Archiv für Juli 2011

Wutbürger vollends verwirrt

Montag, 18. Juli 2011

Zu recht empört ist die Deutsche Bahn AG. Man unterstellt ihr, Kosten schönzurechnen, Zahlen womöglich gar zu manipulieren, bloß um auf Biegen und Brechen eine Rechtfertigung zu konstruieren für den Bau von ?Stuttgart 21?.

Mit derartigen Verleumdungen offenbaren die verantwortungslosen Wutbürger, wie sie von allen guten Geistern verlassen sind und richten sich selbst.

Nur unheilbare Wirrköpfe können auf die Idee kommen, Großprojekte wie jenes in Stuttgart würden am Ende sehr, sehr viel teurer werden, als es Politiker und an solchen Vorhaben gut verdienende Planer und Baufirmen am Anfang erzählt haben. Man betrachte doch nur, wie sich dies bei dem schönen Fernbahntunnel und noch schöneren neuen Hauptbahnhof in Berlin verhielt oder wie es sich noch immer verhält bei der Elbphilharmonie zu Hamburg. Und auch der Leipziger Citytunnel, der nicht weniger als eine neue Haltestelle bietet, an der nicht schon zuvor Fern-, Regional-, S- oder Straßenbahnzüge gefahren sind, hat sich ? samt flankierender Maßnahmen ? nur unwesentlich verteuert: von 2002 vorgesehenen 571 Millionen Euro auf gerade einmal 960 Millionen Euro. Nach momentanem Stand.

Warum sollte das in Stuttgart anders sein?

Blüten am Wegesrand (2)

Donnerstag, 14. Juli 2011

Letzten Monat war hier zu sehen, wie die BVG für ein besseres Aussehen ihrer Anlagen sorgt und so zur Attraktivität des öffentlichen Personennahverkehrs beiträgt.

Dabei sind der Phantasie kaum Grenzen gesetzt, und glücklicherweise haben die Berliner Verkehrsbetriebe diesbezüglich schon viele kreative Ideen entwickelt.

So kann man am ? übrigens denkmalgeschützten ? U-Bahnhof Kottbusser Tor, der seit geraumer Zeit generalsaniert wird, nicht nur bewundern, wie schön transparente Eingangsumwehrungen wirken. Nur wenige Schritte weiter wurde auch mit einem hellen Bodenbelag, der an Stelle des ekeligen alten dunklen Asphalts getreten ist, das Ambiente gehoben, der Gesamteindruck der U-Bahn-Anlage deutlich verbessert ? wie nachfolgendes Bild beweist, welches nur wenige Wochen nach Wiedereröffnung des vollkommen neu verkleideten Ganges entstanden ist. Genauer: am 28. Mai, als schon lange kein Schnee und Matsch mehr lagen. Wie gepflegt und ansprechend wird es hier erst einmal im nächsten Winter ausschauen?

u-bf-kottbusser-tor-endlich-ein-gepflegteres-ambiente_web

Ruchlose Radikale wollen unsere S-Bahn kaputt machen!

Montag, 11. Juli 2011

Vandalismus
Freies Unternehmertum in Aktion
(Cartoon größer, besser ansehen? Anklicken!)

Der Staat ist ein schlechter Unternehmer. Aus dem Wirtschaftsleben sollte er sich deshalb möglichst vollständig heraushalten. Einzig wenn freies Unternehmertum sich hier und da mal ein wenig vergaloppiert hat, darf er diesem mit den einen oder anderen hundert Milliarden beiseite springen.

Alle Staatsunternehmen sollten deshalb privatisiert werden. Oder man sollte sie, auf dem Weg zu diesem hehren, seligmachenden Ziel, erst einmal strikt wie Privatunternehmen führen.

So wird es uns seit mehr als zwei Jahrzehnten gepredigt. So wird seit mehr als zwei Jahrzehnten in der freien Welt gehandelt. Beeindruckende Erfolge wurden damit erzielt, auch und gerade in Berlin ? man denke nur an die Entwicklung bei der Post, den Wasserbetrieben oder der S-Bahn.

Einzig einige Ewiggestrige, vermutlich verbohrte Wutbürger, am Ende gar Kommunisten oder sowas, wollen dies nicht einsehen. Sie tun so, als wären allen voran Unternehmen, welche der Daseinsvorsorge dienen, am besten in öffentlicher Hand aufgehoben. Als würden öffentliche Unternehmen nicht ihr gesamtes Handeln rücksichtslos auf die Vermehrung ihres Profits ausrichten, zum Zwecke der Gewinnmaximierung gegebenenfalls auch die eigene Substanz aufzehren und stets versuchen, so wenig und so schlechte Leistung wie möglich zu so hohen Preisen wie möglich zu verkaufen. Derweil Privatunternehmen einzig und allein daran interessiert sind, der Allgemeinheit zu dienen, und ihre Leistungen zu Preisen anbieten können, welche knapp kostendeckend sind ? da der vornehmste Zweck dieser Firmen nicht das Geldmachen ist, sondern lebensnotwendige Dienstleistungen und andere Produkte zur Verfügung zu stellen. Ja, so ist das, da können Sie jeden Neoliberalen fragen.

So verwirrt sind jene Unbelehrbaren, die sich gegen solche simplen Erkenntnisse wehren, daß sie inzwischen ein Volksbegehren gestartet haben, in welchem lauter völlig versponnene Forderungen gestellt werden ? wie Personal auf den S-Bahnhöfen, eine ausreichende Anzahl von S-Bahn-Wagen, der Verzicht auf Dumpinglöhne oder gar Transparenz, was die zwischen Senat und S-Bahn-Betreiber auskungelten Verträge angeht oder hinsichtlich der Menge der tatsächlichen eingesetzten Fahrzeuge.

Dabei führen sich jene, die derartiges begehren, selbst ad absurdum. Schauen Sie doch nur, werter Betrachter, wie im Logo der ruchlosen Radikalen das sympathisch wirkende Fischlein ganz freundlich und fürsorglich das S-Bahn-Signet unter seine Fittiche nimmt:

logo-s-bahn-tisch

Aber wenn Sie, als Berliner, unbedingt unterschreiben und damit in Ihr Unglück rennen ? oder genauer: fahren ? wollen, dann klicken Sie doch hier.

In eigener Sache

Sonntag, 10. Juli 2011

100-jahre-schoneberger-u-bahn

Was lange währt, … und: Besser spät als nie!

Jedenfalls endlich erschienen: Mein Buch über Deutschlands erste U-Bahn in öffentlicher Hand, vor hundert Jahren die Schöneberger Untergrundbahn, heute Berlins U 4.

Genauer:

Am 1. Dezember 1910 öffnete die erste deutsche U-Bahn ihre Pforten, welche von der öffentlichen Hand gebaut und auf deren Rechnung betrieben wurde: im damaligen Berliner Vorort Schöneberg, der innerhalb weniger Jahrzehnte vom Dorf zur Großstadt herangewachsen war. Als Mittelstück einer sehr viel längeren Strecke gedacht, erwies sich die mutige Investition, welche direkt wie indirekt der öffentlichen Daseinsvorsorge dienen sollte, letztlich als Fehlschlag: Die rund drei Kilometer lange, fünf Stationen umfassende Schöneberger U-Bahn ? bis 1926 ein Inselbetrieb ? wurde nie verlängert und zählte wohl auch deshalb relativ wenig Fahrgäste; seit Jahrzehnten wird sie ? heute als U 4 ? wieder als eigenständige Minilinie betrieben. Doch das Schattendasein hatte auch Vorteile: Manche Neuerung nicht nur für das Berliner U-Bahn-Netz wurde hier erprobt oder als erstes eingeführt. Zum hundertsten Geburtstag der Schöneberger U-Bahn hat Jan Gympel sein im Jahre 2000 erschienenes Buch über Entstehung, Entwicklung und Gegenwart dieser Strecke vollständig überarbeitet und um weiteres Material aus der ferneren wie der jüngsten Vergangenheit ergänzt. Auch zahlreiche der über zweihundertzwanzig Abbildungen sind neu hinzugekommen, darunter historische Photos ebenso wie aktuelle (Vergleichs-) Aufnahmen.

?Sachkundige Texte und viele Fotos machen dieses Buch zu einem wichtigen Nachschlagewerk über diese kurze U-Bahn-Linie.?
? Berliner Verkehrsblätter 9/2011

Bitte erwerben Sie umgehend:

Jan Gympel:
100 Jahre Schöneberger U-Bahn
232 Seiten, über 220 Abbildungen, 21,90 ?
ISBN 978-3-940386-01-4

Verfügbar über alle Buchhandlungen und ganz direkt unter www.herrndorff-verlag.de