Archiv für Januar 2013

Ich will was tun, was nicht in der Zeitung steht

Montag, 28. Januar 2013

Premiumjournalismus
Cartoon größer, besser ansehen? Anklicken!

Freitagabend im recht ausgedehnten Zwischengeschoß eines belebten Berliner U-Bahnhofs: Zwischen einer Treppe zur Straße und dem Zugang zum Bahnsteig steht eine Gruppe Wachleute. Zirka fünfzig Meter entfernt, in Sichtweite der Wachleute, steht eine Gruppe Halbwüchsige. Letztere rauchen. Auf diesen Umstand wird hingewiesen ? durch einen anderen Heranwachsenden, der auf seine Altersgenossen zuläuft mit dem lauten Ausruf: ?Immer diese Kiffer!? Mir fällt auf, daß der Rauch, den ich im Vorbeigehen eingeatmet habe, nicht nur nach Tabak roch. Sondern mehr so wie in dem BVG-Bus, dessen Fahrer über die Lautsprecheranlage darauf hinwies, wenn schon im Oberdeck gekifft werde, solle man doch bitte wenigstens die Fenster öffnen.

Und weiter? Nichts weiter. Natürlich nicht. Weder in dem Doppeldecker noch in dem U-Bahnhof-Zwischengeschoß. Denn all dies kann niemals geschehen sein. Erfährt man doch aus unseren Medien meist, daß das Rauchen ? und erst recht jenes von Cannabis ? bei unserem Nachwuchs völlig aus der Mode ist. Ferner, daß das Rauchverbot (strikt, absolut und total) im U-Bahn-Bereich und in den Zügen nicht nur ohnehin befolgt, sondern auch durchgesetzt wird ? wie all die anderen Verbote, welche sich im gefühlten Vierteljahresrhythmus vermehren. Und daß für Sicherheit, Ordnung und insbesondere Gesundheit neben Kameras (von denen man nie genug haben kann) tapferes Wachpersonal sorgt, welches zweifelsohne selbstlos und daher auch unter Einsatz seiner eigenen körperlichen Unversehrtheit die Einhaltung all der vielen Verhaltensvorschriften durchsetzt ? für eine üppige Entlohnung, wie sie in dieser Branche üblich ist.

So ist die Welt, wie man nicht zuletzt aus gewissen Printmedien erfährt. Unbegreiflich, daß deren Auflage immer weiter sinkt.

Blüten am Wegesrand (10)

Sonntag, 20. Januar 2013

Bald nachdem die BVG 1929 ihre Arbeit aufgenommen hatte, wurde bei ihr die Schrifttype ?Neuzeit? vor allem für Schilder, Transparente, Fahrplanaushänge und ähnliches eingeführt. Insbesondere die Schildermaler hielten sich ? solange es sie noch gab ? nicht immer an diese Vorgabe: Zuweilen fand statt Neuzeit auch die sehr ähnliche Type Futura Anwendung, eine Mixtur aus beiden Schriftarten oder eine freie Abwandlung.

Neuzeit wie Futura waren hochmoderne Schriftarten, in den späten zwanziger Jahren entwickelt und ganz dem sachlichen Geist jener Zeit verpflichtet, der sich gegen Schnörkel und andere überflüssige Verzierungen wandte.

So sahen daher die mit Neuzeit beschrifteten Schilder aus, die man jahrzehntelang auch in der oberen Bahnsteighalle des Hochbahnhofs Gleisdreieck erblicken konnte:

U-Bf Gleisdreieck - Schild, alt

Und so sehen sie seit der Sanierung der Station aus, die übrigens denkmalgeschützt ist:

U-Bf Gleisdreieck - Schild, auf alt getrimmt

SPD oder CDU? – Eine spannende Frage

Montag, 7. Januar 2013

Schauen wir, was als gesichert gelten darf: Bei den nächsten Berliner Abgeordnetenhauswahlen wird der Regierende Bürgermeister nicht mehr Klaus Wowereit heißen. Ferner: Nur noch erbitterte Fans, die wirklich gar nichts erschüttern kann, werden bei seinem Abgang gesagt haben: ?Schade?, der allgemeine Tenor wird hingegen gewesen sein: ?Wurde auch Zeit!? Und: Bleiben wird wenig mehr als die Erinnerung an einen liebenswerten Xxxxxxxxxx, der einen eine Zeitlang amüsierte, bis offenkundig wurde, welchen Riesenberg ungelöster Probleme er angehäuft hatte ? und natürlich das extrem kostspielige, extrem peinliche Flughafendebakel.

Aber: Wird Wowereit von seiner eigenen Partei vor den Bus geschubst werden, die panisch auf desaströse Umfragewerte starrt und mit einer Auswechslung ihres Spitzenmannes hofft, die drohende Wahlniederlage noch irgendwie abwenden zu können? Oder wird vorher die CDU die Chance ergreifen, auch Rache zu nehmen für den Sommer 2001, als die SPD es verstand, alle Schuld am kostspieligen Berliner Bankenskandal ihrem Koalitionspartner CDU zuzuschieben, diesen in die Opposition verbannte, Wowereit zum Chef eines rot-grünen, von der PDS tolerierten Minderheitssenats machte und Neuwahlen herbeiführte, bei denen die Union von 40,8 auf 23,8 Prozent abstürzte? Wird die CDU, die immerhin erst seit Herbst 2011 Juniorpartner im Berliner Senat spielen darf, voller Empörung über das Flughafendebakel und das Gebaren Wowereits aus der Koalition aussteigen und für Neuwahlen sorgen, aus denen sie ? erstmals seit 1999 ? als stärkste Partei hervorgehen dürfte?

Eine spannende Frage.

Und wer ist Frank Henkel? ? Vermutlich demnächst Regierender Bürgermeister von Berlin.

Mit Humor ins neue Jahr

Mittwoch, 2. Januar 2013

Die BVG beweist Humor ? und Sinn für Einsparungsmöglichkeiten. Beispielsweise möchte sie, wie sie zum jüngsten Fahrplanwechsel im Dezember verkünden ließ, manches von ihrem Informationsmaterial erst Ende 2013 wieder auflegen. Oder 2014. Oder 2015. Oder …

BVG-Humor