Archiv für Januar 2007

Christlich und sozial

Montag, 29. Januar 2007

Volker Kauder hat sich erneut gegen die Einführung eines generellen Mindestlohns gewandt, wie er beispielsweise in so linksradikal regierten Staaten wie Österreich oder den USA existiert bzw. geplant ist. Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion findet Stundenlöhne von zwei Euro nicht problematisch. Man sollte Verständnis mit ihm haben: Aus seiner eigenen Lebenserfahrung heraus kann er sich einfach nicht vorstellen, daß es Arbeit gibt, die zwei Euro in der Stunde wert ist.

Herzlichen Glückwunsch, Petra Roth!

Montag, 29. Januar 2007

Mit 60,5 Prozent der abgegebenen Stimmen wurden Sie zur Oberbürgermeisterin von Frankfurt am Main wiedergewählt. Bei einer Wahlbeteiligung von 33,6 Prozent entspricht dies 19,96 Prozent der Stimmberechtigten. Welch überzeugender Vertrauensbeweis!

Barack Obama

Donnerstag, 25. Januar 2007

Und selbst wenn er wider alle Wahrscheinlichkeit und folglich Erwartung Präsident werden sollte – der alte Europäer weiß doch schon jetzt, daß man sich spätestens 2012 fragen würde: Warum hat es nicht geklappt? Was lief falsch? Woher diese dürftige Bilanz? Es hatte so schön begonnen, mit solch Hoffnungen und soviel Zuversicht. Und dann ist praktisch nur scheiße dabei herausgekommen. Irgendwie.

Es war nicht alles schlecht oder: Herzlichen Glückwunsch, Herr Mehdorn!

Sonntag, 21. Januar 2007

Früher, ja früher, da wurde man aus der Stadt gejagt und nach Hinterpommern strafversetzt, wenn man sich sowas geleistet hatte. Da entschied der Potentat einfach, wer die Verantwortung trägt. Zum Beispiel wenn man als Sparmaßnahme, um den billigen Tand, den man zusammenkloppen läßt, noch billiger zu machen, beschließt, rein ornamentale Stahlprofile ins rein dekorative Raster nur einzuhängen, statt sie ordentlich zu befestigen. Woraufhin sie vom ersten Sturm prompt rausgehoben werden. Aber in der Wischi-Waschi-Gremienrepublik ist ja glücklicherweise nie feststellbar, wer eigentlich wofür Verantwortung trägt. Zur Not handelt es sich eben um höhere Gewalt. Und man darf auf seinem hochdotierten Posten weiterwurschteln, wie sehr man auch versagt und seinen Arbeitgeber der Lächerlichkeit preisgegeben haben mag.

Einstürzende Neubauten (2)

Samstag, 20. Januar 2007

Es wird immer besser: Jetzt soll Börlinn Ssentrell S-teyschn immer geschlossen werden, wenn der Wind Stärke 8 erreicht.

Ja.

Und da dachte man schon, die Nummer von vor ein paar Jahren, als die Bahn haufenweise Zugverspätungen und -ausfälle mit nassem Laub (überraschenderweise gehäuft auftretend im Herbst) begründete, wäre nicht mehr zu übertreffen.

Was soll man da noch sagen? Nieten in Nadelstreifen? Nein, einfach: Deutschland am Abend. Und zwar so spät, daß der güldene Glanz, den die untergehende Sonne wirft und der zu Fehlschlüssen verleiten kann über das Stadium, in dem sich eine Kultur befindet, auch schon erloschen ist.

Chapeau (3)

Samstag, 20. Januar 2007

Die vielleicht bemerkenswerteste Meldung (welche, was Wunder, kaum beachtet worden ist): Derweil der künftige bayerische Ministerpräsident und andere Herrschaften, die darauf zu vertrauen scheinen, daß die umfassenden Versuche der Volksverblödung von großem Erfolg gekrönt wurden, herumquaken, man sollte schlimme Computerspiele verbieten, und zwar im gesamten Europäischen Reich, bemerkte die Bundesjustizministerin dazu: Das könne man ja gerne tun, nur nutze es leider rein gar nichts.

Wie? Was?

Soviel Realitätsbezug bei einem hochrangigen Politiker ist ja geradezu verstörend.

Was kommt als nächstes? Minister und Abgeordnete, die ihre E-Mails selbst öffnen können?

Einstürzende Neubauten

Freitag, 19. Januar 2007

Wir wissen immer noch nicht, was das Ding gekostet hat. Wir wissen insbesondere auch nicht, was es gekostet hätte, wenn man es vollständig gebaut hätte. Wir wissen schon gar nicht, was es uns noch kosten wird. Aber wenigstens hat es kein Menschenleben gekostet. Denn was wir jetzt wissen: Ein Sturm, und Mehdorns Monument muß evakuiert werden. Wegen Einsturzgefahr. Da möchte man sich endgültig nicht mehr vorstellen, was passierte, kämen böse Gestalten auf schlimme Gedanken.

Chapeau (2)

Freitag, 19. Januar 2007

Erst schaffen wir es mit einer dieser Umfragen, bei denen zufällig immer genau das herauskommt, was man … , in die Nachrichten: “Mehrheit der Deutschen gegen schnellen Atomausstieg!” Und dann fragt das bekannte Revolverblatt: “Wie sicher sind unsere Windräder?” Voll Panik vor dieser tödlichen Gefahr, wage ich gar nicht, mich auch morgen zu bilden. Denn dann könnte ich vermutlich lesen: “Sonnenkollektoren machen Krebs!” (Zumindest wenn sie aus der Ostzone kommen.)

Chapeau

Mittwoch, 17. Januar 2007

Da wechselt ein bei einem internationalen Spitzenverein ausrangierter Fußballspieler in die USA, zu einem Team, von dem vermutlich noch nicht mal die meisten Amis (die sich ja ohnehin nicht für Fußball interessieren) gehört haben, und wir hören: Er geht nach Hollywood! Ja, hm, irgendwie schon, da das ja in Los Angeles liegt. Genauso gut könnte ich….

Dazu seine Frau, eine in zweierlei Hinsicht bemerkenswerte Erscheinung (nein, natürlich nicht wegen möglicher Magersucht, das gehört in gewissen Kreisen ja zum allgemeinen Krankheitsbild): Erstens ist sie in den letzten Jahren eigentlich nur dadurch in Erscheinung getreten, daß sie Männes Geld zum Fernster hinausgeworfen hat, selbst sich ebenso wie dieser vor allem als Modepüppchen zu verdingen, hat ja nicht mehr richtig geklappt, und dies obwohl, zweitens, bei dem Paar mal kein nennenswertes Intelligenzgefälle zwischen Spieler und Spielerfrau feststellbar scheint.

Nun befindet sich Amerika im “Fieber”. Wir wünschen gute Besserung. Und vor allem schnelle.

Als Fußballer in den USA seine Karriere zu beenden ist ungefähr so, als würde ein Schauspieler die Mitwirkung in einem deutschen Kunstkrampffilm als Höhepunkt seiner Karriere verkaufen. Daß dies gelungen ist, davor muß man wirklich den Hut ziehen! Dazu gehört schon was, aus einer solchen Kacke soviel Gold zu machen. Auch wenn der Deivel immer auf den größten Haufen scheißt. Und die größten Kartoffeln bekanntlich…

Balla balla

Mittwoch, 3. Januar 2007

Neues aus der Spätzeit der Bundesrepublik: Der Herr Bundesinnenminister hat mal wieder eine tolle Idee, wie der schlimme, schlimme Terrorismus bekämpft werden kann: Entführte Flugzeuge werden einfach zu im Anflug befindlichen Atomraketen erklärt. Und – piff paff, ja, wir lieben unsere Bundeswehr, die so tapfer unsere Freiheit verteidigt in Gebieten, wo deutsche Soldaten noch nie hingekommen sind! – abgeschossen. Das ist zwar schon einmal, und vor gar nicht langer Zeit, vom Verfassungsgericht für total verfassungswidrig erklärt worden. Aber der Herr Bundesinnenminister ist ja nur jener Minister, der auch für die Verfassung zuständig ist. Und für deren Verteidigung gegen böse Feinde. Außer natürlich sie sitzen in…

Zumindest kann wirklich niemand behaupten, die Große Koalition brächte nicht bemerkenswerte Fortschritte: Früher wurden Gesetze nur öfter mal für verfassungswidrig befunden. Heute sind sie dies immer häufiger so offenkundig, daß sie der Bundespräsident erst gar nicht unterschreiben will.

(Kleiner Tip, Herr Schäuble: Wie wäre es denn mit der Einführung der Todesstrafe für regierungskritische Äußerungen? Oder wenigstens so ein bißchen Folter? Es war ja nicht alles schlecht. Was die Amerikaner getan haben.)

Wer weiterraucht, wird erschossen!

Dienstag, 2. Januar 2007

“Klar ist jedenfalls, daß fast nirgendwo mehr geraucht werden darf”, verkündete, sinngemäß, gestern die Gesundheítssenatorinimitatorin in der Abendschau, nach ihren Vorhaben für das neue Jahr befragt.

Bravo, Frau – wie auch immer ihr Name sein mag (vergeben Sie mir, daß ich keine Zeit und Mühe mehr darauf verschwenden möchte, mir zu merken, wie die drittklassigen Politikerdarsteller heißen, die uns tagein, tagaus mit absurdem Theater zu unterhalten versuchen)! Es ist immer schön zu erleben, wie jemand ganz in seinem Element ist und tut, was er am besten kann. Und womit würde sich die SED (oder wie sie sich dies Jahr gerade nennt) besser auskennen als mit Verboten?

(Höchstens damit, wie man die Bevormundung durchsetzt. Gewaltsam. – Freuen Sie sich darauf, werter Bürger, wenn Ihre Wohnungstür aufgebrochen wird durch Organe des Ministeriums für Lungensicherheit.)

Willkommen im 21. Jahrhundert

Montag, 1. Januar 2007

In der Aktuellen Kamera heute ein adretter Journalistenimitator, der sich ehrlich erschüttert zeigte: Da gibt es Leute, die filmen dieses oder jenes mit ihrem Mobiltelephon, stellen es ins Netz, und schon spricht die ganze Welt darüber, weil es in der ganzen Welt zu sehen ist. Unfaßbar. Und alles vorbei an den Journalisten. Und deren Ethos. Äh – heißen muß es natürlich “Ethos”.

Ja, was ist das nur für eine Welt geworden, wo immer mehr Menschen einfach so veröffentlichen können, was immer sie wollen! Vorbei an den Zensurinstanzen von Politik und Großkapital. Pardon: Dem Ethos. Von Journalisten. Deren wichtigste Handlungsmaxime natürlich nicht ist, möglichst perfekt den Interessen ihrer Vorgesetzten in Gremien, in Regierungen, in Parlamenten, in Anzeigenabteilungen, in Geschäftsführungen zu dienen. Und ihrer eigenen Karriere sowie ihren persönlichen Neurosen.