Archiv für Februar 2012

Wenn Senatoren träumen

Sonntag, 26. Februar 2012

Nachdem die Fahrpreise im Berliner Nahverkehr zum Jahresbeginn 2011 erhöht worden sind, sollen sie überraschenderweise erst im kommenden Sommer erneut steigen ? also nach nicht weniger als anderthalb Jahren.

Obwohl ständig alles teurer wird, zeigen manche unverantwortlichen Zeitgenossen wenig Verständnis dafür. Berlins neuer Stadtentwicklungssenator Michael Müller, der auch für Verkehr zuständig ist, hat daher jetzt einen sehr klugen Vorschlag unterbreitet: Fortan sollte der Tarif des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) regelmäßig der Steigerung des Verbraucherpreisindex gemäß erhöht werden.

Eine brillante Idee: Künftig steigen die Preise im VBB-Tarif dann ganz automatisch Jahr für Jahr, schnell haben sich die Beförderungsfälle und das dumme Stimmvieh ? äh, die lieben Bürgerinnen und Bürger ? daran gewöhnt, Diskussionen gibt es darum dann nicht mehr. Und die VBB-Unternehmen, so Müller weiter, erhalten Planungssicherheit.

Zweifelsohne wird der Herr Senator zugleich dafür plädieren, daß auch die Bezüge der Beschäftigten der VBB-Unternehmen künftig Jahr für Jahr automatisch erhöht werden, gemäß der Steigerung des Verbraucherpreisindex. Diskussionen darum braucht es dann nicht mehr zu geben. Und die Arbeitnehmer erhalten Planungssicherheit.

Schließlich gehört der Herr Senator der SPD an. Und das ist ja nicht etwa jene Partei, die während ihrer Zeit in der Bundesregierung von 1998 bis 2009 kräftig mit dafür gesorgt hat, daß die Realeinkommen der meisten Menschen in Deutschland deutlich gesunken sind.

Nachtrag: Kurz nach der Einlassung des Herrn Senator hieß es von Seiten des VBB, man wolle Müllers Vorschlag prüfen. Das wird sehr spannend: Wenn Ihnen jemand anbietet, Ihre Bezüge künftig regelmäßig automatisch, ohne weitere Diskussion, zu steigern ? wie würde Ihre Prüfung dieses Vorschlags ausfallen?

Glückwunsch!

Samstag, 18. Februar 2012

Heute vor 110 Jahren wurde bei der Berliner U-Bahn der öffentliche Verkehr aufgenommen.

Die Gewerkschaft Verdi gratuliert, indem sie dafür sorgt, daß dieser für fünfzehn Stunden eingestellt wird.

Wunder des Alltags (8)

Samstag, 11. Februar 2012

Stellen Sie sich vor, ideologiebedingt erhält eine Schnellbahnstation den Namen einer unbedeutenden Seitenstraße, von der, bevor sie als Namenspatin dieses Halts dienen durfte, kaum jemand in der Stadt je gehört hatte. Stellen Sie sich vor, in der Nähe dieser Station befindet sich ein Museum, welches zu den bekanntesten, beliebtesten und am meisten frequentierten der Stadt gehört. Stellen Sie sich weiter vor, nach langen Diskussionen wird endlich der Entschluß gefaßt, zu tun, was man schon Jahre zuvor hätte tun sollen, als die Station den Namen der unbedeutenden Seitenstraße erhielt: den Halt nach dem Museum zu benennen. Wie, denken Sie, wird dann die nach dem Museum für Naturkunde ? welches überall nur als ?Museum für Naturkunde? auftritt ? benannte Station heißen?

Richtig:

u-bf-naturkundemuseum

(Schließlich ist es ja nicht so, daß in der gleichen Stadt die Station Zoo seit längerem nur noch mit ihrem vollen Namen ?Zoologischer Garten? bezeichnet würde oder eine zunächst ?Karl-Bonhoeffer-Klinik? genannte Haltestelle die in verschiedener Hinsicht korrektere Bezeichnung ?Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik? erhalten hätte.)