Archiv für November 2011

Ihre Stimme zählt!

Samstag, 26. November 2011

In Baden-Württemberg darf am morgigen Sonntag das Volk darüber abstimmen, ob die Landesregierung aus dem Großprojekt ?Stuttgart 21? aussteigen sollen darf oder nicht.

Was Volkes Stimme spricht, ist wichtig.

Denn ganz bestimmt wird das Großprojekt nicht, ganz egal, wie die Abstimmung ausgeht, durchgeboxt (selbiges auch mal im wortwörtlichen Sinne) und durchgezogen. Ganz bestimmt wird sich die Fertigstellung dieses Großprojekts nicht um ein paar Jährchen verzögern. Ganz bestimmt werden die Kosten für das Großprojekt im Laufe der Zeit nicht explodieren ? oder genauer: noch weiter explodieren; und am Ende locker das Vier-, Fünf- oder Sechsfache des ursprünglich Veranschlagten betragen. Ganz bestimmt wird damit nicht jede halbwegs seriöse Kosten-Nutzen-Berechnung gesprengt werden, werden die minimalen Vorteile, welche eine Aufgabe des Kopfbahnhofes bringen mag, also in keinem Verhältnis mehr zu den immensen Summen stehen, die dafür aufgewendet werden mußten. Und ganz bestimmt werden sich dabei nicht einige Leute eine goldene Nase verdienen ? schon gar nicht durch lukrative Immobiliengeschäfte.

Die BVG setzt Prioritäten

Dienstag, 22. November 2011

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Wenngleich nicht mehr ganz im Originalzustand erhalten, ist der U-Bahnhof Schloßstraße noch immer ein hervorragendes Zeugnis der Architektur der 1970er Jahre. Die BVG trägt dem Rechnung, indem sie derzeit auf der ?toten? Seite des oberen Bahnsteigs ausprobiert, wie das historische Beleuchtungskonzept zerstört ? pardon: verbessert werden könnte (unterstes Bild).

Wie der November-Ausgabe der ?Berliner Verkehrsblätter? zu entnehmen ist, plant die BVG ?mittel-/langfristig? einen Umbau des U-Bahnhofs Schloßstraße, um auf diesem die Betriebsführung ändern zu können.

Als die Station 1974 eröffnet wurde, sollte sie noch als wichtigster Umsteigepunkt zwischen der U 9 und der U 10 dienen. Zu diesem Zweck wurden beide Linien südlich des Walther-Schreiber-Platzes miteinander verflochten, um im Bahnhof Schloßstraße in zwei parallel übereinanderliegenden Bahnsteighallen optimale Umsteigebedingungen im Richtungsverkehr bieten zu können: in der oberen Halle die Züge nach Norden, in der unteren jene nach Süden.

Freilich: Die U 9 wurde bis heute nicht verlängert, weshalb schon eine Station weiter südlich, am Rathaus Steglitz, bis heute Schluß ist. Und die U 10 wurde gar nicht erst gebaut, der Streckenteil in der Steglitzer Schloßstraße ist das größte (und mit Abstand teuerste) von diversen Fragmenten, die von dieser ?Phantomlinie? existieren. Die untere Bahnsteighalle der Station Schloßstraße dient deshalb praktisch als reiner Ankunftsperron: Kaum jemand verirrt sich hierher, um die wenigen hundert Meter bis zum Rathaus Steglitz zu fahren, welche sich mit einem der vielen parallel verkehrenden Busse viel bequemer und womöglich auch schneller überwinden lassen. Haben die angekommenen Fahrgäste den Bahnsteig verlassen, ist dieser in der Regel verwaist, bis einige Minuten später der nächste Zug kommt.

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Aus dem Faltblatt der Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen zur Eröffnung des Streckenabschnitts: Die Zuordnung der Bahnsteighallen am Rathaus Steglitz folgt dem ursprünglichen Plan, die orangefarbenen Stränge zeigen den tatsächlichen Verlauf der U 9. Die Bahnsteige der Station Schloßstraße liegen übereinander.

Der beabsichtigte Umbau der Station wird freilich nicht ganz einfach werden: Nicht von ungefähr schwenken bereits nördlich von ihr die Züge der U 9 auf die eigentlich der U 10 zugedachte Trasse. Unmittelbar südlich des Bahnhofs Schloßstraße beginnt nämlich die erneute Trennung der beiden Linien voneinander, damit diese am Rathaus Steglitz wieder jeweils in ihrer eigenen Bahnsteighalle halten könn(t)en ? wobei die U 9 seit eh und je die für die U 10 bestimmte nutzt. Ohne erhebliche Baumaßnahmen wird man das heute so unsinnige Ein- und Ausfädeln also kaum beseitigen können. Womöglich muß dafür die ? nicht allzu breite, aber vielbefahrene und in den letzten Monaten gerade neugestaltete ? Schloßstraße aufgerissen werden. Zudem wäre mit einem Umbau, der künftig die Züge der U 9 aus der oberen Halle des Bahnhofs Schloßstraße in die traditionell von ihnen genutzte Halle der U 10 des Bahnhofs Rathaus Steglitz lenkt, die seit langem geplante Verlängerung der U 9 nach Lankwitz buchstäblich verbaut.

Und welche Vorteile stünden diesen Nachteilen gegenüber, die doch von der hoch verschuldeten BVG, welche vielerorts aufwendig U-Bahn-Tunnel sanieren muß, sicher mit einer erheblichen Summe erkauft würden? Sie müßte eine ? selbstverständlich seit Jahren personalfreie ? Bahnsteighalle weniger betreiben.

Na denn.

U-Bahn dies Wochenende geschlossen

Freitag, 11. November 2011

Sie kennen das: Da möchte man sich am Samstag- oder Sonntagnachmittag aufmachen zum Mittagessen bei Mutti oder zum Kaffeetrinken bei Tante Else, hat sich aufgebrezelt, Schnittblumen gekauft oder auch einen Kasten Konfekt, schreitet mit frisch geputzten Schuhen zur nächstgelegenen U-Bahn-Station ? und muß dann feststellen: Ach, die U-Bahn ist ja dieses Wochenende geschlossen! Eine zentrale Strecke mitten in der Stadt wurde für einige Tage stillgelegt, einfach mal so, eher kurzfristig und leise angekündigt.

Es muß hier und da etwas geschraubt, das eine oder andere repariert und überhaupt ein wenig geputzt werden. Freundlicherweise ist die BVG so rücksichtsvoll, dies am Wochenende zu tun, obwohl da die Arbeitskräfte auch nach soundsoviel Reformen immer noch teurer sind als an Werktagen. Unangenehm, aber es muß ja sein ? zumal der Tunnel in den letzten zwanzig Jahren nur wenige Male für monatelange Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen stillgelegt war. Und durchgehenden Ersatzverkehr gibt es diesmal auch nicht ? fahren doch genügend andere Bahnen sowie Busse, das wird schon reichen.

Wie bitte? Das halten Sie für eine völlig absurde Vorstellung? Eine wichtige U-Bahn-Strecke mitten in der Stadt mal eben für ein Wochenende stillegen, um zu schrauben und zu putzen?

Stimmt: Bei der Berliner U-Bahn hat es derlei wohl in fast 110 Jahren nicht gegeben. Der innerstädtische Tunnel der Berliner S-Bahn hingegen ist dies Wochenende einfach mal zu, wegen ?Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten?, wie es lapidar heißt. Und praktisch niemand beschwert sich. So angenehm kann es sein, wenn man die Menschen erst einmal daran gewöhnt hat, daß die S-Bahn öfter mal nicht fährt.

Wunder des Alltags (6)

Freitag, 11. November 2011

Diesmal mit einem Rätsel:

Unten sehen Sie zwei Bilder. Finden Sie heraus, auf welchem Sie in naher Zukunft veralbert werden, und wo dies bereits jetzt geschieht.

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In eigener Sache (noch einmal)

Dienstag, 8. November 2011

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Was lange währt, … und: Besser spät als nie!

Jedenfalls endlich erschienen: Mein Buch über Deutschlands erste U-Bahn in öffentlicher Hand, vor hundert Jahren die Schöneberger Untergrundbahn, heute Berlins U 4.

?Aber ich hab doch schon Ihr U 4-Buch aus dem Jahr 2000!? ? Das ist sehr schön. Das Buch (natürlich) und daß Sie es besitzen. Aber: Der neue Band verfügt nicht nur über diverse Korrekturen, Aktualisierungen und Ergänzungen. Es sind auch aus rund 140 Abbildungen mehr als 220 geworden, und nicht alle aus dem alten Band finden sich in dem neuen wieder. Die Zahl der Anmerkungen erhöhte sich von 214 auf 376 und bei nur leicht verkleinertem Format wurden aus 112 Buchseiten sage und schreibe 232. Allein schon die 32seitige Photostrecke, auf der das Aussehen der Stationen und ihrer Eingänge früher und heute miteinander verglichen wird, sollten Sie sich nicht entgehen lassen!

Umfassender:

Am 1. Dezember 1910 öffnete die erste deutsche U-Bahn ihre Pforten, welche von der öffentlichen Hand gebaut und auf deren Rechnung betrieben wurde: im damaligen Berliner Vorort Schöneberg, der innerhalb weniger Jahrzehnte vom Dorf zur Großstadt herangewachsen war. Als Mittelstück einer sehr viel längeren Strecke gedacht, erwies sich die mutige Investition, welche direkt wie indirekt der öffentlichen Daseinsvorsorge dienen sollte, letztlich als Fehlschlag: Die rund drei Kilometer lange, fünf Stationen umfassende Schöneberger U-Bahn ? bis 1926 ein Inselbetrieb ? wurde nie verlängert und zählte wohl auch deshalb relativ wenig Fahrgäste; seit Jahrzehnten wird sie ? heute als U 4 ? wieder als eigenständige Minilinie betrieben. Doch das Schattendasein hatte auch Vorteile: Manche Neuerung nicht nur für das Berliner U-Bahn-Netz wurde hier erprobt oder als erstes eingeführt. Zum hundertsten Geburtstag der Schöneberger U-Bahn hat Jan Gympel sein im Jahre 2000 erschienenes Buch über Entstehung, Entwicklung und Gegenwart dieser Strecke vollständig überarbeitet und um weiteres Material aus der ferneren wie der jüngsten Vergangenheit ergänzt. Auch zahlreiche der über zweihundertzwanzig Abbildungen sind neu hinzugekommen, darunter historische Photos ebenso wie aktuelle (Vergleichs-) Aufnahmen.

?Sachkundige Texte und viele Fotos machen dieses Buch zu einem wichtigen Nachschlagewerk über diese kurze U-Bahn-Linie.?
? Berliner Verkehrsblätter 9/2011

?Ein vorzüglicher Band. Sehr zu empfehlen.?
? Verkehrsgeschichtliche Blätter 3/2012

Bitte erwerben Sie umgehend:

Jan Gympel:
100 Jahre Schöneberger U-Bahn
232 Seiten, über 220 Abbildungen, 21,90 ?
ISBN 978-3-940386-01-4

Verfügbar über alle Buchhandlungen und ganz direkt unter www.herrndorff-verlag.de

In eigener Sache (2)

Dienstag, 8. November 2011

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Auf Nachfrage hin hier erklärt:

Die unmenschliche Stimme

ist eine, als Comic-Adaption erschienene, Parodie auf eines der bekanntesten und (zumindest bei Schauspielerinnen [da sie hier so richtig vom Leder ziehen können] und Theaterdirektoren [da die Produktion mit einer Darstellerin und einer einzigen, kargen Kulisse denkbar preiswert ist]) beliebtesten Einpersonenstücke des zwanzigsten Jahrhunderts: Jean Cocteaus ?La voix humaine?, also ?Die menschliche Stimme?, im Deutschen fälschlicherweise betitelt ?Die geliebte Stimme?.

Im 1930 veröffentlichten Original telephoniert eine Frau von ihrem heimischen Bett aus mit ihrem (demnächst Ex-) Geliebten. Da heute niemand mehr an irgendeinem Ort auf einen Anruf warten muß, ist die in die Gegenwart verlegte Parodie an einem Platz angesiedelt worden, von dem es nur wenige Fluchtmöglichkeiten gibt: dem Erste-Klasse-Bereich eines Fernzuges.

Bitte erwerben Sie umgehend:

Jan Gympel/Marcel:
Die unmenschliche Stimme
36 Seiten (Format DIN A4), 9,90 ?
ISBN 978-3-940386-00-7

Verfügbar über alle Buchhandlungen und ganz direkt unter www.herrndorff-verlag.de

Politik 21

Montag, 7. November 2011

Seriöse, umsichtige Politik, welche mit klugen Konzepten schnurstracks in eine glänzende Zukunft führt ? dafür stehen die Parteien des Demokratischen Blocks der BRD.

Zum Beispiel CDU und FDP: Als sie noch die baden-württembergische Landesregierung stellten, soll in selbiger beschlossen worden sein, einfach nicht mehr auszurechnen, was das bedeutende, Wohlstand, Frieden und globales Glück sichernde Infrastrukturprojekt ?Stuttgart 21? denn am Ende wirklich kosten könnte ? nach dem Stand von 2009.

Ein überzeugendes Vorgehen, denn so kann jeder Verantwortliche später reinen Gewissens vor dem Untersuchungsausschuß sagen: Daß das Ding fünfmal so teuer wurde wie ursprünglich geplant, und jetzt noch einige Milliarden mehr weg sind, habe ich nicht gewußt.

Geld gibt es schließlich genug ? man braucht es nur zu drucken. Und immer dran denken: Wenn man sich die Augen zuhält, kann einen niemand mehr sehen!

Nachfrage runter? Preise rauf!

Freitag, 4. November 2011

Angenommen, Sie sind Unternehmer und Ihr Geschäft läuft nicht mehr so richtig gut. Ihre Dienstleistung wird zu wenig nachgefragt, Sie haben feste Kosten (die wachsen) und der Umsatz steigt nicht. Letzteres auch deshalb, weil in einer armen Stadt wie Berlin Ihre Ware eher als Luxus gilt und die Wahl eher auf Ihre Konkurrenz fällt. Was tun Sie?

Klar: Sie machen Ihre Ware einfach noch ein bißchen teurer. Weil ja heutzutage ständig alles teurer wird (was heißt: bessere Leistung gibt es für den höheren Preis nicht). Sie streichen Sonderangebote und andere Vergünstigungen, welche Kunden anlocken sollen. Und Sie fordern einen Zuschlag für jene Zeiten, in denen Sie besonders viele Kunden haben ? wenn die schon kommen, muß man die auch ordentlich melken!

Dieses überaus überzeugende Konzept vertritt zumindest die Berliner Taxi-Innung, welche wieder mal eine ? vom Senat zu genehmigende ? Tariferhöhung fordert: Insgesamt sechs Prozent mehr, Kurzstreckentarif weg, Standzeiten in Staus normal berechnet, dafür aber Zuschläge für Abend- und Nachtfahrten.

Die letzten beiden Begehren sind vollauf gerechtfertigt: Wenn die vielen Berliner Taxis wegen steigender Fahrpreise und sinkender Realeinkommen der Bevölkerung immer länger ungenutzt herumstehen, dann muß man natürlich mehr kassieren, wenn die Fahrzeuge genutzt herumstehen. Was wiederum abends und nachts nur selten passiert, da dann die Straßen leerer sind und es kaum Staus gibt, weshalb da natürlich ein Zuschlag fällig wird.

Und sollten die Fahrgastzahlen nach diesem neuesten Schluck aus der Tarifpulle sinken (und mit ihnen womöglich auch die Einnahmen), so könnte die Taxi-Innung den blöden Berlinern und ihren Gästen nur zurufen: Da seid Ihr selber schuld, wenn wir Taxifahrer noch länger am Halteplatz herumhängen und noch weniger verdienen!