Archiv für Mai 2007

Ein Herz, das kann man nicht kaufen?? *

Sonntag, 27. Mai 2007

Nächsten Freitag, so melden die Medien, soll eine todkranke Niederländerin im nationalen Fernsehen entscheiden, wer von drei Bewerbern ihre Niere bekommt. Nein, noch besser: Die Zuschauer sollen dies entscheiden können.

Natürlich dient die Show einem guten, gar hehren Zweck: Sie soll auf den Mangel an Spenderorganen aufmerksam machen. Sagt der Sender.

Etwas enttäuscht bin ich jedoch, daß die Kandidaten die schöne Niere offenbar einfach so kriegen sollen. Ganz ohne Ratespiele, Große-Kästkes-in-kleine-Kästkes-Stapeln und Versuche, sich bei den Zuschauern einzuschleimen. Pardon: Sich als besonders sympathisch darzustellen. Und besonders hilfebedürftig, natürlich.

Eigentlich ein Skandal: Was ließe sich aus dieser Konstellation Feines machen! Über Wochen hinweg.

* Und für Peter Buchka: In der Organbank gibt’s womöglich auch Augen.

Starke Raucher tun mir leid oder: Ein Segen der Nannygesetzgebung

Samstag, 26. Mai 2007

Anläßlich der neuesten Nannygesetzgebung habe ich eben zum ersten Mal seit vier oder fünf Monaten geraucht – eine von Helmut Schmidts angeblicher Lieblingssorte.

Es war ein beeindruckendes Erlebnis, welches mir wieder einmal zeigte: Man sollte nicht so einfach, achtlos, eine Zigarette nach der nächsten wegqualmen. Weshalb man leider doch nicht bestreiten kann, daß das strikte, absolute, totale Rauchverbot dem Tabakgenuß überaus förderlich ist. Vielmehr sollte man öfter mal eine längere Rauchpause einlegen, nicht nur von Stunden, sondern auch von Tagen, Wochen, Monaten.

Denn die erste Zigarette danach, die schmeckt so phantastisch wie keine andere – ein unbeschreiblicher Genuß!

Pfui, Frau Merkel!

Donnerstag, 24. Mai 2007

Sie haben heute mal wieder eine Regierungserklärung abgegeben und sich damit leider völlig unglaubwürdig gemacht. Denn auch wenn Sie darin erzählten, wie gut und schön die Welt würde durch die G8 und ihre nur wenige Dutzend Millionen verschlingende Treffen (Peanuts!?) – wenn es Ihnen mit dem Klimaschutz wirklich ernst ist, dann sollten Sie nicht so für nüschtundwiedanüscht soviel heiße Luft produzieren.

Es war ja nicht alles schlecht!

Mittwoch, 23. Mai 2007

Warum bei Geruchsproben von Staatsfeinden stehenbleiben?

Herr Schäuble, als oberster Hüter unserer Verfassung – die zudem heute Geburtstag hat – sollte es geradezu ihre Pflicht sein, uns mit allen Mitteln gegen die bösen Terroristen zu verteidigen! Denn: DIE INTERNATIONALE LAGE NIMMT STÄNDIG ZU! Statt nur ein wenig zu schnüffeln – auf die eine oder andere Art -, unüberwindliche Zäume zu bauen (mit Selbstschußanlagen?), Schutzhaft zu verordnen und – äh – Auffanglager vorzubereiten, könnte man doch auch auf andere schöne Traditionen und erfolgreiche Verfahren zurückgreifen.

Wie wäre es etwa mit systematischer Zersetzung der Persönlichkeit von G-8-Gegnern?

Vielleicht ließe sich sogar manch Experten auf diesem Gebiet zur Mitwirkung gewinnen. Dann würde der seine üppige (Früh-) Rente wenigstens nicht für nichts bekommen.

Achtung, Oda-Gebbine Holze-Stäblein!

Mittwoch, 23. Mai 2007

Gestern in der RBB-Abendschau: Eine Sprecherin der Evangelischen G-8-Gegner namens Martina Wasserlos-Strunk.

Deutschland am Abend (3)

Dienstag, 22. Mai 2007

Gerate gerade bei Maischberger rein, wo es heute um das ehrenwerte älteste Gewerbe der Welt geht. Eine ältere Dame, rein zufällig mit Doppelnamen, klärt uns auf: “Ganzkörperbesamung – glauben Sie denn, daß irgendeine Frau das freiwillig macht?”

Ich kann das nicht beurteilen, denn ich kenne nicht alle Frauen. Ich kann mich allerdings wundern, daß diese Dame sich sofort danach darüber beklagte, daß Prostituierten ungeschützter Verkehr aufgezwungen würde.

Hm. Ja. Ganzkörperbesamung mit Kondom geht allerdings auch nur, wenn letzteres die Größe eines Plastiksacks besitzt. Andererseits ist die Infektionsgefahr natürlich relativ gering, wenn das Sperma –

Hallo, Frau Doppelname! Hier noch ein paar kleine Tips: Kinder bekommt man durchs Küssen (aber natürlich nur, wenn man verheiratet ist), das weibliche Sexualorgan ist der Bauchnabel, der Stich eines männlichen Pipirüssels – insbesondere wenn dieser aufgebläht ist – ist tödlich und Oralverkehr schon deshalb abzulehnen, weil dadurch eine Magenschwangerschaft entstehen könnte. Und die Frau dann platzt. Oder, igitt, der Mann.

Und dann noch so ein Herr von der CDU, Super-Uschis Staatssekretär. Na ja, was der so erzählt. Und was manch redlicher Bürger dann so macht…

Es ist alles so wunderbar

Freitag, 18. Mai 2007

Die Berliner IHK wird zitiert, die neuen Ladenöffnungszeiten wären ja sowas von ein voller Erfolg. Begeistert und dankbar hätten die Insassen von Berlin – Hauptstadt der BRD wie ihre Gäste das nunmehr erreichte Weltniveau angenommen und würden shoppen bis die Kreditkarte eingezogen wird.

Die bloße Reproduktion von Pressemitteilungen ist es, dies einfach nachzuplappern. Journalismus wäre es, diese Verlautbarung zu ergänzen durch jene, die erst vor einigen Tagen die Runde machte: Der örtliche Einzelhandelsverband hatte mitgeteilt, daß viele Geschäfte nach einer kurzen Versuchsphase wieder zu ihren alten Öffnungszeiten zurückgekehrt wären und spätestens um zwanzig Uhr schlössen. Von den Warenhäusern des Karstadt-Konzerns hätten länger nur noch Wertheim am Kurfürstendamm und das KaDeWe geöffnet. Letzteres allerdings nur am Freitag. Will meinen: Selbst samstags hält man es dort nicht für lohnend, bis 22 Uhr zu gewährleisten, was dem Medienrauschen nach mittlerweile grundgesetzlich garantiert scheint: das Menschenrecht auf möglichst unbegrenztes Einkaufen.

Aber natürlich kennt sich so ein Einzelhandelsverband mit den Verhältnissen im Einzelhandel bei weitem nicht so gut aus wie so eine IHK. Sonst könnte man auch mal fragen, warum die längeren Öffnungszeiten offenkundig ein solcher ökonomischer Reinfall waren, daß selbst in der City kaum ein Geschäft sie wenigstens den Sommer über beibehalten wollte.

Doch das würde in Journalismus ausarten. Und daß es den immer weniger gibt, dafür immer mehr die bloße Reproduktion von Pressemitteilungen und Wohlfühlblabla, hat sich längst nachhaltig auf die Anzahl meiner Zeitungsladenbesuche ausgewirkt.

Deshalb brauchte es das Ermächtigungsgesetz, äh, den Patriot Act

Donnerstag, 17. Mai 2007

Der ausrangierte US-Botschafter John Bolton soll einen frechen BBC-Interviewer, der es allen Ernstes wagte, am Gottesgnadentum, der historischen Mission und der Unfehlbarkeit der gegenwärtigen US-Regierung zu zweifeln, “linksradikal”, “unamerikanisch” und “einen Totengräber” mit “leerem Gehirn” genannt haben. Ich mag dies kaum glauben. Sollte er wirklich vergessen haben “Schwuler”, “Kommunist”, “Atheist” und “Raucher”?

Prinz Harry nicht in den Irak

Donnerstag, 17. Mai 2007

Wie sich die Zeiten ändern: Führte man nicht früher Kriege nicht zuletzt deshalb, um überflüssige männliche Adelige elegant – und manchmal sogar gewinnbringend – zu entsorgen?

Unbegrenzte

Mittwoch, 16. Mai 2007

In den USA hat ein zehn Monate altes Kind eine Waffenlizenz erhalten. Denn Ordnung muß sein: Ihm war ja schon eine Schrotflinte geschenkt worden. Die größer ist als es selbst. Allerdings soll es diese erst an seinem vierzehnten Geburtstag benutzen dürfen. Frühestens. Wie beruhigend.

Zugetragen habe sich das alles, so die Meldung weiter, auch noch in Chicago.

Ich weiß nicht: Solche Nachrichten passen so gut auf europäische Vorstellungen von den USA – zumal die Abneigung gegen dieses Land dank George W. und Konsorten auch hier sprunghaft angestiegen ist. Erfahren die Amis auch dauernd aus ihren Medien, daß man im sündhaften Europa außerehelichen Sex – womöglich mit Kondomen! – haben darf? Und dabei sogar rauchen. Oder daß Atheisten hier nicht hingerichtet werden?

Apropos: Wundern würde es mich natürlich nicht, wenn wir als nächstes hören könnten – und dies auch noch stimmte: Zehn Monate altes Baby in den USA wegen sexueller Belästigung angeklagt (Grundlage ist eine Anzeige der Mutter, die schwer traumatisiert ist, seitdem das Baby einmal ihre Brüste berührt hat). Zehn Monate altes Baby in den USA zum Tode verurteilt. Zehn Monate altes Baby in den USA hingerichtet.

Ein Fernbahntunnel und ein neuer Hauptbahnhof für Hamburg!

Mittwoch, 16. Mai 2007

Die Deutsche Bahn AG vermeldet eine enorme Steigerung der Fahrgastzahlen auf der Verbindung Berlin-Hamburg. Ist dafür vor allem der jüngste Ausbau dieser Strecke verantwortlich, der die Fahrtzeiten endlich deutlich verkürzt hat? Zumindest wenn man nach dem geht, was die Medien verbreiten, kaum. Wesentlichster Faktor dafür scheint das Mehdorn-Mausoleum zu sein, pardon: der neue Lehrter, ach: Hauptstadt-Hauptbahnhof mit Weltniveau! Der phantastische Nord-Süd-Tunnel, durch dessen vier Röhren im Schnitt weniger Züge fahren als über die Hauptstrecke der Bielefelder U-Bahn!! Überhaupt: die gesamte neue Infrastruktur mit neuen Stationen für den Fern- und Regionalverkehr – wie Gesundbrunnen oder Lichterfelde Ost!!!

Klar: Für den Hamburg-Reisenden ist es ja auch von unermeßlichem Vorteil, wenn er nicht mehr an einem so schlecht angebundenen, abgelegenen Bahnhof wie Zoo seinen Zug besteigen oder verlassen muß, sondern dies am Lehrter Bahnhof tun kann, wo das Leben wahrlich tobt (und zwar nicht nur, wenn selbiges auch der Wind tut). Oder am Südkreuz, dem nach Bahnplänen “zweitwichtigsten Berliner Fernbahnhof”, dem nun wirklich niemand unterstellen kann, daß er die schläfrige Atmosphäre eines Kleinstadthalts ausstrahlt – denn hier gibt es noch Fahrkartenschalter. Und einige Läden halten tapfer durch, in der zunehmend verzweifelten Hoffnung, irgendwann könnten doch noch die von den Experten prognostizierten Kundenströme heranbrausen.

Ja, deshalb sind die Fahrgastzahlen gestiegen. Und damit sie dies weiterhin tun, ins Unermeßliche, muß – der DB-AG-Logik folgend – in nächster Zukunft unbedingt ein Fernbahntunnel durch Hamburg gebohrt werden. Natürlich viergleisig. Mit einem neuen Hauptbahnhof in, sagen wir mal, Wilhelmsburg. Oder Bergedorf. Was sogar näher an Berlin wäre, wodurch sich die Fahrtzeiten zwangsläufig verkürzen könnten. Und wer nach Hamburg fährt, der will doch in aller Regel nach Bergedorf!

Big Brother is talking to you

Dienstag, 15. Mai 2007

In “Plusminus” gerade ein lustiger Bericht über Guerilla-Marketing und daß dieses inzwischen auch von großen Firmen angewendet wird – die paar Geldbußen hier und da werden natürlich von vornherein in das Budget einkalkuliert.

“Damit sind diese Unternehmen ja ein schlechtes Vorbild”, schimpft irgendein Herr.

Ja, sicher – wenn ich gute Vorbilder, insbesondere für Moral, suche, dann wende ich mich an Großkonzerne.

Und in Sachen Wirtschaft lasse ich mich von Kommunisten beraten, für Toleranz suche ich Hilfe bei der NPD, Rationalismus erklärt mir die katholische Kirche usw.

Von größter geistiger Klarheit die Antwort zweier Sprayer, die mit dem Verteilen der Werbebotschaften des Großkapitals beauftragt worden waren (natürlich indirekt): “Wird ja bezahlt!”

Noch schöner kann man ein Grundprinzip des Kapitalismus nicht erfassen: Wenn etwas einen ökonomischen, also Marktwert hat, kann es nicht falsch sein.

Witzbolde

Montag, 14. Mai 2007

Ein Vertreter der Gewerkschaft Verdi meint, durch den Streik könne es jetzt schon mal etwas länger dauern, wenn jemand einen Anschluß bei der Telekom beantragen wolle.

Der Telekom-Chef meint, die Prämien, welche man Arbeitswilligen zahle, seien nicht für den Streikbruch, sondern für die Mehrbelastung – schließlich müsse es bei der Entlohnung gerecht zugehen.

Schön, daß sich auch mitten im heftigen Arbeitskampf beide Seiten ihren Sinn für Humor bewahrt haben.

Sozialistischer Gang (3)

Sonntag, 13. Mai 2007

Nach Ansicht der FDP, die es ja auch noch gibt, ist am bemerkenswerten Abschneiden der PDS (Herr Bartsch, es ist mir egal, wie sich Ihre Partei diese Woche nennt!) die CDU schuld. Weil sie in letzter Zeit so eine “linke” Politik mache.

Das ist natürlich einleuchtend: Wenn mir die Politik der CDU zu links ist, dann wähle ich statt CDU fortan PDS.

Ich verweise auf den Titel dieses Blogs.

Sozialistischer Gang (2)

Sonntag, 13. Mai 2007

Man muß sich das wirklich mal anhören: Daß sich der abgewatschte Bürgermeister mit dem zweitschlechtesten Ergebnis seiner Partei seit 1946 zum Sieger erklärt – gut, diese Form von Realitätsverlust (es wird doch niemand schamloses Lügen unterstellen wollen) kennen wir ja. Aber wirklich lustig der Spitzenkandidat von der CDU: Seine Partei habe so schlecht abgeschnitten, weil sich die SPD nicht auf eine Fortsetzung der Großen Koalition habe festlegen wollen.

Hä?

Wenn ich möchte, daß die CDU weiter im Senat sitzt, dann wähle ich doch nicht Grüne oder PDS.

Das ist vermutlich fortgeschrittene Dialektik. Gut, daß derlei Denken auch bei der CDU längst angekommen ist. Oder daß die Herrschaften dort völlig den Kontakt zur Wirklichkeit verloren haben.

Aber letzteres ist ja nichts Neues.