Archiv für Februar 2008

Liebesgrüße aus Litzmannstadt

Freitag, 29. Februar 2008

Gerate zufällig (wirklich!) in die Sendung von Johannes B. Kerner und darf dort nicht nur erleben, wie Frau Pooth jammert, sondern auch der neueste ZDF-Historienschinken beworben wird. Wurde ja auch Zeit, daß mal einer einen Film über den Untergang der ?Wilhelm Gustloff? dreht, hat?s ja noch nie gegeben. Dreh- und Angelpunkt abermals: ?Gotenhafen?, wie immer wieder gesagt wird. Ah, ich freue mich schon auf die nächsten ZDF-Anspruchsproduktionen. Vielleicht aus Litzmannstadt. Oder Berlin-Horst-Wessel-Stadt.

Grünendämmerung

Mittwoch, 27. Februar 2008

Wenn man sich anschaut, wie eifrig die Pressemeute die Grünen in eine Koalition mit der CDU zu quatschen versucht ? fast könnte man meinen, die Journaille wäre von anderen Parteien gekauft, weil diese ganz genau wissen, daß nach einer Hochzeit mit den Christdemokraten endgültig nichts mehr von den einstmals Alternativen übrigbliebe, das nicht SPD, CDU, FDP oder ?Linke? besser bedienen könnten. Aber soviel Mühe, bloß um sich eines Mitgliedes des Demokratischen Blocks der BRD zu entledigen, das um die Plätze an den Fleischtöpfen konkurriert? Nein, es ist wohl lediglich der Wunsch der Schreiberlinge, sich mit einer schönen Geschichte die Langweile zu vertreiben. Womit die Grünen dann wenigstens noch für irgend etwas gut wären. Bevor die Generationspartei vermutlich von selbst verschwindet.

Demokratie am Werk

Montag, 25. Februar 2008

Das Wesentlichste am Hamburger Wahlergebnis ist doch: Die beiden der fünf staatstragenden Parteien, die kräftig Stimmenanteile verloren haben, dürften demnächst die Regierung bilden – die heftig gefletterten Grünen als Machtretter der CDU. Was den einstmals Alternativen hoffentlich beim nächsten Mal die Angst vor der Fünf-Prozent-Hürde einträgt. Welch ein schönes Ergebnis für “Die Linke”.

Schmiere am Wochenende

Samstag, 23. Februar 2008

Wie sie sich wieder wichtig tun, die Spitzenkräfte des TV-Journalismus, durchströmt von Dankbarkeit für Stoff am normalerweise nachrichtenarmen Wochenende. Gerade noch rechtzeitig vor dem nächsten Wahldebakel für die CDU (ach nein, pardon, 5,8 Prozentpunkte Verlust wie neulich in Niedersachsen gelten ja inzwischen als fulminanter Sieg) poltert die Partei herum, sollte die SPD es wagen, auch nur ein einziges Mal mit der ?Linken? im gleichen Aufzug zu fahren ? oder so.

Ja, ja, dann käme die Bundesregierung in eine schwere Krise. Au weia, das wäre ja ganz was Neues, wo die Zusammenarbeit zwischen den Zwangsverheirateten doch bisher so problem- und geräuschlos und höchst effizient lief. Es seien gar vorzeitige Neuwahlen möglich. Sicher, auch das noch. Aber schön, daß es offenkundig Leute gibt, die glauben, bei den nächsten Bundestagswahlen könnte ein wesentlich anderes Ergebnis herauskommen als bei den letzten (auf eine wesentlich andere Politik kann sowieso niemand mehr hoffen). Und die Große Koalition müßte sich danach nicht noch einige Jahre weiter schleppen.

(Und alles bloß, weil sich die CDU nicht direkt zu sagen traut, was sie da von der SPD fordert: Spielt nicht mit den Schmuddelkindern, wählt gefälligst den Wahlverlierer Koch. Und zum Trost kriegt ihr dann auch das eine oder andere Ministerium ? für Soziales und Gedöns.)

Die Politik handelt

Samstag, 23. Februar 2008

Die unserer geliebten Kanzlerin ergebenen Medien jubeln über die Ankündigung, notfalls werde Deutschland auch im Alleingang ?die Steueroasen? ausrotten. Äh, ?trockenlegen?. Wie das wohl geschehen soll? Mit Flammenwerfern? Nein, vielleicht fangen wir einfach die Überweisungen nach so übermächtigen Gegnern wie Andorra, Monaco und Liechtenstein ab. Hm. Ja. Ein Glück, daß man den doofen Bürgern alles erzählen kann. Und den Journalisten erst recht.

Liebe Frau Merkel, um so zu tun, als würden Sie irgend etwas tun (womöglich gar etwas Sinnvolles) und die paar hundert Millionen, die man in die Rettung der IKB-Bank versenkt hat, vergessen zu machen, könnten Sie doch auch einfach mal wieder etwas verbieten. Den Kaffee zum Beispiel. Oder dicke Kinder.

Ach nein, wie die Aktuellen Kameras voller Genugtuung verkündeten, hat der Bundestag ja gestern beschlossen, das Führen von Messern mit einer Klinge von mehr als zwölf Zentimetern Länge zu verbieten. Tja, da werde ich mir wohl die nächsten Gemüsemesser mit der Post schicken lassen müssen ? dann wird im Zweifelsfalle der Paketbote verhaftet. Und ich freue mich auch schon darauf, wenn man demnächst auf dem Wochenmarkt die Brote mit Messern zerteilt, deren Klinge zwölf Zentimeter mißt.

Aber was nimmt man nicht alles auf sich, wenn bloß die Jugend, die Frucht unseres Volkes, besser geschützt wird. Endlich keine Stechereien mehr mit fünfunddreißig Zentimeter langen Brotmessern!

Jetzt wird aufgeräumt

Freitag, 22. Februar 2008

Auch die Qualitätsmedien ARD und ZDF melden, der ehemalige Betriebsratsvorsitzende von VW müsse in Haft. Und sie tun dies mit einem deutlichen Unterton der Genugtuung. Über die Freude hat man leider eine Kleinigkeit vergessen: Ob der Herr hinter Gitter kommt, ist noch gar nicht raus. Das Urteil ist nicht rechtskräftig und dürfte es auch nicht werden, da die Verteidigung bereits Berufung angekündigt hat. Aber solche Details können schon mal unter den Tisch fallen vor lauter Premiumjournalismus.

Das Geschickte als Feind des Guten

Freitag, 22. Februar 2008

Ich fürchte, Obama ist ein Schaumschläger und wird nichts zustande bringen. Aber ich fürchte auch, er ist unschlagbar. Nicht nur im Nominierungsrennen, sondern ? wie sich mir mittlerweile der Eindruck aufdrängt ? am Ende gleichfalls im Wahlkampf. Wie das eben so ist bei Charismatikern: Es zählt nicht, was sie tun. Ihre zahlreichen Anhänger verzeihen ihnen alles, von Liebe besoffen. Dieser Tage soll Obama bei einer Wahlkampfveranstaltung sogar Jubel ausgelöst haben, als er sich die Nase geputzt hat. Alle Sachargumente, die gegen solche Leute vorgebracht werden, verpuffen nicht nur, sie wirken ? so berechtigt sie sein mögen ? sogar bloß kleinlich und fallen damit auf ihren Absender zurück. Deshalb ist es so mitleiderregend wie sinnlos, wie sich Hillary Clinton abstrampelt, um ihre absehbare Niederlage noch zu verhindern. Dabei wäre sie vermutlich die bessere Präsidentin. Aber Obama dürfte der Kandidat mit den größeren Chancen sein, auch gegen McCain. Der einem ebenfalls leid tun kann: Während der alte Herr von bösen Terroristen redet, von Gefahren und Ängsten, davon, womöglich hundert Jahre im Irak zu bleiben, spricht Obama von Hoffnung. Von der Möglichkeit, das Gute und Richtige zu tun, endlich einmal. Kurzum: Er bringt die Menschen, zumindest die wachsende und vermutlich bald hinreichend große Zahl seiner Anhänger, zum Träumen. (Was stets besonders gefragt ist nach besonders trostlosen Jahren.) Dagegen hat man kaum eine Chance. Erst recht nicht, wenn man problemlos der Vater seines Gegners sein könnte.

Fidel Castro tritt ungeschlagen zurück

Mittwoch, 20. Februar 2008

Die Amis haben es immer noch nicht kapiert: Wenn irgend etwas die kommunistische Diktatur auf Kuba aufrechterhält, dann der kollektive Haß auf die USA oder zumindest die ? nicht unbegründete ? Furcht, nach einem Ende des derzeitigen Regimes (vollends) wieder zum Bordell der Amerikaner zu werden. Als wäre nicht in Europa demonstriert worden, welche Strategie erfolgversprechend ist: Umarme den Gegner. Mach dich als Feindbild unbrauchbar. Nimm den Unterdrückten die Furcht, von den möglichen Befreiern wieder oder gar noch mehr unterdrückt zu werden. Wären die Amis klug, wären sie längst auf einen umfassenden Kuschelkurs mit Kuba eingeschwenkt und würden das Land so großzügig subventionieren, wie es die Bundesrepublik zum Schluß mit der DDR getan hat. Daß auch das angesichts der notorischen Unfähigkeit der Planwirtschaft und des gesamten marxistisch-leninistischen Systems nicht den ökonomischen Kollaps verhindert, hat man schließlich ebenfalls gesehen. Ja, wenn die Amis klug wären, wären Castro und seine Clique vielleicht schon längst weg vom Fenster. Aber da die Amis sind, wie sie sind, dürfte die KP die Insel auch noch in fünfzig Jahren beherrschen.

Das Imperium schlägt zurück

Dienstag, 19. Februar 2008

?Steueroase wird trocken gelegt? entnehme ich den Medien, als sei das, was der Bundesfinanzminister angekündigt hat, bereits Tatsache. Ja-ha, kurzer Prozeß mit allen Feinden des Reiches!

Guido Westerwelle, ganz Vertreter einer liberalen Partei, hat auch schon erklärt, daß sich Liechtenstein gefälligst den Regeln der Europunion zu unterwerfen habe ? wobei er geflissentlich übersah, daß der Zwergstaat weder dieser angehört noch der Zone, in welcher das Esperantogeld gilt.

Auch sonst darf beim täglichen Treiben irgendeiner Sau durchs mediale Dorf mal wieder jeder mitmachen, der ein bißchen Aufmerksamkeit braucht ? oder Ablenkung von seinem sonstigen Tun.

Statt zehn Jahren Höchststrafe für Steuerhinterziehung fünfzehn! Natürlich interessiert, wie üblich, niemanden, wie oft denn der bisherige Strafrahmen ausgeschöpft worden ist. Angesichts dessen isses aber sowieso egal: Zwanzig Jahre! Hundert! Verdammt in alle Ewigkeit! (Auch nicht reden werden wir über die Frage, welche Steuerfahnderheere all die Vergehen aufdecken sollen.)

Und immer weiter schön so tun, als ginge es hier um das ?Austrocknen? von ?Steueroasen? (es ist tatsächlich nicht die Sache des liechtensteinischen Staates, ob ein Ausländer in seiner Heimat seine Kapitalgewinne ordentlich versteuert), nicht um die Erpressung eines kleinen Landes, das nicht zuletzt durch seine Attraktivität als Finanzplatz überleben kann, sein Bankgeheimnis aufzugeben. So wie es in der Europunion bereits abgeschafft worden ist, ohne großen Widerstand der wie üblich lethargischen Untertanen. So wie es in der Europunion vermutlich ohnehin bald als Kapitalverbrechen geahndet werden wird, wenn man der Obrigkeit nicht umgehend all seine Daten überlassen will.

Wer sich da wie ein widerspenstiges gallisches Dorf gibt, den trifft die geballte Medienmacht des großen nördlichen Bruders, wo sich auch niemand daran stört, wenn dortige Politikerdarsteller bereits ganz fröhlich erklären, heute werde mit den ?Steueroasen? erstmal in Europa aufgeräumt, aber morgen in der ganzen Welt.

Ja, da dürfte sich mancher Volksgenosse wüschen, wir hätten wieder eine Luftwaffe, die das widerspenstige Liechtenstein mal eben rotterdamisieren könnte. Angesichts von noch immer weit über drei Millionen Arbeitslosen könnten wir allerdings großzügig darauf verzichten, die zirka 35.000 Liechtensteiner anschließend zu versklaven.

Gleich und gleich gesellt sich gern in der formierten Gesellschaft

Montag, 18. Februar 2008

Wenn das Wahlergebnis wenig anderes hergibt, wird sich wohl am nächsten Sonntag die erste schwarz-grüne Landesregierung anbahnen. CDU wie Grüne brauchen neue Koalitionsoptionen. Für die CDU ist ein kleiner Partner natürlich pflegeleichter als die SPD. Und gerade Hamburgs GAL hat bereits so ziemlich alles verraten, wofür die Grünen einmal standen, versenkt im mit ihrer Zustimmung teilweise zugeschütteten Mühlenberger Loch. Nach ihrer Begeisterung für das Berufspolitikertum und Kriegseinsätze, die Feindschaft gegen direkte Demokratie (wenn der Pöbel nicht das beschließt, was die Partei gern hätte ? gerade die Hamburger durften da in den letzten Jahren bemerkenswerte Erfahrungen sammeln) oder dem Ruf nach immer neuen Gesetzen, Vorschriften, Richtlinien, auch und gerade zur Gängelung und Umerziehung der Untertanen, plus der nötigen Ordnungskräfte, um all dies auch durchzusetzen, fehlt eigentlich nur noch, daß die einstmals alternative Partei die Vorteile der Atomenergie entdeckt. Zudem ist es jetzt, da die 68er, aber auch die 78er, in die Jahre kommen (Kennen Sie bundes- oder auch nur landespolitisch bedeutende Grüne unter fünfzig?), bloß konsequent, daß sie auch politisch und ideologisch in das Milieu zurückkehren, aus dem sie gekommen sind ? und das ist eindeutig eher das traditionelle der CDU als jenes der SPD. Man kann es nicht oft genug wiederholen: Die schärfsten Kritiker der Elche werden später selber welche.

In John Cameron Mitchells hierzulande wenig beachtetem Film ?Shortbus? wird eine Gruppensexszene kommentiert mit den Worten: ?Es ist wie in den Sechzigern ? nur mit weniger Hoffnung.?

Der Befund beim Blick auf das bundesrepublikanische Biedermeier, in welchem wir mittlerweile leben, diese Spießergesellschaft, die beherrscht wird von Annikas (?Pippi, ist denn das erlaubt? Darf man denn das? Das ist doch verboten!?), ist noch ärger: Wie in den frühen oder mittleren Sechzigern ? bloß ohne jeden Grund zur Hoffnung.

Hören Sie auf zu rauchen!

Montag, 18. Februar 2008

Gerade eben die erste Zigarette nach fast fünf Wochen, in denen ich nicht geraucht habe. Nicht nannybedingt, natürlich. Sondern einer Erkältung wegen. Und wenn ich mal eine Rauchpause eingelegt habe, dann versuche ich, diese so lange wie möglich zu verlängern. Denn Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude (also, neben Schadenfreude). Und die erste Zigarette nach einer gewissen Zeit ? unbeschreiblich. Keine andere schmeckt so gut. Deshalb kann ich nur raten: Hören Sie auf zu rauchen! Öfter mal. Um dann mit dem größten Vergnügen wieder anfangen zu können.

(Der Justitiar sagt: Rauchen kann tödlich sein! Es verursacht Sturmfluten und Erdbeben. Raucher essen kleine Kinder und sind schuld, wenn uns demnächst der Mond auf den Kopf fällt.)

So können Sie das nicht sehen!

Freitag, 15. Februar 2008

Gregor Gysi heute im Bundestag zur Krise der IKB und den paar Milliönchen aus dem Steuertopf, mit denen diese Bank vor dem Bankrott gerettet, pardon: aus ihrer Schieflage befreit werden soll: ?Wenn ein ALG II-Bezieher ein paar falsche Angaben macht und dadurch fünfzig Euro im Monat mehr kriegt als ihm zustünden, dann werden wir aber aktiv! Aber wenn Milliarden weltweit verschleudert und verspielt werden, dann gibt es kein Finanzamt, das sich darum kümmert, keinen Staat, der sich darum kümmert.?

Ja, genau so muß man das sehen. Und leider sind es von den dauernden Talkshowgästen und öffentlich Beachteten tatsächlich oft nur die Herren Gysi und Lafontaine, welche die richtigen Zusammenhänge herstellen und dann auch öffentlich aussprechen.

Unsere Damen und Herren Kommentatoren, meist gut bezahlt, werden sich in gut einer Woche wieder wundern, warum ?Die Linke? ins nächste Landesparlament eingezogen sein wird. Und das trotz dessen, was eben dabei herauskommt, wenn man Leute, die immer noch in der DKP sind, auf die eigene Kandidatenliste setzt, mutmaßlich auch aus größter personeller Verlegenheit. Aber was sind schon die abstrusen Worte einer Ewiggestrigen gegen die Taten der Zumwinkels, Essers, Schrempps, Ackermanns und wie sie alle heißen?

Kurzes Gedächtnis

Freitag, 15. Februar 2008

Unsere geliebte Kanzlerin erklärt, was ihrem Nun-nicht-mehr-Postchef Zumwinkel vorgeworfen werde, sei ?jenseits dessen, was ich mir habe vorstellen können?.

Hat die Dame alles vergessen, was sie in der POS und vielleicht auch in mancher FDJ-Schulung gelernt hat?

Neue soziale Marktwirtschaft

Donnerstag, 14. Februar 2008

Postchef Zumwinkel abgeholt, abgeführt, verhaftet. Eine Katastrophe. Denn beim Gedanken an einen Manager hinter Gittern ? wie leicht könnten da die Untertanen, ich meine natürlich: die lieben Bürgerinnen und Bürger, auf den Geschmack kommen.

Zum internationalen Floristenfeiertag

Donnerstag, 14. Februar 2008

? bleibt bewundernd zu bemerken, wie es Amerika gelingt, auch noch im unübersehbaren und sich stetig beschleunigenden Niedergang dieser Nation, anderen seine dußligen Sitten aufzudrücken (wie gleichfalls und -zeitig überdeutlich wird an der auch bei uns auf immer höheren Touren laufenden Verbotsolympiade*). Oder sollte es beim Valentinstag, wie bei Halloween, vor allem ganz einfach um die Befriedigung kommerzieller Interessen gehen?

* Zitat Horst Seehofer