussicht trösten, daß die schon lange, lange gesperrte Rolltreppe bald ? womöglich im Zuge von Bauarbeiten ? repariert wird. Oder werden könnte. Denn alle Hoffnung verblaßt angesichts der Zeitangabe, die auf beiden Schildern von desillusionierender Ehrlichkeit ist: ?Bis auf weiteres? und ?Voraussichtliche Wiederinbetriebnahme: unbekannt? ? letzteres sogar für die BVG selbst.

Lebensnahe Politik. Und Visionen!

Freitag, 12. April 2013

?Warnweste wird Pflicht ? Schwarzfahren bald teurer? ist heute dem Qualitätsmedium tagesschau.de zu entnehmen. Die Konferenz der Landesverkehrsminister habe dies so beschlossen.

Wer kein top(p) ausgebildeter Journalist ist, könnte sich zwar fragen, ob beide Veränderungen eigentlich in die Zuständigkeit der Länder oder nicht eher in jene des Bundes fallen. Im Artikel wird die schöne schrille Schlagzeile denn auch dahingehend relativiert, daß es sich lediglich um Vorschläge der Landesminister handelte.

Doch davon sollte man sich selbstverständlich weder knallige Sprüche verderben lassen noch die generelle Möglichkeit, politisches Handeln vorzutäuschen, und erst nicht die reizvolle Vorstellung, wie nach einem Unfall die Fahrzeuginsassen erst einmal versuchen, sich vorschriftsgemäß die Warnwesten anzuziehen, bevor sie aus dem Wrack klettern.

Auch zur Klärung der Rechtslage dürfte die neue Regelung Wertvolles beitragen: Wer nach einem Crash auf der Autobahn überfahren wird und keine Weste trug, ist natürlich selbst schuld.

Gleiches gilt für Schwarzfahrer, die fraglos erschossen gehören, denn, so erfährt man in genanntem Artikel von Oliver Wolff, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen, ebendiesen Nahverkehrsunternehmen ?entgingen wegen Schwarzfahrern pro Jahr rund 250 Millionen Euro an Fahrgeldeinnahmen?.

Als braver Staatsbürger, Beförderungsfall und Konsument der Aktuellen Kamera fragt man sich natürlich nicht, wie die Verkehrsunternehmen eigentlich auf diese Zahl kommen, genauer: woher sie so genau wissen, wieviele Fahrgäste eigentlich gar keine sind, sondern böse Leistungserschleicher. Und wenn sie diese so problemlos identifizieren können, warum zählen die Unternehmen sie dann nur und stellen sie nicht? Weil auch das dafür notwendige Personal längst weggekürzt wurde?

Egal. Jedenfalls wird alles gut. tagesschau.de hat es uns versprochen.

Berlin strebt neuem Rekord zu

Montag, 1. April 2013

Unverbesserliche Miesmacher und Kritikaster können an der jüngsten Entwicklung Berlins wenig Gutes erkennen. Der Neubauabschnitt der U-Bahn-Linie 5 wird sie eines Besseren belehren.

Heute auf den Tag genau vor drei Jahren ist damit begonnen worden, jene 2,2 Kilometer zu bauen, welche die Lücke zwischen der bereits betriebenen Strecke der U 5 zwischen Alexanderplatz und Hönow und der 2009 eröffneten U 55 zwischen Hauptbahnhof und Brandenburger Tor schließen.

Damit erfüllte das Land Berlin die dem Bund 2004 gegebene Zusage, den Weiterbau möglichst 2007, spätestens aber am 1. April 2010 zu starten.

Daß diese Zusage zum letztmöglichen Termin eingelöst wurde, hat natürlich absolut nichts damit zu tun, daß der Senat die Strecke ja eigentlich gar nicht mehr hatte bauen wollen, und nun nur deshalb ein erkleckliches Sümmchen im Boden verbuddelt, um nicht viele Millionen Fördergelder an den Bund zurückzahlen zu müssen.

Ebenfalls reiner Zufall ist es, daß der Lückenschluß nun in einem rekordverdächtigen Tempo erfolgt: Die 2,2 Kilometer sollen 2019 in Betrieb gehen, also nach einer Bauzeit von rund neun Jahren. Für die sieben Kilometer lange Ursprungsstrecke der U 5 vom Alex bis Friedrichsfelde wurden 1927-1930 nicht einmal vier Jahre benötigt ? den Bau der Betriebswerkstatt Friedrichsfelde und des größten Teils des weitläufigen U-Bahnhofs Alexanderplatz eingeschlossen.

Letzterer wurde übrigens angelegt unter laufendem Betrieb auf der bereits 1913 eröffneten Strecke in Richtung Schönhauser Allee. Auch so eine Verrenkung, über die man im heutigen Verkehrskompetenzzentrum Berlin nur noch müde lächeln kann: Für die Kreuzung der U 5 mit der U 6 wurde der Verkehr auf letzterer bekanntlich einfach mal für rund anderthalb Jahre unterbrochen.

Rechnet man zurück bis zum Abschluß des Planfeststellungsverfahrens für die gesamte U 5-Verlängerung im Jahre 1999 ergibt sich sogar die beeindruckende Realisierungszeit von zwanzig Jahren ? selbst der Ursprungsabschnitt der heutigen U 8 zwischen Gesundbrunnen und Leinestraße wurde, trotz Erstem Weltkrieg, Inflation und Weltwirtschaftskrise, in kürzerer Zeit gebaut.

Vielleicht kann der Schneckentemporekord bei der U 5 sogar noch ein wenig gesteigert werden: Eine Inbetriebnahme 2019 ist der derzeit verkündete Plan. Mit dem Bund vereinbart wurde ?spätestens 2020?. Und ob der ernsthaft Ärger machen wird, wenn es mit dem Neubau noch ein bißchen länger dauert?