Archiv für Dezember 2011

So gesund wird?s nie wieder …

Samstag, 24. Dezember 2011

Gesundes Fest
Cartoon größer, besser ansehen? Anklicken!

… denn wenn es nach den Kampagnen geht, die momentan im Gange sind, werden alle Ordnungshüter in einem Jahr vollauf damit beschäftigt sein, rund um die Uhr die ? sicher noch um einige Dutzend weitere, für Sicherheit, Ordnung, Gesundheit und das Überleben der Menschheit unerläßliche Verbote ergänzten ? Beförderungsbedingungen der BVG durchzusetzen. Und zwar rund um die Uhr.

SCHÖNER UNSERE BUSSE UND BAHNEN!
FÜR EIN GESUNDES FEST UND NEUES JAHR IM GEISTE DER BESCHLÜSSE UNSERER REGIERUNG!
TOD DEN VOLKSGESUNDHEITSFEINDEN!

Warum greifen die S-Bahn-Schaffner nicht zur Trillerpfeife und stellen die Weichen per Hand?

Freitag, 16. Dezember 2011

Der Berliner SPD-Landesvorsitzende Michael Müller fungiert seit kurzem auch als Stadtentwicklungssenator, als welcher er auch für den Bereich Verkehr zuständig ist.

Angesichts des gestrigen (neuerlichen) Zusammenbruchs des Berliner S-Bahn-Verkehrs trat er nicht nur an die Öffentlichkeit, sondern bemängelte dabei auch die mangelhafte Informationspolitik der Deutschen Bahn AG bzw. einer ihrer zahlreichen Töchter gegenüber den betroffenen Fahrgästen. Müller wörtlich in der ?Abendschau?: ?Dafür fehlt mir jede Erklärung. Denn mit einem Megaphon zumindest auf einem Bahnhof kann man immer Informationen geben. Daß das nicht möglich sein soll, will mir nicht in den Kopf gehen.?

Klar, schließlich ist es nicht etwa so, daß nach diversen Reformen und Optimierungen ? die natürlich nicht dazu dienten, aus dem Unternehmen mehr Profit zu pressen ? auf den allermeisten Berliner S-Bahnhöfen mittlerweile kein Personal mehr stationiert ist und die Fahrgäste in der Regel sich selbst überlassen sind.

Eine beachtliche Leistung, Herr Senator: Keine zwei Wochen haben Sie gebraucht, um zu zeigen, wie gut Sie sich in Ihrem Aufgabenbereich auskennen!

Wunder des Alltags (7): ?Getreu dem historischen Vorbild?

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Auf dem Berliner U-Bahnhof Mehringdamm kann man seit über einem Jahr Erstaunliches erleben: Als er Mitte der sechziger Jahre umgebaut wurde, war man offenbar nach dem Motto ?Aus den Augen, aus dem Sinn? verfahren. Was in diesem Falle hieß: Was sich über den damals in der Bahnsteighalle eingezogenen Zwischendecken befand, interessierte nicht mehr.

Dies sorglose Vorgehen rächte sich, denn die gewölbten Decken aus der Entstehungszeit der 1924 in Betrieb genommenen Station entwickelten immer mehr Risse.

Die BVG entschloß sich zu einer Radikalkur und entfernte die Zwischendecken ? und, wo man schon mal dabei war, die gesamte, aus den Sixties stammende Verkleidung der Bahnsteighalle. Letztere soll nun, nach erfolgter Betonsanierung, ?getreu dem historischen Vorbild? wiederhergestellt werden.

So etwas klingt, spätestens seit der Zeitgeist in den achtziger Jahren in Nostalgieseligkeit versumpfte, immer gut. Und der professionelle wie der Amateurjournalismus hat in Berlin mittlerweile ein solches Niveau erreicht, daß auch Fachleute derartige Angaben des Verkehrsbetriebs einfach nachplappern.

Ist es doch nicht etwa so, daß beim 1966 abgeschlossenen Umbau aus der zuvor dreigleisigen eine viergleisige Station gemacht wurde, man dabei die Quertonnen über den Bahnsteigenden und eine der drei Längstonnen nahezu vollständig abbrach und an Stelle letzterer, wie auch über dem neuen, vierten Gleis, einen simplen Betonkasten errichtete. Und daß in gleicher Form die gesamte Bahnsteighalle um einige Meter nach Süden verlängert wurde.

Weshalb man auch nicht sagen kann: Ein ?historisches Vorbild? gibt es für den heutigen U-Bahnhof Mehringdamm eigentlich nur in Form der Gestaltung von 1966. Daß man der Station damals ein völlig neues Gesicht gab, war in diesem Falle einmal nicht (nur) zeittypischer Ignoranz gegenüber allem Historischen geschuldet, sondern schlicht der Tatsache, daß weitgehend ein neues Bauwerk entstanden war. (Da von der alten Station nichts mehr zu sehen war und U-Bahnhöfe aus den sechziger Jahren der Berliner Denkmalpflege grundsätzlich als nicht schutzwürdig erscheinen, steht dieser auch nicht in der Denkmalliste.)

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Links oben über dem Gleis Richtung Rudow die kostbaren Reste der westlichsten Tonne. Entlang der Stützen auf dem Bahnsteig und rechts die ekelige, wertlose Gestaltung aus den sechziger Jahren.

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Der Blick aus der entgegengesetzten Richtung: Hinten die Tonnenreste, vorn die Verlängerung der Bahnsteighalle aus den Sixties.

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Ebenfalls von Süden her gesehen: Der westliche Anbau an die alte Bahnsteighalle. Der nackte Beton wurde ursprünglich durch die inzwischen abgebrochene Zwischendecke verborgen, die Beschilderung ist nicht bauzeitlich.

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Das östlichste Gleis Ende Mai 2011: Hinten die alte, gewölbeartige Decke, vorn der südliche Anbau aus den Sechzigern.

Vielmehr hat man in unseren Tagen erkannt, wie wertvoll jedes Stück Stuck ist. Oder auch nur ein Zierat im Beton. Weshalb man jetzt unter die beiden alten, rissigen Tonnen zwar eine neue Betonschicht einzog ? und damit auch alle historischen Spuren tilgte. Aber die derart wegbetonierten Verzierungen und Gliederungen werden natürlich auf den neuen Betonbögen nachgebastelt.

Noch besser kommt es an den Hintergleisflächen. Die 1923/1924 eröffneten Stationen der Nord-Süd-Bahn, von See- bis Gneisenaustraße, wurden ja nicht dadurch geprägt, daß sie in der Notzeit des Ersten Weltkriegs und der ersten Jahre danach entstanden, nur mit Ach und Krach überhaupt fertiggestellt werden konnten, und ? da für Ausstattung nun wirklich kein Geld vorhanden war ? zum größten Teil lediglich verputzte und getünchte Wände aufwiesen und noch immer aufweisen. Einst im heutigen U-Bahnhof Mehringdamm dennoch vorhandene Fliesen dürften ähnlich ausgesehen haben wie heute noch in der Station Platz der Luftbrücke zu sehen oder bis vor kurzem in der Haltestelle Südstern zu sehen gewesen: hauptsächlich quadratisch und hell.

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Ende Oktober 2011 gab es auf dem in Sanierung befindlichen U-Bahnhof Südstern noch einige wenige historische Fliesen. Der Rest ist Neubrand. Unten: Das östlichste Gleis im U-Bahnhof Mehringdamm Ende Oktober 2011 von Norden her gesehen.

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Angesichts dieser historischen Vorbilder liegt es nahe, die Hintergleisflächen des U-Bahnhofs Mehringdamm jetzt mit großen dunklen rechteckigen Fliesen zu verkleiden. Zumal dafür, daß die Wände verdunkelt werden, der Boden aufgehellt wurde: Schon seit Jahren bedecken auch am Mehringdamm die Bahnsteige schöne helle, nicht ganz billige Granitplatten. ?Getreu dem historischen Vorbild.? Aber sicher doch.

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Auch der benachbarte, ebenfalls 1924 eröffnete U-Bahnhof Gneisenaustraße wurde ? bereits Ende der sechziger Jahre ? ?getreu dem historischen Vorbild? saniert: Wie zuvor Aufbauten, Stützen und die Rahmen von Wandschildern und Reklametafeln sind die damals angebrachten Fliesen irgendwie grün.

Weg mit dem Wegbier! (Und mit Klaus Wazlak?)

Mittwoch, 14. Dezember 2011

deutschland-2020

Seit kurzem darf in Berlin ein bislang weitgehend unbekannter Herr namens Frank Henkel den Innensenator geben.

Dies ist eine sehr gute Nachricht, insbesondere für alle Autobesitzer. Denn Herr Henkel verkörpert auch den Landesvorsitzenden der CDU. Und als solcher hat er ? wie seine Partei ? im Wahlkampf zu den jüngsten Abgeordnetenhauswahlen laut über die hohe Zahl an in Brand gesteckten Autos geklagt. An der der rot-rote Senat schuld wäre. Irgendwie.

Nun, da es also keine Brandstiftungen an Autos mehr geben dürfte, wenden sich Herr Henkel und der Senat, in welchem der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit die Richtlinien der Politik bestimmt, anderen bedeutenden Themen zu. Was hat für sie Priorität? Die explodierenden Mieten? Die hohe Arbeitslosigkeit? Die wachsende Verarmung? Die immer weiter voranschreitende Verwahrlosung nicht nur einzelner Stadtteile, sondern eigentlich des gesamten öffentlichen Raums? Einen neuen Justizsenator zu finden, bevor das nächste Mitglied des neuen Senats den Eindruck erweckt, daß diese Koalition aus SPD und CDU dort weitermacht, wo die letzte 2001 aufgehört hatte?

Nein, es gibt wahrlich Wichtigeres. Priorität habe, so erklärte Herr Henkel gestern, auch in Berlins Bussen und Bahnen den Alkoholkonsum zu verbieten.

Das ist verständlich und nachvollziehbar, denn bezüglich des Konsums von Tabak kann man mittlerweile kaum mehr weitere Verbote erlassen. Die jahrelangen Medienkampagnen, denen zufolge an jedem Montag kaum ein Berliner unter zwanzig in seiner Schule, an seinem Arbeits- oder Ausbildungsplatz (so vorhanden) erscheinen dürfte, da sich ja alle, aber wirklich alle Teenager regelmäßig am Wochenende ins Koma trinken, sollen schließlich nicht umsonst gewesen sein.

Und ab zirka 2015 widmen wir uns dann dem Cola- und Kaffeeverbot, welches ? auf Grund alarmierender Zahlen und weil freiwillige Maßnahmen nichts gebracht haben ? überraschenderweise absolut, strikt und total sein muß. Zum Schutz der Jugend. Und der Nichtkaffeetrinker.

Irgendjemand muß sich schließlich mal der wirklich drängenden Probleme annehmen.

Lesen Sie dazu (und um zu verstehen, was dies alles mit Klaus Wazlak zu tun hat) auch: Hamburg schon wieder vorn! (Und kein Beileid für Klaus Wazlak.)

762,23 Millionen Besucher

Freitag, 9. Dezember 2011

… hatte dieser Blog, seit er vor exakt einem Jahr gestartet wurde. Jedenfalls einer Schätzung meinerseits zufolge. Nach Auswertung all dieser schönen Zahlen, welche einem jeden Blog-Betreiber von seinem technischen Gastgeber zur Verfügung gestellt werden. Und welche viele Blog-Betreiber so erfreuen, daß sie sie stolz verkünden.

Man muß doch die Zahl der Hits mit jener der Pageviews multiplizieren und dann die Wurzel daraus ziehen, oder?

The Return of the Paech-Brot-Stulle (irgendwie)

Dienstag, 6. Dezember 2011

… und der Orje fragt den Kulle: Haste nich ‘ne Paech-Brot-Stulle?

Man muß im West-Berlin der siebziger Jahre gelebt haben, um sich an diesen und ähnliche Reklamesprüche erinnern zu können. Hat man dort gelebt, dann haben sie sich einem allerdings ins Gedächtnis eingebrannt, denn gefühlsmäßig klebten sie jahrelang in fast allen U-Bahn-Wagen, und las man nicht ein Buch oder eine Zeitung oder hatte sonst etwas Besseres zu tun, fiel unwillkürlich der Blick auf diese Werbung.

Bei einer anderen Bäckerei erinnerte man sich vor kurzem offenkundig an den längst verschwundenen Konkurrenten ? und vermutlich an die immense Wirksamkeit von dessen Reklame. Jedenfalls prangen jetzt seit kurzem in Berliner U-Bahn-Wagen Aufkleber mit Knittelversen, welche bei Eingeweihten Nostalgie wecken dürften, derweil die Nachgeborenen sie womöglich für höchst zeitgemäß halten. Denn Knittelverse (insbesondere wenn sie um Banalitäten kreisen) gelten ja inzwischen als sehr wichtige und wertvolle künstlerische Hervorbringung, wenn sie denn bloß im Kontext der Hip-Hop-Szene heruntergehaspelt werden.

So kann man jetzt lesen:

Im Picknick-Korb
kein Falkenbrot?
Da siehst selbst
Tante Betti rot.

Oder:

Wenn Preußen sich
am Falken laben,
dann wollen’s auch
die Schwaben haben.

Dem branchenspezifischen Klassiker ?Konsumbrot macht Wangen rot? erweist man offenkundig seine Reverenz mit:

Macht Äuglein klar
und Wangen rot:
das gute
Falkenbutterbrot.

Und auf BVG-Aufkleber mit Benimmregeln bezieht man sich mit:

Falkenbrot
in Bahn und Bus
bereitet niemals
nicht Verdruss.

Ja, man darf eben nicht nur mögen wollen, man muß sich auch dürfen trauen.

Eine Sammlung der Paech-Brot-Reklamesprüche findet sich übrigens in diesem generell empfehlenswerten, ebenso lehrreichen wie unterhaltsamen und darüber hinaus auch noch hübsch aufgemachten Buch, welches unlängst erschienen ist und das Sie bitte umgehend käuflich erwerben wollen:

absolut-berlin

Axel Schock
Absolut Berlin ? Das Berlin-Sammelsurium
Hirschkäfer Verlag, München 2011
Leineneinband mit Silberprägung und Lesebändchen, 224 Seiten, 16,90 ?
ISBN 978-3-940839-16-9

BVG = Bitte viel Geduld?

Freitag, 2. Dezember 2011

Voller Stolz gibt die BVG die geplante Anschaffung von Dienstfahrrädern bekannt. Als BVG-Mitarbeiter muß man schließlich nicht zu jedem Termin mit dem Auto fahren. Klar, wie soll man auch sonst in Berlin möglichst schnell von A nach B kommen, wenn nicht mit dem Auto oder mit dem Fahrrad?