Archiv für Juli 2012

Heute schon geklagt?

Dienstag, 31. Juli 2012

nrc36_webLiebe Bewohner und Bewohnerininnenen von Berlin-Reinickendorf!
Haben Sie schon gegen die Verlängerung der U-Bahn-Linie 5 geklagt? Dann nichts wie zum Anwalt und dann zum Gericht, vielleicht ist es ja noch nicht zu spät! Schließlich soll dieser Tunnel nur in etwa fünf bis zehn Kilometern Luftlinie von ihnen verlaufen. Leicht könnte die Streckenführung folglich so geändert werden, daß Sie davon betroffen sind. Und wenn Sie für diesen Fall nicht bereits vorsorglich geklagt haben…

Und, liebe Zehlendorfer, wehrt Euch ? und zwar juristisch ? gegen die Verlängerung der Stadtautobahn A 100 von Neukölln nach Treptow. Auch diese soll nur wenige Kilometer von Euch entfernt geschenen.

Oder Achtung, Spandauer: Der geplante Ausbau der Dresdner Bahn in Berlin-Tempelhof könnte ganz leicht Euch betreffen!

Schließlich hat das Bundesverwaltungsgericht heute das Gemäkel von lieben Bürgerinnen und Bürger abgeschmettert, welche es irgendwie nicht so ganz in Ordnung fanden, daß plötzlich die Einflugschneisen zum tollen neuen Berliner Großflughafen über ihre Wohnungen, Häuser und Lauben hinweg verlaufen, nachdem ihnen jahrelang versichert worden war, daß genau dies nicht geschehen würde. Tja, sagten da die ganz unabhängigen Richter, damit müsse man schon mal rechnen, daß sich Flugrouten völlig unvorhergesehen verändern. Nun kämen die Beschwerden zu spät.

Fortan sollte folglich jeder gegen jedes Bauprojekt vorsorglich juristisch zu Felde ziehen, könnte es doch passieren, daß er am Ende doch davon betroffen ist. Und jeder sollte endlich beherzigen, was das Bundesverwaltungsgericht wohl eigentlich sagen wollte: Wer sich darauf verläßt, was Politiker versprechen, ist selbst schuld.

Neues von drüben

Dienstag, 24. Juli 2012

Haste das gehört mit dem Flughafen?

Dem in Schönefeld? Dasse damit nich fertig werden?

Hm. Sollte ja was ganz Großes werden. Kosten sind ihnen natürlich außem Ruder gelaufen, und fertig wird diß Ding auch nich. Aber die große Eröffnung plant man schon mal, wo sich die Bonzen dann selber feiern.

Na ja, die kriegen doch sowieso nischt hin. Denk mal an die S-Bahn!

Na, die is fertig. Aber die anderen Züge müssen zum tollen neuen Flughafen ?nen Umweg fahren. Von welcher Seite auch immer se aus Berlin kommen.

Nee, ich mein, wenn die S-Bahn-Züge mal fahren!

Ja, diß muß man sich mal vorstellen: Schaffen für viel Geld ?ne neue Flotte an, mehr als tausend Wagen, und denn stellen se nach kurzer Zeit fest, daß die Dinger eigentlich völlig unbrauchbar sind.

Hat die Bahn selbst gesagt! Aber Probleme mit neuen Zügen sind bei denen ja inzwischen normal.

Mann, die sind so blöd! Immer große Töne spucken, aber nischt dahinter.

Oder dasse die U-Bahn in der Friedrichstraße unterbrochen haben. Für sechzehn Monate.

Sagen se jetzt!

Ja, na klar wird diß nachher auch wieder länger dauern. Und teurer werden. Alles völlig unvorhergesehen. Eene Lüge nach der anderen, wie immer. Aber U-Bahn einfach stillgelegt, mitten inner Stadt, um ?ne Kreuzung einzubauen.

Sowas hat?s ja noch nie gegeben!

Nee, hat?s auch nich. Und das Beste, weißte was das Beste is?

Nee?

Die offizielle Empfehlung vonner BVG: Ersatzverkehr lohnt sich nich, die vierhundert Meter könnse doch locker laufen.

Is ja wie damals die Nummer: ?Wenn unsere Rolltreppen dauernd kaputt sind, kriegen Sie wenigstens keine Thrombose.?

Ich wett, als nächstes nenn se das ?sozialistische Laufgemeinschaft?.

Haste den Witz gehört, den se sich jetzt erzählen? Mit dem Dreirad? Jetzt woll?n se ? ach, wie war?n das noch?

?Die S-Bahn wollte zur Überbrückung der stillgelegten U-Bahn-Strecke ?nen Ersatzverkehr mit Dreirädern einrichten. Aber nachdem se zehntausend Stück angeschafft hatten ? schön mit großem Tamtam den Medien vorgestellt ?, stellte sich nach einer Woche heraus: Die Räder sind nicht in Ordnung. Nach zwei Wochen: Die Lenkung ist nicht in Ordnung. Und nach drei Wochen: Die Pedale müssen auch ausgetauscht werden. Ist aber nicht schlimm, haben Bahn und BVG gesagt: Dauert nämlich nur fast doppelt so lange wie die U-Bahn-Sperrung.? ? Hab ich im RIAS gehört.

Und keener protestiert.

Na ja, wer soll denn protestieren?

Ja, Mann, die sind alle so doof da drüben! Keener kriegt den Arsch hoch. Immer heißtet: ?Da kann man nischt machen.?

Ein Glück bloß, daß das nich bei uns so is, im Westen.

Wie lange will die BVG noch Kaffeetrinker in ihren Reihen dulden?

Mittwoch, 18. Juli 2012

Nichtraucherschutz

Den Medien zu entnehmen ist der Fall eines Gleisbauers, den die BVG loswerden möchte, weil er in seiner Freizeit gekifft habe, aber ? so versichert er ? niemals unter Cannabiseinfluß zur Arbeit erschienen sei.

Dem Verkehrsbetrieb genügt dies nicht, denn die Sicherheit der Fahrgäste sei ernsthaft gefährdet worden durch den Genuß zwar illegaler, doch in einem bestimmten Maße geduldeter Substanzen.

Recht hat sie ? findet auch das von dem Missetäter angerufene Landesarbeitsgericht. Glücklicherweise sind die Zeiten vorbei, in denen Leibeigene, äh, Arbeitssklaven, na ? Arbeitnehmer und Sozialpartner in ihrer Freizeit tun, lassen, womöglich gar sagen können, was sie wollen. In unserer perfekt und permanent arbeitsmarktreformierten Welt gehören sie dem Arbeitgeber rund um die Uhr.

Und vorbildlich schreitet die BVG mit voran auf unser aller Weg in die Tugendrepublik. Doch der besorgte Bürger fragt sich: Wie lange will sie noch Kaffeetrinker in ihren Reihen dulden? Durch Koffeingebrauch aufgeputscht, könnten diese liederlichen Gestalten allzu leicht auf die Gleise stürzen. Und damit die Fahrgäste gefährden. Züge entgleisen lassen. Oder U-Bahnhöfe zum Einsturz bringen.

Hinfort, hinfort mit all diesen Gestalten!

Es findet sich doch sicher ein Gericht, welches das genauso sieht und dafür Sorge trägt, daß Sitte, Anstand und Benimm gewahrt werden.

Wunder des Alltags (10)

Dienstag, 17. Juli 2012

Die Deutsche Bahn AG muß sparen. Denn mit mehr als 1,3 Milliarden Euro hat sie im vergangenen Jahr bei weitem nicht genug Gewinn gemacht.

Auf zahlreichen Stationen der Berliner S-Bahn mußte deshalb die Fahrgastinformation optimiert werden. An die Stelle von Leuchtkästen oder Fallblattanzeigern, welche jeweils angaben, wohin der nächste Zug genau fährt, sind Blechschilder getreten, welche eher vage die Richtung angeben. Schließlich gibt es auf den meisten Stationen auch längst kein Personal mehr, welches die Anzeiger bedienen könnte.

Ausgewählten S-Bahnhöfen, vornehmlich solchen in zentralerer Lage oder mit höherem Fahrgastaufkommen, wurden allerdings schicke neue elektronische Anzeigetafeln spendiert. Natürlich konnte diese Investition nur gerechtfertigt werden, indem man nicht nur die Zahl der damit ausgestatteten Stationen begrenzte; auch wurde jeweils individuell entschieden, ob ein Bahnsteig einen oder zwei Anzeiger pro Gleis erhielt.

Mit jeweils einem mußte sich beispielsweise die Station Rathaus Steglitz bescheiden. Dieser recht stark frequentierte Umsteigepunkt besitzt einen Zugang am Nordende des Bahnsteigs und einen weiteren in der Mitte, von dem aus einmal eine Treppe und eine Rolltreppe, einmal eine Treppe und ein Aufzug auf den Perron führen. Die beiden einzigen elektronischen Anzeigekästen ? einer für das linke, der andere für das rechte Gleis ? wurden, recht weit vom Nordzugang entfernt, kurz vor der zweiten Treppenanlage angebracht.

Besser traf es den S-Bahnhof Innsbrucker Platz (Bild unten). Dieser nicht so stark frequentierte Umsteigepunkt besitzt nur einen einzigen Zugang. In dessen Nähe befinden sich zwei elektronische Anzeiger. Und auf zwei weitere stößt man, wenn man den Bahnsteig hinunterläuft. Es gibt ja immer so viel Schönes anzuzeigen, auch und gerade auf der Ringbahn.

s-bf-innsbrucker-platz-anzeiger_web

(Kenner der Berliner S-Bahn wissen: Auch wenn derlei heutzutage ganz einfach sein mag ? es handelt sich bei obigem Photo natürlich nicht um eine Manipulation. Es bedarf keiner böswilligen Bildbearbeitung, damit man auf einem Anzeiger der Berliner S-Bahn lesen kann: ?Zug fällt aus!?)

Wie wäre es mit Beamen?

Freitag, 13. Juli 2012

Verkehrsmittel der Zukunft
Verkehrsmittel der Zukunft

Böswillige und verwirrte Zeitgenossen stellen inzwischen in Frage, daß Berlins schöner neuer Flughafen jemals in Betrieb gehen wird.

Gute Menschen wissen, daß er dies natürlich tun wird. Und daß die eine oder andere klitzekleine Verzögerung dieses Ereignisses die Chance bietet, länger ? und damit besser ? über die Nachnutzung des zur Schließung bestimmten Flughafens Tegel nachzudenken.

Da dies ein bedeutender Standort für Wirtschaft und Wissenschaft mit Zehntausenden von Arbeitsplätzen werden soll, benötigt er natürlich einen guten Anschluß durch den öffentlichen Nahverkehr. Will sagen: Einen besseren als in den fast vierzig Jahren, da ?Tegel-Süd? ? wie das heutige Passagierterminal anfangs hieß ? lediglich einigen Millionen ankommenden und abreisenden Fluggästen im Jahr diente.

Überraschenderweise scheint der Bau der seit Jahrzehnten geplanten U-Bahn ? für die im U-Bahnhof Jungfernheide und rund um diesen herum bereits erhebliche bauliche Vorleistungen erbracht wurden ? momentan nicht zur Diskussion zu stehen. Aber, so war dieser Tage den Medien zu entnehmen, könnte es nicht einen anderen Bahnanschluß geben?

Bei der ?Tegel Projekt GmbH?, die das Flughafengelände für eine Nachnutzung vorbereiten soll, denkt man da etwa an eine Seilbahn. Möglich wäre aber auch der Bau einer Magnetbahn.

Ja, die Magnetbahn! Liegen eigentlich noch in Schönefeld Teile jener Magnetbahn herum, die einst für nur wenige Dutzend Fördermillionen zwischen Gleisdreieck und Potsdamer Platz aufgebaut wurde, dort auch tatsächlich mal eine kurze Zeit fuhr, einen spektakulären Unfall verursachte, und schließlich am Flughafen Schönefeld wiederaufgebaut werden sollte?

Woraus bekanntlich nichts wurde. Aber warum nicht, gut zwanzig Jahre später, dieses Verkehrssystem der Zukunft in Tegel errichten? (Mit womöglich nur wenigen Dutzend Fördermillionen?) Oder wie wäre es mit einer Hängebahn? Einem Spurbus? Einer Alwegbahn? Kabinentaxis? Oder einer Rohrpost für Menschen?