Archiv für Februar 2007

Die Raucher sind unser Unglück!

Montag, 19. Februar 2007

Erschreckendes Ergebnis einer Studie (wissenschaftlich!) des Landesamtes für Volksgesundheit und universale Sicherheit: In Diskotheken wird Alkohol konsumiert! Der zuständige Minister sprach von wahren Brutstätten der Lust und der Leberzirrhose, mit denen aufgeräumt werden müsse (ausräuchern geht ja nicht mehr).

Zum Tode von Herbert Reinecker

Samstag, 17. Februar 2007

?Er ist tot.?
?Er ist ? er ist tot, sagen Sie??
?Ja, er ist tot.?
?Aber wie, aber was ? Ist er denn einfach so gestorben??
?Ja, er ist einfach so gestorben.?
?Aber man kann doch nicht einfach so sterben. Ich frage Sie: Kann man denn einfach so sterben, einfach so??
?Tja, offenkundig kann man das.?
?Das ist ja, das ist ja unfaßbar! Aber ich habe das kommen sehen. Immer habe ich das kommen sehen. Habe ich nicht immer gesagt, daß ich das kommen sehe, Mathilde??
?Ja, das hast du immer gesagt.?
?Immer habe gesagt: So wird es einmal kommen. Eines Tages, da wird er einfach so sterben, das wirst du sehen, Mathilde. Einfach so, obwohl man das doch eigentlich nicht kann. Das habe ich doch gesagt, Mathilde? Du kannst es doch bestätigen? Sie kann es Ihnen bestätigen.?
?Ja, das hast du gesagt.?
?Ich habe ihn auch einmal gefragt: Kannst du denn einfach so sterben, habe ich ihn gefragt, kannst du das? Und wissen Sie, was er darauf geantwortet hat??
?Nein.?
?Ja, hat er gesagt. Ja, ich kann das ? einfach so sterben. Das müssen Sie sich einmal vorstellen. Können Sie sich das vorstellen? Ich hab zu ihm gesagt: So einfach kann man doch nicht sterben. Das geht doch nicht. Aber dann geht dieser Mensch, da geht dieser Mensch hin und geht einfach so dahin. Einfach so, stellen Sie sich das vor. Hab ich das nicht gesagt??
?Ja, das hast du gesagt.?
?Und nun ist er tot, sagen Sie??
?Ja, nun ist er tot.?

Uschis Welt

Donnerstag, 15. Februar 2007

Eine Szene aus dem Paralleluniversum

Zwei Jugendliche erwägen den Kauf eines Videospiels.
?Du, guck mal, das neue Spiel hier.?
?Ui, das ist ja toll, das holen wir uns.?
?Au ja, das macht bestimmt ganz doll Spaß.?
?Ach nee, geht ja nicht.?
?Wieso??
?Ist erst ab achtzehn.?
?Ach so. Na schade, dann müssen wir eben noch warten, bis wir volljährig sind.?
?Ja, sicher. Vorher kommen wir da ja auch nicht ran.?

Irgendwie faschistisch

Dienstag, 13. Februar 2007

Von Herrn Spielleiter Thomas Ostermeier vernehmen wir in der ?Siegessäule? (Ausgabe 2/07):
?Wertediskussion, Comeback der Familie, Diskussion um einen starken Staat oder eine liberalisierte Wirtschaft (…) Im Zuge des Roll-back ? schwuler Bürgermeister hin oder her ? kommt auch wieder eine gewisse Neigung, homosexuelles Leben zurückzudrängen.?
Oh ja, wenn man 2007 mit 1997 vergleicht. Oder mit 1987. Gar mit 1977: Permanent ist homosexuelles Leben aus der deutschen Öffentlichkeit zurückgedrängt worden. Besonders eklatant in den letzten Jahren. Offene Diskriminierung allerorten. Hunderttausende zum Versteckspiel gezwungen. Prominente, von denen ES bekannt wird, läßt man nicht mal mehr einen Supermarkt eröffnen.
Und dann das arge Roll-back ? fast könnte man schon von einer geistig-moralischen Erneuerung sprechen. Der Wende! Bedenkt man bloß, wie es in den Siebzigern oder Achtzigern zuging. Und nun ? das Comeback der Familie. Weshalb die Bundesfamilienministerin (natürlich von der militant konservativen CDU) mal eben zwei, drei Milliarden zur Einrichtung von Kinderkrippen haben will. Kinderkrippen! Nichts ist typischer für konservative Familienpolitik. Und dazu noch Ganztagsschulen. Damit Mutti ihren schweren Alltag überhaupt noch bewältigen kann: Fünf, sechs Kinder bereits vor dem dreißigsten Geburtstag, das nächste immer schon im Bauch, keine elektrischen Geräte, keine Fertigprodukte, keine Unterstützung vom Staat, und dann muß sie auch noch täglich das Heim neu dekorieren, Kerzen aufstellen und Apfelkuchen backen, damit der Gatte (staatlich garantierter fester Arbeitsplatz für fünfzig Jahre, Ortswechsel absolut ausgeschlossen) sich wohlfühlt. Obwohl Scheidung so gut wie unmöglich ist. Und ledige Mütter des Landes verwiesen werden. Es sei denn, sie lassen sich vom starken Staat (üblicherweise gepaart mit einer liberalisierten Wirtschaft) zwangsverheiraten. Die Kleinfamilie, das klassische Lebensmodell, von immer mehr Menschen in Deutschland gewählt. Wenn auch nur widerwillig, da aufgezwungen.
Ist schon hart, in was für einer konservativ dominierten Welt wir leben. Weshalb auch Theatermacher, die das ansprechen und gar kritisieren, nicht mit Abermillionen Steuergeldern versorgt werden.

Diktatur des Proletariats

Donnerstag, 1. Februar 2007

Am Dienstag in der Abendschau Dieter Kosslick, der die von ihm verantwortete Berlinale erklärt. Deren Vorbereitung ihn offenbar so in Anspruch nimmt, daß er es bis abends um halb acht nicht geschafft hat, sich nach dem Joggen umzuziehen. Oder warum war er ins Studio gekommen und vor die Kamera getreten in einer Art saugfähigem Trainingsjäckchen samt Kapuze (in dessen Angesicht uns wieder einmal ein- und auffiel, wie dankbar wir sein können, daß es noch kein Geruchsfernsehen gibt)? Wir haben uns ja schon daran gewöhnt, daß Politiker immer häufiger ohne Krawatte auftreten, und selbst in Kultursendungen pflegt man mittlerweile einen zunehmend lockeren Kleidungsstil. Wenn die ? sich offenbar beschleunigende ? Entwicklung der letzten vierzig Jahre so weitergeht (welche ja auch die Berlinale aus eleganten Filmpalästen der Innenstadt in die – teils unterirdischen – Abspielkästen einer Betoninsel mit integriertem Shoppingcenter befördert hat), dann sitzt so ein Kulturverwalter bald auf einer abgeranzten Couch mit einer Dose Bier in der Hand, während ihn der ebenfalls in einem Ballonseideanzug gekleidete Gastgeber anspricht: ?Ey, sach ma, Alta, watt habt ihr denn dies Jahr für Fülme?? Woraufhin der Befragte erst einmal rülpst.

Ein Glück, daß wir in Deutschland ? per Parteibeschluß ? keine Unterschicht besitzen. Und ein Glück, daß diese nicht jene Schicht ist, die in der Alltagskultur den Ton angibt und als Vorbild fungiert.