Archiv für August 2007

Zehnter Todestag

Freitag, 31. August 2007

Das einzige, was die Verschwörungsfreunde befriedigen könnte, ist selbstverständlich, daß hochoffiziell erklärt wird, die Prinzessin sei tatsächlich einem Mordkomplott zum Opfer gefallen (wobei natürlich nicht die Frage geklärt zu werden braucht, wie es gelang, sie zu zwingen, sich nicht anzuschnallen), daß als dessen hinterste Hintermänner die Königin und ihr Gemahl ausgemacht wurden und man dann beide live im Fernsehen hinrichtet.

Woraufhin es etwa eine Stunde dauern dürfte, bis sich im Internet die ersten Verschwörungsfreunde zu Worte melden, die eindeutige Beweise oder zumindest höchstverdächtige Indizien dafür meinen vorbringen zu können, daß die Exekution lediglich eine Inszenierung war.

Die Kontrollen greifen

Donnerstag, 30. August 2007

Wunderbar: Ohne jede Störung, offenkundig gar ohne jeden Zweifel, können ARD und ZDF ihre Programme mit stundenlangen, teuer erkauften Übertragungen von Überstöckchenspringen, Dingeindiegegendwerfen, Hüpfen oder Rennen am anderen Ende der Welt füllen. Denn bei der Leichtathletik, da war das schlimme Doping vermutlich nie ein großes Problem, nun aber ist es in jedem Falle durch umfassende Pipiproben und andere Kontrollen verunmöglicht worden. Die Radfahrer sollten sich daran ein Beispiel nehmen. (Die Gewichtheber haben das eher nicht nötig, denn die sehen nicht so aus, daß man mit ihnen endlos die üblichen Riefenstahl-für-Arme-Bilder verfertigen und sie zu besseren Menschen stilisieren könnte.)

Die schärfsten Kritiker der Elche…

Mittwoch, 29. August 2007

?sind immer noch welche! US-Senator bei (naturgemäß homo-) sexuellem Kontaktversuch auf Flughafentoilette erwischt. Erklärt jetzt, daß er sein offizielles Schuldeingeständnis für ungültig erklären lassen wolle und im übrigen ganz bestimmt nicht schwul sei. Schließlich profilierte er sich schon in den Neunzigern als scharfer Gegner von Homo-Ehe, Anti-Diskriminierungs-Gesetzgebung usw. und diente sich eifrig bei konservativen Einpeitschern an.

Nein, ich kann da keinen Hohn verspüren. Auch keine Schadenfreude. Es macht mich nur müde, daß sich Gestalten, welche sich als ganz besondere Moralapostel und Hüter irgendeiner angeblichen Sittsamkeit gerieren, immer wieder als heimliche Nascher der von ihnen verbotenen Früchte entpuppen. Und daß die Öffentlichkeit daraus nichts lernt: Leuten, die ihre vorgebliche Ehrbarkeit fortwährend wie eine Monstranz vor sich hertragen, sollte man größtes Mißtrauen entgegenbringen.

Aber insbesondere einem Land, wo Menschen offenbar zum Versteckspiel gezwungen werden und wo die Polizei nichts Besseres zu tun zu haben scheint, als kleine Ferkeleien zu provozieren, kann man sowieso nur noch tiefes Mitleid entgegenbringen.

Zur Kunst der Verbalinjurie oder Beleidigen will gelernt sein

Sonntag, 26. August 2007

Am jüngsten Spieltag der Fußball-Bundesliga soll der Dortmunder Torwart Roman Weidenfeller den Schalker Spieler Gerald Asamoah in der Hitze des Gefechtes als ?schwarzes Schwein? tituliert haben. Was man natürlich nicht tut. Als besonders verwerflich und unfaßbar rassistischer Exzeß wurde allgemein jedoch nicht betrachtet, daß Herr Weidenfeller Herrn Asamoah mit einem, zumal als unsauber geltenden, Tier gleichgesetzt hat, sondern dessen farbige Erscheinung auch noch jener des Beschimpften gleichen sollte. Als weniger schlimm befand man es, hätte Herr Weidenfeller statt von einem schwarzen von einem schwulen Schwein gesprochen. Sicher weil die Herrschaften beim zuständigen DFB-Gremium davon ausgehen, daß Herr Asamoah keine homosexuellen Neigungen hegt oder gar pflegt. Dies nun rief freilich wieder gleichgeschlechtlich orientierte Berufsbetroffene auf den Plan, welche sich darüber empörten, daß ?schwul? als weniger schlimm erachtet werde denn ?schwarz? ? also, auf dem Verbalinjurienindex, wenngleich sich die Frage stellen könnte, warum es denn überhaupt irgend jemand so schlimm zu finden scheint, das eine oder (oder gar und) das andere zu sein. Des weiteren könnte man fragen, was passiert wäre, wenn Herr Weidenfeller Herrn Asamoah ?grünes Schwein? genannt hätte? Oder, noch besser, ?violette Maus?? Und was erst einmal, wenn der Adressat wirklich schwul wäre? Oder es noch keine Fernsehgroßaufnahmen von jeder Szene jedes Bundesligaspiels gäbe, die man schön aufzeichnet und dann immer und immer wieder hervorholen kann? Der Torwart hätte Herrn Asamoah also einfach ?Du Schwarzer, du!? entgegenschleudern sollen. Oder eben ?violette Maus?.

Denn merke: Die Beleidigung muß immer möglichst weit von dem tatsächlichen Zuschnitt des Beschimpften entfernt, am besten gar so absurd sein, daß dieser sich zwar irgendwie angegangen fühlt, selbiges aber für ein Gericht nicht recht greifbar wird. Dann löst sich die Sache spätestens in der zweiten Instanz in Luft auf.

P.S.: Herr Asamoah soll übrigens nach dem Spiel berichtet haben, Herr Weidenfeller habe sich bei ihm entschuldigt und er, Asamoah, hoffe, daß die Angelegenheit für den Kollegen keine allzu argen Folgen haben möge. Das war bevor die Empörungsmaschinerie angeworfen wurde, die darauf natürlich keine Rücksicht nehmen konnte. Schließlich handelte es sich bei Herrn Asamoah nur um den Beschimpften.

Neuer Rekord! Auch in Sachen Qualitätsjournalismus!

Samstag, 25. August 2007

Die RBB-Abendschau berichtete heute über ein bedauerliches Unglück im Berliner Bahnhof Albrechtshof, bei dem von drei Schülern einer ums Leben kam: ?Sie kürzten den Weg einfach über die Gleise ab. Als der ICE nach Hamburg mit rund eintausend Stundenkilometern heranrauschte.?

Wow! Das ist ja mal ?ne Neuigkeit: Bei der Deutschen Bahn verkehren jetzt Züge, offenbar sogar regulär, mit eintausend Kilometern in der Stunde Höchst-, Regel-, Mindestgeschwindigkeit? Das ist nicht nur fast doppelt so schnell wie der momentane Weltrekord für Schienenfahrzeuge, das bewegt sich auch im Bereich von Düsenflugzeugen.

Die Politik handelt

Freitag, 24. August 2007

Der mit viel Tamtam verkündete Beschluß unserer geliebten Bundesregierung, über manche Probleme demnächst nochmal zu sprechen, erschien offenbar selbst dem sonst so zurückhaltenden Herrn Schönenborn als eine solche Zumutung seiner Intelligenz, daß er heute in den Tagesthemen leicht ungehalten wirkte. Und sich an Potemkinsche Dörfer erinnert fühlte.

Noch brillanter freilich die großartige Entscheidung, ausländische Studenten fortan nicht mehr sofort nach Abschluß ihres Studiums des deutschen Landes verweisen zu wollen. Menschen studieren zu lassen, kostet die Allgemeinheit bekanntlich ein erkleckliches Sümmchen. Und dann schmeißt man sie, nachdem sie sich auf unsere Kosten all das wertvolle Wissen erworben haben, raus? Treibt sie beispielsweise nach Amerika? Das war eine Regelung, welche gewisse Zweifel am Verstand der Verantwortlichen wecken konnte. Unsere Bundesregierung hat dies messerscharf erkannt und daher beschlossen: Künftig müssen die Studierten erst nach drei Jahren gehen.

Ich verweise auf den Titel dieses Blogs.

Kommiwahr hat entschieden

Donnerstag, 23. August 2007

Herr Bienvenu Mbutu Mondondo ist ein ? ach du liebe Zeit, welches ist denn diese Woche der politisch einzig korrekte Begriff? Ach ja: maximal pigmentierter Mitbürger. Mit Migrationshintergrund. Daß er die gesamte Schändlichkeit des Hergé-Klassikers ?Tintin au Congo? erst erkannte, nachdem er vor zwanzig Jahren migriert war, nämlich nach Belgien, darüber wurde heute in den Tagesthemen berichtet. Weshalb man auch Herrn Bienvenu Mbutu Mondondos Klage gegen diesen Comic samt Versuch, ihn irgendwie verbieten zu lassen, da er nicht den aktuellen Maßgaben gewisser ganz gewiß ganz wichtiger Kommissionen entspricht, viel Verständnis entgegenbrachte. Obwohl man im Kongo lauter ? Eingeborene darf man doch bestimmt auch nicht mehr sagen? Also lauter Natives traf, welche erstens nicht wußten, was an dem diverser Jahrzehnte alten Buch so schlimm sein soll ? Comics neigten nun mal zur Überzeichnung ?, sich zweitens über die Publicity für ihr Land freuten und drittens auf das Werk sogar noch stolz waren. Herr Bienvenu Mbutu Mondondo konnte sich darüber gar nicht freuen. Er beklagte vielmehr, im Brüsseler Afrikamuseum stehend, es werde der Eindruck vermittelt, Schwarzafrikaner wären hauptsächlich damit beschäftigt, sich gegenseitig umzubringen. Eine Vorstellung, auf die ohne böse Bücher oder miesmacherische Museen nun wirklich niemand verfallen könnte.

Doch ein Happy End ist in jedem Falle garantiert: Früher oder später wird die Justiz schon das gewünschte Urteil fällen. Mindestens als jugendgefährdend indiziert, dürfte der Band dann noch mehr Leser finden, denn bekanntlich gibt es ja keine bessere Werbung als ein Verbot, was nicht nur den Hergés Verlag und Erben freuen wird, sondern auch die am Kongo gebliebenen Kongolesen, welche sich dem Vernehmen nach ein erkleckliches Zubrot durch das Basteln von Tintin-Devotionalien verdienen. Und Herr Bienvenu Mbutu Mondondo ist mal in den Medien gewesen.

(Übrigens: Wo bleibt eigentlich die Schwarzenquote bei Ampelmännchen? Und demnächst -frauchen?)

So etwas tut man nicht

Mittwoch, 22. August 2007

Man läßt sich nicht zur Eröffnung eines schönen neuen Stadions einladen und besiegt dann die Gastgeber. Schon wieder. *LOL* Nein, wirklich: Guter Benimm hätte zumindest ein Unentschieden geboten.

Das habt Ihr nun davon!

Dienstag, 21. August 2007

Also ganz so auffällig möchten sich gewisse Parteien nun doch nicht aus der Staatskasse bedienen, heißt es heute. Der eine oder andere kleine – oder auch nicht so kleine – Zuschlag MÜSSE jedoch sein. (Schließlich können ja nicht alle die steigenden Lebenshaltungskosten so problemlos wegstecken wie Rentner, Hartz-IV-Empfänger oder viele Arbeitnehmer, die seit Jahren mit schrumpfenden Realeinkommen leben.) Insbesondere da den Parteien einerseits die Mitglieder wegliefen oder wegstürben, andererseits kaum mehr neue hinzukämen.

Bravo! Das hat das blöde Stimmvieh nun davon! Wenn es nicht brav in unsere glorreichen Parteien eintritt und noch braver Mitgliedsbeiträge abdrückt, dann holt man sich die so entgangene Kohle eben einfach aus der Staatkasse. Wozu sitzt man an der Quelle? Wozu leben wir in einer Parteienherrschaft?

Und das Gejaule von Rentnern möchte ich in diesem Zusammenhang auch nicht mehr hören: Es ist doch jeder selbst schuld, wenn er nicht bei Zeiten in die Politik gegangen ist! Die Partei sorgt schon für ihn – wie gewisse Familien. Nur immer schön alles mitmachen, und wenn es einem noch so gegen den Strich (oder den simplen menschlichen Anstand) geht, dann wird man niemals fallen gelassen, nicht mal, wenn man den größten Bockmist verzapft hat. Schlimmstenfalls liegt der Versorgungsposten, den man zugeschanzt bekommt, im Schatten. Schön unauffällig. Aber kaum weniger lukrativ.

Besonders wertvoll. Und realistisch!

Montag, 20. August 2007

Schaue mir gerade in der ARD einen künstlerisch wertvollen, also ausgesprochen tristen und – zumal da aus Deutschland stammend – nicht besonders unterhaltsamen Film an: Frustrierte Kassiererin beginnt Bumsbeziehung mit einem Abiturienten. Sehr realistisch: Der junge Herr soll so Anfang zwanzig sein. Zudem sieht er eher aus wie Ende zwanzig. Die Kassererin läßt ihn, vor den Augen von Kunden wie Kollegen, eine Schachtel Zigaretten klauen (immerhin: in dem Film wird erfreulich viel geraucht). Dann macht sie einfach Pause. Die Schlange stehenden Kunden müssen ihre Waren wieder vom Laufband räumen. O.k., das ist nicht realistisch: Verschärfte Ausbeutung kann ja auch ihre Vorteile haben, zB daß man als Lohnsklave nicht mehr so mit Kunden umspringen kann. Außer natürlich in der Phantasie deutscher Filmfuzzis. Zumal die, wie ich jetzt sagen würde, wollte ich böse sein, denkbar wenig praktische Erfahrung aus der Arbeitswelt haben.

Woher kommt bloß die Politikverdrossenheit?

Montag, 20. August 2007

Wenn ich es recht verstehe, wollen sich CDU/CSU und SPD einen noch kräftigeren Schluck aus der Parteienfinanzierungspulle gönnen als ohnehin schon geplant.

Wunderbar! Denn Leistung muß sich wieder lohnen, exzellente Arbeit belohnt werden. Und was man mit dem Geld alles machen kann! Noch mehr Pressemitteilungen, Reklamebriefchen und -heftchen, sinnlos verschwendetes Papier produzierende Mitarbeiter, ergebnisfreie Tagungen von Arbeitsgruppen und Kommissionen und ganz, ganz viele Billigkugelschreiber, Luftballons und Fähnchen für das doofe Stimmvieh?

Da man Prioritäten setzen muß, kann gleichzeitig insbesondere die CDU/CSU – in Gestalt ihres Bundestagsfraktionschefs – nicht erkennen, weshalb man den Hartz-IV-Satz erhöhen sollte. Natürlich nicht: Aus den knappen öffentlichen Kassen sollten eben immer jene zu allererst bedient werden, die es am allerdringendsten brauchen. Insbesondere wenn sie sich selbst bedienen können.

Dreißigster Todestag

Sonntag, 19. August 2007

…der wirklich wichtig ist: Auch nach exakt drei Dekaden bin ich untröstlich über das Dahinscheiden von Groucho Marx. (Dessen Film- und Fernsehauftritte zumindest im freiesten Land der Welt sicher bald in den Giftschrank wandern werden. So man ihm nicht digital eine Möhre in jene Körperteile retuschieren kann, in denen meist eine Zigarre steckte.)

Wenn jeder an sich selbst denkt…

Samstag, 18. August 2007

Letzte Woche gab es einige Aufregung wegen Politikerpensionen, die bereits deutlich gestiegen sein und munter weiter steigen sollen. Wüßte man nicht um die oft beklagte Neidkultur in unserem Lande, wäre dies völlig unverständlich: Es ist doch schön, daß man sich, in Zeiten schrumpfender Renten und steigender Altersarmut, wenigstens um einige Mitmenschen keine Sorgen zu machen braucht!

Es gibt auch gute Nachrichten!

Freitag, 17. August 2007

Einem Fachblatt für Konsumenteninformation (vulgo Anzeigenzeitung) ist zu entnehmen: Von Henna-Tätowierungen, wie sie in vielen Urlaubsländern – insbesondere an den Stränden – angeboten würden, sei abzuraten. Werde doch dem Henna für das Aufmalen rasch vergänglicher Bildchen auf die Haut vielerorts Paraphenylendiamin als Farbverstärker beigemischt. Was eine lebenslange Allergie auslösen könne. Und zwar nicht nur bei all jenen, die sich die Bildchen ansehen müssen. (Ich verweise in diesem Zusammenhang auf den ebenso wundervollen wie klassischen Text “Ornament und Verbrechen” des Adolf Loos.)

Laut dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (www.kinderaerzte-im-netz.de) bekomme jeder fünfte bis sechste Träger von schwarzen Henna-Tattoos eine Allergie. Die allergische Reaktion trete freilich erst nach vier bis dreißig Tagen auf, wenn die Bilder bereits verblaßt seien, äußere sich in Juckreiz, Rötungen, Knötchen und Bläschen und könne bis zum gnädigen Tod des Betroffenen immer wieder auftreten, und zwar durch verschiedenste Faktoren ausgelöst.

(Da rede noch jemand von billigem Touristenramsch: Hier bekommt man richtig was für sein Geld!)

Zum Gegacker gewisser Gestalten

Donnerstag, 16. August 2007

…fällt mir nur ein:

Denn Theben war für Memphis
das, was Lausanne für Genf is.