Archiv für Mai 2012

Auf die Berliner S-Bahn ist Verlaß!

Dienstag, 29. Mai 2012

Auf die Berliner S-Bahn ist Verlaß. Eine Aussage, bei der natürlich nur böse Menschen an immer neue Probleme mit noch gar nicht so alten, vor einigen Jahren mit großem Jubel vorgestellten Wagen denken. Oder an den Ausfall dieses oder jenes Stellwerk, an Mißhelligkeiten mit Weichen oder Signalen, den einen oder anderen Stromausfall oder was sonst dazu führt, daß der ohnehin seit Jahren mal mehr, mehr weniger eingeschränkte Verkehr mal wieder ein bißchen mehr eingeschränkt wird, hier Züge ausfallen, dort eine Linie verkürzt oder diese oder jene Strecke gleich ganz gesperrt wird.

Die mehrstündige Unterbrechung des S-Bahn-Verkehrs zwischen Berlin und Potsdam heute vormittag war der ?Abendschau? des RBB nicht mal mehr eine Kurzmeldung wert. Und daß die herabgesetzten Erwartungen, welche aus solch einer Behandlung durch die Medien sprechen, einem überforderten Betreiber nur recht sein können, würden natürlich nur böse Menschen ? ach, das hatten wir ja schon.

Nein, erfreuliche Verläßlichkeit erlebt man bei einer S-Bahn-Fahrt zum Flughafen Schönefeld. Die dortige Station ist ? bis irgendwann einmal der neue Großflughafen eröffnet wird bzw. werden sollte ? nicht nur die letzte S-Bahn-Station auf dieser Strecke, sondern auch die einzige, welche sich nicht mehr auf Berliner Stadtgebiet befindet. Und damit nicht mehr im Tarifbereich ?Berlin B?, sondern bereits in ?Berlin C?.

Eine Zeitlang wurde der Einfachheit halber, und sicher auch aus Gründen der Kulanz, der Bahnhof Flughafen Schönefeld beiden Tarifbereichen zugeordnet. Doch die Zeiten sind hart und Kulanz ist etwas für Weicheier, welche den ebenso langsam wie sicher zu neuen Ehren gelangenden Sozialdarwinismus fürchten müssen.

Wen kann es folglich überraschen, wenn auf dem S-Bahnhof Grünbergallee ? dem letzten Halt in Berlin ? Fahrscheinkontrolleure einsteigen? Nur Naivlinge und Auswärtige, von denen manche womöglich nicht einmal ahnen, daß sie auf diesen letzten paar hundert S-Bahn-Metern zum Flughafen ohne gültigen Fahrausweis unterwegs sind. Was natürlich nicht vor Strafe schützt.

So verabschiedet die deutsche Hauptstadt manch Gast mit einem Strafzettelchen und einer Zahlungsaufforderung. Und sicher wird niemand bei der S-Bahn hoffen, daß sich die Eröffnung des neuen Flughafens möglichst lange verzögert, weil die dann verlängerte S-Bahn-Strecke viel deutlicher als bisher aus Berlin hinaus in den Tarifbereich C ragt und deshalb vielleicht nicht mehr so gut als lukrative Touristenfalle taugt.

Immer schön das Positive sehen (2)

Sonntag, 20. Mai 2012

Hand aufs Herz: Wer hätte sich schon groß außerhalb von Berlin und Brandenburg für die Eröffnung des dortigen neuen Flughafens interessiert? Das wären ein, zwei Tage lang die üblichen Berichte gewesen, und fertig. Nun aber spricht die ganze Nation davon.

Wenn das kein Erfolg ist.

Blüten am Wegesrand (6)

Freitag, 18. Mai 2012

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Ist es nicht faszinierend, was der Baumarkt so alles hergibt?

(Der 1939 eröffnete Nordeingang des S-Bahnhofs Yorckstraße [Großgörschenstraße].)

Immer schön das Positive sehen

Donnerstag, 10. Mai 2012

Mit dem neuen Flughafen verzögert sich völlig überraschend mal wieder die Fertigstellung eines ganz großen, ganz tollen Verkehrsprojekts in Berlin. Die allgemeine Empörung darüber ist groß ? und offenbart doch nur erschreckende Kurzsichtigkeit: Schließlich wächst mit jedem Tag, den der Flughafen später eröffnet wird, die Wahrscheinlichkeit, daß er von Anfang an über eine direkte S-Bahn-Verbindung zum ganz großen, ganz tollen neuen Hauptbahnhof verfügt. Oder daß ihn Regionalzüge aus der Berliner Innenstadt auf direktem Weg erreichen können ? ohne einen großen Bogen über Lichterfelde oder Biesdorf machen zu müssen.

Wer so tut, als würde er etwas tun, hat auch was getan!

Dienstag, 8. Mai 2012

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Was heute noch wie völliger Schwachsinn klingt, ist morgen schon Wirklichkeit. Die Metronom-Bahngesellschaft machte schon vor geraumer Zeit den Anfang: Im Zug sitzen und Alkohol trinken ? nein. Im Zug sitzen und Alkohol getrunken haben ? ja.

Es ist natürlich nicht so, daß, nachdem die Raucher fast vollständig erlegt und erledigt sind, sich Weltverbesserer, Menschheitsbeglücker und Politiksimulanten ein neues Opfer suchen müssen. Und zum solchen vor allem die Konsumenten von Alkohol erkoren haben.

Es ist natürlich nicht so, daß man auf dem Weg zum möglichst umfassenden Alkoholverbot die gleiche Salamitaktik verfolgt, wie man sie in Sachen Tabak so erfolgreich angewandt hat: Erst hier eine kleine Einschränkung, dann dort ein kleines Verbot, vor allem immer erzählen, daß es doch nur um ?Schutz? geht (Niemand hat die Absicht, ein absolutes Alkoholverbot zu errichten!) und mit den Umzuerziehenden nach dem alten Erfolgsprinzip ?teile und herrsche? verfahren: ?Mich als Nichtraucher stört das nicht.? ? ?Mich als Abstinenzler stört das nicht.? ? ?Mich als Kaffeehasser stört das nicht.? ? ?Mich als Tortenfeind stört das nicht.? ? ?Mich als Nicht-Pommes-Esser stört das nicht.? ? Und: ?So konnte es doch nun wirklich nicht weitergehen!?

Es ist natürlich nicht so, daß derlei Entwicklungen befördert werden, weil Politiker und andere Funktionäre erkennen, wie sie mit Hilfe frustrierter Weltverbesserer ? die mit lautem Geschrei dafür sorgen, daß ihre Vorstellungen viel Platz finden in den Medien, die ja immer gern ?Alarm!? schreien ? Handeln vortäuschen können. Wenn sich schon große, wichtige Probleme nicht lösen lassen ? sei es, weil sie zu komplex sind, sei es, weil längst nicht mehr irgendwelche gewählten Amtsträger das Sagen haben ? irgendein Verbot zu verhängen, funktioniert (noch) immer!

Es ist natürlich nicht so, daß bei solcher Politik ? oder genauer: Simulation von Politik ? in der Regel nur Symptome bekämpft werden anstelle von Ursachen und die mit großem Tamtam erst geforderten und dann ergriffenen Maßnahmen häufig das Gegenteil des Gewollten bewirken.

Es ist natürlich nicht so, daß man ab einem bestimmten Punkt seines Kreuzzugs darauf zählen kann, daß die öffentliche ? oder zumindest die veröffentlichte ? Meinung bereits so weit umgebogen worden ist, daß niemand mehr Widerspruch wagt ? oder auch nur Zweifel am Sinn der geforderten Maßnahmen zu äußern, geschweige denn an deren Notwendigkeit (den Rest erledigen die völlig unabhängigen, nur der Wahrheit verpflichteten Redaktionen).

Es ist natürlich auch nicht so, daß Politiker und andere Funktionäre laut schreien, um sich auch ja nicht von ihren Konkurrenten im lauten Schreien überbieten zu lassen ? also etwa die Vertreter einer Gewerkschaft unsinnige Forderungen aufstellen, um nicht ins Hintertreffen zu geraten gegenüber einer Konkurrenzgewerkschaft, die noch unsinnigere Forderungen aufstellt.

Nein, dies alles ist nicht so.

Und deshalb geht es der Gewerkschaft der Polizei im DGB, die sich in einem harten Wettbewerb mit der Polizeigewerkschaft im DBB befindet, auch einzig darum, die Arbeitsbedingungen ihrer Mitglieder zu verbessern, Fahrgäste zu schützen und die Menschheit ganz allgemein zu beglücken, wenn sie mal wieder ein Alkoholverbot in den Zügen der Deutschen Bahn verlangt.

P.S.: Bei der Deutschen Bahn AG hält man solch ein Alkoholverbot für ?nicht zielführend? und erklärt weiter, es wäre weitaus sinnvoller, könnte man wirksamer gegen Fahrgäste vorgehen, die unter Alkoholeinfluß unangenehm werden. Bei der Deutschen Bahn AG hat man eben immer noch nicht verstanden, worum es hier geht. Da ist noch manche Aufklärungskampagne fällig.

Zur Feier des Tages

Dienstag, 1. Mai 2012

… ein Hinweis auf zwei ältere, nichtsdestoweniger noch immer gültige Texte, die sich nicht um Verkehrsthemen drehen, auf meiner Website:

1. Mai 1987 ? Ich war dabei. Fast. Oder: Die falsche Erinnerung

Aus einer verlorenen Zeit

Der NRC in: Respekt

Die Berliner U-Bahn als Intelligenztest

Dienstag, 1. Mai 2012

Am Berliner U-Bahnhof Dahlem-Dorf hat das Reetdach des Empfangsgebäudes mal wieder gebrannt. Die U-Bahn-Linie 3 war deshalb auch gestern noch zwischen Breitenbachplatz und Thielplatz unterbrochen. Natürlich gab es einen Ersatzverkehr mit Bussen. Und so fanden sich dann augenscheinlich Tausende von Studenten auf dem Breitenbachplatz wieder, um von dort stadtauswärts zur Station Thielplatz zu gelangen, die so etwas wie der Hauptbahnhof der Freien Universität ist.

Den Medien zufolge warteten manche der angehenden Akademiker eine Stunde und länger, um mit einem der überfüllten Ersatzbusse die drei Stationen bis Thielplatz transportiert zu werden.

Klar: Die meisten Institute der FU liegen bekanntlich völlig isoliert auf einer grünen Wiese in der brandenburgischen Provinz namens Berlin-Dahlem. Und die einzige Verbindung dorthin stellt ebenjene U 3 dar. Es gibt keine andere Möglichkeit, vom doch noch recht innerstädtisch wirkenden Breitenbachplatz (wo lediglich drei Buslinien verkehren) zu den Dahlemer FU-Standorten zu gelangen. Man kann letztere auch nicht generell erreichen, ohne den Breitenbachplatz überhaupt zu berühren ? zur Not unter Inkaufnahme eines kurzen Fußwegs. Ebensowenig ist es möglich, sich ? wenn man vom Brand und der darauffolgenden Unterbrechung des Betriebs auf der U-Bahn-Linie, die man häufig benutzt, gehört hat ? darüber zu informieren, ob diese wieder fährt, wenn man sie benutzen möchte. Schon gar nicht Studenten ? also jungen Menschen mit Abitur, die einmal zur Bildungselite gehören wollen ? ist dies zuzumuten.

Es bleibt einem nur, wie immer mit der U-Bahn zu fahren ? soweit man kommt. Und dann in einer großen Herde auf einem Platz zu stehen und zu warten, daß ein Bus einen weiterbefördern möge.

So hat der Brand des Reetdachs doch noch etwas Gutes gehabt: Er ermöglichte einen aufschlußreichen Ausblick auf die intellektuellen Fähigkeiten der Akademiker kommender Jahrzehnte.