Archiv für Februar 2011

Ja, ein Monat genügt! Und neue Züge kriegt Ihr auch nicht!

Montag, 28. Februar 2011

Rüdiger Grube hat ? wie bereits am 1. Februar bemerkt ? ganz recht: Ein Monat Vergünstigungen als Ausgleich für die jüngsten Ausfälle und anderen Zumutungen bei der Berliner S-Bahn reicht völlig aus!

Schließlich hat es in den letzten (Zwei? Oder drei?) Wochen kein größeres Chaos gegeben. Schließlich fahren die Züge jetzt wieder nach Plan. Also: Nach dem Notfahrplan aus der Zeit vor dem Noch-größere-Not-Fahrplan. Und sie fahren schnell: Mit bis zu achtzig km/h statt sechzig. Wen schert es, daß dies ebenfalls dem Zustand vor der Zeit entspricht, als völlig unerwartet im Dezember und Januar der Winter über die S-Bahn kam?

Deutsche-Bahn-Chef Grube verkündete heute ferner, er stecke Geld doch lieber in die Beseitigung der Probleme bei der Berliner S-Bahn als es an deren (womöglich einstige) Kunden zu verschenken. Davon hätten die Fahrgäste doch viel mehr.

Das ist nachvollziehbar: Statt kostenlose Leistungen zu erhalten, weil man gegen Zahlung des vollen Fahrpreises tage-, wochen- oder monatelang nur eingeschränkte erhalten hat, bekommen die Opfer, äh, Kunden der S-Bahn irgendwann einmal das, was sie eigentlich von vornherein erwarten könnten, wofür sie auch immer brav bezahlt haben und bezahlen, was ihnen allerdings schon seit längerer Zeit nicht geboten wird, weil gewisse Herrschaften mal zeigen wollten, wie man ein Unternehmen so richtig börsenreif macht. Und zukunftsfähig.

Da in den letzten (Zwei? Oder drei?) Wochen mal keine Hiobsbotschaften verkündet werden mußten, scheint es für Herrn Grube auch keinen Grund mehr zu geben, sich in unangemessener Demut und Leisetreterei zu üben: Neue S-Bahn-Züge, so erklärte er heute auch gleich noch, würden jedenfalls erst angeschafft, wenn der Berliner Senat garantiere, daß der laufende Knebelvertrag ? äh, die Übereinkunft über Leistungen, die mal erbracht werden, mal nicht, worauf der Auftraggeber nur in der Form reagieren kann, daß er ein bißchen weniger in die Portokasse der DB AG zahlt, über das Jahr 2017 hinaus verlängert wird. Ohne eine entsprechende Garantie sei eine Beschaffung neuer S-Bahn-Wagen (Für die kaum zehn Jahre alten, aber kaum noch ? zumindest ökonomisch sinnvoll ? reparaturfähigen?) nicht möglich.

Selbstverständlich: Solche Wagen würde schließlich auch kein Unternehmen, welches an Stelle der Berliner S-Bahn GmbH ab 2017 Teile des Berliner S-Bahn-Netzes oder sogar das gesamte Berliner S-Bahn-Netz betreiben könnte, der Berliner S-Bahn GmbH bzw. deren Mutter DB AG abkaufen. Selbstverständlich würde solch ein Unternehmen seine eigenen Züge mitbringen (für das Berliner S-Bahn-Netz sind ja auch nicht aus verschiedenen Gründen Sonderanfertigungen nötig) ? und die DB AG bliebe dann auf ihren schönen neuen Wagen sitzen. Wo doch die alten noch recht neu sind und tadellos in Ordnung ? wie die letzten anderthalb Jahre gezeigt haben.

Der Senat soll sich also mal nicht so haben. Spätestens nach den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus im September dürfte man sich doch wohl in gewohnter Weise einigen. Für ungefähr jene Zeit, nämlich Ende 2011, hat Rüdiger Grube heute übrigens die Rückkehr zu normalen, also Vor-Krisen-Verhältnissen bei der Berliner S-Bahn versprochen. Was zeigt, daß der Mann etwas bereits hat: Humor.

Wunder des Alltags (2)

Montag, 21. Februar 2011

wunder-des-alltags-2-hauptsache-verboten1

Was will uns dieses orangefarbene Schild ? gesehen am 27. Juli 2007 von Matthias Herrndorff auf dem Berliner S-Bahnhof Jannowitzbrücke ? sagen? Offenkundig weist es mit Hilfe des Schildes im Schild auf ein Verbot hin, wie dies nicht nur im Geltungsbereich der Straßenverkehrsordnung ? vornehmlich runde ? Schilder tun, wenn sie einen breiten roten Rand haben. Da das dick rot und rund umrandete Schild im Schild eine brennende Zigarette zeigt, besagt es also den Erfahrungen nach, daß an jener Stelle, an welcher es prangt, das Rauchen verboten ist.

Der unter dem Schild im Schild zu findende Text weist freilich darauf hin, daß überall im Bahnhofsbereich das Rauchen verboten wäre ? außer an jener Stelle, an der das Schild mit dem Rauchverbotschild hängt. Hätte dann nicht eher, der nicht nur vom Geltungsbereich der Straßenverkehrsordnung bekannten Logik zufolge, ein blaues Schild mit einer brennenden Zigarette im großen Schild abgebildet werden müssen? Ein Gebots- anstelle eines Verbotsschildes?

Nein.

Denn in einer freiheitlich verfaßten Gesellschaft hat bereits jeder Ansatz einer Andeutung zu unterbleiben, an irgendeinem Ort, zu irgendeiner Zeit könnte möglicherweise, unter grotesken, selbst einer üppig wuchernden Phantasie kaum vorstellbaren Umständen das Rauchen erlaubt sein ? mithin die gemeingefährlichste, die Menschheit am meisten bedrohende Tätigkeit, welche denkbar ist, ungleich schlimmer als das Quälen süßer kleiner Tiere, die Vorbereitung eines Angriffskrieges, die Durchführung eines Völkermordes oder die Gründung einer Bank.

Und zum anderen gilt in der modernen westlichen Gesellschaft, wie sie im beginnenden 21. Jahrhundert dem Höhepunkt ihrer Entwicklung, Macht- und Prachtentfaltung entgegenstrebt: Verbote kann man nicht genug haben. Und Verbotsschilder.

P.S.: Kenner bemerken den nostalgischen Reiz des Bildes: Vollzüge bei der Berliner S-Bahn! Auf der S 75 nach Spandau! Lang, lang ist?s her?

GDL kündigt Offensive zur Werbung neuer Mitglieder an

Donnerstag, 17. Februar 2011

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer kündigt Warnstreiks an. Von Arbeitskampfmaßnahmen wird dabei auch die seit Jahren nur noch in reduziertem Umfang verkehrende Berliner S-Bahn nicht ausgenommen. Aus Kreisen der GDL verlautete, man könne nicht anders handeln, schließlich diene die gesamte Tarifauseinandersetzung der Profilierung der Gewerkschaft: Nachdem sich deren Konkurrenz bereits mit den Arbeitgebern geeinigt habe, müsse die kleine GDL nun zeigen, wieviel entschiedener sie auftrete und wieviel mehr sie für die Beschäftigten herausholen könne. So sollten bisherige Mitglieder bei der Stange gehalten und zugleich neue geworben werden. In den letzten Jahren habe dies bereits gut funktioniert, nach dem gescheiterten GDL-Streik im Münchner, Nürnberger und Augsburger Nahverkehr sei es aber besonders notwendig. Ein so prestigeträchtiges Unternehmen wie die Berliner S-Bahn GmbH müsse dabei unbedingt einbezogen werden, denn ein möglichst hoher Anteil von GDL-Mitgliedern bei der Berliner S-Bahn würde es ermöglichen, bei künftigen Arbeitskämpfen die hauptstädtische Schnellbahn werbewirksam lahmzulegen (wenn diese denn eines fernen Tages mal wieder in vollem Umfang funktioniert). Zudem habe die GDL bereits zur Zeit des mehrwöchigen BVG-Streiks im Frühjahr 2008 gezeigt, daß ihr die Interessen und Bedürfnisse der Bahnopfer (vulgo: Fahrgäste) sonstwo vorbeigehen und sie Solidarität nur dahingehend versteht, daß diese mit ihr und ihrer Klientel solidarisch zu sein haben.

Pardon, dies war der falsche Text. Es muß natürlich heißen:

Zur Durchsetzung ihrer berechtigten Forderungen kündigt die GDL Warnstreiks an. Von den Arbeitskampfmaßnahmen kann, trotz der bereits bestehenden Einschränkungen, auch die Berliner S-Bahn leider nicht ausgenommen werden. Die dortigen Behinderungen des (noch verbliebenen) Verkehrs sollen sich jedoch in Grenzen halten. Der von der Konkurrenzgewerkschaft mit den Arbeitgebern ausgehandelte Vertrag ist für die GDL unannehmbar. Überhaupt nichts zu tun hat dies mit dem Versuch einer kleinen Gewerkschaft, sich gegen die weitaus größere Konkurrenz mal wieder zu profilieren, um dieser weiter Mitglieder abzuwerben. Die GDL dankt allen Fahrgästen und Fahrgästinnenen für deren Verständnis.

Stell Dir vor, es ist Streik und keiner kriegt?s mit

Sonntag, 6. Februar 2011

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer kündigt Warnstreiks an. Auch bei der Berliner S-Bahn.

Das ist natürlich eine ganz schlechte Nachricht. Man male sich aus, was passieren könnte, wenn die GDL ihre Drohung wahr macht: Massenweise Zugausfälle, lange Wartezeiten, überfüllte Züge, ein Zusammenbruch des Fahrplans!

Allerdings könnten die GDL-Pläne noch durch ein kleines Problem zu Fall gebracht werden: Wenn die Berliner S-Bahn nicht über genügend einsatzfähige Züge verfügt, welche bestreikt werden könnten.

Ein Monat Entschädigung genügt!

Dienstag, 1. Februar 2011

Nur einen Monat Entschädigung will die Bahn den Kunden des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg für den jüngsten Höhepunkt der Berliner S-Bahn-Krise gewähren. Also einen Monat, in dem Abonnenten und Jahreskartenbesitzer kostenlos fahren können, an dessen Wochenenden der Normalfahrschein als Tagesticket gilt usw.

Von verschiedenen Seiten wurde dies als unzureichend kritisiert, unter anderem vom Senat. Wobei es natürlich nicht so ist, daß Wowereit und Co. wenige Monate vor den Wahlen so tun müssen, als würden sie mal etwas tun ? um dann weitere fünf Jahre lang möglichst wenig tun zu können.

Nein, wenn schon vom Müssen die Rede ist, sollte es heißen: Man muß Verständnis für die Position der Bahn haben!

Im Dezember, als das neue große Chaos über die Berliner S-Bahn und ihre Opfer, pardon: Kunden kam, wurde ja gerade entschädigt für das vorherige große Chaos. Entgangen sind den S-Bahn-Kunden also nicht etwa bezahlte Leistungen, jedenfalls nicht so direkt, sondern nur quasi Freifahrten für schon zuvor entgangene Leistungen. Und weshalb sollte es für einen Monat entgangener Leistungen zwei Monate Entschädigung geben? Weil das Durcheinander mit immer neuen Einschränkungen nun schon seit Jahren anhält? Weil keine Besserung in Sicht ist? Weil Mißwirtschaft, Vertuschungsversuche und leere Versprechen einander abwechselten? Weil die Kunden schlecht behandelt worden sind? Also bitte.

Aber, mag mancher einwenden, im Januar gab es doch wieder nur ein sehr reduziertes Angebot bei der Berliner S-Bahn. Selbstverständlich. Doch noch ist der Winter nicht zu Ende. Wer jetzt schon einen zweiten Monat Entschädigung ankündigt, müßte ja einen dritten drauflegen, falls es im Februar oder März noch einmal schneit ? und der Berliner S-Bahn-Verkehr dann wie mittlerweile gewohnt zusammenbricht.

LETZTE MELDUNG:
S-Bahn-Kunden dürfen einen Monat umsonst warten!
Mehr zum Thema Entschädigung der S-Bahn-Kunden hier.