Archiv für Januar 2008

Wer den Schaden hat, den beißen die Hunde (oder so)

Mittwoch, 30. Januar 2008

Drei Tage nach dem Wahldebakel in Hessen (die über fünf Prozentpunkte Verlust in Niedersachsen werden ja allgemein als glänzender Sieg betrachtet) meinen einige Herrschaften aus der CDU, plötzlich Roland Kochs Kampagne gegen Junge, Kriminelle und Ausländer (sowie Schnittmengen daraus) kritisieren zu sollen.

Bemerkenswert und lustig ist das nur, wenn man sich vorstellt, wie Herr Carl-Friedrich ?Ich bin so liberal und auf Konsens bedacht? von Beust jetzt, dreieinhalb Wochen vor der Hamburger Bürgerschaftswahl, auf Junge, Kriminelle und Ausländer verbal eindreschen würde, hätte Koch mit seiner Strategie Erfolg gehabt. Und deshalb ist es, selbst wenn man an Politiker gewöhnt ist, auch zum Kotzen.

Nachtaktivitäten des gemeinen Germanen

Mittwoch, 30. Januar 2008

Passend zum Datum hat die Erregungsmaschinerie mal wieder neues Futter bekommen: In der Nacht zu heute kam einer dieser Ani- in einer dieser Anrufsendungen, mit denen diese Kommerzkanäle zu später bzw. früher Stunde ihr Programm füllen, ein Anrufer unter, der bemerkt haben soll, er sei etwas müde, weil er früh zur Arbeit müsse. ?Daraufhin reagierte die Moderatorin wie folgt: ?Ja, aber komm, da musst du ein bisschen enthusiastisch sein und arbeiten ? Arbeit macht frei?, gefolgt von schrillem Gelächter.?

So ist wunschliste.de zu entnehmen, in dessen Bericht dann das wahrhaft Bemerkenswerte an diesem Vorgang folgt (denn dieser Ani- darf ja wohl unterstellt werden, daß ihr nicht so recht bewußt war, was sie da sagte ? sie wird es einfach irgendwo aufgeschnappt und als belanglose Floskel abgespeichert haben): ?Im Forum des kritischen Portals Call-In-TV.de wurde der Vorfall noch während der Sendung diskutiert. ?So tief kann man gar nicht ins Klo greifen…? war noch eine der freundlicheren Reaktionen auf den Vorfall. Ein anderer User schreibt: ?So etwas kann man nicht aufschnappen. (…) Man sollte doch schon etwas in der Geschichte bewandert sein.?

Es gibt folglich Zeitgenossen, welche ihre nächtlichen Stunden damit verbringen, sich mit öden Anrufsendungen (?Zählen Sie alle Zahlen!?) zu kasteien, bloß um sich danach oder auch bereits derweil im Internet darüber aufzuregen. Faszinierend. Auch wegen der Tradition, welche hier gepflegt wird, denn die Kommentare der vorschriftsmäßig wütend-und-traurigen Gutmenschen (denen über ihre ordnungsgemäße Empörung jede Form von Rechtschreibung entgleitet) offenbaren Blockwartmentalität in unverfälschtester Form: Ihre Eltern haben wahrscheinlich Falschparker denunziert. Und ich mag mir gar nicht vorstellen, was ihre Groß- oder Urgroßeltern so alles getan haben könnten.

So etwas sagt man nicht

Montag, 28. Januar 2008

Mit Blick auf die Avancen von SPD und Grünen in Hessen erklärt Guido Westerwelle, seine Partei solle zum nützlichen Idioten gemacht werden. Dabei sollte man das wirklich nicht sagen: Daß die FDP nützlich ist.

So sehen Sieger aus!

Sonntag, 27. Januar 2008

Christian Wulff ist der strahlende Sieger der niedersächsischen Landtagswahl: Nur lächerliche 5,8 Prozentpunkte Verlust ? solch einen Triumph muß ihm erstmal einer nachmachen! Und der andere Held des Tages? Natürlich Roland Koch. ?CDU siegt in Hessen? konnte man nach der Verkündung des Vorläufigen amtlichen Endergebnisses in den Medien lesen. Was ist schon ein Absturz von 48,8 auf 36,8 Prozent, wenn man am Ende immer noch ein paar hundert Wählerstimmen mehr vorweisen kann als die SPD? Gar nichts, erst recht wenn man unter den Journalisten gute Freunde hat, die viel Geld bekommen und zu allem bereit sind. So war denn auch von ARD aktuell zu erfahren, das lärmende Schweigen unserer geliebten Kanzlerin wäre völlig normal ? Kanzler kommentierten Landtagswahlen nämlich immer erst am nächsten Tag. Klar doch. Die Dame ist ja auch nicht nebenher Vorsitzende jener Partei, die heute in zwei bevölkerungsstarken Bundesländern schwere bis desaströse Verluste hinnehmen mußte. Und im Falle wirklicher Wahlsiege hätte sie sich auch nicht spätestens zur 20-Uhr-Tagesschau vor jede verfügbare Kamera gedrängelt. Nein, sowas hat?s ja noch nie gegeben.

Sonst noch wichtig: Roland Koch ist das bedauernswerte Opfer einer unmenschlichen, schamlosen Diffamierungskampagne (jedenfalls nach Ansicht seines einstigen Adlatus Jung). Niedersachsen könnte demnächst zum GULag umgewandelt werden ? so denn nicht Christian Wulff die Wahl triumphal gewonnen hätte (meint offenkundig selbiger mit Blick auf den Erfolg ?der Kommunisten?). Der FDP ist völlig wurscht, welcher CDU-Landesfürst regiert, Hauptsache, sie darf ein bißchen dabei mitmachen (war faktisch von Vertretern dieses CDU-Wurmfortsatzes zu hören, die als echte Repräsentanten der Umfallerpartei einzig ihre persönliche Karriereplanung im Kopf zu haben scheinen).

Nun das Spannendste: Ob es noch dies Jahr zu vorgezogenen Neuwahlen in Hessen kommen wird oder erst 2009 (die Älteren können sich an 1982/83 erinnern ? wenn sie dies denn können).

Gar nicht spannend: Was aus Roland Koch wird. Zur Not wird die CDU schon irgendein lukratives Pöstchen für ihn finden. Dafür sind Parteien schließlich da.

Jetzt aber rasch, Roland Koch!

Freitag, 25. Januar 2008

Fordern Sie die Todesstrafe für Ausländer!

Nachzutragen …

Donnerstag, 24. Januar 2008

… wäre der Ordnung halber noch, daß die Produktionsfirma von Til Schweigers Megamonstererfolgsfilm nunmehr erklärt hat, man habe sich aber überaus ausgiebig und rechtzeitig um eine fristgerechte Bewerbung zum Filmpreis bemüht, aber ja die (vermutlich einstimmig) beschlossenen ?harten? Maßnahmen gegen böse Videopiraten beachten müssen und wollen, und die angebotenen DVDs mit Wasserzeichen wären von der Filmpreisvergabeverwaltung abgelehnt worden, dann werde auch manch anderes falsch dargestellt, und Til Schweiger sei gar nicht beleidigt, sondern mehr so wütend und traurig oder so, und den Bundesfilmpreis finde man auch ganz dufte, aber … und Millionen begeisterte Zuschauer … Kinder rufen nach Brot … die Raucher sind unser … püh, pfff, schnarch, püh.

Triumph des Brüllens (oder der beleidigten Leberwurst)

Montag, 21. Januar 2008

Weltstar Til Schweiger ließ im journalistischen Premiumprodukt ?Focus? verlauten, er gedenke aus Die Deutsche Filmakademie (ja, eine Einrichtung dieses Namens gibt es wieder) auszutreten, weil Die Deutsche Filmakademie es gewagt habe, seinen jüngsten Super-Mega-Monster-Erfolgsfilm nicht für den von ihr vergebenen Der Deutsche Filmpreis zu nominieren.

Das ist insofern tatsächlich ärgerlich für den Erfolgsproduzenten, Erfolgsregisseur, Erfolgsautor, Erfolgsdarsteller Til Schweiger, als bereits die Nominierung für Der Deutsche Filmpreis mit einem erklecklichen Sümmchen verbunden ist ? übrigens Steuergelder, denn man kann sich doch nicht ganz des Eindrucks erwehren, daß Die Deutsche Filmakademie vor wenigen Jahren vor allem gegründet wurde, damit Der Deutsche Filmpreis (jetzt in gut in der Hand halt- und schwenkbarer Form und nach einem Flittchen benannt) noch unverhohlener von Die Deutschen Filmkünstler untereinander verteilt werden kann ? was eben vor allem bedeutet: Die Gelder zu verteilten, die von Die Deutsche Regierung kommen.

In Hollywood, wo Til Schweiger ja große Erfolge feierte und noch heute ein vielgefragter Star ist, welchen man mit immer phantastischeren Rollenangeboten und Gagen zurückzulocken versucht, könnte ein dermaßen unverhohlenes Grapschen nach dem Preistopf arge Folgen haben: Womöglich würde man Der Deutsche Filmkünstler Til Schweiger nie wieder für den Oscar auch nur zu nominieren gedenken und er den einzigen wirklich weltweit wichtigen Filmpreis bestenfalls kurz vor seinem Ableben erhalten, ehrenhalber.

In Die Deutsche Bundesrepublik steht derlei glücklicherweise nicht zu befürchten. Vielmehr entschuldigte sich Die Deutsche Filmakademie noch heute weitschweifig und untertänigst, wagte dabei darauf hinzuweisen, daß Der Deutsche Filmtitan Til Schweiger es leider versäumt habe, sein Das Deutsche Meisterwerk rechtzeitig (oder womöglich gar überhaupt) zur Scheckvergabe einzureichen und verband dies mit dem Hinweis, daß noch nichts verloren sei ? schon gar nicht das Steuergeld, welches man so fröhlich ausgibt, wie es in Der Deutsche Subventionsstaat und Die Deutsche Subventionsfilmmanufaktur üblich ist: Nächstes Jahr könne er die Kohle immer noch kriegen ? Bewerbung reicht (am Ende formlos?). Die Überweisung schreibt Die Deutsche Filmakademie vermutlich schon mal aus.

Wolfgang Clement ist ein Vorbild

Sonntag, 20. Januar 2008

Was regen sich manche über Wolfgang Clements Wahlkampfgeschrei gegen seine eigene Partei und im Dienste des RWE-Konzerns auf? Ich finde, an dem Mann kann sich jeder ein Beispiel nehmen: Zum einen ist er absolut loyal ? den Leuten gegenüber, die ihn gerade bezahlen. Und zum anderen demonstriert er: Aufsichtsräte tun wirklich was. Wenigstens ab und zu.

Bravo, Nokia!

Donnerstag, 17. Januar 2008

Von Nokia bin ich etwas enttäuscht. Hatte es doch zunächst geheißen, daß das Unternehmen überhaupt nicht mit der Bundes- oder irgendeiner anderen deutschen Regierung über seine geplante Werksschließung reden wolle. Da hatten die Finnen völlig recht. Erstens steht ihr Entschluß offenbar felsenfest, und dies seit Wochen. Zweitens müssen Manager doch nicht ihre kostbare Zeit damit verschwenden, Politiker zu empfangen, die so tun wollen als würden sie etwas tun. Und drittens (und vor allem) zeigt Nokia mit begrüßenswerter Offenheit, wer hier wirklich das Sagen hat.

Der Bock ist der beste Gärtner!

Mittwoch, 16. Januar 2008

Der Bundesminister für unser Inneres möchte ? natürlich nur in ganz, ganz wenigen Einzelfällen ? das Abhören auch von Abgeordneten, Anwälten, Geistlichen zulassen. Es werden Wetten angenommen: Ob erst das Bundesverfassungsgericht dieses Gesetz (Das wievielte eigentlich?) für verfassungswidrig erklären oder bereits der Bundespräsident sich weigern wird, es zu unterzeichnen.

Zu den wichtigsten Aufgaben des Bundesministers für unser Inneres gehört übrigens der Schutz der Verfassung.

Rührend, naiv

Mittwoch, 16. Januar 2008

Nokia schließt sein Mobiltelephonwerk in Bochum. Wie man hört, nicht weil es Verluste macht, sondern weil es nicht so viel Gewinn macht wie man beispielsweise durch die optimierte Ausbeutung von Südosteuropäern einstreichen kann. Entschieden worden war dies dem Vernehmen nach bereits vor Weihnachten, doch erst jetzt wurde es den Beschäftigten mitgeteilt ? nachdem man diese noch kräftig Sonderschichten hatte schieben lassen. Eine demnächst Arbeitslose äußerte sich im Fernsehen darüber empört. Schämen sollten sich die Verantwortlichen. Wie? Scham von Managern, Investoren, Anteilseignern? Und was erwartet die Dame dann von Politikern? Anstand?

Sozialaristokraten

Mittwoch, 16. Januar 2008

Der Berliner Senat hat beschlossen, die Macht der Personalräte drastisch zu beschränken und über Dinge, welche diese bislang entscheiden konnten, fortan letztlich selbst zu bestimmen.

Eine derart gegen die Beschäftigten und ihre Vertretungen gerichtete Politik versteht sich von selbst: Schließlich wird der Berliner Senat von SPD und PDS getragen.

Chapeau, Herr Mehdorn!

Dienstag, 15. Januar 2008

Daß Sie den nun endlich zustande gekommenen Abschluß mit der GDL als Vorwand nutzen würden, um mal wieder die Fahrpreise der von Ihnen geleiteten Bahn AG zu erhöhen, war ja abzusehen. Aber daß dies so umgehend geschehen würde, hatte man doch eher nicht erwartet. Und der angekündigte Kahlschlag beim Service ? pardon, ich meine natürlich: die Optimierung oder wie derlei in PR-Schwatz heißt ? durch einen kräftigen Stellenabbau dürfte für einigen Ärger mit den anderen Gewerkschaften sorgen. Zumal Sie mit denen einen Beschäftigungspakt geschlossen haben, und früher galt ja mal: Verträge müssen erfüllt werden. Aber wozu einem Streit aus dem Weg gehen, zumal wenn die Spielgefährten der letzten Monate erst mal nicht mehr zur Verfügung stehen?

Mein Unwort eines jeden Jahres

Dienstag, 15. Januar 2008

?Unwort?.

Oh wie schnell vergeht der Ruhm der Welt! (2)

Samstag, 12. Januar 2008

Im Laufe des vergangenen Jahres konnte man vor allem eines lernen: Wie unglaublich schnell junge Eisbären wachsen. Wie unglaublich schnell sie daraus folgend vom Macaulay-Culkin-Syndrom erfaßt werden: Sie sind einfach nicht mehr süß. Und wie unglaublich massiv die menschliche Fähigkeit ist, nur das zu sehen, was man sehen will ? zum Beispiel ein lebendiges Plüschtier, wenn man einen großen, dicken, dauernd schmuddeligen Eisbären vor der Nase hat.

Selbiger könnte, wenn er davon wüßte und auch sonst gewisse Begabungen hätte, über welche Eisbären nun einmal gemeinhin nicht verfügen, eine fiese Intrige einfädeln. Droht doch, oh ewiges Schicksal des Alterns, ein jüngerer Artgenosse seinen Platz in der öffentlichen Wahrnehmung und vor allem Gunst einzunehmen.

Aber vielleicht rettet ihn ja der Umstand, daß wir es im Falle des Nürnberger Eisbärbabys auch mit einem wundervollen Beispiel für verkorkstes Marketing zu tun haben: ?Knut? war ja schon gewagt, da es in den englischsprachigen Ländern meist ?Nut? ausgesprochen wurde (und wird). Aber ?Flocke?? Wer soll das international verstehen, wer soll das aussprechen? Und hat man wenigstens überprüft, ob dies nicht in irgendeiner weitverbreiteten Sprache etwas Unanständiges bedeutet?