Archiv für Oktober 2011

100 Prozent mehr Sicherheit im Berliner ÖPNV!

Montag, 31. Oktober 2011

Rund 16.000 Polizisten hat Berlin (nicht mitgerechnet weitere fünftausend Mitarbeiter in der Verwaltung). Nach den bisherigen Plänen der SPD sollten es bald zweihundert mehr sein. Doch die CDU konnte in den laufenden Koalitionsverhandlungen mit den Sozialdemokraten einen bedeutenden Erfolg erringen: künftig sollen es sogar 250 mehr werden.

Als wenn damit die allgemeine Sicherheit in der Metropole nicht schon genug verstärkt würde, gibt es diesbezüglich auch aus dem Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs Gutes zu vermelden: Nein, nicht etwa werden alle U- und S-Bahn-Stationen wieder ständig mit Personal besetzt. Deutschland ist schließlich Hochtechnologieland und daher weiß seine Hauptstadt, wie auf zeitgemäße Weise bewirkt werden kann, daß sich die lieben Bürgerinnen und Bürger in Bahnen wie Bussen sicherer fühlen: Die Bilder, welche durch die stetig zunehmende Zahl an Überwachungskameras aufgezeichnet werden, wird man ? so haben es SPD und CDU beschlossen ? künftig nicht bereits nach vierundzwanzig Stunden wieder löschen, sondern erst nach achtundvierzig!

Dies bedeutet folglich nicht weniger als eine Steigerung der Sicherheit im Berliner ÖPNV um nicht weniger als einhundert Prozent! (Zumindest subjektiv und mutmaßlich nach Ansicht der Polizeigewerkschaft im Beamtenbund und der hauptstädtischen Qualitätsmedien.)

Sie haben also jetzt einen ganzen Tag länger Zeit, um sich zu melden, wenn Sie in den Berliner Bussen und Bahnen bedroht, beraubt oder überfallen worden sein sollten. Einen ganzen Tag länger, damit die Aufzeichnungen dieses Geschehens herausgesucht werden können ? denn nur ganz, ganz selten geschieht es, daß nicht ständig jemand vor -zig Bildschirmen sitzt und aufmerksam betrachtet, ob eines der tausend Augen Arges aufnimmt. Wirklich: Es ist nicht etwa die Regel, daß nur wenn ein Vorfall gemeldet wird, nach- und angeschaut wird, was die Kameras eingefangen haben. Und noch viel, viel seltener kommt es vor, daß man dann feststellen muß: Leider sind der oder die Missetäter gar nicht genau zu erkennen.

Vierundzwanzig Stunden mehr Überwachungsvideospeicherung. Mmmmmh.

Ach, wie wunderbar wirkt weiße Salbe!

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Berlin: SPD und CDU planen Lotteriesteuer auf S-Bahn-Fahrscheine

Dienstag, 25. Oktober 2011

Denn: ?Beim S-Bahn-Verkehr handelt es sich um eine Veranstaltung, deren Verlauf ausschließlich vom Zufall bestimmt ist.?

Mehr dazu hier.

Plattgefahrene Kinder, vergiftete Anwohner, kollabierende Unternehmen ? wenn die Autobahn nicht kommt

Montag, 10. Oktober 2011

erholungsangebot-auf-dem-bundesplatz
Mehr Straßen bringen weniger Verkehr. Und schaffen wertvolle neue Erholungsangebote, wie hier auf dem Bundesplatz in Berlin-Wilmersdorf, dessen Mittelinsel seit fünfzig Jahren von einer Autotunneleinfahrt eingenommen wird.

?Für die Versorgung der Stadt ist der Güter- und Wirtschaftsverkehr auf den Straßen lebensnotwendig. Durch den großzügigen Ausbau des U-Bahnnetzes und durch die vorhandenen S-Bahnstrecken ist Berlin im schienengebundenen Schnellverkehr in Deutschland nach wie vor führend. (?) Der Südosten Berlins gehört zu den Gebieten, in denen das vorhandene Straßennetz trotz ständig steigender Leistung der öffentlichen Verkehrsmittel nicht ausreicht. Die Straßen sind verstopft, Anwohner und Passanten werden durch Lärm und Abgase belästigt. Es gibt eine Reihe von Unfallschwerpunkten. Die Autobahn wird gerade in diesem Gebiet wesentliche Verkehrserleichterungen bringen. Bezirke, die im Grunde Großstädte für sich sind, werden besser miteinander verbunden; sie werden bequemer und schneller zu erreichen sein.?

Ein Verzicht auf die Autobahn hätte ganz schlimme Folgen für die Gesundheit, vor allem wegen des Lärms und der Schadstoffe: ?Je fließender der Kraftfahrzeugverkehr ist, desto weniger Abgase entstehen. Auf der Autobahn kann schnell gefahren werden; der Stadtstraßenverkehr stockt häufiger.?

Und dann die Unfälle! ?Auf der Autobahn sind die Unfälle im Vergleich zu den Stadtstraßen ? gemessen an der Fahrleistung ? ganz bedeutend geringer. Auf der Autobahn gibt es keine Kreuzungen, keine Radfahrer, keine Fußgänger. Die Autobahn zieht den Verkehr von den Stadtstraßen in der Umgebung ab. Damit wird das Leben in den Wohngebieten, an Spielplätzen und Schulen sicherer.?

Wer keine Autobahn möchte, will also eigentlich, daß Kinder ? z.B. an Spielplätzen und Schulen ? plattgefahren werden.

Zudem dauert eine Fahrt über Stadtstraßen viel länger als über die Autobahn: ?Für die Fußgänger bedeutet das: mehr Lärm, mehr giftige Abgase, größere Unfallgefahren.?

Wie asozial alle Zweifler oder gar Gegner einer solch segensreichen Infrastrukturmaßnahme sind, wird noch einmal auf der letzten Seite betont: ?Der Autobahnbau bedeutet kurzfristig Unannehmlichkeiten für wenige ? und anschließend Jahrzehnte Vorteile für viele, vor allem für die Bürger, die in der Umgebung wohnen, arbeiten oder sich erholen wollen.?

Was klingt, wie einem rot-schwarzen Koalitionsvertrag entnommen, stammt aus einer Broschüre, welche der (West-) Berliner Senator für Bau- und Wohnungswesen im September 1972 herausgegeben hat: Das ?Bundesautobahn Osttangente ? Eine Informationssammlung? betitelte Heftchen sollte Argumente liefern für die im Herbst 1972 vorgesehene Bürgerbeteiligung zum geplanten Stadtautobahnbau vom Tempelhofer Kreuz am Autobahnstadtring bis zur damaligen Zonengrenze zwischen Buckow und Groß-Ziethen, wo man auf einen neuen Kontrollpunkt für den Transitverkehr ins Bundesgebiet hoffte ? was allerdings nicht erwähnt wurde.

Zur Inner-West-Berliner Dringlichkeit des Stadtautobahnbaus erfuhr der interessierte Bürger: ?Jeden Werktag fahren morgens etwa 70 000 Neuköllner zu ihren Arbeitsplätzen in anderen Bezirken Berlins; etwa 9000 kommen nach Neukölln, um ihre Arbeit aufzunehmen. Nach dem Feierabend kommt der Rückstrom. Hinzu kommt, als wesentlicher Bestandteil, der ständig steigende Wirtschaftsverkehr. Für diese Verkehrsbelastung reichen die vorhandenen Straßen nicht mehr aus.?

Derlei Angaben wurden illustriert mit bunten Schaubildern, denen zufolge die Nord-Süd-Straßen im fraglichen Einzugsbereich bereits 1971 ihre Leistungsgrenze erreicht hätten. Der Tempelhofer Damm in Höhe Tempelhofer Weg/Germaniastraße sogar schon 1967.

Nun, nicht zuletzt wegen einiger uneinsichtiger Bürger, die ?kurzfristig Unannehmlichkeiten? nicht hinnehmen und ?Jahrzehnte Vorteile? nicht erkennen wollten, blieb diese kostbare Infrastrukturmaßnahme des damaligen SPD-Senats unrealisiert (abgesehen von dem heute als A 102 firmierenden Stummel zur Gradestraße). Völlig überraschenderweise entstand ab den siebziger Jahren auch nicht der prognostizierte Dauerstau auf jenen drei Straßenzügen, welche durch die Osttangente entlastet, ach was, zu Paradiesen für Fußgänger und Radfahrer, fast zu Kinderspielplätzen und Erholungsgebieten werden sollten: die B 96 (Tempelhofer, Mariendorfer, Lichtenrader, Kirchhainer Damm), der Straßenzug Hermannstraße/Britzer Damm/Buckower Damm und die damalige B 179 (Karl-Marx-Straße/Buschkrugallee/Rudower Straße/Neuköllner Straße/Waltersdorfer Chaussee).

Durch die nach dem Mauerfall größtenteils auf dem vormaligen Todesstreifen entlang des Teltowkanals errichtete A 113, quasi die nach Osten verlegte Osttangente, wurde wahrscheinlich nicht nur Verkehr von der letztgenannten Trasse abgezogen. Auch der Entlastungseffekt für die zweitgenannte dürfte enorm sein. Und sicher nutzen auch sehr viele die A 113 anstelle der noch weiter westlich liegenden B 96 ? weshalb letztere gerade ausgebaut wird.

Denn nur völlig verständnis- und verantwortungslose Gesellen können bei diesem Blick in die Geschichte fragen, ob nicht die jetzt von der SPD ? oder genauer: gewissen SPD-Kreisen ? so vehement betriebene Verlängerung des Autobahnstadtrings A 100 nach Treptow ebenso verzichtbar sein könnte, wie es die dereinst geplante Osttangente war. Ohne die ja auch alles zusammenbrechen und Not und Elend um sich greifen sollten ? überfahrene Kinder, vergiftete Anwohner, kollabierende Unternehmen.

Ist doch bekannt: Je mehr Straßen man baut, desto besser verteilt sich der Verkehr. Mehr Straßen bedeuten deshalb auch nicht etwa mehr Verkehr, denn obwohl derzeit angeblich ein unerträgliches Gedränge auf den Straßen herrscht, läßt sich durch ebendieses doch niemand von der Benutzung eines Kraftfahrzeugs abhalten. Weshalb nicht, bei weniger verstopften Straßen, Leute auf die Idee kommen könnten, den eigenen Wagen zu benutzen, die dies bisher nicht getan haben ? wodurch die Entlastung durch die zusätzlich geschaffenen Wege bald wieder verpufft ist.

Auch die Wirtschaft braucht ganz, ganz dringend eine schöne Stadtautobahnverlängerung, um noch weiterwirtschaften zu können. Man weiß gar nicht, wie ohne diese Betonpiste in den vergangenen zwanzig Jahren überhaupt noch irgend etwas produziert, gehandelt, transportiert werden konnte. Und die Zigtausenden von Arbeitsplätzen, welche in jener Zeit verloren gegangen sind, verschwanden natürlich nur, weil eine prima Autobahn fehlte. Mit dieser wäre das alles nicht passiert.

Ach, übrigens, wo wir schon mal bei diesen brillanten Erkenntnissen einer Verkehrspolitik im Geiste der fünfziger und sechziger Jahre sind: Die Straßenbahn behindert den Verkehr, U-Bahn-Strecken kann man nie genug haben, und nichts geht über einen gebrochenen Verkehr, bei dem die Fahrgäste mit Bussen zur U-Bahn kutschiert werden und möglichst häufig umsteigen dürfen. Und als nächstes reißen wir dann flächendeckend alte Stadtteile ab und bauen uns ein schönes Atomkraftwerk.

Wowi ist sauer, und das ist zu recht so!

Donnerstag, 6. Oktober 2011

König Klaus ist verärgert. In den gestrigen ?Tagesthemen? konnte man ihn sagen hören: ?Wenn für die Grünen der Weiterbau der A 100 ein absolutes Essential ist, es zu verhindern, dann hätte man das auch von Anfang an sagen können.?

Seine Verärgerung ist verständlich: Man kann doch nun wirklich nicht erwarten, daß eine Partei nach den Wahlen noch immer zu den Dingen steht, die sie vor den Wahlen gesagt, angekündigt, versprochen hat. Insbesondere als Sozialdemokrat kann man das nicht, mit einer spätestens seit 1914 glorreichen Geschichte.

Völlig unverständlich ist hingegen, daß die Grünen plötzlich nicht mehr umfallen wollen. Für ganz, ganz wichtige ?Infrastrukturprojekte?. Die auf gut deutsch natürlich nicht bedeuten: Beton, Beton, Beton. Mit einer Verkehrspolitik im Geiste der sechziger Jahre, für alle, die immer noch glauben, Stadtautobahnen würden ?den Verkehr in der Innenstadt? (oder überhaupt irgendwo) ?reduzieren?.

Apropos Beton, apropos ?Tagesthemen?: Beeindruckend war auch der Auftritt von Anna Kyrieleis in dieser Sendung. Diese Journalistendarstellerin vom RBB verwies in ihrem Kommentar ? sicher ohne Gedanken an die Sicherung ihrer Stellung ? darauf, Berlin habe doch nun wirklich andere Probleme als ?ein winziges Stück Autobahn? ? man denke nur an den riesigen Schuldenberg. Stimmt: Und an dem ist die CDU, die nun von der SPD wieder in den Senat gehievt wird, ja auch ganz und gar unschuldig. Ach nein, die Dame hatte dann doch noch im Hinterkopf, daß da mal was war mit Bankenpleite und Skandalen und so. Aber nun habe man es doch sicher mit einer ganz anderen CDU zu tun.

Stimmt: Die West-Berliner, äh, pardon, offiziell ja Berliner CDU ist heute eine ganz andere Partei als vor zehn Jahren, mit ganz anderem Personal und vor allem einer ganz anderen Haltung. Ja. Klar. Aber sicher doch.

Und es stimmt ja auch: SPD und CDU werden bestimmt gut miteinander zusammenarbeiten. Betonköpfe unter sich, die für Hunderte Millionen Euro Betonpisten durch die Stadt schlagen.

Wunder des Alltags (5)

Sonntag, 2. Oktober 2011

Hamburg leuchtet. Und weist mit seinem Alkoholkonsumverbot im öffentlichen Personennahverkehr den Weg in eine saubere, gesunde Zukunft.

Denn glücklicherweise ist es ja nicht so, daß es für Politiker in Zeiten, wo sie über leere Kassen herrschen und von den Besitzern voller Kassen beherrscht werden, immer noch wenigstens eine Möglichkeit gibt, um Handeln vorzutäuschen und sich wichtig zu fühlen: Verbote zu erlassen. Und Verbotsschilder aufzustellen.

Während mancherorts noch debattiert wird, ist man im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf, der in den vergangenen fünf Jahren von einer schwarz-grünen Mehrheit beherrscht wurde, längst tätig geworden:

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Auf den dortigen Spielplätzen ist alles Mögliche verboten. Offenkundig auch das Tragen eines Helms. Wirklich überraschend ? daß es angesichts dessen noch keine Klage von Kindern (bzw. deren Eltern) gegeben hat, die unter Bewegungsstörungen leiden (politisch korrekt natürlich: sich über besondere Bewegungsmuster freuen dürfen) und deshalb ständig einen Kopfschutz tragen sollten.

In Tempelhof-Schöneberg ist alles etwas komplizierter. So könnte auch dieser Spielplatz in der Motzstraße Auslöser für eine Anti-Diskriminierungs-Klage sein, in diesem Falle von Kindern über zwölf Jahren (zum Beispiel von siebzehnjährigen Kindern, die nach Meinung der Obrigkeit zu unmündig sind, um Lotto zu spielen oder zu rauchen, aber mündig genug, um Auto zu fahren oder an Wahlen teilzunehmen):

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Bei Grünanlagen dieses Bezirks ist die Verbotsliste mittlerweile so lang, daß ? bei der zu erwartenden weiteren Entwicklung ? bald neue Ständer aufgestellt werden müssen (man denke nur an das für das Weiterbestehen der Menschheit unerläßliche Rauch-, Alkohol-, Kaffee-, Cola-, Süßwaren-, Pommes frites- und Plastiktütenverbot, jeweils selbstverständlich strikt, absolut und total):

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Zudem scheinen gewisse Mitbürger nicht gesondert auf den Leinenzwang für Hunde, das Verbot des Fußballspielens oder Radfahrens hingewiesen werden zu müssen. Und rätselhaft bleibt die lapidare Aussage ?Kein Müll?: Heißt das, daß man in dieser Grünanlage ? für Berlin-Kenner überraschend ? keinen Müll findet? Auch nicht, wenn man intensiv danach sucht?

Angesichts solcher Schwierigkeiten auf dem Wege zur ultimativen Verbesserung der Welt und Beglückung der Menschheit möchte ich ? auch und gerade im öffentlichen Personenverkehr ? die Einführung eines Schildes vorschlagen, welches ganz im Sinne des kommenden, allem Theaterdonner zum Trotz mutmaßlich rot-grünen Senats sein dürfte:

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