Archiv für März 2008

Vierzig Jahre nach 1968 oder: Partei des maßvollen Fortschritts in den Grenzen der Gesetze

Samstag, 29. März 2008

Michael Vesper dient derzeit als Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes. In dieser Funktion hat er sich jetzt gegen Protestaktionen deutscher Athleten bei den bevorstehenden Propaganda-, pardon: Olympischen Spielen zu Peking ausgesprochen. Im einstigen inoffiziellen Zentralorgan der linken deutschen Lehrerschaft ?Frankfurter Rundschau? läßt er sich vernehmen: ?An den olympischen Stätten sind politische Demonstrationen untersagt, und das aus gutem Grund.?

Klar: Sport und Politik haben ja nun wirklich rein gar nichts miteinander zu tun. Erst recht nicht in Ländern wie China.

Und noch klarer: Herr Vesper war, bis Rot-Grün auch in Nordrhein-Westfalen abgewählt wurde, ein grüner Landesminister und damit Spitzenpolitiker dieser Partei. Mitglied der Grünen ist er womöglich immer noch. (Vielleicht taucht er bald auch wieder als deren Mandatsträger auf? Wenn es mal wieder Posten zu verteilen gibt? Deutlicher als mit der beabsichtigten Kür von Jürgen Trittin zum Spitzenkandidaten für die nächste Bundestagswahl kann man Personalnot nicht dokumentieren.) Weshalb er natürlich gegen politische Proteste an Orten wettert, wo es irgendwie unschicklich sein könnte, sonstwie stören oder schlicht und einfach verboten ist. Denn Rebellion, Regelverstoß, ziviler Ungehorsam gar, das war auch bei den Grünen gestern. Oder vorgestern. Heute wetteifert die einstige Alternativpartei mit den anderen darum, wer mehr und striktere Verbote fordern und durch die Gremien und Medien peitschen (wenn auch nicht unbedingt in der Realität durchsetzen) kann. Und übt sich auch sonst in Aufbau und Pflege des bundesrepublikanischen Biedermeiers.

Wie sehr man doch, wenn man aufsteigt, herunterkommen kann.

Die ARD und der Weltstaubbedarf

Freitag, 28. März 2008

In den staatstragenden Medien werden dem Transrapid rasch noch ein paar Krokodilstränen gewidmet. Tenor: Das wäre ja so schlimm für den ?Technologiestandort? Deutschland. Also, das Scheitern, nicht die Magnetschwebebahn. Sigmund Gottlieb etwa gab sich in den ?Tagesthemen? richtig entsetzt. Eine Frau Bieritz vom RBB meinte, man hätte in Deutschland eine schön lange Strecke für das Gefährt gebraucht, so Berlin ? Hamburg ? Amsterdam.

Man fragt sich, ob die Herrschaften wirklich so sind.

Sollte Frau Bieritz, Spitzenjournalistin vom öffentlich-rechtlichen Qualitätsrundfunk, tatsächlich noch immer nicht davon gehört haben, weshalb nicht einmal die Transrapidstrecke Berlin ? Hamburg zustande kam? Selbige rechnete sich nicht. Es war kein ausreichender Bedarf für sie vorhanden. Die immensen Investitionen hätten den durch sie erzielten Nutzen bei weitem nicht gerechtfertigt. Auf gut deutsch: Man braucht das Ding nicht. Und zwar weder zwischen den beiden größten Städten Deutschlands noch irgendwo anders in der Bundesrepublik, Europa oder sonstwo auf der Welt (wenn man mal von gewissen Herrschaften mit Profilneurose absieht).

Die von Herrn Gottlieb heftig als inkompetent gescholtenen Manager dürften getan haben, was so ein quasi-verbeamteter Rundfunkjournalist natürlich nicht nötig hat: rechnen. Wie sie es in Sachen Transrapid seit Jahrzehnten tun. Diese angebliche Spitzen-, gar Zukunftstechnologie ist ja nicht neu. Vielmehr wird seit vierzig (!) Jahren konkret daran herumgebastelt. Die Nachfrage nach dieser sensationellen Erfindung hielt sich in jenen vierzig Jahren jedoch bekanntlich in engen Grenzen. Und auch das Gebastle hätte die Industrie vermutlich längst eingestellt, wenn nicht der Staat Millionen und Abermillionen darin versenkt hätte ? solange die Steuerzahler einen Großteil des Risikos übernahmen, wollten die Unternehmer gern noch ein bißchen weiter daran herumforschen, ob sie mit dem Transrapid womöglich irgendwann einmal Geld verdienen könnten.

Aus all dem nach bald einem halben Jahrhundert die einzig richtige Konsequenz zu ziehen, ist technologiefeindlich? Natürlich: Man könnte auch für viele Milliarden (insbesondere viele Steuermilliarden) ein Verfahren entwickeln, mit dem sich haufenweise Staub produzieren ließe. Ui, was wären wir anderen Ländern damit voraus! Zumal angesichts der Größe des Weltstaubbedarfs! Deutschland vorn!

Immerhin weiß Frau Bieritz bereits, wie die (Welt-) Geschichte weitergehen wird: ?Am Ende wird der Chinese die Patente kaufen und die Technologie selbst weltweit vermarkten.? ? Ja, der Chines?… Oder um es mit Kurt Georg Kiesinger zu sagen: ?China! China! Denken Sie doch an China!? Da sind wir aber sehr gespannt, wie ?der Chinese? den Transrapid ?weltweit vermarktet?. Und als nächstes exportiert er dann vermutlich Sand in die Sahara.

Transrapid rapide teurer oder: Wenn man mit dem Hauptbahnhof in zehn Minuten zum Flughafen fährt

Donnerstag, 27. März 2008

Völlig überraschend haben sich die vor einem halben Jahr verkündeten Kostenkalkulationen für das Münchner Transrapid-Projekt als viel, viel zu niedrig entpuppt. Und völlig überraschend wird das Vorhaben deshalb jetzt beerdigt ? insbesondere weil niemand mehr Geld dafür ausgeben mag. Nicht die Politik. Und schon gar nicht die beteiligten Unternehmen, welche selbstverständlich erwarten, daß der Staat ordentlich Steuergelder zubuttert, wenn sie etwas unternehmen wollen, um damit Geld zu verdienen. (Es geht hier schließlich nicht um diesen Sozialklimbim wie Mindestlöhne oder um die Begrenzung selbst bei miesen Ergebnissen explodierender Gehälter von Spitzenmanagern ? Dinge, bei denen sich freie Unternehmer staatliche Einflußnahme stets entschieden verbitten.)

Doch sage niemand, das kurzlebige Edmund-Stoiber-Gedächtnisprojekt habe nicht Bleibendes hervorgebracht und damit sein Gutes gehabt: Noch lange wird man sich erinnern an eine Rede des damaligen bayerischen Ministerpräsidenten, welche wahrhaft unvergeßlich ist.

Rot lackierte

Mittwoch, 26. März 2008

Chinas Machthaber geben sich empört über jegliche Gleichsetzung ihrer Olympischen Spiele mit jenen von 1936. Verständlich. Das von der nationalsozialistischen Partei regierte Deutschland war ein aggressives Terrorsystem, das Andersdenkende gnadenlos verfolgte, Konzentrationslager betrieb und auf deren Grundlage auch ein staatliches Wirtschaftsimperium errichtet hatte, von mafiösen Strukturen, Korruption und persönlicher Bereicherung der Funktionäre bestimmt wurde, insbesondere die Arbeiter systematisch entrechtet hatte und ausbeutete (wobei es sie gleichzeitig zwang, sich dafür auch noch zu bedanken und ihre Sklavenhalter zu preisen), ein Staat, der Geld in unsinnigen Prestigeprojekten verschleuderte, während in Teilen des Landes bitterste Not herrschte, der reihenweise Menschen hinrichtete, massive Aufrüstung betrieb und andere Länder bedrohte. Das von der kommunistischen Partei regierte China ist? Ja, ähm?

Totale Überwachung – beste Überwachung!

Mittwoch, 26. März 2008

Natürlich hat der tödliche Holzklotzwurf von Oldenburg das übliche hysterische Gegacker auf dem medialen Hühnerhof verursacht. Und natürlich bewirkt dies nicht mehr als eben, daß viele Journalisten etwas Schönes zu begackern haben und sich einige Hinterbänkler produzieren können. So brachte ein Herr von der SPD ins Gespräch, ob man nicht alle Brücken über Autobahnen durch Kameras überwachen lassen sollte.

Klar: Warum eine Gelegenheit auslassen, die lieben Bürgerinnen und Bürger darauf hinzuweisen, wie segensreich es ist, wenn der Große Bruder sie stets beobachtet.

Das Problem, daß irgendwelche Deppen irgendwelche Dinge von Brücken auf die Autobahn werfen, ist ja nicht neu, der aktuelle Fall ist nicht der erste ? auch nicht der erste tödliche ?, und wenn man wirklich wollte, hätte man längst etwas dagegen tun können. Und zwar etwas Wirksames. An jeder Brücke, die über Fahrdrähte der Eisenbahn führt, sind ja auch Schutzbleche angebracht, die eine Berührung der Oberleitungen verhindern oder wenigstens stark erschweren sollen. So etwas, womöglich in stärkerer Ausführung und noch weiter auskragend, an jeder Brücke über eine Autobahn, und zumindest gezielte Würfe wären nahezu unmöglich, schwere Gegenstände könnten vermutlich bestenfalls noch mit vereinten Kräften mehrerer Personen über die Bleche hinaus geschleudert werden.

Aber ein paar Kameras zu installieren, kommt natürlich billiger. Das verhindert zwar nicht solche Taten (wie praktisch alle anderen). Aber es gewöhnt die lieben Bürgerinnen und Bürger wenigstens an umfassende Überwachung.

Forsiert in die Steinzeit

Mittwoch, 26. März 2008

Neues vom täglichen SPD-Bashing. Diesmal natürlich wieder besonders schön vom verläßlichsten aller Umfrageinstitute, Forsa. Immer noch geführt von einem SPD-Mitglied, welches mit den überdurchschnittlich miesen Ergebnissen seiner Studie selbstverständlich keinesfalls sein eigenes politisches Süppchen zu kochen versucht? In jedem Falle werden auch die neuesten angeblichen Hiobsbotschaften für die ruchlosen Roten von den Medien begeistert wiedergekäut: Wenn jetzt Bundestagswahl wäre, wäre die SPD in keinem Land mehr stärkste Kraft, selbst im notorisch linkslastigen Berlin würde die CDU vorne liegen. Und wo man schon mal dabei ist, gibt man auch gleich noch zum besten, daß die SPD in Kürze nicht mehr die mitgliederstärkste aller Parteien sein könnte. Natürlich erinnert sich bei unseren Qualitätsmedien niemand daran, daß diese Gefahr vor dreißig Jahren schon einmal bestand ? allerdings damals, weil die CDU solch einen Zulauf hatte. Aber es erwähnt ja auch niemand, daß die SPD nur deshalb demnächst dumm dastehen könnte, weil ihr die Mitglieder noch schneller wegrennen oder ?sterben als den anderen Parteien. Wüßte man es nicht besser, könnte man hinter dem steten medialen Eindreschen auf die SPD und ihren Vorsitzenden fast eine Strategie vermuten: Mit einem Kanzlerkandidaten, der so aufregend ist wie der immer wieder als Retter der Sozialdemokratie verkaufte Steinmeier (bislang gewonnene allgemeine Urnengänge: null), dürfte dem Merkel der Wahlsieg endgültig sicher sein.

Hektischer Stillstand

Dienstag, 25. März 2008

Oswald Metzger, ehemals Mitglied von SPD und Grünen, möchte nun in die CDU eintreten. Schön, daß ihm endlich aufgefallen ist, wo er hingehört ? auch wenn die Christdemokraten offenbar bis zu Metzgers Pressetamtam noch gar nichts von ihrem Glück gewußt haben. So wenig wie Metzger zu wissen wollen scheint, daß er, als CDU-Mitglied, bald wieder an einem Tisch mit seinen alten Parteifreunden sitzen könnte ? bei irgendwelchen der jetzt zumindest von den Medien so geliebten Koalitionsverhandlungen zwischen Schwarzen und Grünen.

Gewerbefreiheit ist auch ein Grundrecht

Montag, 24. März 2008

Nein. Nie, nicht, keinesfalls jemals ein Olympia-Boykott. Unter gar keinen Umständen. Und wenn die Blutströme noch so anschwellen mögen. Endlich spricht, nachdem die Reaktionen gewisser Funktionäre eine in den letzten Tagen beständig wachsende Panik zeigten, in Gestalt von Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, mal jemand ein Machtwort. Denn natürlich sind wir für Freiheit und Menschenrechte und Demokratie und das ganze Gedöns. Irgendwie. Aber davon können wir uns doch nun wirklich nicht unsere Geschäfte verderben lassen.

Auch wieder ein Thema in der österlichen Nachrichtenflaute: Der schlimme Linksruck, den jetzt alle beklagen. Der Hundt möchte zum Beispiel die Sache mit der nächsten Rentenerhöhung nicht so einfach auf sich beruhen lassen, sondern diesen ungeheuerlichen Exzeß linksradikalster Umtriebe noch einmal diskutieren: Ein Prozent Erhöhung der Renten. Um ein ganzes Prozent! Das gleicht ja schon fast halb die Inflation aus. Für dieses Jahr.

Mein Hautkrebs gehört mir

Samstag, 22. März 2008

Offenkundig weitverbreitet ist der Glaube, es gäbe spätestens ab Mitte März ein Anrecht auf Wetter, bei dem man möglichst alle unvorteilhaften Aspekte seines Körpers unschuldigen Passanten präsentieren kann, ohne Gefahr zu laufen, sich dabei einen Schnupfen zu holen. Und so wurde schon vor Tagen auch in einem dieser wohlfühljournalismusgerechten ?Wetterberichte? des öffentlich-rechtlichen Fernsehens bejammert, wieviel wärmer es an früheren Osterfesten war. Und das, wo man uns doch die Klimakatastrophe versprochen hatte!

Nur: Im Jahre 2000, als am Ostersonntag in Berlin-Dahlem 29,6 Grad gemessen wurden, pardon: im Nutzwertjournalistenjargon natürlich ?angenehme?, ?wundervolle?, ?allseits beliebte?, ?seelenbaumelnlassenermöglichende? 29,6 Grad, feierten wir die Auferstehung Jesu am 23. April. Nicht, wie dies Jahr, am 23. März.

Westerwelle wirkt wohlüberlegt

Freitag, 21. März 2008

Guido gibt mal wieder das Schoßhündchen, nein, schlimmer noch: Er bemüht sich, das liebste Schoßhündchen seiner einstigen Busenfreundin Angie zu werden. Die solle doch mal, hopplahopp, dafür sorgen, daß ihre Partei einstimmig verkündet, Horst Köhler wiederzuwählen.

Horst Köhler werden Sie vermutlich nicht kennen. Das ist momentan der Bundespräsident. Ein netter Mann, dessen Qualität vor allem darin besteht, daß er nicht weiter auffällt.

Gut vierzehn Monate bevor wieder ein Bundespräsident bestimmt wird ? natürlich nicht von den lieben Bürgerinnen und Bürgern, sondern von den Bundestagsabgeordneten und einigen anderen von den Parteien Auserwählten ?, möchte der FDP-Vorsitzende mal wieder in die Medien. Zum Beispiel indem er schon jetzt dafür sorgt, daß auch künftig die CDU das Staatsoberhaupt stellt.

Ein guter Politiker würde nicht nur nicht bewerkstelligen, daß seine Partei weiterhin ? und dies auch noch zunehmend erfolglos ? zum Wurmfortsatz einer anderen mutiert. Ein guter Politiker würde zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und die Schaffung neuer Koalitionsoptionen mit dem Versuch verbinden, mal wieder jemanden von der eigenen Partei zum Bundespräsidenten zu machen. Schließlich stellte die FDP mit Theodor Heuss und Walter Scheel zwei recht gute Staatsoberhäupter. Doch wie gesagt: Dies würde ein guter Politiker tun.

Allerdings muß man mal überlegen, wen die FDP überhaupt nominieren könnte… Ein älterer, arrivierter FDP-Politiker mit Ansehen und bundesweitem Bekanntheitsgrad? Hm? Von den paar Ministern, die die FDP noch stellt, kennt man außerhalb ihrer Länder eigentlich keinen mehr, seit Brüderle nach Berlin gegangen und Döring zurückgetreten ist. Und in der Bundespolitik? Genscher ist wohl zu alt, bei Baum weiß niemand, warum er ? als ausgewiesener Liberaler ? überhaupt noch in dieser Partei ist, die Hamm-Brücher ist konsequenterweise ausgetreten? Kubicki? Pinkwart? (Kleiner Scherz.)

Guido, vergib mir! Es war doch überaus klug, möglichst früh eine Wiederwahl Horst Köhlers zu fordern. Eh noch jemand auf die Idee kommt, der FDP diesen Posten anzubieten.

Nieder mit der Freiheit! (Freiheit ist Sklaverei!)

Montag, 17. März 2008

Die chinesische Regierung beklagt die Brutalität der tibetischen Demonstranten. Wie in einem Film von Buñuel. Als nächste Maßnahme sollten die Kommunisten ein neues Volk wählen. Wieder einmal.

Anarchie und Alltag

Montag, 17. März 2008

Ab heute erlaubt die Gewerkschaft Verdi, daß von den Berliner Verkehrsbetrieben wieder Verkehr betrieben wird. Insbesondere da Verwaltung und Werkstätten jedoch noch immer bestreikt werden, weist man darauf hin, daß manche Fahrten ausfallen dürften, die Wagen einen ungepflegten Eindruck machen könnten, allen voran der Busverkehr bestenfalls vage mit dem Fahrplan zu tun hat, der Service durch BVG-Bedienstete stark zu wünschen übrig läßt und die elektronischen Anzeigetafeln nicht richtig funktionieren und vor allem keine verläßlichen Angaben machen. Mit anderen Worten: Alles wie immer.

Nie wieder!

Samstag, 15. März 2008

Zu dumm aber auch, daß ausgerechnet jetzt (mal wieder) deutlich wird, welchen Charakter der chinesische Staat hat. Aber natürlich verhält es sich mit den bevorstehenden Olympischen Spielen ganz, ganz anders als mit jenen von 1936. Oder 1980. Und ein Glück bloß, daß Sport absolut überhaupt rein total vollkommen nichts mit Politik zu tun hat. Oder gar mit Geschäften.

Die CSU ist offen und ehrlich – in der Verachtung ihrer Untertanen

Freitag, 14. März 2008

Mit den jüngsten kleinen, kurzlebigen Zugeständnissen in Sachen Umerziehung beweist die CSU ein lobenswertes Maß an Offenheit.

Erstens scheint einigen Funktionären aufgefallen zu sein, daß sich auch in Bayern nicht alle Untertanen widerstandslos von Staats wegen beglücken lassen wollen. Oder es für eine Zumutung halten, daß man sie für zu doof hält, ein verqualmtes Lokal bei Mißfallen einfach zu verlassen oder erst gar nicht zu betreten, weshalb die Obrigkeit da eingreifen muß ? sekundiert natürlich von den Grünen, wo man für Bevormundung bekanntlich schon immer etwas übrig hatte, wenn diese denn nur durch die eigene Partei und deren Sympathisanten geschieht. Zweitens scheint einigen Funktionären aufgefallen zu sein, daß das erste Münchner Oktoberfest mit Rauchverbot unmittelbar vor der nächsten Landtagswahl stattfindet. Also erlaubt man das Rauchen im Bierzelt nun doch. Aber nur noch dies eine Mal. Was natürlich die so gern von der Anti-Tabak-Lobby geforderte Konsequenz zeigt. Und eben, für wie doof die CSU ihre Menschen hält. Denn beim Oktoberfest 2009 sind ja die Wahlen vorbei.

Dabei handelt es sich bei dem winzigen Aufschub zweifellos um ein Werk der teuflischen Tabakindustrie! Oder sollte die Anti-Tabak-Lobby diesmal nicht diese immergleiche alte Walze abnudeln? Ich warte täglich, stündlich, minütlich auf Beweise ? und zwar wissenschaftliche! ? , daß die Tabakindustrie die (bisherigen) CSU-Wähler bestochen hat. Und zwar jeden einzelnen. Eine Verlockung, der einige willensschwache Gestalten offenkundig leider erlegen sind ? bestimmt Raucher, Biertrinker, Schokoholiker, Kartoffelchipsesser, Übergewichtige und andere Verbrecher an der Volksgesundheit.

Unantastbar

Donnerstag, 13. März 2008

Im Fall des New Yorker Gouverneurs Spitzer, eines erklärten Saubermannes, dessen wiederholte Nachfrage nach Prostituierten jetzt bekannt geworden ist, wittern gerade gewisse Feministinnen und Moralapostel ? in etwa von Spitzers (bisherigem) Zuschnitt ? wieder einmal einen weiteren Fall ärgster Ausbeutung: Einem hohen Politiker oder wohlhabenden Geschäftsmann sexuelle Dienstleistungen anbieten und erbringen! Das entwürdigt die Frau natürlich: Ihren Körper zu verkaufen für ein- oder zweitausend Dollar die Stunde. Vollauf gewahrt wäre die Menschenwürde, wenn sie für vier Euro die Stunde arbeiten würde und zum Überleben dann noch Geld beim Staat erbetteln müßte, dessen Regierung ums Verrecken keinen gesetzlichen Mindestlohn einführen will.