Archiv für September 2007

Au weia, Eva Herman!

Sonntag, 30. September 2007

Jetzt kriege ich schon Mitleid mit Ihnen. Und das nicht nur wegen inhaltlich und grammatikalisch völlig verkorkster Sätze, die weit unter jenem Intelligenzniveau liegen, welches ich Ihnen bis dato unterstellt hatte. Mit deutlichem Groll kann man den Medien entnehmen, Sie hätten unsere freie, unabhängige, stets objektiv berichtende und nur der Wahrheit und Vernunft verpflichtete Presse ?zum Teil gleichgeschaltet? genannt. Und um zu demonstrieren, wie absurd dieser Vorwurf ist, wird ? natürlich um rein sachliche Information bemüht ? hinzugefügt, der Begriff ?Gleichschaltung? entstamme der Terminologie des Nationalsozialismus.

Also Achtung, liebe BürgerInnen, wenn Sie das nächste Mal über den Nationalsozialismus reden. Denn Begriffe wie ?Konzentrationslager?, ?SS?, ?Wehrmacht? und, ja, sogar ?Nationalsozialismus? entstammen der Terminologie des Nationalsozialismus und brandmarken deshalb jeden, der sie verwendet, als ganz, ganz, ganz, ganz böse.

(Völlig unbedenklich sind übrigens Begriffe wie ?Halbjude?, ?Arier?, ?Arisierung?, ?Drittes Reich? oder, auf Hitler bezogen, ?Führer? ? zumindest wenn man danach geht, wie fröhlich, oft und anführungszeichenfrei sie in unseren Medien verwendet werden.)

Gefühlter schlechter Service ist irrelevant

Samstag, 29. September 2007

Bundesverkehrsminister Tiefensee verteidigt die neuerlichen Preiserhöhungen der Bahn AG. In Wahrheit wären deren Leistungen doch allemal ihr Geld wert, überhaupt würde es dort ganz dufte zugehen. Die Opfer, äh, Kunden sähen das nur immer falsch.

Genau: ?Gefühlte Sicherheit? ist ganz, ganz wichtig. Wenn man munter weiterarbeiten will am Aufbau des Überwachungsstaates. Geht es dagegen um ein staatseigenes Unternehmen, spielen ?gefühlte Preistreiberei? oder ?gefühlter schlechter Service? keinerlei Rolle.

Nieder mit den Nüssen! Tod allen Kartoffeln!

Samstag, 29. September 2007

Aus gegebenen Anlässen fand heute am Berliner Bahnhof Schöneweide ein ?Fest für Demokratie? statt. Die RBB-Abendschau berichtete darüber in jener Weise, die manch ehrenwerte Veranstaltung schwer erträglich macht, gipfelnd in der einige Teilnehmer lobenden Aussage: ?Gartenfreunde finden braun ekelig, nicht nur beim Gemüse.? Jawohl: Nieder mit den Nüssen! Tod allen Kartoffeln! Gute Demokraten essen keine Linsen und dulden in ihrem freiheitlichen Garten keine Zwiebeln! Gib Zuckerrüben keine Chance!

Nur Befehle ausgeführt oder: Speerspitzen der Demokratie

Freitag, 28. September 2007

Die ARD hat sich ziemlich schnell informiert und eines Besseren belehren lassen. Anders im Zentrum der Finsternis: Dort berichtet man seit Tagen nicht über Burma oder Birma, sondern ?Myanmar?. Was die Exilanten und anderen Oppositionellen ungefähr so freuen dürfte, als hätten die Medien in den alliierten Staaten während des Zweiten Weltkriegs statt von Österreich beharrlich von der Ostmark oder den Alpen- und Donaugauen gesprochen.

Aber Ihr beim ZDF macht ja nur Eure Arbeit, gell? Und wenn morgen irgendein schnuckliges kleines Terrorregime erklärt, der Mond heiße ab sofort Krötenpudding, dann werdet Ihr das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch ?

Premiumjournalismus

Donnerstag, 27. September 2007

Gestern wurde in Berlin mal wieder ein neues Einkaufszentrum eröffnet. Ungefähr das sechzigste (kein Scherz). Dank knallharter Recherche konnten die Betreiber verkünden, mit seiner Lage an der Wilmersdorfer Straße befinde es sich an ?Berlins ältester Fußgängerzone?. Und da wir in Zeiten leben, wo der Journalismus immer neue Höhen erklimmt, wurde dies natürlich reihenweise nachgeplappert.

Liebe Journalistenimitatoren, um es ein für allemal zu sagen: Die älteste Fußgängerzone Berlins ist der Alexanderplatz mitsamt der Rathausstraße und der namenlosen (gern auch noch dem Alex zugeschlagenen) Einöde unter dem Fernsehturm, welche sich nördlich dieser erstreckt. Die älteste Fußgängerzone West-Berlins ist die Gorkistraße in Tegel, eingeweiht 1976. Die Wilmersdorfer Straße folgte erst zwei Jahre später.

Also bitte hinter die Ohren schreiben, o.k.? Auch wenn es schwerfällt, etwas zu lernen. Am Ende noch über das Gebiet, über das man dauernd berichtet.

Wir bitten, von Rumpelkammerbesuchen abzusehen

Donnerstag, 27. September 2007

Vielleicht war es einfach so, daß eine gewisse Dame neulich in eine Rumpelkammer geraten und dort über lauter alte Aufkleber gestolpert ist. Die hat sie gesehen und sich gedacht: Auch nach zwanzig Jahren noch brauchbar, und zwar in jeder Hinsicht, wozu das Zeug also verkommen lassen oder gar wegwerfen, hat ja genug gekostet.

Und deshalb gibt es nun wieder eine ?Por?No!?-?Kampagne? (oder so ähnlich). Und das Erregungsfeuilleton hat wieder einmal etwas, mit dem es die ihm noch verbliebenen Seiten und Sendungen füllen kann.

Der Freund von Schweinkram jeder Art (nein, die Aufnahmen sind nicht ästhetisch) wird all dies nicht beachten, obwohl es ihn freuen sollte: Denn geht man davon aus, wie unglaublich erfolgreich der erste Aufguß des Gegackers war und wie sich die Dinge seither entwickelt haben, ist damit zu rechnen, daß Hardcore-Pornos bald im Nachmittagsprogramm des frei empfangbaren Fernsehens laufen, die Tagesschau von barbusigen Blondinen verlesen wird, die Aus- und eben nicht nur Vorführung sexueller Praktiken zu jeder ordentlichen Schauspielerausbildung zählt und Einkaufszentren uns mit Meisterschaften im Mannschaftsmasturbieren unterhalten.

Konsequenterweise wirbt bewußte Dame, die nun auf ihre alten Tage kalten Kaffee noch einmal aufzuwärmen versucht, zugleich für ein bekanntes Boulevardblatt, welches sich seit langem darin gefällt, täglich nahezu nackte Frauen auf der Titelseite abzubilden. Und ihre Freundinnen in gewissen Redaktionen verkaufen dies als Triumph des Feminismus. Nein, natürlich nicht die Ferkelphotos, sondern daß die Oberfeministin empfiehlt, das Ferkelphotoblatt zu kaufen. Was sie doch vermutlich nicht umsonst tut.

Dit is Berlin (7)

Mittwoch, 26. September 2007

In den letzten Monaten häuften sich im öffentlichen Nahverkehr Berlins die Angriffe auf Busfahrer. Aber: ?Wir können auch anders!? Wie eine Meldung der Berliner Polizei zeigt:

Busfahrer griff Fahrgäste an

Wegen eines ?Burgers? ist gestern Abend gegen 20 Uhr 30 in einem BVG-Bus ein Streit zu einer Handgreiflichkeit eskaliert. Der Bus der Linie X 9 stand am Flughafen Tegel, als zwei 22 und 25 Jahre alte Brüder einsteigen wollten. Der Ältere aß noch einen ?Burger?, worauf der 40-jährige Busfahrer ihn aufforderte, den Bus zu verlassen. Nach den bisherigen Erkenntnissen stiegen die Brüder anschließend wieder ein, setzten sich in den hinteren Teil, wurden aber von dem Busfahrer verfolgt, der ihnen Schläge androhte und sie aufforderte, wieder auszusteigen. Die Brüder erwiderten, sie hätten aufgegessen und besäßen gültige Fahrausweise. Trotzdem habe der 40-Jährige dann den 22-Jährigen angegriffen, ihn mit Füßen getreten und ihm mit den Fäusten ins Gesicht geschlagen. Der 25-Jährige habe nun versucht, seinem Bruder zu helfen und wollte den Busfahrer festhalten, bekam aber ebenfalls mehrere Faustschläge ins Gesicht. Erst als andere Fahrgäste hinzueilten und den Fahrer festhielten, ließ er von den Brüdern ab. Ein hinzukommender BVG-Meister verständigte die Polizei. Der Busfahrer klagte anschließend über ein Schwächegefühl und Atemnot und wurde von einer Rettungswagenbesatzung der Flughafenfeuerwehr betreut. Anschließend trat er vom Dienst ab. Bei den Brüdern waren leichte Gesichtsverletzungen sowie Kratzer an Armen und Beinen erkennbar. Sie begaben sich selbst in ärztliche Behandlung. Die Ermittlungen dauern an.

(Quelle: www.berlin.de/polizei)

Eine Kanzlerin mit Rädern untendran (Da bin ich gerne Untertan)

Mittwoch, 26. September 2007

Glaubt man Umfragen, so ist der jeweilige Außenminister stets der beliebteste aller Politiker ? selbst wenn er bis zu seinem Amtsantritt so gut wie unbekannt war. Gar nicht dumm, konzentriert sich die eigentliche Chefin vons Janze angesichts dessen aufs Äußere und schwebt demzufolge in der öffentlichen Wahrnehmung so schön über den Niederungen der (Innen-) Politik. Sollen sich doch zu Hause die Minister zerfleischen ? unsere präsidiale Kanzlerin ist wieder einmal unterwegs, um die Welt zu retten. Nun sogar vor jenem Gremium, das dazu am allermeisten geeignet ist, wie es in den letzten sechzig Jahren unter Beweis gestellt hat: Erstmals, wird in den Medien betont, hat sie ? kaum war im alten Europa ein neuer Tag angebrochen ? vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen gesprochen, also quasi dem Parlament der gesamten Menschheit. Und dabei habe sie ?deutliche Worte? gefunden! Ja, nicht nur Anmut und Liebreiz und Intelligenz zeichnen sie aus, sondern auch Mut, gegen den jener der heiligen Johanna verblaßt. Unsere unabhängige, unbestechliche, freie, kritische Presse ist dementsprechend mal wieder hin und weg vor Begeisterung. Ganz objektiv. Wie schön sie ist! Wie schön sie ist!

Der Transrapid kommt!

Dienstag, 25. September 2007

Und klar wird der veranschlagte Kostenrahmen eingehalten: Öffentliche Projekte, die am Ende mal eben fünfzig Prozent oder sogar doppelt soviel kosten wie zu Beginn kalkuliert, sind ja nun wirklich die absolute Ausnahme! Und dann hat die Industrie auch noch einen Festpreis garantiert. Da kann nichts mehr schiefgehen: Unternehmen, die nach Baubeginn mit Nachforderungen ankommen und versuchen, für ihren privaten Profit die öffentlichen Kassen (noch weiter) zu schröpfen ? sowas hat man doch noch nie erlebt!

Nein, diese Art Turbo-S-Bahn vom Münchner Hauptbahnhof zum Münchner Flughafen (auf dem man dann, wenn man mit dem Hauptbahnhof losfährt, schneller ist, als wenn man da bleibt ? oder wie das in jener wahrlich historischen Stoiber-Rede war) wird mit Sicherheit lediglich lächerliche 1,85 Milliarden Euro kosten und keinen Cent mehr. Und die EU beteiligt sich daran mit soundsoviel Millionen. Auch wenn sie, nach eigener Auskunft, noch gar nichts von ihrem Glück weiß. Zudem beginnt nächstes Jahr der Bau, 2012 fährt das Ding dann. So ist das ja immer mit großen öffentlichen Projekten in Deutschland. Niemand käme auf die Idee, dagegen zu klagen. Und wenn es doch jemand tut, dann ist der Rechtsstreit innerhalb weniger Wochen erledigt.

Diese Drôlerie ist nicht zuletzt deshalb putzig, weil auch in unseren Premium-Qualitätsmedien sogleich verkündet wurde: ?Transrapid beschlossene Sache? ? was eben so dabei herauskommt, wenn man bloß Pressemitteilungen nachplappert.

Und wo sich Edmund Stoiber zum Abschied vom Amt des bayerischen Ministerpräsidenten in den Geschichtsbüchern verewigen wollte mit Realitätsverlust von wahrhaft bemerkenswerten Ausmaßen, da mochte auch die Deutsche Bahn AG nicht zurückstehen: Deren Sprecher erklärte heute, durch die neuesten Fahrpreiserhöhungen werde die Bahn wettbewerbsfähiger. Klar: Nichts kurbelt die Nachfrage bekanntlich so sehr an wie eine deftige Preiserhöhung.

Nieder mit den Grünen!

Montag, 24. September 2007

Die ganze letzte Woche über in den Medien größte Erregung wegen der Grünen. Der schlimme Parteitagsbeschluß, und dann auch noch gegen den Willen des Führers! Pardon: der Führung. Ganze Sendungen, die sie schelten. Verständlich, die Empörung ebenso wie die Verstörung: Prinzipien in der Politik, gar Politik nach Prinzipien ? wo kämen wir denn da hin? Noch böser ist zwar Gregor Gysi, denn der war schon immer gegen Auslandseinsätze unserer tapferen, machtvollen Wehr. Und hat das auch noch gesagt, in aller Öffentlichkeit. Und viele Grüne finden ja auch allein schon den Gedanken an ein imperatives Mandat ganz, ganz doof. Abgeordnete müssen machen und entscheiden können, was immer sie gerade so wollen. Sagen die Grünen jetzt. Doch es nützt ihnen nichts. Im Bundestag sah ein Herr von der Union die Freiheit des Abgeordneten als solchen gefährdet. Eben durch die Grünen, welche folglich ein Demokratierisiko sind. Wieder (meine Güte, welche Ehre ? als hätten wir 1981 und die Grünen wären jung, rebellisch, nonkonformistisch, emanzipatorisch, alternativ). Und der Herr hat zweifelsohne recht: Demokratie heißt doch: Man wählt jemanden, am besten per Liste, also nicht mal persönlich, und der macht dann, was er will. Und vor allem seiner Partei gefällt, die ihn ja wieder aufstellen und für seine Wiederwahl sorgen muß. Und in der Zwischenzeit soll das doofe Stimmvieh den Herrschaften Abgeordneten gefälligst nicht in ihre schwere Arbeit quatschen.

Die Gesetze müssen dem Handeln entsprechen (nicht etwa umgekehrt)

Sonntag, 23. September 2007

Jawoll, wir brauchen eine Lex Jung! Normalerweise ist so eine Lex irgendwer ja ein Gesetz, das man macht, damit jemand Bestimmtes einen Vorteil daraus zieht. Mit dem vorliegenden Falle aber stößt unsere geliebte große Koalition vor in neue Dimensionen: Der Herr Bundesverteidigungsminister möchte, aber zack, zack, eine Verfassungsänderung, damit Befehle, welche er möglicherweise gibt, auch mit der Verfassung übereinstimmen. Daß ebendies der Fall wäre, darauf müßten sich die Piloten, die mal eben auf des Herrn Ministers Geheiß Passagierflugzeuge, womöglich über dichtbesiedelten Gebieten, abknallen, verlassen können.

Dies sollte man konsequent weiter führen: Ein Minister findet, Korruption hat viele Vorteile? Gesetzesänderung! Ein Richter möchte endlich mal Todesurteile verhängen? Na, da müssen wir eben die Verfassung ändern! Die Kanzlerin will sich zur Kaiserin krönen? Verfassungsänderung! Deutschland soll umbenannt werden in Bananistan? Ja ? kreative Buchführung war gestern. Heute ist kreative Gesetzgebung.

Und schön übrigens, daß der Inspekteur der Luftwaffe erklärt, seine Männer seien in blindem Gehorsam geübt. Natürlich hat er das nicht wörtlich gesagt, aber sinngemäß: Sie würden bestimmt nicht zweifeln, zögern, sich womöglich widersetzen. Sondern schön auf den Knopf drücken, wenn man es ihnen sagt. Ja, das ist genau eine der Lehren, die man aus der deutschen Geschichte ziehen sollte: Immer schön, ohne nachzudenken und vor allem ohne Skrupel oder gar Widerspruch, tun was einem befohlen wird. Und hinterher dann auf ebendiese Befehle verweisen. Welche natürlich wiederum niemand gegeben hat, jedenfalls so nicht. Genau so sind sie ja die vielen Toten zustande gekommen. An der Mauer. (An welchen Sozialismus hatten Sie denn gedacht?)

Werden und Sein

Samstag, 22. September 2007

Hurra, es wird mal wieder ein jeder gezählet! Nun ja, nicht ganz, wie uns erklärt wird. Bei der jetzt angekündigten Volkszählung soll bloß noch ein Teil der Untertanen befraget werden. Natürlich nur, damit wir endlich besser regiert werden können und die heilige Obrigkeit perfekter für uns sorgen kann, wenn sie denn endlich all unsere Nöte und Probleme, Bedürfnisse und kleinen Sorgen kennt. Weshalb sich die Bundesrepublik spätestens ab zirka 2012 in ein wahres Paradies verwandeln dürfte.

Nicht nur deshalb ist es auch ganz richtig, wenn es heißt, solche Ungezogenheiten der Untertanen wie anno 1987 seien diesmal unnötig. Was zweifelsohne stimmt. Kann doch die nächste Volkszählung vor allem als nicht ganz preiswerte, dafür aber wirklich sehr lustige Ablenkungsmaßnahme betrachtet werden: Der Staat tut so, als gäbe es Datenschutz und als hätte er nicht sowieso längst alles von seinen Bürgern und über sie erfaßt ? den jetzt noch nicht gespeicherten Rest erledigt dann die totale Überwachung der elektronischen Kommunikation ab 2008.

Weshalb man mit Fug und Recht sagen darf: Ja, die Verhältnisse sind ganz anders als vor zwanzig Jahren. Heutzutage muß wahrlich niemand mehr befürchten, daß er zum gläsernen Untertanen wird und die Bundesrepublik zum Überwachungsstaat.

Selbstverschuldete Unmündigkeit (2)

Freitag, 21. September 2007

Höchste Aufregung, mutmaßlich gar Suizidalarm in manch Kinderzimmer, soll unter den Anhängern einer bekannten Bubiband herrschen, seit (mal wieder) das Gerücht die Runde macht, deren Front-, äh, Person solle, könne, müßte schwul sein. Schlimmer noch: Habe sich dazu bekannt.

Der Schauspieler Rupert Everett hat vor Jahren, noch bevor er auf die Rolle als schwuler bester Freund der jeweiligen weiblichen Hauptfigur abonniert wurde, in einem Interview geäußert: Für seine Karriere sei es nicht so schlimm, daß seine Homosexualität publik wurde. Denn die meisten seiner Fans seien erwachsen. Schlimm wäre es ? unter Karrieregesichtspunkten ?, wäre beispielsweise Brad Pitt schwul. Denn Teenies würden sagen: ?Der ist schwul? Heißt das, der würde nicht mit mir schlafen?? Wären die Frauen älter, hätten sie begriffen, daß ihr Star sowieso nicht mit ihnen schlafen würde, einerlei welches Geschlecht er bevorzugt.

Wie gesagt: Das war vor Jahren. Ein bißchen dumm glaubt man ja immer noch an Dinge wie Weiterentwicklung und Lernfähigkeit. Und muß sich deshalb ernsthaft fragen: Wie unerwartet, nein: unfaßbar doof sind Vierzehnjährige in Mitteleuropa offenkundig auch heute noch? Und zwar nicht nur ein bißchen.

Selbstverschuldete Unmündigkeit (1)

Donnerstag, 20. September 2007

Zu Recht bezieht Gabriele Pauli Prügel für ihren Vorschlag, Ehen künftig mit einer Art Verfalldatum zu versehen. Ist er doch bei weitem nicht konsequent genug. Schaut man sich die Vorstellungen an, die hinsichtlich trauter Zweisamkeit noch immer durch die Gegend und die Gesellschaft wabern, war klar, daß eine solche Idee einen entsetzten ? empörten ? entschieden ablehnenden Aufschrei hervorrufen würde. All jenen, die sich mit ihren romantischen Phantasien die Gehirnwindungen verkleistert haben, sollte deshalb als einzig konsequente Alternative angeboten werden: Ehe auf Lebenszeit. Ohne jegliche Rücktrittsmöglichkeit. Keine Scheidung. Auch nicht bei Ehebruch, Wahnsinn, Fußpilz, was weiß ich. Staatlich garantierte Verbundenheit samt möglichem dekadenlangen Dahindämmern Seite an Seite. Und im Falle einer ?Scheidung auf italienisch?, wie sie einstmals berüchtigt war, lebenslanges Verbot der Wiederverheiratung. Klarer denkende Menschen hingegen können die Vorteile der Ehe auf Zeit genießen: Bei der man sich nach einigen Jahren immer wieder aufs Neue für die Partnerschaft entscheiden muß. Was man ja auch in der einen oder anderen Weise feiern kann. Und wenn man nicht mehr mag, wenn man den anderen womöglich gar schon länger nicht mehr gesehen hat ? vielleicht weil man ihn einfach nicht mehr sehen kann ?, dann läuft die Sache eben aus, hoffentlich sang- und klanglos, ohne die bislang üblichen Dramen.

Och nö, Herr Wowereit!

Mittwoch, 19. September 2007

In Ihren Memoiren, die momentan in einer großen Boulevardzeitung auszugsweise vorabgedruckt werden, lassen Sie sich vernehmen:

Früh eignete ich mir eine ökonomische Arbeitsweise an. Ich tat das Nötige, aber nur selten mehr.

Das ist für all Ihre Gegner nun wirklich eine zu wohlfeile Vorlage.