Archiv für Dezember 2007

Wir wollen nimmer artig sein

Sonntag, 30. Dezember 2007

?Rauchen wird 2008 fast tabu?, plärrt es mir aus den Medien entgegen. Nun denn: Ich war schon immer für Tabubrüche.

Hallo, Roland Koch!

Samstag, 29. Dezember 2007

Wenn die Umfrageergebnisse noch mieser werden, würde ich an Ihrer Stelle einfach wieder Unterschriften sammeln – diesmal gegen kriminelle Ausländer.

Aus den Augen

Freitag, 28. Dezember 2007

Das ging ja noch schneller als erwartet. Nicht einmal die gelangweilten oder frustrierten Journalisten, welche sich den zweiten Feiertag mit Schlagzeilen wie ?Zwangsarbeit für Franzosen? versüßten, können ernsthaft geglaubt ? nun ja, wenn man ehrlich ist und sich überlegt, was heute so alles ? Also: Nicht einmal sie sollten ernsthaft geglaubt haben, daß diese obskuren Mitarbeiter dieser obskuren Organisation auch nur ein Jahr in einem tschadischen Arbeitslager verbringen müßten. Aber daß die Verurteilten so schnell nach Frankreich abgeschoben werden?

Die Eile hat natürlich etwas für sich: Wozu die Sache noch mal aufwühlen, wenn man die Herrschaften in zwei, drei oder sechs Monaten nach Frankreich überstellt? Alles jetzt in einem Aufwasch erledigen, dann haben auch die Franzosen das Problem am Hals, welches sie vermutlich mit gewohnter Eleganz lösen werden. Und vor allem in größtmöglicher Stille. Es genügt ja, wenn manche einmal ihre Profilneurose befriedigen konnten.

Es geht voran

Mittwoch, 26. Dezember 2007

Das ist aber aufmerksam von dem Herrn Bundespräsidenten: Am zweiten Feiertag, wo Weihnachten auch in Deutschland schon fast vorbei ist, beglückt er uns noch mit einem schönen Geschenk. Das Gesetz über die Vorratsdatenspeicherung, so ließ er einem offenkundig allseits bereiten Sprecher erklären, habe er unterzeichnet. Natürlich nach eingehender, nichtsdestoweniger erfolgreicher Prüfung auf Verfassungskonformität. So werden wir ab nächste Woche endlich noch sicherer sein vor bösen Buben und uns die verbleibenden Tage bis zur Apokalypse (oder wie das in der Welt des Bundesinnenministers doch gleich war) noch schöner gestalten können. Da ist es nur recht (wenn auch nicht ganz billig), daß die so umfassend Bespitzelten, pardon: Beschützten, nämlich wir alle, die wir uns der Telekommunikation bedienen, die umfassende Bespitzelung, ach – den Schutz! Den Schutz! … auch noch über unsere Telephonrechnungen bezahlen dürfen.

Danke!

Ihr Killerlein kommet

Montag, 24. Dezember 2007

Das Weihnachtsprogramm des Fernsehens steht ganz im Zeichen unserer auch von diesem Medium im zu Ende gehenden Jahr entdeckten neuen Frömmigkeit: Am Heiligen Abend über drei Stunden lang ?10.5 Apokalypse?, zur geruhsamen Nacht ?Poltergeist?, zur weiteren Hebung der besinnlichen Haltung und tiefster Spiritualität die Actionfilme ?7 Seconds?, ?The Base?, ?Devil Winds? und, mindestens ebenso angemessen, ?Tödliche Weihnachten?, wahlweise das Berufskillerdrama ?Léon ? Der Profi?, das Mafiaepos ?Der Pate?, gefolgt vom Kriegsfilm ?Panzerschiff Graf Spee?, oder ?Ladykillers? gleich in zwei Versionen. Und damit auch am ersten Feiertag die Stimmung stimmt, geht es weiter mit ?Pearl Harbor?, ?Apokalypse Eis?, ?Titanic?, ?Tödliche Nähe?, ?Soldier Boyz?, einem Bruce-Lee- und einem Steven-Seagal-Vehikel, mit ?Für eine Handvoll Dollar? oder ?Die Todesfahrt der Poseidon?. Und am zweiten Feiertag heißt es: ?Armageddon?.

Denn ein solches Programm verlangt ein Volk, welches gerade (wieder) erfüllt wird von tiefster Religiosität.

… und erlöse uns von unserer Konsumunlust

Sonntag, 23. Dezember 2007

Heute beging – zumindest den restlos begeisterten Medien zufolge – tout Berlin das nunmehr unmittelbar bevorstehende Christenfest auf die einzig angemessene Weise: Mit Hardcore Shopping, an welchem einzig zu bedauern blieb, daß es bereits nach lächerlichen fünf Stunden beendet sein sollte. In einem Land, in welchem Religiosität wieder eine so große und ständig weiter wachsende Rolle spielt – wie wiederum den Medien zu entnehmen ist -, eine Selbstverständlichkeit. Weshalb es morgen in die Kirche geht, zum mutmaßlich ersten Mal seit gerade mal exakt einem Jahr. Das verlangt einfach die Tradition – will meinen: das traditionelle Weihnachtswohlfühl- und -folkloreprogramm.

Saudummes Geschwätz (von gestern?)

Dienstag, 18. Dezember 2007

Völlig überraschend hat die hessische Landesregierung den weiteren Ausbau des Frankfurter Flughafens genehmigt. Samt eines hübschen Haufens an Nachtflügen. Obwohl der Herr Ministerpräsident vor der letzten Wahl hoch und heilig versprochen hatte, daß es diese auf gar keinen Fall geben werde.

Fast hätte er sein Ehrenwort gegeben.

Daß er jetzt, kurz vor der nächsten Landtagswahl, so deutlich zeigt, daß verlassen ist, wer sich auf Politikeraussagen verläßt, fand den großen Beifall des Journalistendarstellers, der heute in der Aktuellen Kamera den Kommentar, pardon: ?Kommentar? sprechen durfte.

Schließlich müsse dem wachsenden Flugverkehr Rechnung getragen werden. Und daß dieser noch weiter wachsen könne. Am besten noch schneller als derzeit bereits.

Und das Klima?

Ach, für das haben wir ja neulich fünf Minuten das Licht ausgeschaltet. Außerdem wollen wir fortan nur noch eisbärenrettende Energiesparlampen kaufen. Denn Glühbirnen töten.

… regiert’s sich völlig ungeniert

Samstag, 15. Dezember 2007

Der US-Kongress schickt sich an, ein Folterverbot zu beschließen. Präsident Bush kündigt schon mal sein Veto dagegen an. Warum wundert mich das nicht?

Als nächstes winkt hoffentlich das Winkende Mädchen (in Gold)

Freitag, 14. Dezember 2007

Andreas, pardon: Andi Dresen hat das Bundesverdienstkreuz erhalten. So eine hohe Auszeichnung! Über welche sich der von den Kritikern geliebte ostdeutsche Filmregisseur denn auch dolle freut. Hoffentlich hat er schon mitbekommen, daß es keine ordentliche Prämie zu dem Blech gibt. Manches war früher eben doch besser.

Pyrrhussieg in der Schweiz oder Wenn der Bauch spricht

Donnerstag, 13. Dezember 2007

Erfahrungsgemäß interessiert sich so gut wie niemand in Deutschland für Schweizer Politik. Das ist heute besonders schade, konnte man dort doch heute ein vollkommen irrationales Verhalten beobachten, wie man es gerade den als so verschlafen verrufenen Eidgenossen kaum zugetraut hätte: Ganz offenkundig folgte die Abwahl Christoph Blochers als Bundesrat nicht einer ausgeklügelten Strategie oder sonstigen wohldurchdachten Überlegungen. Nein: Man wollte den Störenfried einfach los sein. Rausschmeißen, abstrafen, endlich das tun, wovon man schon seit langem geträumt hatte. Allerdings dürfte dazu zählen, Blocher nicht länger ertragen zu müssen. Keine einzige Minute. Mit diesem Vorgehen rein aus dem Bauch heraus hat man jedoch nicht nur dies nicht erreicht. Das Ergebnis dürfte sogar das genaue Gegenteil des Gewünschten sein: Des Regierungsamtes entkleidet, braucht sich der Vielgeschmähte überhaupt nicht mehr zurückzuhalten. Und mit dem faktischen Ende der ?Zauberformel? dürfte es in der Schweiz nicht (wieder) ruhiger und harmonischer werden, sondern (noch) rauher und radikaler, zumindest im politischen Geschäft. Für Blochers Erzfeinde von der Linken eine gute Aussicht. Wie für Blochers SVP, die nach kurzer Verstörung noch stärker werden dürfte. Für die Kräfte der Mitte, wie die Sozialdemokraten Verlierer der jüngsten nationalen Wahlen, eine Katastrophe.

Wie das eben so sein kann, wenn man einfach mal alle Fünfe gerade sein läßt und sich ganz seinen Wünschen hingibt.

Wenn jeder an sich selbst denkt …

Donnerstag, 13. Dezember 2007

In einer Geschlossenheit, welche man in aller Regel nur erleben kann, wenn es ums Geld geht, hat der Bundestag einen Antrag der Fraktion der Linken abgelehnt. Vierzig Euro wollten die verantwortungslosen Gesellen Hartz-IV-Empfängern in den Rachen werfen. Als Weihnachtsgeld (was natürlich insofern besonders verwerflich ist, als man doch weiß, daß der einzige Gott, den diese Partei kennt, Lenin heißt).

Angesichts der kürzlich, ebenso geschlossen, beschlossenen Diätenerhöhung soll die Linken-Abgeordnete Kipping die Ablehnung ?beschämend? genannt haben.

Wie? Scham? Anstand? Uneigennützigkeit? Reden wir nicht von Politikern?

Nur eine Frage der Definition

Dienstag, 11. Dezember 2007

Jungen Leuten, Teenagern gar, kann man das heute vermutlich gar nicht mehr vermitteln. Man vermag es sich ja selbst kaum mehr vorzustellen: Was Amerika einmal war. Wie es einmal dastand in der Welt. Das Land der ganz großen Freiheit. Das Bollwerk der Demokratie. Die Führungsnation der Freien Welt. Amerika war Hoffnung und Verheißung. Vorbild, moralisch maßgebend und unfaßbar modern. Und auch wenn das alles schon damals nur bedingt der Realität entsprach ? so blickte man zumindest auf die Neue Welt, zumal aus Europa.

Heute hingegen diskutiert man in den USA allen Ernstes, ganz unverhüllt, die Frage, welche Foltermethoden denn auch als solche zu bezeichnen wären. Was sicherlich ? Sieg der Demokratie ? am Ende der Oberste Gerichthof entscheiden werde, wie uns die in den Medien (im Gegensatz zum Rest der Bevölkerung) noch immer zahlreichen Amerika-Fans treuherzig versichern.

Folter als Definitionsfrage. Als Clinton Sex nicht gleich als Sex ansehen wollte (jedenfalls nicht wenn er mit einer Praktikantin stattfand), war das ja noch drollig. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, was kommt dann als nächstes? Die US-Regierung erörtert die Definition von Atomkrieg? Oder Völkermord?

Kein Anlaß zur Besorgnis

Dienstag, 11. Dezember 2007

Wir basteln uns eine Landesbank ? kleine Provinzpolitiker als große Finanzstrategen. Guckt mal, was wir für tolle Kerle sind! Hoppala, da läuft was aus dem Ruder. Das läuft ja völlig aus dem Ruder. Oh, jetzt müssen wir schnell Geld reinpumpen. Viel Geld. Steuergeld. Eigentlich mehr, als wir uns leisten können. Schulden machen. Aber die Bank pleite gehen zu lassen, käme noch teurer. Und Bürgschaften übernehmen. Wenn?s schief läuft, zahlen noch unsere Kinder dran.

Wenn ich mir die Krise der Sächsischen Landesbank so ansehe? Ich weiß nicht: Irgendwie kommt mir, als Berliner, das alles so bekannt vor ?

Wer Glühbirnen benutzt, ermordet süße Eisbären!

Samstag, 8. Dezember 2007

Heute ist die gesamte Bevölkerungsgemeinschaft dazu aufgerufen, die Welt zu retten – oder zumindest einen wesentlichen Beitrag dazu zu leisten. Natürlich braucht man zum Zwecke des Klimaschutzes nicht auf Kurzreisen, Billigflüge oder das Autofahren zu verzichten, auch für einen Besuch bei einem längst nicht mehr süßen Eisbären im Berliner Zoo legt der wahre Tier- und Naturfreund schon mal Hunderte von Kilometern zurück (und zwar keinesfalls zu Fuß oder Fahrrad). Und richtig schön wird das Leben erst durch einen Zwischenstopp in einer Hamburgerbude, das Betrachten überbordender Weihnachtsbeleuchtung, welche der Einzelhandel und manch Mitbürger am liebsten schon Anfang November einschalten würde, oder ausgiebiges Grillvergnügen, welches natürlich auch künftig in den Umweltzonen stattfinden darf, zu denen demnächst diverse Innenstädte erklärt werden. Denn gerettet wird die Umwelt ja bereits dadurch, daß heute die gesamte Bevölkerungsgemeinschaft für fünf Minuten Blackout spielt.

Angesichts all dessen verdamme ich meine Gedankenlosigkeit: Hätte ich doch nur die Bügelwäsche noch liegen lassen! Aber so ist eben nur ein wenig mehr Einfallsreichtum und Engagement notwendig, um sagen zu können: Ja, ich tue etwas! Für den Schutz unserer Stromversorgung. Heute zwischen 20 und 20.05 Uhr schalte ich so viele elektrische Geräte wie womöglich ein. (Auch zu Ehren von Vivi Bach.)

Dit is Berlin (Neukölln)

Freitag, 7. Dezember 2007

Die Berliner Polizei (www.berlin.de/polizei) meldete gestern:

Streitigkeiten mit Kettensäge und Gartenwerkzeugen

Etwa 20 Angehörige zweier Großfamilien sind heute früh gegen 7 Uhr in der Schöneweider Straße in Neukölln mit Schaufeln, Spaten und einer Kettensäge aufeinander losgegangen. Der Grund für das Zusammentreffen der Männer waren hier unbekannte Streitigkeiten, die schon vor einigen Wochen stattgefunden haben sollen. Beide Familien sind im Gartenbau tätig und setzten heute ihren Streit mit den vorhandenen Werkzeugen fort. Als die Polizei eintraf, waren noch fünf Kontrahenten anwesend, die anderen waren geflüchtet. Die Beamten nahmen die fünf Männer fest. Sie hatten vermutlich durch Spatenhiebe Kopfplatzwunden davongetragen und wurden zunächst ambulant im Krankenhaus behandelt. Mit der Kettensäge, die während der Schlägerei in Betrieb war, wurde aber niemand verletzt. (…)