Archiv für Juli 2007

Zum Tode von Ingmar Bergman (2)

Dienstag, 31. Juli 2007

Es lohnt sich aber wirklich, auch zum Tode des Schweden jenes moderne Orakel namens Internet zu befragen: Einfach mal “Ingmar Bergmann” in die Suchmaschine eingeben – und sich darüber freuen, wie viele Seiten angeblicher Experten gefunden werden, welche nicht einmal den Namen dieses doch nicht ganz unbekannten oder unbedeutenden Regisseurs richtig schreiben können.

Warum wundert es mich nicht, daß darunter auch die “Süddeutsche Zeitung” auftaucht?

Zum Tode von Ingmar Bergman

Montag, 30. Juli 2007

Ein kleines Rätsel: Aus welcher anspruchsvollen Qualitätszeitung (Premiumprodukt!) stammt die denkwürdige Passage “‘Mach’s noch einmal, Sam’ möchte man sagen, so wie Ingmar Bergmann in ‘Casablanca’ zu Humphrey Bogart gesagt hat.”?

Falls es Ihnen gelingen sollte, noch mehr Fehler in einem einzigen Satz unterzubringen, melden Sie sich! Und nein – natürlich hat das vor Drucklegung nicht noch einmal jemand gelesen (die Personalkosten! Wenn man hier nicht spart, wo soll dann das Geld für die ganzen Geschäftsführer, Frühstücksdirektoren, Berater und Relauncher herkommen?). Und wenn doch, dann ist ihm nichts aufgefallen – angesichts der weltberühmten schauspielerischen Leistungen von Ingmar “Bergmann”, auch und gerade als Partnerin von Humphrey Bogart.

Alles mit rechten Dingen

Sonntag, 29. Juli 2007

In Amerika soll jetzt ein Footballstar angeklagt werden, weil er an illegalen Hundekämpfen beteiligt gewesen sein soll. Also: An deren Durchführung. Die Tiere seien schlecht behandelt worden.

Da kann man mal wieder sehen, daß doch alles mit rechten Dingen zugeht in Gottes eigenem Land: Wer einen Hund schlecht behandelt, bekommt die ganze Härte des Gesetzes zu spüren! Schließlich kann man mit so einem Tier nicht umgehen wie mit einem Orientalen.

Mißverhältnis

Samstag, 28. Juli 2007

Ungefragt fand ich dieser Tage in meinem Briefkasten die aktuelle Ausgabe der “Zeit”. Genauer: Jener seit einigen Jahren verbreiteten Parodie der einstmals ernstzunehmenden Wochenzeitung. Ein gewisser Nutzwert ist natürlich immer noch vorhanden: Für 3,20 Euro bekommt man eine Menge Papier, um nasse Schuhe auszustopfen und dergleichen. Dennoch: Wenn ich noch einen Sechser rauflege, kriege ich fürs gleiche Geld eine Schachtel mit immerhin siebzehn Zigaretten im Vierbuchstabenmarkt. Und die ist meiner Gesundheit, ohne jeden Zweifel, bei weitem zuträglicher.

Qualitätsjournalismus

Freitag, 27. Juli 2007

Die Aktuelle Kamera widmete heute einen ganzen langen Bericht dem Umstand, daß NASA-Astronauten (auch?) vor Start ihres Raumschiffes zuweilen zu tief ins Glas geguckt haben sollen. Dieser unfaßbare Skandal, dem eigenartigerweise kein entsprechend erregter Kommentar über die Dynamik eines Reissacks in China folgte, ist natürlich viel wichtiger als was man am Morgen (mitteleuropäischer Zeit) auf CNN erfahren konnte: Der US-Justizminister scheint auf dem besten Wege, angeklagt zu werden, weil er vor einem Kongreßausschuß gelogen hat. Überhaupt wird zumindest in den elektronischen Medien hierzulande bestenfalls mal am Rande bemerkt, wie unbeliebt dieser unsägliche Präsident, seine Politik und insbesondere sein Krieg mittlerweile sind. Nein, nicht überall auf der Welt, das wäre ja wirklich nichts Neues. Sondern nun auch in den USA. Die Absetzbewegungen von Bushs eigenen Parteifreunden erwecken den Eindruck zunehmender Panik, was von jenem jämmerlichen Darsteller eines Führers der freien Welt quittiert wird durch hartnäckigste Beratungsresistenz. Und nun womöglich auch noch eine Anklage gegen ein Regierungsmitglied. An welchem der Herr, gegen den, ginge es nach den Grundsätzen von Anstand, Moral und Völkerrecht, selbst ein Verfahren eingeleitet werden sollte, selbstredend festhält.

Aber bei ARD aktuell, diesem Hort deutschen Qualitätsjournalismus, für den gar nicht genug Gebühren gezahlt werden können, hat man natürlich recht, wenn man derlei einfach ignoriert: Ein hochrangiger Politiker, Minister gar und zudem Amerikaner, der schamlos lügt und generell ein Gauner ist – derlei ist ja wahrhaft absolut unvorstellbar.

Ich bewundere Oskar Lafontaine

Freitag, 27. Juli 2007

…waren doch gestern in “Panorama” gleich drei Journalisten nötig, um mal wieder nachzuweisen, was für ein Böser er ist – und damit auch seine Partei, vor der man bei CDUCSUFDPSPDGrüne panische Angst zu haben scheint. Als Experten, wenn nicht gar Kronzeugen, angeführt wurden neben anderen Wolfgang Weimer, Jürgen Falter und irgendein Papst-Gefolgsmann.

Der hehre Zweck der Verdammung rechtfertigte mal wieder alle Mittel, und so wurde selbst das trübe Verhalten der bundesdeutschen Justiz gegenüber Kommunisten und anderen Unliebsamen in den fünfziger und sechziger Jahren mal eben für vollkommen einwandfrei und rechtsstaatsgemäß erklärt – wenn die Robenträger, die mit dem Rotenjagen in aller Regel ja schon vor 1949 Erfahrungen gesammelt hatten, das noch hören können, droht ihnen sicherlich ein Herzschlag vor lauter Lachen.

Apropos Rechtsbeugung und apropos Verrat: Immerhin nahm sich das Magazin dann noch einer weiteren Blüte des mittlerweile bundesweit berüchtigten und von diversen Gerichten für rechtswidrig befundenen Treibens der Hamburger Ausländerbehörde an – christlich-demokratischer Politik, welche die schlimmsten Vorurteile gegen Christen bestätigt. Wirklich interessant ist daran allerdings nur, wie dies auch nach den nächsten Bürgerschaftswahlen weitergehen wird. Vermutlich braucht die CDU dann einen Koalitionspartner, aber schon jetzt liefern sich SPD und Grüne einen erbitterten Wettkampf darum, wer sich brechreizerregender bei den Rabenschwarzen anbiedert. Warum sollten diese Parteien auch nicht danach streben, nach dann sieben mageren Jahren endlich wieder an die fetten Fleischtöpfe heranzukommen? Schließlich haben sie beide im Laufe ihrer Geschichte so ziemlich alles verraten, wofür sie einmal gegründet worden waren und standen. Da kann man sich auch mit Ausländerjägern zusammen tun.

Gesunder Geist in gesundem Körper (2)

Donnerstag, 26. Juli 2007

Auch das noch! Dieser Schlag! Der armen Tour de France bleibt aber auch nichts erspart: Jetzt ist Herr Rasmussen doch zum Rückzug bewegt worden. Dabei hätte er wahrhaft Sportgeschichte schreiben können: Nicht als Gewinner dank unsauberer Mittel – das wär ja nichts Besonderes. Nein, als erster, der Erster geworden wäre dank konsequenter Anwendung eines der wichtigsten Konzepte und Schlachtrufe unserer Zeit auch auf diesem Gebiet: “Da klag ich mich rein!”

Dit is Berlin (5)

Donnerstag, 26. Juli 2007

Nicht nur die Polizei, sondern alle Berliner sehen sich mit einem neuen Phänomen konfrontiert: Daß man beim Gehen wie beim Fahren mit den Augen stets am Boden kleben sollte, versteht sich von selbst, seit die von vielen seit langem befürchtete Verostung nirgends so rasant und umfassend voranschreitet wie beim Zustand der Straßen. Neu ist jedoch, daß man auf diesen nicht nur stolpern, sondern auch in ihnen versinken kann. In letzter Zeit wurden zunehmend Gullydeckel geklaut. Einfach so, natürlich ersatzlos, zurück blieb ein offenes Loch. Interessiert mir doch nisch, wenn da andre rinfallen! Tun.

Die eigentliche Pointe besteht jedoch natürlich nicht darin, daß derlei bislang zwar vornehmlich in den Außenbezirken beobachtet wurde, aber mit Sicherheit auch auf so Unheimlich-Dufte-Gegenden wie Prenzlauer Berg und Friedrichshain übergreifen wird, damit dann die Journalistenimitatoren von den Unheimlich-Dufte-Heftchen und den Unheimlich-Dufte-Sendungen, wie üblich munter voneinander abschreibend, den Gullydeckelklau zum neuesten urbanen Trend erklären, kulturell gewichtig, soziologisch signifikant und politischer Protest.

Die eigentliche Pointe ist, daß jeder dieser munter geklauten Gullydeckel rund vierzig Kilogramm wiegen und beim Schrotthändler die unglaubliche Summe von vier bis sechs Euro einbringen soll.

Als nächstes stiehlt der gemeine Berliner womöglich Gehwegplatten. Gesetzt den Fall, daß man für diese fünfzig Zentz (jawohl: Zentz!) einsacken könnte.

Gesunder Geist in gesundem Körper

Mittwoch, 25. Juli 2007

Schade, daß die Tour de France am Sonntag schon zu Ende geht. Jetzt wird der Zirkus ja doch noch recht unterhaltsam. Warum nicht einfach so lange weiterfahren, bis alle Teams bis auf eines wahlweise freiwillig oder auf mehr oder minder sanften Druck hin ausgestiegen sind? Wer aus dieser verbliebenen Mannschaft dann zum Sieger erklärt wird, wird durch Würfeln entschieden. Das wäre zumindest ein transparenteres und auch faireres Verfahren als – ach, was red ich: Als wenn Leistungssport etwas mit Fairness zu tun hätte!

Obwohl man die Hoffnung nie aufgeben soll: Heute ein Hauch von Journalismus in den Tagesthemen, als gezeigt wurde, wie vor zehn Jahren Jan Ullrich und Konsorten sich darüber empörten, daß man sie des Dopings verdächtigte und damit doch vom Sport abgelenkt habe.

Ach, ARD…

Montag, 23. Juli 2007

Eben noch konntest Du Dich gar nicht genug berauschen an Deinem Mut, Deiner Konsequenz, Deiner Rechtschaffenheit: Heldenhaft, ohne Rücksicht auf Verluste, Kritiker, Lobbyisten, die Live-Übertragungen von diesem Freiluft-Drogenzirkus gestrichen. Ein Zeichen gesetzt, jawoll! Die Moderatorin von “Fakt” war heute noch ganz angetan davon und tadelte die böse Bild-Zeitung wegen deren Inkonsequenz und Doppelzüngigkeit.

Hatte man die Dame noch nicht davon unterrichtet, daß Du, liebe ARD, schon wieder rückfällig geworden bist? Auch ein bißchen was von den Quoten abhaben willst, wo doch gerade am Vorabend, mit diesen ganzen Endlossoaps für kleine Mädchen, es fast so schlecht läuft wie am Nachmittag, mit diesen ganzen Endlossoaps für ältere Mädchen… Aber natürlich streng journalistisch. Na klar.

Es ist schon traurig, wenn die eigenen Vorurteile so schnell und vollständig bestätigt werden.

Touché

Sonntag, 22. Juli 2007

Auch DGB-Chef Sommer möchte nicht abseits stehen und distanziert sich schon mal von der Linkspartei. Danach zu urteilen, wie gewisse Parteien – allen voran jene, die diese trübsinnige Bundesregierung bilden – nun schon seit mehreren Wochen aufheulen und kläffen, muß nicht nur die Furcht vor der mal wieder umgemodelten Ex-SED sehr groß sein, sondern auch die dahinterstehende Ahnung, diese könnte sich für eine nennenswerte Zahl von Wählern als überaus attraktiv erweisen.

Noch tröstet sich ja die SPD damit, Bremen wäre nur ein Ausrutscher gewesen. Ich freue mich schon auf die Panik, die im nächsten Frühjahr ausbrechen dürfte, nach den Landtagswahlen in Niedersachsen und Hessen.

(Demnächst werden Wetten angenommen, wann der Problembär notgeschlachtet wird: Vor oder nach der nächsten Bundestagswahl.)

Qualitätsjournalismus

Samstag, 21. Juli 2007

Auch in der ARD kann ich wechselweise erfahren, die böse Lokführergewerkschaft fordere MINDESTENS 31 Prozent oder BIS ZU 31 Prozent Lohn.

Und dem Videotext des Senderverbundes darf ich entnehmen, Al Gore III sehe einem Prozeß wegen des Besitzes illegaler Medikamente entgegen. Aha, bei ihm wurden also Arzneimittel gefunden, die nicht zugelassen sind? Ich frage mich zwar, wo das Problem liegen soll, solange er das Zeug nicht weitergibt, sondern selbst nimmt, aber das ist natürlich die Position eines alten Europäers und keines Bewohners von Gottes gesegnetestem Land, wo es schon mal hier verboten ist, sonntags zu duschen, dort seine Frau mit einem Stock zu schlagen, der länger (oder kürzer?) als zweiunddreißig Zentimeter ist, und wo Amoklaufen und Tötung von Staats wegen an der Tagesordnung sind – und letzteres ja auch als völlig o.k. betrachtet wird, solange dabei bloß niemand schmutzige Wörter benutzt oder gar raucht. Wenn ich mich recht entsinne, liebe ARD, ging es allerdings nicht um illegale Medikamente, sondern um den illegalen Besitz von Medikamenten, und zwar durchaus zugelassenen. Aber so genau muß man das ja nicht nehmen.

In Deckung! oder: Try to remember the kind of September…

Freitag, 20. Juli 2007

Wenn man sich so anschaut, in welch zunehmend verzweifelter Lage sich die amerikanische Regierung befindet… Selbst die eigenen Parteifreunde vollführen Absetzbewegungen, die immer deutlicher den Eindruck von Panik vermitteln… Auch scheint sogar dem Durchschnittsamerikaner, dem man nun wirklich nicht zuviel zumuten (oder gar zutrauen) darf, in immer größerer Zahl langsam zu dämmern, daß sich das Irak-Abenteuer von George und seinen Kumpanen zu einem absoluten Desaster auswächst – für Amerika, aber leider auch für die gesamte westliche Welt.

Kann es da verwundern, daß Vertreter der US-Administration ihre lieben Untertanen, äh, Bürger, seit einiger Zeit seelisch auf einen nahenden neuen Monsteranschlag in Gottes angeblich ureigenstem Land vorbereiten? Man habe so ein schlechtes Gefühl, läßt man vielsagend verlauten. Und es mehrten sich Anzeichen, die Anlaß zur Besorgnis gäben. Womit nicht Umfragewerte und Aussichten für die persönliche Karriere gemeint sind.

Ach ja, wenn sich noch einmal alle so schön um den wackeren Herrn Präsidenten scharen und das Denken ausschalten würden…

Also, natürlich kann niemand irgendetwas wollen. Schon gar nicht unterstellen. Aber ich würde jetzt erst recht nicht nach Amerika fahren.

Da wächst zusammen, was zusammen gehört

Donnerstag, 19. Juli 2007

…und es fügt sich alles auf das Trefflichste: Die Sendung “Dürre Männlein, des Mißbrauchs und der Abhängigkeit von illegalen Substanzen stark verdächtig, strampeln stundenlang mit dünnen rasierten Beinchen durch stinklangweilige Landschaften und wir sollen uns das ansehen und bejubeln” jetzt zwischen schlampig getürkten Gerichtsshows, schnell heruntergekurbelten Krimis der billigsten Sorte und Brüllshows, bei denen ebensowenig echt ist (wie wir zu hoffen wagen). Ja, da hat Sat 1 weise entschieden: Dank der Tour de France ist das Programm bald aus einem Guß.

P.S.: Allerdings haben die Radsportfanatiker zu früh gejubelt, wenn sie ihr Menschenrecht auf Liveübertragung dieser zweifelhaften Veranstaltung nun durch den trüben Kommerzsender garantiert sahen. Der unterbricht die Ödnis des Radelns nämlich immer wieder mit zirka zehnminütigen Werbeblöcken. Du liebes Lieschen! Wo dieses Unterhaltungsereignis doch so waaahnsinnig aufregend ist! Nervenzerfetzend spannend. Ein dramatischer Moment an den anderen gereiht. Wie leicht könnte da gerade in der Reklamepause absolut Entscheidendes geschehen?!

P.P.S.: Apropos, Sat 1: Klar wart Ihr in arger Verlegenheit, buchstäblich von einem Tag auf den anderen Experten zusammenzukarren. Aber Mike Kluge hat nun wirklich keine Stimme, der man stundenlang zuhören möchte. Oder auch nur könnte.

Weltkulturerbe

Donnerstag, 19. Juli 2007

Dresden, Sachsen, Deutschland sind wieder einen Schritt weiter: Auf dem Weg zur mutmaßlich momentan monumentalsten Peinlichkeit in der internationalen Kulturszene, der Aberkenennung eines Welterbetitels.

Natürlich: Es geht nur darum, daß Recht Recht bleibt. Und deshalb können all die Behörden nicht anders handeln, deshalb können all die Gerichte nicht anders urteilen. Volksentscheid ist Volksentscheid.

Und da das Niveau im deutschen Journalismus ist, wie es ist, fragt natürlich niemand, was denn aus der glasklaren Ablehnung der Rechtschreibdeformation durch die Schleswig-Holsteiner geworden ist. Oder erkundigt sich mal in Hamburg-Altona, warum an der Stelle des Jugendstil-Bismarckbades jetzt ein großes Loch klafft, in das demnächst ein Parkhaus und irgendeine andere Erweiterung irgendeines Einkaufszentrums geklotzt wird, obwohl die Altonaer sich eindeutig dagegen ausgesprochen hatten. Von des Volkes Beschlüssen hinsichtlich des künftigen Hamburger Wahlrechts ganz zu schweigen.

Ja, Vox populi vox dei! Und unsere Politiker und Juristen halten sich stets daran und offenbaren nie – nicht – niemals von ihnen ansonsten völlig unbekannte Energie und Kreativität, wenn es darum geht, hier ein wenig zu biegen und dort ein wenig zu schieben… Wenn denn nur der Wille dazu vorhanden ist, der politische.

Und deshalb hoffe ich inständig, daß die UNESCO im Herbst ihre Drohung wahrmachen wird und Dresden samt Umgebung den Status aberkennen. Ich hoffe inständig, daß die Schande verheerend sein wird, Deutschland als Kulturnation für die nächsten Jahre diskreditiert, ohne jede Chance, irgendwelche neuen Objekte auf die Liste zu bekommen. Eines der reichsten Länder der Welt als eines der schlechtesten Vorbilder. Und auch manch Wehklagen der Dresdner wird fortan nicht mehr so recht ernstzunehmen sein. Läßt sich doch erahnen, was passiert wäre und noch immer passieren würde, wäre die Stadt unbeschadet durch den Zweiten Weltkrieg gekommen: Hier noch ein Parkhaus, dort noch ein Einkaufszentrum, die schöne neue Durchgangsstraße, man darf die Eigentümer nicht überfordern, wenn die Fassade erhalten bleibt, reicht das, man kann doch nicht alles zum Denkmal machen.

Welche Prioritäten die angeblich so kultursinnigen Bewohner der sächsischen Hauptstadt haben, haben sie schließlich hinreichend deutlich gemacht.