Archiv für Januar 2012

Wofür ein Bahnhof da ist

Dienstag, 31. Januar 2012

Sie verfügen über einen hervorragend angebundenen Bahnhof im Zentrum der Stadt. Und Sie verfügen über einen mäßig bis mangelhaft angebundenen Bahnhof in zwar geographisch zentraler Lage, einer funktional aber eher öden Ecke, wo bis auf durchrasende Autos wenig los ist und den zu erreichen für zahlreiche Nutzer einen erheblichen Umweg bedeutet. Wo lassen Sie Ihre Züge ohne Halt durch den Bahnhof rauschen, wo lassen Sie sie halten?

Natürlich in dem mäßig bis mangelhaft angebundenen Bahnhof in eher öder Ecke, durch dessen Dach es mittlerweile auch noch regnet. Was natürlich rein gar nichts damit zu tun hat, daß dieser Bahnhof eines jener berühmten Einkaufszentren mit Gleisanschluß ist, eine blitzsaubere Ansammlung von Läden, wo buchstäblich am Rand (ganz oben und ganz unten) auch noch Züge fahren. (Geschickten Benutzern dieser Anlage gelingt es, die Perrons zu erreichen, nachdem sie sich lediglich zwei- bis dreimal verlaufen haben. Sage niemand, das Bahnfahren wäre in diesem Bahnhof ja auch Nebensache und diene hauptsächlich dazu, den Läden Kunden zuzuführen, zumal es hier an echten ?Magnetmietern? [Lebensmitteldiscounter, Elektromarkt] mangelt.) Und der hervorragend angebundene Bahnhof im Zentrum der Stadt ist doch wirklich selbst schuld, wenn man aus ihm einfach nicht genügend Verkaufsflächen herausquetschen konnte!

Wer sich eingebildet hatte, die Bahn AG ließe sich vom duften neuen Berliner Senat erweichen, im Bahnhof Zoo wieder mehr Fernzüge halten zu lassen, als des Nachts zwei oder drei, sieht sich jedenfalls mittlerweile auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: Die ICs und ICEs Züge rauschen weiter ohne Stopp durch die Station. Nicht nur Charlottenburger oder Wilmersdorfer dürfen weiter erst zum schicken neuen Hauptbahnhof (dem mit dem Dachschaden) fahren ? und dann die gleiche Strecke wieder zurück. Auch vielen anderen Berlinern wird dieses Vergnügen zuteil, verfügt der Hauptbahnhof doch über eine so sagenhaft gute Nord-Süd-Anbindung. Aber bald wird ja alles besser: Dann fährt endlich die seit vielen Jahren versprochene Tram zum Hauptbahnhof. Von und nach Osten.

Blüten am Wegesrand (4)

Sonntag, 15. Januar 2012

Daß der Stettiner Bahnhof einst eine besondere Rolle im Gefühlshaushalt wenigstens der begüterteren Berliner spielte, darf vermutet werden. Reiste doch, wer er sich überhaupt leisten konnte, zu Zeiten des Deutschen Reichs im Sommer oft zum naheliegendsten Urlaubsziel: an die Ostsee. So wurde die Station gern als ?Ferienbahnhof der Berliner? tituliert. Und obwohl sie im armen und deshalb recht schlecht beleumundeten Norden des alten Berlin lag und sich südlich von ihr rund um Eichendorff-, Schlegel- und Tieckstraße ein berüchtigtes ? heute längst vergessenes ? Rotlichtviertel erstreckte: Womöglich löste bei vielen Berlinern allein der Anblick der Hauptfront des Bahnhofs an der Invalidenstraße angenehme Gefühle aus.

Nichts können diese Gefühle jedoch gewesen sein gegen die Begeisterung, die der Anblick erzeugen muß, welcher sich heute an der gleichen Stelle bietet. Bis zur Ekstase dürfte sich bei genauerer Betrachtung der ästhetische Genuß steigern und nun erst deutlich werden, welch widerwärtiges, schäbiges Bild der im Zweiten Weltkrieg beschädigte, 1952 stillgelegte und bald darauf abgerissene Fernbahnhof bot. Zumal das Gebäude, welches sich die Deutsche Bahn AG unlängst an gleicher Stelle errichten ließ, von erlesener Schönheit und baukünstlerischer Finesse ist.

Schon oberflächlich betrachtet vermag auch der Laie klar zu erkennen: Nein, früher war nicht alles besser! Und die Pflege des Stadtbildes ist gerade großen Unternehmen (noch dazu solchen in Staatsbesitz) ein vornehmes Anliegen, weshalb ihre Gebäude höchsten ästhetischen Ansprüchen genügen sollen und nicht etwa nur nach der Maßgabe zusammengefummelt werden, soviel Nutzfläche so kostengünstig wie möglich zu schaffen und damit nichts anderes zu verlangen als Profitmaximierungsarchitektur.

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1904 (Quelle: Wikipedia/Zeitschrift für Bauwesen)

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Die gleiche Ansicht 2011

Es geht um 1,40 Euro ? mindestens!

Mittwoch, 11. Januar 2012

Oder: Deutsch sein heißt, eine Sache um ihrer selbst willen tun.

Auf dem U-Bahnhof Kurfürstenstraße ist ein Mann ins Gleisbett gestürzt. Nicht etwa aus Trunkenheit oder aus Leichtsinn, sondern um Recht und Ordnung zu verteidigen. Dem Vernehmen nach verlor er das Gleichgewicht bei dem Versuch, einen flüchtenden Schwarzfahrer auf- und festzuhalten. Ein herannahender Zug konnte gerade noch rechtzeitig gestoppt werden, so daß der einschreitende Bürger nur leichte Verletzungen davontrug.

Da sage noch einer, unsere Menschen wären nicht mehr bereit, vollen Einsatz zu zeigen, selbstlos und für etwas, das größer ist als sie selbst. Immerhin ging es hier um mindestens 1,40 Euro (Kurzstreckentarif), um welche die Berliner Verkehrsbetriebe geprellt werden sollten. Und es ging ums Prinzip.

Freuen Sie sich auf Meldungen wie ?Mann verbrennt beim Versuch, Frau auf U-Bahnhof am Rauchen zu hindern? oder ?Mädchen wird von Doppeldecker überfahren, als es an der Haltestelle widerrechtlich weggeworfenes Waldbeerenbonbonpapier als Beweismaterial sicherstellen möchte?.

Das große Quiz zum Start der ?Gigaliner? in Deutschland

Mittwoch, 11. Januar 2012

Ab wievielen Unfällen mit wievielen Toten wird der Feldversuch als gescheitert gelten?

Diese Flasche …

Montag, 2. Januar 2012

eine-flasche-der-zwietracht_web

… und ihre Schwestern könnten im neuen Jahr im Verkehr eine bedeutende Rolle spielen.

Mehr dazu demnächst an dieser Stelle.