Archiv für November 2012

Man muß Prioritäten setzen

Freitag, 23. November 2012

Seit rund einem Jahr leitet Michael Müller im Berliner Senat das Mammutressort Stadtentwicklung, welches aus den Verwaltungen für Stadtentwicklung und Umweltschutz, Bau- und Wohnungswesen sowie Verkehr und Betriebe hervorgegangen ist. So beschäftigt ist Senator Müller, daß er nur selten in der Öffentlichkeit, genauer: der medialen Öffentlichkeit zu sehen ist.

Ob es um die Dauerkrise bei der Berliner S-Bahn geht, um die eingeleitete Vernichtung der noch recht umfangreichen historischen Berliner Gasbeleuchtung, um den schleppenden Ausbau des schienengebundenen Nahverkehrs in der Hauptstadt oder um Projekte des Wohnungsbaus ? in der Regel treten an Stelle des Senators, der bis vor kurzem auch noch Landesvorsitzender der SPD war (und dies unbedingt bleiben wollte), seine Staatssekretäre auf.

Erst am Mittwoch begehrte die Abendschau des RBB ein Interview mit Herrn Müller zum sich auch und gerade in Berlin immer weiter verschärfenden Thema der steigenden Wohnungsmieten. Leider hatte Herr Müller dafür keine Zeit.

Wofür er Zeit hat, zeigte er am Donnerstag: Unter den Blicken der aufmarschierten Berliner Medien weihte er eine Verkehrsampel ein. Und gab dazu auch Interviews.

Man muß eben Prioritäten setzen.

Blüten am Wegesrand (9)

Montag, 19. November 2012

Dunkelbraun und Orange oder ein warmes Gelb: Das waren, neben Olivgrün und Violett, die beliebtesten Modefarben der siebziger Jahre ? auch und gerade in der Architektur.

Dunkelbraun und ein warmes Gelb fanden sich daher auch im Berliner U-Bahnhof Rathaus Steglitz, als dieser 1974 eröffnet wurde, mit metallenen, silbern schimmernden Wandverkleidungen, welche heutzutage als ?spacig? und ?retrochic? gelten ? in den Augen der BVG, die in den letzten Jahren sehr gern Bleche als Wandverkleidung verwendet, aber nur verbeulte Bleche sind, die es möglichst schnell auch am Rathaus Steglitz gegen Besseres auszutauschen gelte.

Dort sind auch manche der historischen Wandverkleidungen dunkelbraun. Die in sie eingelassenen Türen, deren obere Ecken natürlich abgerundet sind, und die ebenso dem Zeitgeschmack der Seventies entsprechend klobig-wuchtigen Vitrinenrahmen hielt man hingegen in dem erwähnten warmen Gelb. Des Kontrasts wegen.

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Bis die BVG neulich wohl einen Eimer dunkelgraue Farbe übrig hatte.

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Das war dann eben Pech für die denkmalwerte Architektur. Und sieht ja jetzt auch viel besser aus.

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Was die Welt bewegt – oder zumindest unsere Menschen

Mittwoch, 14. November 2012

Wer statt Bussen und Bahnen das eigene Auto benutzt, dem entgehen auch putzige Erlebnisse. Zum Beispiel Ohrenzeuge von Wortwechseln über weltbewegende Themen zu werden, wie dem folgenden zwischen zwei jungen Herren, gestern in der Berliner U 9:

?Haste jehört? Allofs jeht wahscheinlich zu Wolfsburg.?
?Wenner dit macht, denn hassick ihn!?

Einmütiges Bekenntnis zu Hartschalensitzen

Donnerstag, 1. November 2012

kein_bvg-stimmzettelNatürlich sah der Stimmzettel nicht so aus.

Berlin, Hauptstadt der BRD, 1.11.2012 ? Die Vorsitzende des Vorstands der BVG, Dr. Sigrid Evelyn Nikutta, hat heute die Ergebnisse der Befragung der Fahrgäste bezüglich der zukünftigen Ausgestaltung der Sitzgelegenheiten in den Zügen der Berliner U-Bahn bekanntgegeben. Auf einem Meeting auf dem U-Bahnhof Alexanderplatz, im Herzen unserer Hauptstadt, erklärte Dr. Sigrid Evelyn Nikutta: ?Einhundert Prozent unserer Fahrgäste und Fahrgästinnen stimmten dem Vorschlag der Leitung der BVG zu, die Züge der Berliner U-Bahn künftig mit Hartschalensitzen auszustatten.?

Dies einmütige Bekenntnis, so Dr. Sigrid Evelyn Nikutta weiter, sei ein eindrucksvoller Beweis für das unverbrüchliche Bündnis zwischen Fahrgästen und Verkehrsbetrieb und für das große Vertrauen, welches von unseren Menschen bezüglich einer planmäßigen Weiterentwicklung des Fahrzeugparks und des Reisekomforts in die Leitung der BVG gesetzt werde.

In der offenen Aussprache, welche das Meeting umfaßte, ging die Vorsitzende des Vorstands der BVG, Dr. Sigrid Evelyn Nikutta, auch auf die Forderungen einiger weniger Ewiggestriger ein, die an den vom gesetzmäßigen Gang der Geschichte überholten Polstersitzen festhalten wollen. Wörtlich sagte Dr. Sigrid Evelyn Nikutta: ?Der BVG Lauf halten weder Ochs noch Esel auf. Und schon gar nicht feindlich-negative Elemente, die vermutlich vom Ausland gesteuert werden.?

Abschließend verwies Dr. Sigrid Evelyn Nikutta darauf, daß die überwältigende Zustimmungsquote von einhundert Prozent zu modernen Hartschalensitzen um so beeindruckender sei, als bei dieser völlig freien, allen Regeln der Volksdemokratie entsprechenden Abstimmung zur Auswahl standen: Hartschalensitze, Hartschalensitze und Hartschalensitze.